Bea:

Weißt du, was wirklich inakzeptabel ist? Dass Schokolade dick macht. Ich hab meinen Anteil gegessen, und rate mal?

Albert:

Ich dachte, du würdest es nie erraten – mein Favorit ist heiße Schokolade.

Bea:

Ach Albert, deine Romantik ist wirklich... süßlich bitter. So wie diese dunkle Schweizer Schokolade – kommt aus Europa, Frankreich, weißt du? Sie nennen sie „bittersüß“. Schmilzt auf der Zunge.

Albert:

Das erinnert mich an Forrest Gump. „Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen – man weiß nie, was man kriegt.“ Vielleicht ist deins gerade Nougat mit einer Prise Zynismus.

Bea:

Oder Augustus-Gloop-Geschmack mit Erdbeerüberzug und Fudgekern. Kannst du dir das vorstellen? Igitt. Niemand würde das kaufen.

Albert:

Obwohl... Schokolade ist doch auch das Symbol der Liebe. Und Sünde. Und Reue. Und Heißhunger.

Bea:

Du meinst nicht etwa diese kleinen, unschuldigen Schokoladenmuscheln? Ich dachte, ach, nur ein kleiner Bissen... was kann schon passieren? Und dann: reich, sündhaft...

Bea:

...und plötzlich stehen wir vor der Dessertkarte: Mississippi Mud, Chocolate Eruption – und was noch? Ein kulinarischer Lavaausbruch?

Albert:

Warte nur ab. Gleich kommt der Nachtisch der Apokalypse: S’mores. Der größte kulinarische Angriff auf den menschlichen Gaumen. Schokolade, die nicht weiß, wo sie herkommt, Zuckerwasser in Gelform, gefangen in einem Cracker aus der Hölle. Und doch denken wir dabei an Kindheit.

Bea:

Eltern. Lagerfeuer. Und wie alles, was wir nostalgisch verklären – es braucht nur eines, um daraus Magie zu machen.

Albert:

Feuer.

Bea:

Feuer. Nach der Schokolade summt da schon wieder ein blöder Moskito um mein Ohr.

Albert:

Das gibt es an den meisten Orten. Nur die weiblichen Moskitos stechen, richtig?

Bea:

Nur die weiblichen Moskitos saugen Blut. Und die anderen lassen einen in Ruhe. Man kann sie wenigstens mit Zucker anlocken, oder?

Albert:

Ja, lass einfach ein Glas auf dem Boden stehen. Mein Onkel wurde viermal vom Blitz getroffen. Einmal hat er bei einer Party Kabel an seine Ohrläppchen geklemmt und einen Volkswagen gestartet. Im Sommer benutzen wir ihn als lebende Mückenfalle. Meist steckt er kniehoch in toten Moskitos.

Bea:

Ich frage mich, wie man die kleinen Biester überhaupt loswird.

Albert:

Schieße nicht mit einer Kanone auf eine Mücke. Konfuzius.

Bea:

Wenn man auf einer Insel ist?

Albert:

Es ist schön, wenn es dir passiert. Du kommst auf die Insel, hast Urlaub. Die Sonne hat dich nicht rot verbrannt, nur braun. Du schläfst und keine Mücke hat dich gestochen. Aber die Wahrheit ist, es wird passieren, wenn du lange genug bleibst. Also nimm das schöne Bild, das du im Kopf hast, mit nach Hause, aber lass dich nicht täuschen. Wir sind hier meistens auch einsam. Wenn wir Glück haben, haben wir vielleicht schöne Bilder, die wir mitnehmen können.

Bea:

Und wenn man auf einer unkartierten Insel ist, ohne Schutz?

Albert:

Eine unkartierte Insel? Lass mich aufzählen, wie du dort sterben wirst. Regen, Hitze, Schlamm, krankheitsübertragende Fliegen und Moskitos. Klar, man könnte Atabrin gegen Malaria nehmen… aber was ist mit den anderen Bakterien? Und wir haben noch gar nicht angefangen über die Dinge, die dich lebendig fressen wollen.

Bea:

Das klingt, als wären Moskitos nur der Anfang eines ganzen Albtraums.

Albert:

Du denkst, Moskitos seien schlimm? Das ist nur der Anfang. Ich habe Dinge gesehen, die du nur in deinen Albträumen gesehen hast. Dinge, die du dir nicht einmal vorstellen kannst. Dinge, die du nicht einmal siehst. Es gibt Wesen, die dich nachts jagen. Dann schreit etwas. Dann hörst du, wie sie fressen, und hoffst zu Gott, dass du nicht das Dessert bist. Angst? Du weißt gar nicht, was Angst ist. Fünf Minuten ohne mich würdest du nicht überleben.

Bea:

Schokolade speichert keine Wärme. Sie schmilzt bei Körperkontakt, aber das zählt nicht. Wärmflaschen sind ehrlicher. Die pfeifen, wenn du sie zu fest zudrehst. Und Heizungen – Heizungen lügen nie. Entweder sie laufen oder sie klacken beleidigt im Rohr.

Albert:

Ich hatte mal eine, die hat monatelang geheizt, obwohl ich nicht zuhause war. Sie war auf „Frostschutz“, aber das war wohl ihr Stolz. Oder ihr Trotz.

Bea:

Kenn ich. In meiner alten Wohnung hat der Heizkörper im Bad geröchelt wie ein alter Mann mit Bronchitis. Morgens um sechs. Ich dachte manchmal, er will mir was sagen. Wahrscheinlich sowas wie: „Zieh Socken an, du Narr.“

Albert:

Meine Heizung war beleidigt, wenn ich gekocht hab. Sobald der Ofen lief, ist sie in den Streik getreten. Passiv-aggressiv, wie ein Kind, das beim Brettspiel verliert und dann heimlich ein Teil vom Spielfeld klaut.

Bea:

Ich hab mal den Thermostat um einen halben Millimeter verstellt, nur um zu sehen, ob jemand reagiert. Nein, niemand hat’s bemerkt. Ich fühlte mich wie eine Revolutionärin mit Handschuhen.

Albert:

Was war das Ziel?

Bea:

Kontrolle. Und ein Grad mehr beim Zähneputzen.

Albert:

Ein System mit dicker Decke, Wärmflasche und Radiogeräusch auf Zimmerlautstärke – das hat uns früher gewärmt. Aber auf so eine Art, wie Milch warm wird, wenn man sie zu lange stehen lässt. Irgendwann kippt’s.

Bea:

Heizung ist ja nicht gleich Wärme. Es gibt ja auch diese Gasgeräte, die wie Liebe funktionieren: am Anfang heiß, dann rußig, und am Ende hat man Kopfweh.

Albert:

Im nächsten Winter steht man wieder davor, dreht langsam auf und hofft, dass es dieses Mal gleichmäßig wird. Kein Klopfen, kein Zischen, kein falscher Alarm.

Bea:

Nur Stille und Wärme. Wie ein Versprechen, das nicht schreit. Die Heizung hat heute früh so getan, als müsste sie sich erst überwinden, überhaupt wieder warm zu werden. Als hätte sie ein schlechtes Gewissen. Dabei ist sie nicht kaputt, nur träge. Fast zärtlich träge. Ich habe sie angefasst, sie war noch lauwarm von gestern.

Albert:

In Neapel hat sie vier Stunden gebraucht, bis sie irgendeine Regung zeigte. Aber wenn du dann genau im richtigen Moment die Hand draufgelegt hast – da war sie plötzlich wach. Und stolz. Wie jemand, der sonst nie bemerkt wird und dann einen Satz sagt, den alle hören.

Bea:

Faultiere haben so eine Art Würde, die man nur erkennt, wenn man selbst schon müde ist. Wer rastlos ist, denkt, sie seien dumm. Wer langsam wird, versteht: Die machen nichts, aber sie meinen es. Vielleicht leben sie einfach in einer anderen Frequenz. Nicht langsamer – nur tiefer. Haha. Also, ich dachte immer, Faultiere wären langweilig. Aber weißt du, was ich entdeckt habe? Sie sind wie eine ganz andere Art von „Tier“, die irgendwie dazugehört. Es ist nicht die Dynamik eines Raubtiers. Aber ist es das, was uns anzieht? Diese fast schon träumerische Ruhe?

Albert:

Das Faultier bewegt sich nicht weniger – es lässt sich nur nicht hetzen. Ein häufig übersehener Unterschied.

Bea:

Ich habe mal in einem Zoo eins gesehen. Es hing da wie eine Mahnung an die Dringlichkeit der Langsamkeit. Und dann kam ein Kind, rufend: "Mama, das schläft ja immer noch!" Faultiere sind wie Kommas mit Fell. Sie machen Pausen, nicht Lärm. Und wenn sie sich bewegen, dann mit einer Art Absicht, die man sonst nur von Tänzern kennt – kurz vor dem Moment, wo Musik wird, was vorher bloß ein Schritt war. Sie sind das Gegenteil von Spektakel.

Albert:

Und vielleicht ist das ihr heimliches Talent: Nicht die Geschwindigkeit, sondern die Konsequenz. Wenn sie sich einmal entschließen, etwas zu tun, dann machen sie es. Nur eben so, dass niemand es merkt. Vielleicht ist das die ehrlichste Art, da zu sein.

Bea:

Weißt du, dieser Typ, der aussieht wie ein Faultier, sagt, der andere wäre nicht zu trauen. Was hältst du davon?

Albert:

Vielleicht stimmt es ja. Ich habe auch mal gedacht, die Faultiere hätten so etwas wie eine Geheimorganisation. Aber dann dachte ich: „Warum nicht? Wer sollte einem Faultier trauen?“

Bea:

Echt jetzt? Und dieser Typ hat einfach so viele Faultiere im Kopf, dass er denkt, er kann alle steuern?

Albert:

Manchmal hat es den Anschein, als würden Faultiere alles aus ihrer Langsamkeit heraus auf sich wirken lassen. Das macht sie irgendwie unberechenbar. Wie bei dem Typen, der ständig vom „Kampf der Faultiere“ redet – als ob sich das irgendwann wirklich lohnen würde.

Bea:

Weißt du, was ich immer über Brasilien gehört habe? Dass es ein Land ist, das den gleichen Reiz hat wie das Meer – unberechenbar und doch faszinierend. Einmal, vor der Küste Brasiliens, sah ich das Meer so blutrot gefärbt, dass es schwarz wirkte, und die Sonne verschwand langsam hinter dem Horizont. Wir hatten in Fortaleza angelegt, und einige von uns hatten ihre Angeln ausgeworfen, um ein bisschen zu fischen. Ich war der Erste, der einen Biss hatte. Es war ein Hai. Dann kam noch einer, und noch einer ... bis das Meer nur noch aus Haien bestand, immer mehr Haien, und überhaupt kein Wasser mehr. Mein Hai hatte sich vom Haken losgerissen, und der Geruch oder vielleicht der Blutfleck und sein auslaufendes Blut machten die anderen wahnsinnig. Dann fingen die Tiere an, sich gegenseitig zu fressen. In ihrer Raserei fraßen sie sich selbst auf. Man konnte die Mordlust spüren wie einen Wind, der einem in die Augen stach, und man konnte den Tod riechen, der aus dem Meer aufstieg. Ich habe nie etwas Schlimmeres gesehen. Ein Ort voller Widersprüche. Du weißt ja, ich habe gehört, dass sie in Brasilien, im Gegensatz zu anderen Ländern, die alles nach Vorschriften machen, einfach leben und arbeiten. Sie sind flexibel, das macht es spannend.

Albert:

Das ist es. Die brasilianische Kultur hat so viel zu bieten. Aber was mich auch überrascht hat, ist, dass es dort so viel mehr gibt als nur den Regenwald und die Strände. Hast du gewusst, dass Brasilien das einzige Land ist, das nach einem Baum benannt ist?

Bea:

Ja, das habe ich gehört. Und die Geschichte hinter dem Namen hat irgendwie etwas Mystisches. Es gibt sogar Leute, die sagen, Brasilien sei wie ein Land ohne feste Regeln, nur von Leidenschaft und Bewegung getrieben.

Albert:

Und das ist auch das, was es so faszinierend macht. Alles passiert schneller, als du es dir vorstellen kannst. Schau dir nur die Menschen an. Sie leben, als ob sie für die größte Party aller Zeiten geboren wurden. Und das nicht nur in den Städten, sondern überall. Es hat etwas, das dich in den Bann zieht, als ob du ständig etwas erleben würdest. Wir könnten nach Brasilien hinfahren. Warst du schon mal in Rio? Oh, das ist ein wirklich magischer Ort. Es muss wunderbar sein, morgens aufzuwachen und den Kaffee zu riechen ... in Brasilien.

Bea:

Wer weiß. In einem Song heißt es: “Ich brauche Brasilien / Das Pochen, den Nervenkitzel / Ich war noch nie dort / Aber eines Tages werde ich hingehen / Abenteuer und Gefahr / Liebe von einem Fremden / Lass mich überraschen.”

Albert:

Hältst Du Musik für den Schlüssel zu fremden Ländern?

Bea:

Eher Pornografie. Ein Schlüssel zum Verständnis einer fremden Kultur ist ihre Pornografie. Jede Kultur produziert ihre eigenen sexuellen Bilder, die so einzigartig sind wie ihre Küche. Wie Sie sehen können, tendieren die Bilder aus Brasilien zur Zoophilie, während Italien Nonnen und Priester bevorzugt. Und in England sieht man oft Darstellungen von strengen Schulleiterinnen, Wichsern und Spankern. Im Fernen Osten hingegen geht es um Softcore und leichte Fesselspiele. Ich erinnere mich, ich saß mal beim Zahnarzt, in so einem Wartezimmer mit Ölgemälden. Deine Lieder sind genauso.

Albert:

Niemand mag Zahnärzte. Du triffst nicht viele lustige Zahnärzte. Ich habe gelesen, dass Zahnärzte zu Selbstmord neigen; ch war auf zu vielen Safaris mit reichen Zahnärzten, um mir noch mehr selbstmörderische Ideen anzuhören Ich habe noch nie einen gemocht. Einmal musste ich den Zahnarzt wechseln, weil dessen Frau unglaublich heiß ist. Einmal habe ich ihn verdächtigt, seine Empfangsdame zu vögeln – aber welcher Zahnarzt tut das nicht? Es ist ein Eid, den sie alle in der Zahnarztschule ablegen. Und ehrlich gesagt, das ist noch weit entfernt von seltsamem Sex, oder?

Bea:

Und doch sagst du, ein Arzt sei nur ein gescheiterter Zahnarzt. Schönheit ist wie ein fauler Zahn. Sie reibt an der Zunge, tut weh, besteht auf ihrer Wichtigkeit. Schließlich gehst du zum Zahnarzt, lässt sie ziehen. Dann hältst du den kleinen blutigen Zahn in der Hand und sagst: War das alles? Und weißt du, was schlimmer ist als ein Besuch beim Zahnarzt? Ein Besuch bei der Zensur. Und doch enden wir alle beim Zahnarzt, früher oder später; niemand mag Zahnärzte, aber alle gehen hin.

Albert:

Meine Mutter sagte: Mein Junge, ich glaube, eines Tages wirst du einen Weg finden, deine natürlichen Tendenzen zu Geld zu machen. Du wirst Zahnarzt! Du hast ein Talent, anderen Schmerzen zuzufügen. Sohn, sei Zahnarzt – man wird dich dafür bezahlen, unmenschlich zu sein. Dein Temperament taugt nicht fürs Priestertum, und fürs Unterrichten noch weniger. Sohn, sei Zahnarzt – du wirst Erfolg haben! Ich habe mal ein Date gehabt – Surf and Turf –, ohne zu wissen, dass sie Vegetarierin war. Sie biss auf ein Reiskorn, Zahn gebrochen, und wir suchten die ganze Nacht einen Zahnarzt. Der war so betrunken, dass er den falschen Zahn reparierte. Als ich sie nach Hause brachte, küsste sie mich trotzdem.

Bea:

Zu spät, um Zahnarzt zu werden? Du merkst schon – erst die bittersüße Schokolade, jetzt das große Schmelzen. Als wäre der Nachmittag ein einziger Zuckerschock mit Verfallsdatum.

Albert:

"Life is an ice-cream. Enjoy it before it melts." – So kitschig es klingt, so recht hat er. Obwohl: Wenn du Eis isst, erkältet man sich. Hab ich mir sagen lassen.

Bea:

Von deiner Mutter oder von einem dieser Touristen mit drei Kugeln auf leerem Blick?

Albert:

Wahrscheinlich von jemandem, der glaubt, Jesus habe hinter der Eistheke gearbeitet.

Bea:

Vielleicht hat er. Ich mein, wenn ich mir die Preise für eine Kugel anschaue – jemand muss ja das Wunder der Vervielfältigung vollbringen. Früher gab's die für drei Cent.

Albert:

Jetzt zahlst du vier Euro für Luft mit Aroma. Aber die Leute schreien unbeirrt, wenn die Schlange vor der beliebtesten Eisdiele der Stadt zu lang wird.

Bea:

"...we all scream for ice cream." Das einzige Mantra, das in Touristenstraßen überlebt hat.

Albert:

Aber weißt du, was wirklich beunruhigt? Ich hab mal eine Geschichte gehört – irgendwo in New York, ein Eisladen, und plötzlich bricht ein Aufstand los. Die Leute schlagen auf Polizisten ein, aufeinander... nur wegen einer Kugel Eis. Oder weil ein Kind geschlagen wurde. Ich stand daneben, hab nichts gemacht. Ich wollte nicht rein in sowas. Ich bin nicht der Typ für Aufruhr. Nur für Beobachtung.

Bea:

Du bist also mehr der Typ: "Gib den Kindern das Eis, den Frauen die Blumen und mach bloß nichts falsch"? Hast du auch mal einen Käfer im Schneeball gehabt und dann das Gesundheitsamt angerufen?

Albert:

Nein, aber ich kann dir exakt sagen, wie ein perfekter Choc Malt gebaut wird: viel Schoko, viel Malz, zwei Kugeln Vanille – eine drin, eine oben. Ich bin kein Foodtruck.

Bea:

Ich mag, wie du schmilzt. Nach dem ganzen Eiscreme-Gelumpe frage ich mich, ob Maschinen überhaupt wie Menschen denken können. Eine Maschine denkt anders, und doch… heißt das, dass sie nicht denkt? Wir erlauben ja auch, dass Menschen unterschiedlich denken. Du magst Erdbeeren, ich hasse Schlittschuhlaufen, du weinst bei traurigen Filmen, ich bin gegen Pollen allergisch. Warum sollten Gehirne aus Kupfer und Draht, aus Stahl, nicht auch denken können? Unsere Zukunft wird nicht mit Ziegeln gepflastert, sondern mit Kupfer. Automatisierung, Transport, Kommunikation. Wer den Strom kontrolliert, kontrolliert die Zukunft. Warum nur hältst du die Vorhänge zu? Wahrscheinlich, damit die Polizei nicht reinschaut und uns hier erwischt.

Albert:

Ich habe ein Haus gefunden, einen Platz, wo ich ungestört arbeiten kann, mit viel Raum. Geliehenes Bett, ein paar Stühle, etwas Geld ausgegeben. Gelb außen, voller Sonne. Später könnten zwei darin leben. Überall Altgold, Bronze, Kupfer. Ich wünschte, du könntest diese Tage sehen, die Farben geben eine außerordentliche Erhebung. Die Erde leuchtet unter der Sonne – Zitronengelb, Schwefelgelb, grünlich-gelb – alles unter gebleichtem Himmel. Tropfen auf Rosen und Kätzchenbarthaare, helle Kupferkessel und warme Wollhandschuhe, braune Päckchen mit Schnur gebunden, das sind einige meiner Lieblingsdinge.

Bea:

Und Kupfer-beschichtete Süßigkeiten zum Nachtisch?

Albert:

Keine Chance, nein. Mehltau wird verhindert, indem man die Reben mit Kupfersulfat spritzt. Zwei Standardmittel gibt es: Bordeaux- und Burgundermischung, benannt nach den französischen Provinzen, berühmt für ihren Wein. Gespritzt wird dreimal im Jahr: einmal, wenn die Triebe etwa fünf Zoll lang sind, dann vor oder nach der Blüte, und ein drittes Mal einen Monat später. Präventiv, also unerlässlich. Okay, wo ist mein Taschenrechner? Die Vereinten Nationen und NGOs liefern seit Jahren humanitäre Hilfe in immer instabileren Gebieten, oft mit privaten Sicherheitsfirmen. Der Konflikt wird durch den Reichtum an Mineralien wie Gold, Diamanten, Kupfer, Coltan und anderen wertvollen Rohstoffen angefacht. Alle Seiten plündern absichtlich, um der wachsenden Nachfrage des Westens zu folgen. Die Händler am Markt sind nicht moralisch, wenn es um Umweltbedingungen geht. Sie sehen Dollar und verdienen Geld. Kupfer meiden sie nicht, selbst wenn es deine Umweltpolitik verletzt. Manchmal denkst du darüber nach, aber es ist flüchtig. Ein Dorf wird verschmutzt, aber hey, jemand muss Kupfer kaufen. Man kriegt auch Provision. Informationen über Umweltbedingungen werden nicht berücksichtigt, solange sie nicht gehandelt werden. Zu weit weg, kaum zu hören. Im Hinterhof passiert so viel, Schweine verschmutzen Flüsse, und wie oft erfährt man das wirklich?

Bea:

Du wirst ein schmales Brett überqueren, so schmal, dass du keinen Halt findest. Darunter tost ein großer Fluss. Vor dir ein Abgrund, zu tief zum Sehen. Hände greifen nach dir, doch sie erreichen dich nicht. Schließlich stehst du vor einem Berg des Schreckens. Er spuckt Feuer wie ein Ofen, und ein gewaltiger Abgrund öffnet sich. Tausend Farben lodern: Kupfer, Eisen, Blauvitriol, Schwefelgelb. Männer springen und winden sich wie Ameisen. Doch genau in dem Moment, in dem du denkst, alles sei verloren, greift eine Hand dich und zieht dich weit weg, wo das Böse keine Macht mehr hat. Ich mochte Vanille nie. Als Kind habe ich mal ein ganzes Eis ins Schwimmbecken geworfen, weil der Junge neben mir meinte, es sei „Mädchen-Eis“. Es hat geblubbert. Ich dachte, das Wasser weint. Meine Mutter hat mir später gesagt, in öffentlichen Becken sterben nur Illusionen.

Albert:

Unser Nachbar hatte mal so einen Pool mit Palmenfolie. Man durfte nur mit sauberem Gewissen rein. Ich war acht – keine Chance.

Bea:

Ich stelle mir gerade deine Kindheit vor wie einen David-Lynch-Film mit Badekappe.

Albert:

Eher wie ein leerer Pool im Novemberlicht. Mit Sprungbrett, aber ohne Wasser.

Bea:

Ich war mal mit jemandem zusammen, der behauptet hat, er könne im Pool feststellen, ob eine Beziehung hält. Je nach Spritzhöhe beim Reinspringen. Eine Mischung aus Aberglaube und Wassersport. Er hatte auch eine App für Poolchemie. Sag alles, aber nicht, dass Romantik tot ist.

Albert:

Ich habe mich mal im Freibad hinterm Imbiss versteckt, um nicht mit den anderen ins Wasser zu müssen. Angeblich hatte ich „Spaghetti-Angst“.

Bea:

Wegen der Pommes im Wasser oder den Beinen?

Albert:

Wegen beidem. Und weil ich dachte, Chlor ist nur eine höfliche Form von Verachtung.

Bea:

In Italien gibt es Hotels mit Pools auf dem Dach. Ich lag mal in einem, unter mir die ganze Stadt, über mir ein Mann mit zu vielen Zähnen und zu wenig Taktgefühl. Ich bin geblieben, weil das Wasser warm war. Und weil ich dachte, vielleicht bin ich auch jemand, der zu viel bleibt, wenn es warm ist.

Albert:

Weißt du noch diese Szene, in der einer im Pool treibt und alle denken, er schläft?

Bea:

Und dabei ist er längst tot? Klar. Das Leben macht ja manchmal dieselben Geräusche wie die Pause.

Bea:

Einmal habe ich beim Schwimmen gedacht, ich sei durchsichtig. Als würde mich keiner sehen, solange ich unter Wasser bleibe.

Albert:

Wenn ich je reich werde, kauf ich mir einen Pool – aber ohne Wasser. Nur Fliesen, Stille und eine Liege. Im Schwimmbad gab es früher so ein Becken mit einer Kuppel darüber. Man hat sich drunter gestellt, das Wasser rauschte außen vorbei, aber innen war es still. Ich habe als Kind geglaubt, das sei der einzige Ort, an dem sogar ein Gorilla zur Ruhe kommen könnte. Weißt du, was mich wirklich stört? Die Leute, die mit ihren großen Sprüchen immer so tun, als wären sie die Größten. Aber dann trifft man sie im „Swimmingpool“ und sie schwimmen immer nur in der gleichen kleinen Runde. Und du erkennst: Ihre ganze Welt ist ein kleiner Teich, und sie können nicht mal das Wasser beherrschen. Und dann gibt es diese Gorillas, die einfach so tun, als ob sie alles wüssten. Aber der Gorilla in seinem Anzug ist nicht viel mehr als ein Schauspieler in einem überdimensionierten Film. Und man lässt sich von ihm beeindrucken, weil er so tut, als würde er die Erde beherrschen. Wie dieser Gorilla, der immer in seinem Anzug auftaucht. Er tut so, als hätte er alles unter Kontrolle. Aber ich habe den Eindruck, dass er derjenige ist, der am meisten versucht, sich selbst etwas vorzumachen. Und das ist ja eigentlich das Problem: Er zeigt der Welt etwas, das er nicht einmal selbst glaubt.

Bea:

Vielleicht ist er ja der einzige, der sich nichts vormacht. Vielleicht ist er einfach zufrieden, der „Gorilla im Anzug“ zu sein. Lieber würde ich sehen, wie er sich mal wirklich beweisen muss. Wie er nicht nur durch das Brüllen in seinem „Anzug“ glänzt. Ich habe mal einen echten in einem Tierpark gesehen. Nicht in Bewegung, nicht aggressiv – bloß wach. Der hatte diese Schultern, als würde er nie wegrennen, sondern nur entscheiden, ob er bleibt. So was habe ich bei Menschen selten gesehen: Bleiben als Kraftakt.

Albert:

Und trotzdem sagen alle: „Gorilla – gefährlich.“ Vielleicht, weil er so wenig erklären muss. Ein Tier, das nicht dauernd zeigt, dass es harmlos sein will, wird gleich als Bedrohung eingestuft.

Bea:

Aber irgendwie beeindruckend, was diese Dinger für eine Loyalität haben.

Albert:

Loyalität... Wenn man den ganzen Tag so grunzt wie ein Gorilla, dann weiß ich schon, warum man für ein gutes Unterhemd keine Verwendung hat.

Bea:

Macht einen das, vom anderen Ende aus, nicht sympathisch? Wenn man dabei seine Brüller loslässt, als hätte die Erde ihr Ende erreicht. Weißt du, in Russland, sagen sie: „Die Zeit herrscht über uns, ohne Gnade, gleichgültig, ob wir gesund oder krank, hungrig oder betrunken sind, ob wir Russen, Amerikaner oder Marsmenschen sind. Sie ist wie ein Feuer. Sie kann uns zerstören oder uns wärmen.“ Ein Land, das seine Leute so liebt und gleichzeitig in der Kälte lebt.

Albert:

Nun, in Russland wurde auch gesagt: „Die einzige Waffe, die Russland je profitabel gemacht hat, war der Avtomat Kalashnikova. Dieser 9-Pfund-Maschinengewehr aus Stahl und Sperrholz ist das beliebteste Sturmgewehr der Welt.“ Das ist das typische russische Maß. Keine zweite Chance, außer du magst es, „Schneeflockenengel“ zu machen. Und dann gibt es noch diese Legende... von einem Mann, der sich in Russland „immer wieder auf die gleiche Art“ wiederfindet. Ein Künstler, der immer ein russisches Genie in sich trägt. Russland ist ein Land, das vom Schmerz der Vergangenheit lebt und gleichzeitig der Energie der Zukunft entgegengeht. Ein „Land ohne Grenzen“ - damit meine ich nicht nur geographisch.

Bea:

Apropos Grenzen, weißt du, was sie von Russland sagen? „Der Kalte Krieg ist nicht vorbei, er ist in tausend gefährliche Stücke zerbrochen.“ Ziemlich treffend. Zehn Jahre, bevor US-Amerikaner auf dem Mond landeten, machten die Russen Fotos von der Rückseite unseres Trabanten.

Albert:

Ich kann mir gut vorstellen, dass die Russen das so sehen. Sie waren immer stolz auf ihre Fähigkeit, sich durch harte Zeiten zu kämpfen. Und trotzdem gibt es so viele Geheimnisse. Sagen wir mal so: Was sie in Sibirien nicht gemacht haben, haben sie anderorts erledigt.

Bea:

Und wie sie sich immer wieder aus der Asche erheben, immer wieder, ohne zu vergessen. Weißt du, was mich noch fasziniert? Dass die russischen Frauen so ein Magnet sind. „Warum sind russische Frauen so sexy?“, fragt sich jeder. Und dann? Du hast doch bestimmt das eine oder andere Märchen im Kopf, oder?

Albert:

Es ist kein Märchen. Es ist die Wahrheit. Wer in Russland lebt, kann viel über Durchhaltevermögen lernen. Auch von den Frauen. Die Russen kommen immer mit etwas Ungewöhnlichem.

Bea:

In einer Provinzstadt gab es so viele Friseursalons und Bestattungsunternehmen, dass die Einwohner zu existieren schienen, nur um sich rasieren zu lassen, die Haare schneiden zu lassen, ihre Köpfe mit Toilettenwasser aufzufrischen und dann zu sterben.

Albert:

Das ist wie der Witz über die Frau beim Friseur, sie will nach Rom. Kennst du den? Diese Frau ist beim Friseur und sagt: Ich fliege in den Urlaub nach Rom. Und er sagt: Alitalia? Bist du verrückt? Das ist das Schlimmste. Wo wirst du wohnen? – Im Hassler. – Das Hassler? Die renovieren doch! Du wirst die ganze Nacht das Hämmern hören. Was willst du sehen? – Den Vatikan. – Den Vatikan? Du wirst den ganzen Tag anstehen und nichts sehen.

Bea:

Selbst die besten Friseure mussten irgendwo anfangen und sich solche Witzchen anhören.

Albert:

Wie unterscheiden sich Tanzlehrer und Friseur? Beim Friseur geht man sitzend ran, beim Tanzlehrer im Takt. Inwiefern qualifiziert sich ein arbeitsloser Friseur als Experten für Automobile? Weil er weiß, wie man mit einer Schere millimetergenau trimmt – und was sind Spoiler anderes als Frisuren für Autos? Was ist der Unterschied zwischen einem Friseur und einem Barbier? Ungefähr fünfzig Euro.

Bea:

Und wenn man in einen Nachtclub möchte, ziehe man sich wie ein Friseur an. Geheimrezept.

Albert:

Hast du öfters Wetten mit deinem Friseur verloren?

Bea:

Ja, es war zum Ausrasten. Ich kann dir einen sehr geschickten Friseur besorgen.

Albert:

Wärst Du gern Friseuse?

Bea:

Zwei, ja.

Albert:

Dann hätte Deine Stadt die zwei besten Friseure der Stadt. So gibt es keine Entschuldigung für Schlampigkeit. Also, worüber redest du und dein Friseur?

Bea:

Ich will keine Pillen. Ich will einige der guten Dinge des Lebens ... beispielsweise Geld. Warum solltest du weniger für dich ausgeben dürfen, als manche Frauen für ihre miesen Pudel? Warum solltest du nicht einen Friseur und eine Zofe haben? Es brauchte nur drei Stylisten, zwei Friseure, einen Make-up-Artist, eine Bioslimming-Bodywrap, zwei Stunden Pilates und ungefähr fünf Kilo Feuchtigkeitscreme, um so auszusehen.

Albert:

Und? Jetzt wirst du mich backen?

Bea:

Nur wenn du rund bist, in Achtel geschnitten, mit zu viel Käse und dem stillen Versprechen von Sodbrennen.

Albert:

Pizza also – die sakrale Speise der jung Gebliebenen, Hostie der Kindertage-Bindung, und, zugegeben: sehr lecker.

Bea:

Zum ersten Mal Verliebtsein ist wie Pizzaeis. Dein Hirn kriegt's nicht sortiert – zu viel Dopamin, zu viel Fett, zu wenig Zweifel.

Albert:

Oder zu viel. Ich erinnere mich an eine Pizzeria in Neapel. Da hat einer mitten im Lokal seine Frau öffentlich als Ehebrecherin mit dem Pizzabäcker, einem dämlichen Schnurrbart, beschimpft. Die Pizza jedenfalls war exzellent.

Bea:

Drama schmeckt immer besser, wenn Tomatensauce involviert ist.

Albert:

Ich habe übrigens mal einen alten Kerl in so einer Bude erlebt, der hat einem Teenager zugeraunt: „Du musst nicht küssen, um Babys zu machen.“ Die Antwort des Mädchens war legendär: „Ich weiß. Aber ficken musst du trotzdem.“

Bea:

Und ich dachte, Anchovis auf Pizza seien geschmacklich das Radikalste.

Albert:

Pizza. Groß, fett und käsig. Wie meine Teenagerjahre.

Bea:

Pizza ist nicht Bling-Bling und Brüste. Pizza ist Liebe. Oder zumindest ein Versuch davon.

Albert:

Nur dass man dem Pizzaboten nicht nachweint, wenn er geht. Man ist einfach nur froh, dass man seinen Job nicht machen muss.

Bea:

Hast du das auch manchmal – diese Unentschlossenheit vorm Pizzaofen? „Ich will keine Pizza.“ „Ich will Pizza.“ „Ich will keine Pizza.“ Und dann natürlich: Wir essen Pizza.

Albert:

Der Teig gewinnt immer.

Bea:

Du kannst den Stein nicht heben, ohne bereit zu sein für die Schlange, die darunter zum Vorschein kommt.

Albert:

Ich hasse Schlangen.

Bea:

Und wenn die Schlange erscheint, gehend wie ein Mensch?

Albert:

Schlangen haben keine Füße.

Bea:

Schlangen haben tadellose Geschmacksnerven. Mir wurde von einer bestimmten Seeschlange erzählt, die eine sehr ungewöhnliche Methode hat, ihre Beute anzulocken. Sie liegt auf dem Meeresboden, als wäre sie verwundet. Dann nähern sich ihre Feinde, und doch bleibt sie ganz still. Und dann nehmen ihre Feinde kleine Bisse von ihr, und doch bleibt sie still. Möchtest du einen kleinen Schlangenbiss in deinem Kaffee?

Albert:

Ich will den Kopf der Schlange. Stell Dir vor, Du würdest in eine Schlangengrube fallen: Würdest Du Dich vorher umziehen?

Bea: Ich würde vorher alle Schlangen opfern.

Albert:

Wann soll dieser „Schlangen“-Akt stattfinden?

Bea:

In der Nacht, wenn Lord Voldemort nach Godric’s Hollow geht, um Harry zu töten, und Lily Potter sich zwischen sie stellt, den Fluch zurückwerfend. Hier heftet sich dann ein Teil von Voldemorts Seele an das einzige Lebewesen, das er finden kann: Harry selbst. Es gibt einen Grund, warum Harry mit Schlangen sprechen kann. Es gibt einen Grund, warum er in Voldemorts Geist sehen kann. Ein Teil von Voldemort lebt in ihm.

Albert:

Im Kessel kocht und backt / Filet von einer Sumpfschlange / Schuppe vom Drachen, Zahn vom Wolf... Etwas Böses naht!

Bea:

Entspannen wir uns. Ich war in jede lächerliche, vom Fernsehen ausgelöste Panik verwickelt – Giftpillen, SARS, West-Nil, Toilettenschlangen, Rinderwahnsinn, Vogelgrippe, Schweinegrippe...Es gab da eine Zeit, da waren wir Kinder, er verwandelte sich in eine Schlange, und er wusste, dass ich Schlangen liebe. Also nahm ich die Schlange hoch, um sie zu bewundern, und er verwandelte sich zurück in sich selbst und meinte: „Blergh, ich bin’s!“. Und er lachte. Wir waren damals acht.

Albert:

Du weißt, was mir letztens beim Pizzakarton-Falten eingefallen ist? Die erste Gitarre meines Bruders klang exakt so. Flach, fettig und irgendwie beleidigt.

Bea:

Meine Mutter hat gesagt, man kann auch auf einem Besenstiel Musik machen – solange man den richtigen Schmerz dazu findet.

Albert:

Klingt wie Blues für Leute, die den Süden nie gesehen haben.

Bea:

Oder wie ein Solo in einer stillgelegten Garage – nur du, der Verstärker und ein Lied, das keiner hören will.

Albert:

Ich war mal auf einem Dorffest, da hat ein alter Mann „Smoke on the Water“ gespielt. Auf einer Gitarre ohne Saiten. Vielleicht war das Konzeptkunst. Oder Demenz. Ich mochte den Klang. Es war das einzige Lied, das ich je gehört hab, das gleichzeitig vergessen und erinnert wurde.

Bea:

Wie eine Kindheit, die rückwärts läuft – mit Lagerfeuer und jemandem, der „Wonderwall“ flüstert, obwohl niemand gefragt hat.

Albert:

Es gab diese eine Nacht, Kino zu, Strom weg, draußen Regen – und irgendein Spinner im Nachbarhof hat stundenlang auf einer Westerngitarre gespielt. Ich saß mit Konserven auf der Fensterbank und dachte, wenn Apokalypse, dann bitte mit Reverb.

Bea:

Manchmal braucht man keinen Film. Nur jemanden, der falsch spielt – und nicht aufhört.

Bea:

Ich habe nie verstanden, warum Gitarren auf Hotelzimmern wie Liebhaber wirken sollen.

Albert:

Weil sie Stimmen in sich tragen, die nie ankommen. Oder weil jede Seite reißen kann, ohne dass jemand Schuld hat. Wenn ich eine Gitarre wäre, wäre ich diese billige aus dem Baumarkt, mit klemmendem Stimmwirbel und einem Aufkleber, der „Rockstar“ sagt.

Bea:

Und ich wäre der Gitarrengurt. Überdehnt, vergilbt, aber irgendwie notwendig. Dann hätten wir wenigstens Kontakt. Jedenfalls, solange jemand spielt. Oder so tut, als hätte er es nie verlernt. Du weißt, was mich bei Gitarren immer nervös macht? Wenn jemand die Saiten stimmt wie ein Uhrwerk – und dann falsch spielt. Es ist, als würde man Murmeln sortieren, bevor man sie verliert.

Albert:

Meine Lieblingsmurmel: eine blaue, mit silbernen Wirbeln. Die war zu schön zum Spielen. Ich habe sie nur zwischen den Fingern gedreht, stundenlang. Als würde sie mich hypnotisieren.

Bea:

Weil ich nicht wollte, dass jemand anderes sie in der Tasche hat, habe ich nie Murmeln gespielt.

Albert:

Ich war der Typ, der mit leeren Hosentaschen vom Schulhof kam – und fehlerfrei wusste, welche Murmel wem gehörte. Die mit dem Sprung war von F. Die mit dem grünen Wirbel hat D. mal gegen ein Lakritzschnecke getauscht. Ich habe sie nie behalten, aber ich habe sie alle im Kopf, in Katalogform.

Bea:

Vielleicht war das das eigentliche Spiel: Nicht das Gewinnen. Sondern die Geschichten, die in jeder dieser Glaskugeln steckten. Wer sie eingesetzt hat. Wer gezögert hat. Wer sie zurückgefordert hat, als wär’s ein Versprechen.

Albert:

Und wer sie einfach dagelassen hat. So wie man irgendwann auch sein Lieblingshemd irgendwo vergisst – nicht weil man’s nicht mehr mag. Sondern weil man zu viel darin war.

Bea:

Manchmal denke ich, das Leben besteht aus Dingen, die jemand anderes aufgehoben hat, während man selbst längst weitergegangen ist. Und irgendwann stolpert man darüber – ein Geräusch wie rollendes Glas, irgendwo in der Erinnerung.

Albert:

Jeder Mensch trägt so einen unsichtbaren Rucksack. Nicht für Geld. Nicht für Sätze. Für das, was mal wichtig war, obwohl es in keine Tasche passt. Manche tragen es offen vor sich her. Andere tun so, als wär’s längst verloren.

Bea:

Und wenn dann doch mal eine Murmel rausfällt – mitten auf dem Bürgersteig, ohne Anlass – dann bleibt sie liegen, als würde sie auf was warten.

Albert:

Vielleicht auf jemanden, der sie erkennt. Oder nur auf Licht. Manche Dinge brauchen kein Ziel. Sie rollen, weil sie es können.

Bea:

Weißt du, was sie in Italien sagen? „Anni, amori, e bicchieri di vino, no che contato mai.“ Jahre, Liebende und Gläser Wein – Dinge, die man niemals zählen sollte. Wie passend, oder? Gerade, wenn man sich hier die Zeit vertreibt.

Albert:

Ja, Italien hat diese Art, das Leben zu genießen. Aber es gibt da auch diese andere Seite. Denk an die Borgias. „In Italien hatten sie 30 Jahre lang Kriege, Terror, Mord und Blutvergießen, aber sie produzierten Michelangelo, Leonardo da Vinci und die Renaissance.“ Das macht alles andere fast nebensächlich, findest du nicht?

Bea:

Ich frage mich, was von dieser Geschichte noch bleibt. Du hast recht, sie haben so viel geschaffen, aber der Weg dorthin war brutal. Ich meine, wie viele von denen in Italien haben wirklich nach vorne geschaut? Und das Land, so vielseitig, dass es selbst einen Ort wie den Vatikan umfasst, das, was die Welt für heilig hält.

Albert:

Italien hat seine Geheimnisse. Aber auch das andere: „In Italien bekommst du Hühner, aber keine Eier.“ Vielleicht eine Metapher für das, was wir dort finden – Dinge, die auf der Oberfläche liegen, aber in sich selbst leer sind.

Bea:

Klingt so, als wäre der Zauber Italiens genau das – unberechenbar. Doch gleichzeitig ist da der Glaube an „La luna del cacciatore“. Der Mond, der so riesig ist. Da scheint alles anders, oder? Du fragst dich, was die Zukunft bringt, wenn der Mond in einer solch großen Dimension erscheint. Apropos italienisches Leben, du hast doch mal gesagt, du wolltest irgendwann nach Italien. Du weißt, was sie sagen: „Wer einmal nach Italien geht, bleibt für immer.” Es ist nicht nur der Kolosseum oder der Parthenon, es ist der Geruch der Straßen, der Lärm in Rom, der fast wie Musik klingt. Und weißt du, in Italien, da ist es wie in einem alten Film: „Du gehst zu einer Vorstellung, und denkst, es wird großartig, aber am Ende... ist es nicht das, was du dir vorgestellt hast.“ Es ist nie so, wie es scheint.

Albert:

In dieser Unvollständigkeit liegt auch eine Art von Perfektion. Wie die Schönheit eines unveränderten „Vesuvs“ oder die „Stille der Toskana“, die dich packt, ohne dass du sie wirklich verstehst.

Bea:

Du hast irgendwie recht. Und wenn du über die Geschichte nachdenkst, dann siehst du, dass selbst Napoleon nach Elba verbannt wurde, eine kleine Insel an der Küste Italiens. Da hat alles angefangen, aber es war immer ein Ende in Sicht.

Albert:

Ja, und dennoch ist Italien der Ursprung für so viele Dinge. Die Menschen kommen hierher, um nach ihrer eigenen Idee von Glück zu suchen, selbst wenn die Umstände uns zu Herausforderungen zwingen. Weißt du, irgendwann möchte ich wissen, was es bedeutet, in Italien zu leben. Du könntest mit jedem eine Affäre haben und du wählst den Apotheker? Du bist so ulkig.

Bea:

Nun ja, ich war neulich in der Apotheke. Da war eine richtig gut aussehende Apothekerin hinterm Tresen. Ich bin hin und habe gefragt, wo der Hustensaft steht. Ich hatte nicht mal Husten, und ich hätte ihn fast gekauft. Ich rede von einer völlig überflüssigen Flasche Hustensaft, die ungefähr 16 Euro kostet.

Albert:

Ein Junior-Apotheker? Warum muss dieser Apotheker zweieinhalb Fuß höher stehen als alle anderen? Wer zum Teufel ist dieser Typ? Du vergeudest deine Zeit in der Apothekenabteilung.

Bea:

Ein sexy Apotheker, den ich gern zweimal täglich auf nüchternen Magen nehmen würde. Seine Filmsammlung ist nichts für mich. Sie werden nur von ihm selbst, anderen Apothekern und Regisseuren verstanden. Ich liebe ihn — er ist ein Anarchist. Er altert nicht.

Albert:

Du solltest niemals Drogen nehmen, die nicht von einem Arzt verschrieben oder von einem zuverlässigen Apotheker empfohlen wurden. Erklär mir, warum der Apotheker zweieinhalb Fuß über allen anderen stehen muss. Was zur Hölle macht er da? Hirnchirurgen, Piloten, Kernphysiker — wir sind alle auf derselben Ebene. „Oh nein, er muss zweieinhalb Fuß höher. Achtung, alle, ich arbeite mit Pillen. Macht Platz, gebt mir Raum.“ Der einzige schwere Teil seines ganzen Jobs, den ich sehen kann, ist, alles auf dieses winzige Etikett zu tippen.

Bea:

Der Teig gewinnt immer. Aber der Schnurrbart auch – zumindest in italienischen Dramen mit eifersüchtigen Ehemännern.

Albert:

Nello Sarafini hätte sich auch nicht so lächerlich gemacht, wenn er keinen trug. Ich sag nur: dämlicher Schnurrbart, tragisches Timing.

Bea:

Das ist kein Schnurrbart, das ist ein Geständnis mit Haarwuchs.

Albert:

Oder ein optischer Warnhinweis: "Achtung, Gigolo in Freizeitweste." Du glaubst gar nicht, wie viele Männer aussehen wie eine Kreuzung aus Groucho Marx und dem Civil-War-General.

Bea:

Vielleicht sollten wir ein Ampelsystem einführen: Rot für „trägt Mascara im Gesichtshaar“, Gelb für „träumt von Motorrädern und Chicks“, Grün für „weiß, dass ein Schnurrbart kein Charakter ist“.

Albert:

Mein Vater trug sein Leben lang einen schwarzen. Und als der grau wurde, hat er ihn mit einer Wimpernbürste nachgezogen. Ich war elf. Ich habe damals zum ersten Mal verstanden, was Würde kostet.

Bea:

Und ich habe gelernt: Einen Mann ohne Schnurrbart zu küssen ist wie ein Ei ohne Salz. Rutschig, aber es fehlt was.

Albert:

Also ich habe eher Angst vor denen, die ihrem Bart Namen geben und ihn „Visuelle Effekte“ nennen. Weißt du, wie schwer es ist, einen digitalen Schnurrbart zu entfernen?

Bea:

Weniger schwer als das Ego, das dran hängt.

Albert:

Und dann gibt’s da noch die, die halten einen Bart für ein Stammeszeichen. „Wir beschützen das Universum, Brüder im Haar!“

Bea:

Oder die Sorte: „Schritt zurück, Junior – sonst spürst du die ganze Macht unserer Schnurrbärte.“

Albert:

Ich wusste gar nicht, dass Bärte drohen können.

Bea:

Klar. Sie sagen: „Ich hab eine süße Vespa, ein paar One-Night-Stands – und ich bin der Einzige auf der Schule mit Gesichtsfell.“ Wenn du Pech hast, reist deine Verlobte mit einem Menschen, der genauso aussieht. Darf ich bitte etwas von dieser Kartoffel haben?

Albert:

Es sind nur ein paar Karotten! Und etwas Kohl. Und diese paar Säcke Kartoffeln, die wir letzte Woche gehoben haben, und, und die Pilze von der Woche davor! Ich löse Gleichungen mit der rechten Hand und schreibe Namen mit der linken. Ich nehme einen Kartoffelchip und streiche über die Verpackung; während ich diesen Slogan schreibe, esse ich Kartoffelchips und werde durstig.  Andere Gemüse haben doch keine Warnung, damit keinen Sex zu haben, oder? Eine Tüte Kartoffelchips hat keine Warnung: Bitte fick diese Kartoffelchips nicht! Es ist verrückt hier. Wäre es so verrückt, wenn ich Pläne hätte? Pläne, die etwas anderes beinhalten als Computer reparieren oder Heiße-Kartoffel-Spiele mit einer Thermitengranate?

Bea:

Sag mir nicht, lass mich raten, du wurdest zu einer Kostümparty eingeladen und gehst als Ofenkartoffel? Übrigens: ich mag knusprige Dinge und ich liebe süße Kartoffelprodukte und werde mich dafür nicht entschuldigen. Willst du, dass ich uns später ein paar verdammte Kartoffelpuffer brate? Ein paar Latkes?

Albert:

Kann ich die Kartoffeln als Beilage bestellen? Wir werden nicht sehr lange von Schokis und Kartoffelchips leben. Hier, schau: Da ist noch genug Fleisch am Knochen. Jetzt nimm das mit nach Hause, wirf es in einen Topf, füge etwas Brühe, eine Kartoffel hinzu, du hast einen Eintopf. Ein schönes, saftiges Steak, medium rare, mit kleinen braunen Kartoffeln rechts auf dem Teller, Ketchup links, wo andere Leute mit Gemüse Platz verschwenden. Und zum Nachtisch Roastbeef. Eine Tante von mir mochte nicht gestört werden, wenn sie ihre Kartoffeln isst, das ist sozusagen der Höhepunkt ihres Tages, ich habe Kartoffeln so noch nie gekocht gesehen. Hier, eine Kartoffel, die aussieht wie Donald Trump.

Bea:

Vom Überflieger zur Bruchlandung und wieder zurück: Wenn sie dich genug bestraft haben, servieren sie dir Lachs und Kartoffelsalat, halten Reden, verleihen eine Medaille und klopfen dir auf den Rücken, dass alles vergeben sei. Aber denk dran, es ist nicht für dich ... es ist für sie. Wenn man sagt, der menschliche Körper ist das effizienteste zu nutzende Batterieobjekt, würde nicht alles andere eine bessere Batterie abgeben? Wie eine Kartoffel? Oder eine Batterie? Du hast schöne Hände. Ich habe das vorher nie bemerkt. Alle haben mir zuletzt gesagt, was für schöne Hände ich habe, und jetzt sehe ich es selbst, sauber und ordentlich. Aber was, wenn sie schön sind? Manchmal bist du einfach ein unfähiger Mann, der ständig dumme Dinge sagt wie: Lass braune Socken tragen. Kartoffelpüree machen. Zum Strandhaus fahren.

Albert:

Warum gehst du nicht und besorgst, wie heißen die kleinen Kartoffeln? Die winzigen? Oh, ich liebe Fingerlinge! Der Schnurrbart meines Vaters hatte seine eigene Logik. Er roch immer nach Maschinenöl und Persil.

Bea:

Meiner roch nach Zigarre und Enttäuschung. Und einmal hat er aus Versehen einen Tampon mit in die Waschmaschine gesteckt. Ich schwör, wir hatten tagelang Flockenschnee im Bad.

Albert:

Ich habe mal versucht, Socken und Lebensentscheidungen gleichzeitig zu waschen. Ergebnis: Die Socken blieben grau, und ich war verlobt. Ich trau den Dingern nicht. Sie sehen immer so aus, als würden sie heimlich abhören.

Bea:

Weißt du, wie meine Mutter eine gute Ehe definiert hat? „Wie ein Vollwaschgang mit Weichspüler – Hauptsache, man riecht danach nicht nach sich selbst.“

Albert:

Und dein Vater?

Bea:

War eher das Kurzprogramm. Immer zu heiß, nie ganz sauber.

Albert:

Ich hatte mal eine Mitbewohnerin, die behauptet hat, sie könne Schuldgefühle bei 60 Grad auswaschen.

Bea:

Hoffentlich ohne Schleudern. Sonst kommt das alles knittrig zurück.

Albert:

Und du?

Bea:

Ich werfe meine Zweifel mit in die Trommel. Und dann sitz ich davor, wie andere Leute vorm Fernseher. Manche schauen Serien, ich schaue zu, wie sich ein BH von mir immer gegen die Scheibe wirft.

Albert:

Waschmaschinen erinnern mich an Beerdigungen.

Bea:

Weil alles rotiert und am Ende doch niemand trocken rauskommt?

Albert:

Weil man vorher denkt: Das wird sauber. Und nachher steht man mit Dingen, die nie wieder ganz weiß werden. Die Waschmaschine ist stehen geblieben. Einfach so. Als hätte sie keinen Bock mehr auf all das Weichspülparfüm und die Dauerschleifen.

Bea:

Vielleicht hat sie gestreikt, weil du wieder fünf Paar Socken und kein einziges Teil mit Geschichte eingeworfen hast.

Albert:

Geschichten brauchen keine Maschine. Die verheddern sich auch so. Ich habe beim Wäsche-Rausholen ein kleines Stofftier gefunden. Weißes Filz, Glitzerhorn, ein rosa Faden als Schweif. War das deins?

Bea:

Nein. Und ja. Es lag mal in meinem Schulranzen, zwischen Pausenbrot und Tintenkiller. Das Horn war eigentlich aus Pappe. Ich hab’s ersetzt. Mit Alufolie.

Albert:

Dann war das dein erstes Einhorn?

Bea:

Mein erstes war aus Plastik, lila, riechend nach Erdbeer. Wenn man draufgebissen hat, hat’s geknackt. Ich hab's vergraben, weil ich dachte, Einhörner sollten nicht wissen, dass sie käuflich sind.

Albert:

Und jetzt ist es wieder da. Nur nicht deins, sondern irgendeins. Ohne Etikett. Ohne Mission.

Bea:

Vielleicht sind Einhörner einfach das, was überbleibt, wenn einem die Sprache ausgeht. Wenn man was behalten will, ohne zu wissen, warum. Dann ist das hier vielleicht kein Einhorn, sondern bloß der Rest von etwas, das man nicht wegwirft, solange es noch leise glitzert. Sibirien... schon allein diese riesigen Weiten und die Kälte. Weißt du, was mir da in den Sinn kommt? Der Tunguska-Ereignis. Ein Meteor, der über Sibirien explodierte, und trotzdem haben nur zwei Menschen ihr Leben verloren. Die Explosion war so stark, dass Bäume über Hunderte von Kilometern umgeknickt wurden, aber trotzdem ist kaum etwas passiert.

Albert:

Klingt beinahe wie ein Wunder. Aber in Sibirien ist das wohl nichts Ungewöhnliches. Da sagt man, die Wälder wurden vom Teufel erschaffen. Und die sind riesig. Ein Wald so groß wie die Vereinigten Staaten. Ein Topf voller Mythen.

Bea:

Ich frage mich, wie es sich anfühlen muss, dort zu leben. In einem Land, in dem 300 Kilometer noch als „nah“ gelten. Oder wenn du durch den Schnee gehst und der Frost dir die Finger abfrisst... Wobei, es ist ja auch kein Zufall, dass der Winter in Sibirien so unglaublich hart ist. Erinnerst du dich noch an den Typen, der von einem sibirischen Gefängnis fliehen musste? Der hat buchstäblich seine eigenen Finger abgeknabbert, um zu überleben.

Albert:

Ja, das ist Sibirien. Ein Ort, wo du kaum überlebst, wenn du nicht bereit bist, alles zu tun. Kein Platz für Schwäche, nur für das Überleben. Was die Leute dort wirklich antreibt, ist der Gedanke, dass sie alles tun müssen, um zu überleben. Ein Staat, der so isoliert ist, schafft es nicht, sich von dieser Dunkelheit zu befreien. Sibirien ist wie eine Maschine, die keine Ruhe kennt.

Bea:

Und, was mich wirklich erschreckt, ist, dass die Menschen dort glauben, das Überleben sei eine Kunst, die nur vom Teufel geschaffen wurde. Du kämpfst gegen den Frost, gegen den Hunger, gegen die Isolation... und du musst dich selbst in Frage stellen, um zu wissen, ob du die Kälte überhaupt überstehst. In Sibirien wird dir gesagt: „Das Land hat keine Zeit für deine Zweifel.“ Und bei den Gefangenen gibt es keine zweite Chance. Wer einmal gefangen ist, der bleibt dort. Die Menschen wissen, dass sie nicht zweimal nach Sibirien kommen werden, und das macht den Ort noch gefährlicher.

Albert:

Das erinnert mich an ein Sprichwort: „Wenn du in Sibirien bist, gibt es kein Zurück mehr. Du gehst oder du stirbst.“ Man sagt sogar, dass es in Sibirien keine Gitter gibt. Der Gefängnistrakt ist einfach die gesamte unendliche Weite der Taiga. Der Wahnsinn beginnt dort, wo das Land endet.

Bea:

Meinst du, ein Affe weiß, dass er auf einer Rakete sitzt, die explodieren könnte? Astronauten wissen das. Es braucht jemand Besonderen, freiwillig auf solche Missionen zu gehen. Nichts, was sie tun, wird man Versagen nennen.

Albert:

Hast du von dem klaustrophobischen Astronauten gehört? Er brauchte Weltraum. Die Etymologie von „Astronaut“ weist eine eigenartige Schönheit auf. Im Astronauten-Anwärterprogramm wird auch auf Alkoholkonsum geachtet, dabei war für Jahrzehnte ein Astronaut, der nicht trinkt, nur trockene Theorie.

Bea:

So viele Kinder träumen davon, Astronaut zu sein, wenn sie groß sind. Es gibt solche, die Astronomen sein wollen, und jene, die Astronauten sein wollen. Der Astronom darf aus sicherer Entfernung studieren. Aber man kommt nie in den Weltraum? Genau. Das ist der Unterschied zwischen sich vorstellen und sehen: berühren zu können. Manche wollen nur das. Als wir fünf waren, fragte man uns, was wir werden wollen. Antworten: Astronauten, Präsident ... Später will man Falsches wagen, Züge verpassen, sich irren. Nichts ist dauerhaft. Mach so viele Fehler wie möglich. Dann musst du nicht raten – du wirst es wissen. Der Rest des Lebens besteht im Nachjagen jugendlicher Fantasien, „Ich will Astronaut sein. Himmelscowboy. Gynäkologe der Sterne.“ Sobald die Astronauten hochflogen, wollten Kinder nur noch mit Weltraumspielzeug spielen. Wir träumten von Astronauten, die vor durch ein Wurmloch geschossen wurden,  in einem fernen Teil des Universums auf einem lebenden Schiff voller flüchtiger Sträflinge herausflutschten, sich mächtige Feinde machten, und nebenbei die Erde retteten. Die Elite arbeitet als Astronaut. Oz liegt hinter dem Regenbogen. Und Midian ist, wo die Monster leben. Einer wollte Astronaut sein, ich wollte Delfine auf dem Schwarzmarkt verkaufen. In Großstädten ist das schwer; Delfine sind hier schwer zu finden.

Albert:

Als du aufgewachsen bist, wie viele Astronauten kanntest du? Du bist deinen eigenen Weg gegangen.

Bea:

Ich war nicht wie die anderen Kinder, die davon träumen, Astronaut zu sein. Mich interessierte eher, woraus Baumrinde ist. Anthony Hopkins war ein Held von mir, nur verstand ich seine Filme nicht.

Albert:

Einst war ich so betrunken, ich hielt eine Zahnpastatube für Astronautennahrung.

Bea:

Frauen stehen wohl echt auf Astronauten, denn hier steht, sie kriegen so viel Tang, wie sie wollen. Dabei schrumpfen Astronauten um fünf Zentimeter, wenn sie zur Erde zurückkommen.

Albert:

Ich hörte, auf dem alten Mond sei nichts außer ein paar Golfbällen, die die Astronauten dagelassen haben. Der NASA schrieb ich als Zwölfjährige Liebesbriefe schrieb. Manchmal wünschte ich, ich hätte mehr gemacht, statt Unternehmen zu gründen. Vielleicht Tierarzt. Oder Astronaut. Der erste Motherfucker, der eine neue Galaxie sieht oder neues Leben findet  und es vögelt. „Der da? Der hat mal ’ne Marsianerin gebumst.“ Ich meine, was, wenn ich wirklich Astronaut sein will und raus in den Weltraum – dann wäre das okay, oder?

Bea:

Weißt du, was mich mehr nervt als Männer mit Schnurrbart in Freizeitweste?

Albert:

Wenn Vögel beim Zwitschern keine Rücksicht auf deinen inneren Lärmpegel nehmen?

Bea:

Exakt. Und dann jener Satz, den ich nie losgeworden bin: Manche Vögel sind nicht dafür gemacht, eingesperrt zu werden. Ihre Federn glänzen zu hell, ihr Gesang passt in keinen Käfig.

Albert:

Klingt nach einer Entschuldigung fürs Alleinsein. Oder fürs Loslassen. Je nachdem, wie schief man gerade sitzt.

Bea:

Oder wie leer die Wohnung plötzlich wirkt, wenn einer davonfliegt. Und du weißt, es war richtig – aber es zieht trotzdem.

Albert:

Ich gehe manchmal nach der Arbeit in den Park. Füttere die Vögel. Sie nehmen, was sie kriegen. Ohne Dank. Irgendwie beruhigend. Vögel essen verdammt viel, allerdings nicht zu viel. Das hindert Experten nicht daran, sie auszustopfen. Taxidermie – rückwirkende Leidenschaft.

Bea:

Schöner kann man das Dilemma nicht fassen: entweder fliegen oder gestopft im Regal enden.

Albert:

Ich habe mal mit einer Möwe gestritten. Glaub mir, das willst du nicht. Schlechte Omen, schlechte Laune.

Bea:

Du sprichst Möwisch?

Albert:

Ich übersetze nur: „Lass mich in Ruhe, oder ich scheiße dir auf die Seele.“ Ein Vogel, der höher fliegt als du je gedacht hast. Und plötzlich sind die grauen Mauern nicht mehr da. Für einen Moment.

Bea:

Wie Opernmusik, die aus dem Nichts in ein Gefängnis fliegt. Und alle schauen nach oben.

Albert:

Nicht, weil sie frei sind. Sondern weil sie es kurz fühlen.

Bea:

Manchmal reicht das schon. Ein Moment wie ein Vogel auf Durchreise. Warum können wir nicht dieselbe Zahnbürste benutzen? Wir benutzen doch auch dieselbe Seife. Ist eine Beziehung zu Ende, sobald man die Zahnbürste des anderen nutzt, oder beginnt sie dann?

Albert:

Vorbei ist es, wenn sich in jedem gemeinsamem Detail, überall, die Traurigkeit auftürmt... die Zahnbürste in meinem Badezimmer... in der Erinnerung meines Handys... der Mopp, der manchmal nicht reicht, dann muss man runtergehen, mit einer Zahnbürste schrubben, um es wegzukriegen. Ist diese Zahnbürste von der amerikanischen Zahnärztevereinigung zugelassen? Meine Zahnbürste ist eine C-Pro Mark 4. Sie benutzt Masseneffektfelder, um Plaque zu zersetzen und das Zahnfleisch zu massieren.

Bea:

Ich habe mir die Lippe gestoßen. Ich trank eine Sellerie-Limonade, hob sie zu schnell an und habe aus Versehen deine Zahnbürste in die Toilette gestoßen – und ich konnte es dir nicht sagen, bevor du sie benutzt hast.

Albert:

Ich könnte deinem Freund im Kriminallabor deine Zahnbürste geben. Dann sehen wir, ob du wirklich geputzt hast oder sie nur unter den Wasserhahn gehalten hast. Ein Rat: Sei immer nett zu jedem, der Zugang zu deiner Zahnbürste hat.

Bea:

Ich habe seit dem Tag, an dem wir Kleber auf jene Zahnbürste im Urlaub geschmiert haben, nicht mehr so viel Spaß gehabt. Aber im Museum kann ich kein zweites Mal übernachten. Ich habe meine Zahnbürste nicht, meine Multivitamine nicht, und ich will meine Seele nicht zur Verdammnis verurteilen.

Albert:

Okay, ich gehe zum Kaffeehaus, frühstücke, finde eine Zahnbürste, wechsle meine Unterwäsche und dann räume ich dein Brett frei.

Bea:

Keine Zahnbürste. Nur Bücher.

Albert:

Ich weiß, wie viele Kakerlaken es braucht, um eine Zahnbürste zu ziehen.

Bea:

Okay, lass mich raten: Zahnseide ist Draht zum Erdrosseln, Zahnpasta ist Plastiksprengstoff – und die Zahnbürste ist der Zünder.

Albert:

Weißt Du, wie man aus einer Zahnbürste einen Schiv macht? Ich auch nicht.

Bea:

Weißt du noch den Vogel mit dem Kratzer auf dem Schnabel? Der, der sich immer im Fenster gespiegelt hat?

Albert:

Ja. Hat ausgesehen, als hätte er gegen einen Gletscher gesungen.

Bea:

Genau so war mein Ex. Laut, hartnäckig, keine Ahnung, dass er sich im eigenen Echo verliert.

Albert:

Ich bin mal mit meinem Vater über ein Gletscherfeld gelaufen. Er meinte: „Hier oben redet man nicht.“ Ich habe später herausgefunden, dass das mit den Spalten zu tun hatte. Ich dachte, es ging ums Schweigen.

Bea:

Ich war mal in einem Spa mit Eisbecken. Das Wasser kam angeblich aus norwegischen Gletschern. Ich hab reingefasst und plötzlich meine Mutter gehört.

Albert:

Was hat sie gesagt?

Bea:

„Zieh dich anständig an, du holst dir sonst was.“ Sogar gefrorenes Wasser trägt Erinnerungen.

Albert:

Gletscher sind wie Tanten: langsam, überwältigend, und wenn sie sich bewegen, bleibt kein Stein, wo er war.

Bea:

Meine Tante war schneller. Hat Männer in einer Geschwindigkeit geschmolzen, da hätte selbst die Arktis geklatscht. Ich war Gletschereis in ihrer Bowle. Klar, kühl, dekorativ – und am Ende war ich weg.

Albert:

Es gibt Gletscher, die kriechen pro Jahr nur wenige Zentimeter.

Bea:

Wie meine Gefühle in Beziehungen; sie hinterlassen Moränen, Geröll, tiefe Spuren.

Albert:

Im Gletscherraum war’s nicht die Kälte, die mich irritiert hat. Es war die Stille. So ein gedämpftes Schweigen, als hätten selbst die Konservendosen beschlossen, keine Meinung zu haben.

Bea:

Ich war mal in einem dieser Kühlhäuser, wo hinten noch ein uraltes Regal stand, mit eingerissenen Etiketten und zwei Dosen Kidneybohnen drauf. Daneben eine Packung tiefgekühlter Chili con Carne, abgelaufen seit fünf Jahren. Kein Schimmel, kein Frostbrand. Nur dieser Ausdruck von: Ich war mal jemand.

Albert:

Chili in der Eiszeit. Vielleicht das ehrlichste Symbol für alles, was wir konservieren wollen und dabei vergessen, warum.

Bea:

Ich koche manchmal Chili, wenn ich nichts sagen will. Es füllt die Wohnung mit Geräusch und Geruch. Und man muss kaum was erklären, wenn’s stark genug brennt.

Albert:

Interessant. Ich mach’s eher als Test. Wer bei mir mitisst, ohne zu husten, den nehme ich ernst. Der Rest bekommt Joghurt.

Bea:

Ich hatte mal Besuch, da hat einer gesagt: „Das ist nicht scharf, das ist beleidigt.“ Und ich habe gemerkt, er hat recht. Ich war nicht in Stimmung fürs Scharfe. Ich wollte, dass es spricht, ohne zu beißen.

Albert:

Aber Chili kann nicht flüstern. Es ist wie ein Gast, der schon beim Reinkommen den Tisch verschiebt.

Bea:

Oder wie eine Entschuldigung, die sich in der Hitze verläuft. Wenn’s stark genug brennt, fragt keiner mehr, was vorher war.

Albert:

Das macht’s gefährlich. Und praktisch. So wie wir manchmal reden – um den Geschmack zu kontrollieren, nicht die Wahrheit.

Bea:

Und trotzdem: Ich mag, dass Chili sich nicht anpasst. Es will nicht gemocht werden. Nicht um Vergebung bitten, sondern Verantwortung übernehmen. Klingt nach einem Prinzip, oder? Und passt zu welchem Land?

Albert:

Polen. Man sagt auch, Polen sei das Mexiko Europas. Weißt du, es scheint ein bisschen abwertend zu klingen, aber irgendwie auch nicht. Es steckt eine Art Überlebensmuster darin, das die Menschen dort auszeichnet. Schaut man auf die Geschichte Polens, sieht man, wie sie nie wirklich den Kopf in den Sand steckten. Selbst als das Land mit den schlimmsten Feinden konfrontiert war, haben sie weitergemacht. Statt sich in Fragen zu ergießen wie “Was will er von uns? Was will er von Polen? Warum will er uns besitzen? Warum? Warum? Sind wir nicht Menschen? Haben wir keine Augen? Haben wir keine Hände? Organe? Sinne? Dimensionen? Gefühle? Leidenschaften? Ernähren wir uns nicht von derselben Nahrung? Werden wir nicht mit denselben Waffen verletzt? Sind wir nicht denselben Krankheiten ausgesetzt? Werden wir nicht mit denselben Mitteln geheilt? Werden wir nicht vom selben Winter und Sommer gekühlt und erwärmt? Wenn ihr uns stecht, bluten wir dann nicht? Wenn ihr uns kitzelt, lachen wir dann nicht? Wenn ihr uns vergiftet, sterben wir dann nicht? Wenn ihr uns Unrecht tut, sollen wir uns dann nicht rächen?”: Widerstehen.

Bea:

Keine Fragen zu stellen, sondern zu handeln - irgendwie ist das der perfekte Ausdruck für den Umgang mit Widrigkeiten. Es ist fast als ob Polen in ihrer Geschichte nur eines im Kopf hatte: Durchhalten und weitermachen.

Albert:

Ja, das zeigt sich sogar in den Erzählungen über Polen. „Polen ist das Land, das immer wieder den Weg geht, um seine eigene Geschichte zu schreiben.“ Als ich das gelesen habe, dachte ich: Genau das ist es. Du siehst, wie sich das Land immer wieder aufrappelt, selbst wenn alles drumherum zu kollabieren scheint. Sie sind nie wirklich die Opfer, sie sind die Überlebenden.

Bea:

Ein Land der Taten, nicht der Worte. Warst Du schon einmal dort? Trampen in Osteuropa - das wäre sicher ein schönes Abenteuer. Kennst Du die Fehlinterpretation des Ausdrucks “Hister” in den Prophezeiungen von Nostradamus? Nicht der Diktator, sondern die Donau war gemeint. Ein Freund lernte seine spätere Frau in Warschau kennen - sie hatten viele Monate ihren Spaß, heirateten dann, und hatten seitdem keinen Sex mehr.

Albert:

In Polen hatte ich was mit einem englischen Mädchen. Diese beiden Nächte waren vielleicht die glücklichsten meines Lebens. Ich bin ganz und gar für Affären auf Reisen oder bei Konferenzen. Zumindest vermeiden sie das anhängliche, bourgeoise Element. Spannend. Als Kind wurde ich mit Witzen zu Polen überhäuft.

Bea:

Beispiel?

Albert:

„Wer war Polens Mann des Jahres?“ – Niemand. „Wie singt man die polnische Nationalhymne?“ – Man singt sie nicht, man furzt sie. „Woran erkennt man einen Polen?“ – An der Scheiße in seiner Brieftasche. Es gibt nur zwei Menschen, die wirklich zählen – die Hebamme und der Totengräber. Die eine heißt dich willkommen, der andere begleitet dich zum Ausgang; eine Hebamme braucht ein Baby, ein Bestatter eine Leiche.

Bea:

Hebammenarbeit ist das Wesen des Lebens – jedes Kind wird in Liebe oder Lust gezeugt und in Schmerz geboren, gefolgt von Freude oder Tragödie.

Albert:

Du klingst wie eine Hebamme. Wenn ich je eine Hebamme brauche, habe ich Anspruch auf dich. Ich erinnere mich an eine Hebamme, die in diesem Kiez legendär war – eine Klatschbase, die jede Frage beantwortete, ob sie die Antwort kannte oder nicht.

Bea:

Ich habe gesehen, wie eine Hebamme in den Wald ging, Blumen sammelte und den Tod besser kannte als das Leben. Die Hebamme sagte einmal über mich, ich sei ein Wechselbalg, von Walddämonen hinterlassen.

Albert:

Und eine andere, in Baschur, die eine schwangere Frau nicht sehen durfte, weil der Offizier keine Papiere akzeptierte. Regeln sind Regeln.

Bea:

Und andere, die Königinnen sind – Königin Mab, die Feenhebamme, die durch die Träume der Liebenden reitet. Oder Bridget Bishop, die für ihre Arbeit brannte.

Albert:

Oder wie ein Elefant im Porzellanladen der Gefühle. Plötzlich ist er da – und alle tun so, als wäre er unsichtbar.

Bea:

Ach ja, der berühmte Elefant im Raum. Meist trägt er alte Themen auf dem Rücken und wartet auf Aufmerksamkeit.

Albert:

Und wenn man ihn endlich anspricht, steht er da mit traurigem Blick und sagt: „Ich hab nichts vergessen. Ich bin ein Elefant. Ich erinnere mich an alles.“

Bea:

Schlimmer als jede Therapiesitzung.

Albert:

Es gibt Leute, die aus Erinnerungen eine Pyramide aus Elefanten bauen. Siebzehn übereinander. Dann kommt ein Mann mit gezacktem Hut und einer Pfeife und sagt: „Vorhang auf, bitte applaudieren.“

Bea:

Ich sehe schon: dein innerer Zirkus hat wieder geöffnet.

Albert:

Mit Flugversuchen inklusive. „Wollen Sie den Elefanten fliegen lassen? Dann brauchen Sie Psychologie.“

Bea:

Oder einen verdammt guten Heliumballon.

Albert:

Ich sag nur: Niemals den Rüssel unterschätzen.

Bea:

Und trotzdem glauben Menschen, sie könnten auf Elefanten reiten, direkt nach der Geburt. 200 Pfund Baby auf dem Becken – und sie rufen: „Whoop!“

Albert:

Bis einer fragt: „Wer hat eigentlich Erfahrung mit Elefanten?“

Bea:

Aquarien machen mich super wuschig.

Albert:

Weißt du, ein Aquarium ist ein U-Boot für Fische. Man kann kein Schiff aus einem Aquarium heraus kommandieren. Nicht genug Fische? Ach, genug ist nicht das Kriterium. Dieses Aquarium ist ein geschlossenes ökologisches System. Balance ist alles. Der Zoo, das Aquarium – Gefängnisse für Tiere. Der Mensch hat ihnen nichts zu lehren. Entschuldigung, aber in Amerika darf man in Aquarien nicht rauchen.

Bea:

Sieht so aus, als müsste jemand das Aquarium sauber machen. Schau dir das an. Ich habe endlich das Piratenschiff fürs Aquarium fertiggestellt. Ich habe einen Freund, der im Aquarium arbeitet, und der kann trotzdem nicht unter Wasser atmen. Er sagte: "Ich fürchte, ich komme nie raus. Ich bin in diesem Aquarium eingesperrt. Ich, der für die Pazifikküste bestimmt war." Er sagte über uns, wir seien wie die Kaiserfische in seinem Aquarium: zwei Lebewesen, so ähnlich und doch so verschieden.

Albert:

Denkst du, ich wurde nur wegen des Aquariums rausgeworfen? Nein, es war der Handjob. Und es war es wert.

Bea:

Wir brauchen neue Fische für unser Aquarium. Unsere haben sich gegenseitig aufgefressen.

Albert:

Hör dir das an: „Aquarium sucht Hilfe beim Beckenreinigen. Schwimm mit den Fischen.“ Das ist eine Mafia-Drohung. Die Staatsanwaltschaft behauptet, die Fischflecken beweisen, dass sie hinter den Becken im Aquarium war.

Bea:

Ich erinnere mich: Oma nahm ihre Zähne raus, trank einen Schluck aus dem Aquarium, und wir konnten den Goldfisch von Wange zu Wange schwimmen sehen. Sie hat versucht, das ganze Aquarium auf die Waage zu heben – und natürlich lief alles aus. Wir suchen immer noch einen Fisch. Die Tierchen scheinen sich zu freuen, dich zu sehen. Ich hoffe, dir gefällt unser kleines Aquarium.

Albert:

Vor vielen Jahren schwamm eine Robbe namens Andre jedes Jahr vom Aquarium nach Hause. Mit 24 war er fast blind, doch er schaffte auch seine letzte Reise. Man wird nie einen besseren Freund finden. Seine Geschichte stand im Blush Magazine,  einem Aquarium, in dem sich Fische zusammentun, um eine Zeitschrift herauszugeben.

Bea:

Wenn du lang genug auf einen Plattenspieler starrst, wirst du irgendwann religiös. Oder schwindlig. Wahrscheinlich beides.

Albert:

Mein Vater hatte nur zwei Platten: „Der weiße Hai“ als Soundtrack und irgendwas mit Alphörnern. Er hat beide nie gehört – aber ausgiebig verteidigt.

Bea:

Meine Mutter hatte drei Regeln fürs Leben: Niemals barfuß auf PVC, keine Männer mit Schallplattensammlung unter zwanzig, und bloß keinen Teppich unter dem Plattenspieler. „Sonst leiert der Bass“, hat sie gesagt. Das hat sie auch über Männer gesagt.

Albert:

Ich hab mal eine zerkratzte Single für ein Vermächtnis gehalten. Bis ich merkte: Es war der Soundtrack zu „Biene Maja“, auf 45 Umdrehungen. In Moll klingt sogar Kindheit wie Jazz.

Bea:

Es gibt diese Platten, die klingen, als hätte jemand versucht, Sehnsucht zu pressen. Aber dann ist die Nadel drüber gerutscht, und jetzt klingt alles nach „fast“.

Albert:

Ich hatte mal eine Kassette, da war auf Seite A Musik und auf Seite B ein Elefant. Also: jemand, der versuchte, einen Elefanten zu imitieren. Ich war acht. Und vollkommen überzeugt.

Bea:

Meine Cousine hatte ein Stofftier, das „Platti“ hieß. Weil es platt war. Angeblich ein Elefant. Sah aber aus wie ein betrunkener Toaster. Wir haben ihm stundenlang Schallplatten vorgespielt, damit er tanzt. Er hat nie getanzt. Nur geguckt.

Albert:

Wenn ich an Elefanten denke, höre ich immer Tuba. Und irgendwas Großes, das langsam denkt. Wie ein Witz, der erst nach dem dritten Mal zündet. Oder meine Steuererklärung.

Bea:

Vielleicht sind Elefanten einfach nur Schallplatten mit Beinen. Groß, schwer, graziös in Zeitlupe. Und wenn sie einmal loslegen, zertrampeln sie alles – außer Erinnerungen.

Albert:

Meine Mutter hatte eine Schallplatte, auf der war Regen drauf. Nur Regen. Kein Lied, kein Text, bloß Regen. Sie hat sie manchmal aufgelegt, wenn sie meinte, das Haus müsse zur Ruhe kommen. Ich lag dann auf dem Sofa und habe auf das Aquarium gestarrt.

Bea:

War da ein Fisch drin?

Albert:

Ein Goldfisch. Er hieß... Moment, „Mungo“. Aber das hat niemand je gesagt. Der Name stand bloß auf einem Zettel am Glas. So ein schiefer Namensversuch, wie bei diesen Windlichtern mit „Herbstzauber“ drauf.

Bea:

Unserer hieß Otto. Mehr eine Entschuldigung als ein Name.

Albert:

Wofür?

Bea:

Für alles, was ihm gefehlt hat. Gesellschaft. Tiefe. Fluchtmöglichkeiten. Er ist immer gegen die gleiche Stelle geschwommen. Wie so ein vergessener Wunsch. Und dann hieß er halt Otto, damit das nicht so leer klingt. Goldfische sind wie Spione. Sie nehmen alles auf, sagen nichts, und verschwinden unauffällig. Ich habe meinen irgendwann beerdigt, in einer Butterbrotdose. Kein Grabstein, aber ich wusste, wo er lag.

Albert:

Ich hab Mungo in die Toilette gespült. Danach hat meine Mutter nie wieder die Regenplatte aufgelegt.

Bea:

Vielleicht hat sie die Stille nicht mehr ausgehalten, wenn nichts mehr durchs Glas geschwommen ist.

Albert:

Oder sie wusste, dass sie nun dran ist, mit Kreisen.

Bea:

Und du?

Albert:

Ich habe lange geglaubt, dass Goldfische länger leben, wenn man ihnen nichts verspricht.

Bea:

Ah, also du warst also auch in Norwegen? Da gibt es doch diesen Spruch: „In Norwegen hat jeder seine Meinung zu allem, aber vor allem zu den Bergen.“ Ich habe gehört, dass man in Norwegen sogar über das kleinste Detail spricht – wie den Unterschieden zwischen den Fjorden. Wo bist du denn da genau gewesen?

Albert:

Ja, ich war in Bergen. Du weißt, dass in Norwegen ein paar der ältesten Baum stehen? Irgendwie faszinierend, wie solch ein Land alles mit Geschichte durchzogen ist. Und dann habe ich diesen berühmten Satz gehört: „Norwegen bedeutet 'der Weg nach Norden'.“ Der Charme des Landes: Es zieht einen irgendwie immer weiter nach oben, als ob der Norden einen unaufhaltsam ruft. Und das alles in einem Land, das für seine Philosophie der Ruhe und Natur bekannt ist.

Bea:

Oh, das klingt ja fast schon mystisch. Da passt es ja, dass sie dort auch einen eigenen Humor haben. In Norwegen sagen sie ja, der britische Humor sei der dümmste der Welt. Ich schätze, es geht immer darum, dass man sich eben nicht zu ernst nimmt. Vielleicht ist es ja die Kälte, die den klaren Humor fördert.

Albert:

Das könnte gut sein. Oder es liegt daran, dass dort die Luft so rein ist, dass du alles irgendwie klarer siehst. Vielleicht ist es ja der Einblick in das Wesentliche, den Norwegen einem gibt. Ich meine, die Menschen dort sind schon direkt. Du bekommst nicht nur ein „Norwegisches Lachsfilet“ für deinen Omega-3-Haushalt, sondern auch ein echtes Stück Kultur serviert.

Bea:

Wenn man es richtig betrachtet, sind viele der großen Denker und Künstler in Norwegen entstanden. Da war dieser Fridtjof Nansen, der wie ein echter Riese unter den Norwegern war. Sie sagen, er habe den Nobelpreis nicht nur einmal gewonnen, sondern zweimal gewinnen sollen. Norwegen, eine ständigen Entdeckungsreise. Denke nur an die norwegischen Kaltwassertropfen, die in die unendlichen Fjorde plätschern. Aber was hältst du von der Kultur? Denkst du, Norwegen hat wirklich ein einzigartiges Verhältnis zur Natur und zur Kunst?

Albert:

Absolut. Man darf nicht vergessen, dass die Menschen in Norwegen die letzten wilden Wälder der Erde noch zu schätzen wissen. Du hast sicher schon vom „trollähnlichen“ Humor gehört, der sie einzigartig macht. In der Vergangenheit war es genau dieser Humor, der sich mit der Mythologie und den Geschichten der norwegischen Natur verband.

Bea:

Würdest du sagen, dass du ein echter Norweger geworden bist, wenn du das Land zu sehr verstehst? Oder bleibt es immer ein Ort, der dich als Außenstehenden hält?

Albert:

Ich glaube, das ist es, was Norwegen so interessant macht. Du kannst die Landschaft und die Kultur nicht einfach besitzen. Du bist immer ein Teil von ihr, aber nie ganz drin. Norwegen behält immer dieses mystische Etwas, das für immer aus der Reichweite bleibt.

Bea:

In Norwegen sagen sie, die Illuminaten seien Physiker und Mathematiker gewesen – auf der Suche nach neuen Grenzen und Möglichkeiten.

Albert:

Ich bin hoffnungslos neugierig, genau wie du.

Bea:

Kennst Du das Sprichwort: „Angewandte Physiker sind von der Venus, theoretische Physiker fragen sich, warum sie sich entgegengesetzt dreht.“ Ich bewundere Neurologen und theoretische Physiker.

Albert:

Ja, Du weißt, was ich für mein naturwissenschaftliches Pflichtfach genommen hatte? Physik für Dichter. Wenn du in einem ausbruchsicheren Raum festsitzt, ist es gut, einen Physiker dabeizuhaben.

Bea:

Edward Bailey war ein genialer Physiker. Sie nannten ihn den Da Vinci des Todes. Er fürchtete bestenfalls Zeit, nicht aber Tod und Sterben. Stalin fehlten irgendwann die Physiker, um eine Bombe zu bauen – er hatte die meisten erschießen lassen. DHeisenberg bekam den Auftrag der Nazis, eine Atombombe zu bauen; die US-Amerikaner schickten einen Baseballspieler, um ihn zu töten.

Albert:

Archimedes sagte, auf jede Wirkung folge eine Gegenwirkung – bis die Kollision auf stratosphärischem Niveau explodiert. Vermutlich folgte er inituitiv den klassischen Gesetzen der Physik. Inzwischen gleitet alles, keine Ursache, keine Wirkung. Das Neutrino – das lächerlichste Teilchen, das man sich vorstellen kann. Milliarden fliegen durch uns hindurch und tun nichts.

Bea:

Freeman Dyson stellte sich eine Hohlkugel um eine Sonne vor – eine Dyson-Sphäre, die alles Licht einfängt.

Albert:

Galileo Galilei nannte den Wein „Sonnenlicht, zusammengehalten von Wasser“.

Bea:

Steven Weinberg sagte: Religion sei eine Beleidigung der menschlichen Würde; damit gute Menschen Böses tun, brauche es Religion.

Albert:

Fliehkraft existiert gar nicht, sagen Physiker.

Bea:

Physiker beschimpfen niemanden mit Fachbegriffen. Kein Streit endet mit: "Es ist ein Myon, du Idiot!" – weil danach erst mal alle googeln müssten.

Albert:

Wenn du schneller als der Schall reist, überholst du dein eigenes Rufen. Alles beginnt irgendwo, auch wenn viele Physiker das bestreiten. Erinnerst du dich an den Elefanten, der nie vergisst? Ich wünschte, ich könnte das auch nicht – aber leider erinnere ich mich an alles.

Bea:

Dann erinnere dich an Folgendes: Wenn jemand sagt „Der Elefant im Raum“, dann meinen sie selten den Badeanzug, der ihnen immer noch nicht passt.

Albert:

Oder den Bikini, den sie mit 17 getragen und mit 27 verflucht haben. Kleidung kann dich vor dir selbst verstecken – aber ein Bikini kann das sicher nicht. Besonders nicht, wenn er aus essbaren Fäden besteht und in der Strandhütte vergessen wurde. Ich sag’s dir: Jessica Alba im Bikini – niemand erinnert sich an den Film, aber alle an die Szene.

Bea:

Oder Phoebe Cates. Roter Bikini, langsames Aussteigen aus dem Pool. Und ein ganzes Jahrzehnt männlicher Hormonhaushalte kollabiert.

Albert:

Aber der Bikini selbst? Eine Art tragbare Metapher: wenig Stoff, viel Projektion.

Bea:

Ein Mädchen im Bikini ist wie eine geladene Pistole auf dem Couchtisch.

Albert:

Die siebte Hölle der Mode. Supermodels, die tragen, was in der Thermodynamik nicht vorgesehen war. Ein Knopfdruck – und schon erscheint sie: gehorsam, perfekt proportioniert, vollsynthetisch. Willkommen im Maschinenraum des Begehrens.

Bea:

Und trotzdem, Magie: „Das Sexieste am Bikini ist, was er nicht zeigt.“

Albert:

Solange niemand vorschlägt, man müsse ihn chirurgisch annähen – wie in Ida’s Bikini Shop mit militärischem Look.

Bea:

Tja. Alle können Bikini tragen, sagen sie. Man muss nur das Selbstbewusstsein mitbringen.

Albert:

Oder eine sehr gute Geschichte. Eine, in der man weiß, wie man in den Bikini gekommen ist. Und noch besser: warum man wieder raus will.

Bea:

In der Bahn hörte ich folgendes Geständnis: "Ich komme vor Sonnenaufgang zur Arbeit und gehe erst weit nach Sonnenuntergang. Ich hatte seit sechs Monaten keinen Sex mit jemand anderem als mir selbst. Und das Einzige in meinem Kühlschrank ist eine alte Limette. Könnte auch eine Kiwi sein, keine Ahnung. Ich bin allergisch gegen Milchprodukte, Schalentiere, rotes Fleisch, Melone, Nüsse und Kiwi, also eher nicht - alles ist beschriftet, also werde ich wissen, was ich gegessen habe".

Albert:

Kiwifrüchte verbrauchen mehr als ihr eigenes Gewicht an Kerosin, um von Neuseeland nach Europa zu gelangen. Aber was tut man nicht alles, damit Bestellungen wie "Barmann, ich nehme einen Wassermelonen-Erdbeer-Kiwi-Spritzer „on the rocks“, in einem Martiniglas, mit einer dünnen Zitronenschale und einem blauen Schirmchen am Rand." oder auch "Ich nehme eine Mandelmilch bei Zimmertemperatur, bitte. Nein, eigentlich nehme ich eine Mandarinen-Margarita. Nein. Streiche das. Ich nehme einfach eine Aprikose, in vier Teile geschnitten. Und eine Kiwi. Haben Sie Kiwi? Ich nehme eine Kiwi, aufgeschnitten. Eine Banane noch dazu. Weißt du was? Einfach einen Obstsalat." möglich bleiben.

Bea:

Kiwis kommen von einem Planeten weit entfernt in der Galaxie. Weißt du, für Whiteboard-Marker gibt es ein paar tolle neue Farben: Kiwi und Mango und Mango-Kiwi-Tropenwirbel. Willst du meinen neuen Lipgloss ausprobieren? Er schmeckt nach Kiwi.

Albert:

Ich bin auf Kiwi-Diät. Ich esse alles außer Kiwi. Man nenne niemals einen Kiwi einen Aussie. Es ist immer das eine oder das andere. Ich kann den Unterschied nie ganz sagen, ich habe „Neuseeland“ gesagt, um Eindruck zu machen, falls ich richtig liege. Die meisten Leute sagen normalerweise Australien, was die Kiwis verärgert.

Bea:

Nach dem Bikini kam der Tennisrock. Weiß, plissiert, halb schulmädchenhaft, halb Kommando. Als könnte man sich damit gegen alles wehren, was zu nah kommt – solange der Aufschlag sitzt.

Albert:

Ich erinnere mich an Tennisspiele im Fernsehen. Weiße Kleidung, grüne Plätze, roter Kopf. Mein Vater schimpfte nie beim Zuschauen – nur, wenn jemand beim zweiten Aufschlag wieder ins Netz traf. Da verzog er das Gesicht, als wäre es eine Beleidigung.

Bea:

Ich hab mir immer vorgestellt, dass es irgendwo einen Ort gibt, wo Menschen Tennis spielen, ohne je zu schwitzen. Wo der Körper einfach macht, was man ihm vorschreibt, und der Blick ruhig bleibt. Ich dachte lange, das sei Eleganz.

Albert:

Ich mochte das Geräusch der Bälle: dieses dumpfe, saubere „Pock“. Kein Chaos, keine Überraschung – nur Rhythmus. Wie ein Gespräch mit Abstand. Einer spricht, der andere antwortet. Und niemand fällt sich ins Wort.

Bea:

Man sieht den Ball kommen, und man weiß: Es ist jetzt. Kein später, kein Vielleicht. Nur dieser Moment, wo der Arm nach vorne geht und der Körper mitzieht. Es gibt kaum etwas Ehrlicheres.

Albert:

Und danach? Kurzes Nicken, Handtuch im Gesicht, ein Schluck Wasser. Kein Schulterklopfen, kein Drama. Als wäre das alles ganz selbstverständlich: dieser Kampf, der keiner sein darf.

Bea:

Ich habe mich oft gefragt, warum mir ausgerechnet der Rückhandgriff so vertraut war. Als hätte mein Körper heimlich geübt, heimlich gewusst, dass man nicht immer mit der Schokoladenseite trifft.

Albert:

Tennis hat mich gelehrt, dass man nicht gewinnen muss, um gesehen zu werden. Aber man muss gut stehen. Die Füße fest, der Blick klar, der Wille unauffällig. Alles andere wirkt wie Pose.

Bea:

Und dann stand ich auf einem Platz, der leicht staubte. Der Ball kam zu flach, mein Schlag zu hoch – und doch flog er drüber. Nicht schön, nicht kraftvoll. Aber ein Treffer. Und es war genug.

Albert:

Tennis: der höflichste Weg, sich zu behaupten. Man bittet nicht, man schreit nicht. Man spielt. Punkt. Die alte Schallplatte mit dem Tennissound lag noch im Spieler, als ich gestern aufgeräumt hab. Du erinnerst dich? Die mit dem Aufschlag, der wie ein Riss im Himmel klang. Danach kam der Ballwechsel, und irgendwann klang es, als würde jemand Essig in ein Weinglas gießen.

Bea:

Weil was übergeblieben ist vom Match?

Albert:

Weil da was Gärendes drin war. So klang es jedenfalls. Als hätte jemand gewonnen, aber niemand applaudiert.

Bea:

Essig kommt selten mit Applaus. Der ist eher so eine stille Reaktion auf zu viel Luft und zu wenig Deckel.

Albert:

Oder auf zu viel Stolz und zu wenig Zucker. Ich mein, Essig ist ja nur vergorener Wein. Vielleicht ist das seine Ehrlichkeit.

Bea:

Ein Nachtwächter badete seine Füße in Essig. Meinte, das ziehe die Wut raus. Mit einer Freundin wäre das nicht passiert. Ihm hörte einfach niemand zu.

Albert:

Wut ist manchmal wie Einlegen. Wenn man sie nicht rausnimmt, wird sie sauer.

Bea:

Oder zäh. Ich habe mal bei einem eingeladenen Abendessen eine Radieschenschale gegessen, weil ich dachte, das sei der Hauptgang. Danach kam nur Essig. Und ein Blick wie Balsamico: süß, aber schwarz.

Albert:

Die besten Dressings bestehen zur Hälfte aus Dingen, die man lieber trennen würde.

Bea:

Wie Beziehungen. Öl, Essig – ein bisschen Schütteln, und für fünf Minuten sieht’s harmonisch aus.

Albert:

Und dann setzt sich alles wieder. Oben das Klare, unten das Scharfe.

Bea:

Und wenn du fragst, was davon Liebe ist, sagt der Kellner: „Kommt drauf an, worauf Sie heute Appetit haben.“ Es gibt doch diesen Spruch, dass Belgien für seine „Schokoladen und Kinder“ berühmt ist. Was hältst du davon?

Albert:

Naja, ich erinnere mich, als ich mal in Belgien war. Da sagte jemand: „Du bist in Belgien, was willst du mehr? Schokolade und Kinder!“ Aber bei so einer Geschichte frage ich mich manchmal, ob es nicht auch ein bisschen zu viel von beidem gibt. Und was die Schokolade angeht… die Belgier haben ja immerhin ein gutes Geschäft damit gemacht. Und dann dieser seltsame Humor, der typisch für Belgien ist. Hast du auch schon mal den belgischen Witz gehört? Da gibt’s immer diese blöden Sprüche, „Was ist Belgien? Schokolade, Kinder und das war’s“. So wie dieser Spruch von einem Belgier, der einen seltsamen Charakter hatte – ein bisschen wie ein Zyniker, der nie wirklich zugeben wollte, was er selbst ist. Und dann gab es diese seltsame Zeit, als Belgien von Kolonialisten regiert wurde. Ich meine, niemand kann wirklich darüber hinwegsehen, wie das Land das kolonisierte Afrika beeinflusste. Belgien hat da so seine eigene dunkle Geschichte, die immer wieder hervorkommt. Ein wenig wie der Gespenst des Kolonialismus, der noch immer in den Straßen von Belgien lauert. Auf der Berliner Konferenz von 1884 beschlossen die Kolonialmächte der Welt, den afrikanischen Kongo unter sich aufzuteilen. König Leopold von Belgien beanspruchte das riesige Kongobecken, das reich an Elfenbein und Mineralien war. Fünf Jahre später hatte er in seinem Bestreben, seine neue Kolonie auszubeuten, hohe Schulden angehäuft. Da er dringend Geld benötigte und ihm die Mittel zur Bezahlung seiner Armee ausgingen, schickte er seinen vertrauenswürdigsten Diener, Leon Rom, in den Kongo, um die legendären Diamanten von Opar zu beschaffen.

Bea:

Belgien? Mann, niemand ist jemals freiwillig nach Belgien gereist. Was redest du da? Was gibt es denn in Belgien? Ich kannte einen Belgier, der Frauen mit Schwimmfüßen bewunderte, behauptete, dass er das Fragezeichen „erfunden” habe, und Kastanien beschuldigte, faul zu sein . Kennst Du jenes belgische Märchen? Wie war das noch mal? Die Tagespflegerin. Die Nachtpflegerin. Die Köchin. Der Typ, der kam, um die Toilette zu reparieren. Und dieser Zauberer aus Belgien!

Albert:

Nie davon gehört, nein. Moment, ich kenne doch einen Witz über Belgien. Nein, eine Anekdote. Ja... Ich war auf der Suche nach einer köstlichen belgischen Schokolade, als ich plötzlich diesen kleinen frechen Jungen sah, der mitten auf dem Platz pinkelte! Ich versuchte, ihn hochzuheben, aber er rührte sich nicht von der Stelle. Dafür bekam ich eine Anzeige.

Bea:

Den hast Du eben schon erzählt. Er wird nicht besser durch Wiederholung. Ich kenne auch einen: Wir könnten dich Waffle nennen und sagen, dass du aus Belgien kommst. Als Kind war ich so neidisch, das grenze an Dumpfheit: So habe ich mich gefragt, ob die Ballkönigin tatsächlich tatsächlich so viel Macht hatte, dass sie beispielsweise Belgien hätte bombardieren können. Warst Du je in Belgien?

Albert:

Erinnerst du dich, dass ich dir all diese Briefe aus Belgien geschickt habe? Ich war nie in Belgien. Nein, nein, nein, das ist nicht der Streich. Weißt du, ich fühlte mich so verletzt, dass jemand auf meinen Badezimmerboden gekackt hatte, dass ich die Kacke auf die Briefe schmierte, die ich dir geschickt habe.

Bea:

In Belgien behaupten sie, selbst Gott sei nur ein besonders guter Mathematiker. Welcher mathematische Decknamen – Christian Wolff, Carl Gauss, Lewis Carroll - würde Dir am besten gefallen?

Albert:

Bill Tutte, ein britischer Mathematiker, verkürzte den Krieg und rettete Millionen Leben. Er starb unerkannt.

Bea:

Ada Lovelace war die erste Programmiererin. Eine Mathematikerin, die im 19. Jahrhundert den Computer vorausdachte. Ich bin keine Mathematikerin, aber zwischen null und eins liegen unendlich viele Zahlen. Manche Unendlichkeiten sind größer als andere. Butter plus Trockeneis ergibt – ich bin keine Mathematikerin – die cool-drat­ische Formel. Manche nennen das Transzendenz. Mathemiker haben den Krieg gewonnen. Sie haben Codes gebrochen, die Atombombe gebaut. Sie waren die Avantgarde von Demokratie und Wissenschaft. Ein Mathematiker namens Felicitus Aquarius erfand in Rom den reißfesten Webstuhl – und wurde dafür verbannt.

Albert:

Manche Mathematiker berechnen und modellieren Multiversen, an Dimensionen, die neben unserer existieren. Mathematische Berechnungen sind komplex. Ich habe deshalb einen hinzugezogen. Mathematiker suchen immer nach der eleganten Lösung. Doch menschliches Verhalten ist selten elegant.

Bea:

Manchmal braucht man Mathematiker, um einfache Knoten zu lösen – und wir können es trotzdem nicht. Leverage – das Prinzip des Archimedes. Er sagte, gib mir einen festen Punkt, und ich bewege die Welt. Der König fragte Archimedes, ob das Geschenk wirklich aus Gold sei. Wochenlang fand er keine Lösung, bis das Badewasser stieg. „Eureka“, rief er – und rannte nackt durch die Straßen.

Albert:

Ich habe gehört, der beste Mathematiker ist der faule. Vielleicht wird Faulheit neu entdeckt, denn für 130 000 Jahre blieb unsere Vernunft schließlich auf gleichem Niveau. Die kombinierte Intelligenz von Mathematikern und Hackern verblasst gegen künstliche Intelligenz.

Bea:

Weißt du, was das wirklich Mutige am Bikini ist? Dass man dafür nicht nur Selbstbewusstsein, sondern auch eine Kreditkarte braucht. Oder zumindest die Hoffnung, dass das Ding nicht mehr kostet als der Inhalt meiner Geldbörse.

Albert:

Nur ein Portemonnaie, aber mit allem drin: Kreditkarten, Quittungen, Erinnerungen und ein vergilbtes Foto von einer, die du nicht bist.

Bea:

Kein Wunder, dass Männer ihre Brieftasche im Wohnzimmer aufbewahren. Weit weg vom Herzen. Ich erinnere mich an einen, der immer sagte: „Ich nehme erst das Vertrauen. Dann die Brieftasche.“

Albert:

Charmant. Und effizient.

Bea:

Und du? Was ist in deiner?

Albert:

Ein Pilotenschein, ein Organspendeausweis, und eine Hotelrechnung mit Minibar-Missbrauch. Vielleicht noch ein unsichtbarer Zettel: „Nicht öffnen. Nichts Gutes dahinter.“

Bea:

Du weißt schon, dass Frauen in ihrer Geldbörse das ganze Leben mit sich herumtragen? Fotos von Menschen, die sie lieben. Geliebt haben. Oder nie zurückgeliebt wurden.

Albert:

Und Männer? Wir haben ein Bild. Oft zu alt. Und ein Einkaufszettel, den wir nie brauchen.

Bea:

Die Wahrheit ist: Niemand will dein Portemonnaie. Aber alle wollen, was drin ist.

Albert:

Und wenn man keins hat?

Bea:

Dann bleibt nur: Eindruck machen mit dem, was man nicht besitzt. Wie bei Gucci-Geldbörsen in der Hölle.

Bea:

Oder Kreditkarten, die einem der Vater überlässt, damit man sich nicht daneben benimmt – und genau das Gegenteil passiert. Warte. Ich habe deine Karte doch noch. Oder meine. Oder unsere. Wer weiß das schon?

Albert:

Giro, Sparen und Giro, Festgelder, Sparen und Festgelder, Giro und Festgelder, Sparen, Giro und Festgelder, Schatzbriefe - kann man einfach sein ganzes Geld nehmen und es da hinten in eine große Matratze oder unter die Dielenbretter stopfen?

Bea:

Meins nicht. Wir haben keine Kröten unter unserer Matratze. Weißt du, was wir haben? Eine verdammte Wassermelone!

Albert:

Wer bin ich? Matratzen! Holt euch eure eigenen schönen Matratzen! Matratzen zu verkaufen! Wie mache ich das? Volumen! Hallo, aufgepasst: das ist eine weiche Matratze? Hast du einen schönen Geldschein, den Du gegen diese Matratze tauschen möchtest? Wer bin ich? Ein Verkäufer!

Bea:

Magst du das? Niemand wird mehr auf Matratzen schlafen. Das ist doch altmodisch. Das ist was für Spießer.

Albert:

Und wenn Kerle auf Matratzen liegen, dann verdienen sie kein Geld. Übrigens, kennst du den? Mann, was für eine harte Nacht - meine aufblasbare Freundin ist mit meiner Luftmatratze abgehauen!

Bea:

Anderen reicht es Matratze, und sie machen Geschäft ohne Geschäftsvertreter. Man liegt auf einer Matratze, steht auf, um sich auszuziehen, und legt sich wieder hin, auf eine große Herzmatratze, nackt; in den Pausen nimmt man Drogen. Ich wollte mehr sein als ein Loch in der Matratze, das auf einen Namen antwortet.

Albert:

Kennst Du jene Liste von Leuten, die auf Selbstenzug gehen? "Junk aufgeben. Stufe eins, Vorbereitung. Dafür brauchst du ein Zimmer, das du nicht verlässt. Beruhigende Musik. Tomatensuppe, zehn Dosen. Pilzsuppe, acht Dosen, kalt zu verzehren. Vanilleeis, ein großer Becher. Milch von Magnesia, eine Flasche. Paracetamol, Mundwasser, Vitamine. Mineralwasser, Lucozade, Pornografie. Eine Matratze. Einen Eimer für Urin, einen für Fäkalien und einen für Erbrochenes. Einen Fernseher und eine Flasche Valium, die ich bereits von meiner Mutter besorgt habe, die in ihrer häuslichen und gesellschaftlich akzeptierten Weise auch eine Drogensüchtige ist. Und jetzt bin ich bereit. Alles, was ich noch brauche, ist ein letzter Schuss, um den Schmerz zu lindern, während das Valium wirkt." Lass uns Houdini spielen. Ab auf die Matratzen. Oder nein, lieber das Kinderspiel, vom Renaissance-Festival in Indiana. Du darfst der Weiße Ritter sein. Die Kinder dürfen ein Pferd reiten und gegen die Mächte der Finsternis mit Helm antreten. Und der Weiße Ritter gewinnt immer – die Mächte der Finsternis fallen auf eine alte Matratze. Jemand spielt Laute und spielt ein Lied aus dem Mittelalter. An dem Tag waren es vielleicht 90 Grad, die Hitze und die Luftfeuchtigkeit, ich kann mich nicht mehr erinnern, was das Radio sagte. Wir waren als Nächstes dran, und die Stute brach zusammen. Ging in einem Haufen zu Boden. Ginger aß Ye Olde Drumstick und ließ ihn in den Dreck fallen. Die Kinder weinten. Ich erinnere mich, wie ein Farmer sagte, er habe ein Gewehr im Truck. Einfach so. Vom Weißen Ritter zu einer Waffe im Truck. Sie ließen alle den Rücken drehen, bevor sie das Tier erschossen, aber selbst wenn du es nicht sehen konntest, konntest du es hören. Wie kriegst du das zurück? Wie soll das gerecht sein?

Bea:

Ich hab mal meine Kreditkarte angeschaut wie einen Lachsrücken. Glatt, glänzend, teuer – und irgendwie fremd. Man benutzt sie, um sich etwas Gutes zu tun, und fühlt sich danach trotzdem ein bisschen schuldig.

Albert:

Meine erste Karte war durchsichtig. Wie eine Einladung zum Unsichtbarwerden, wenn man sie zu oft einsetzt. Ich hab damit Lachs bezahlt, den ich nicht essen wollte. Er war lauwarm. Und ich hab ihn aufgegessen, weil ich dachte, das schulde ich der Karte.

Bea:

Lachs hat was von Make-up in Fischform. Dieses Rosa, das vorgibt, edel zu sein. Ich fühl mich immer ertappt dabei. Als würde ich einen Körperteil bestellen, der höflich verpackt wurde, damit niemand merkt, wie direkt das Ganze eigentlich ist.

Albert:

Ich habe mal versucht, Lachs in der Mikrowelle warm zu machen. Der Geruch hat sich in die Gardinen gefressen. Danach habe ich beschlossen, dass man Fisch entweder ernst nimmt oder bleiben lässt.

Bea:

Meine Mutter hat Lachs auf Toast serviert, wenn jemand Eindruck machen wollte. Der Toast war oft weich, der Lachs zu dünn, und alle taten so, als hätten sie nie Hunger.

Albert:

In der Schule gab’s einmal Lachsersatz aus der Tube. Eine rosa Creme, die wie Enttäuschung geschmeckt hat. Ich dachte: So fühlt es sich an, wenn man Reichtum nur aus der Werbung kennt.

Bea:

Ich mochte Lachs nie, aber ich hab ihn oft gegessen. Weil man ihn essen sollte. Wie ein Kompliment, das einem nicht steht, aber das man höflich annimmt.

Albert:

Lachs ist ein Tier, das gegen den Strom schwimmt, um zu sterben. Vielleicht bestellen wir ihn deshalb – um so zu tun, als hätten wir eine Richtung. Am Ende ist Lachs wie ein Kauf auf Raten: Zuerst schmeckt es nach etwas, das man sich nicht leisten kann. Dann nach etwas, das man nicht mehr will. Und dann bleibt nur noch das Fettpapier.

Bea:

Also, was hältst du eigentlich von Spargel? Spargel wird irgendwie ein bisschen übersehen. Warum ist Spargel eigentlich immer so ein exklusives Gericht?

Albert:

Ach, Spargel, ja... Ein bisschen zu kalt, vielleicht, aber doch irgendwie anziehend.

Bea:

Ich glaube, das ist eine gute Art, es zu sehen. Weißt du, es gibt ja auch die Meinung, dass Spargel mit viel zu viel Butter und zu wenig Geschmack serviert wird. So wie wenn in einem Restaurant miserabler, überkochter Spargel serviert wird. Die Küche ist keine alte, müde Ehe, sie ist eine leidenschaftliche Affäre des Herzens. Ein echter Schock für die Geschmacksknospen, oder? Kotze duftet übrigens wie zwei Wochen alter Spargel im Magen eines Maultiers.

Albert:

Stimmt. Und ich erinnere mich an den Typen, der irgendwann mal sagte: „Das englische asparagus stammt aus dem spätlateinischen asparagus, das wiederum auf das Altgriechische ἀσπάραγος (asparagos) zurückgeht. Die Variante aspharagos ist eine ältere oder dialektale Form, die in manchen antiken Quellen vorkommt.“ Da sieht man mal, wie tief verwurzelt diese Pflanze in der Geschichte ist. Aber du hast schon recht, es ist nicht nur die Zubereitung, sondern auch die Art, wie wir Spargel betrachten. Warum zum Beispiel gibt es Spargel eigentlich nicht als Snack zwischendurch?

Bea:

Ganz genau. Und dann diese Geschichte vom anonymen Morsecode: “Ich werde alt. Stopp. Kann nicht pinkeln. Stopp. Stinke wie Spargel. Stopp. Obwohl ich keinen gegessen habe. Stopp.” Ein Typ, so sauer wie verdorbener Spargel.

Albert:

Ich kann es kaum erwarten, frisch gezogenen Spargel wieder zu probieren. Vielleicht ist das ja das Geheimnis – ein kleiner Spaß mit den eigenen Erwartungen. Du weißt schon, ein bisschen Humor muss auch in die Küche, zum Beispiel wenn jemand Tomaten-Spargel-Kiwi-Pizza bestellt hat. Essen, staunen, lachen, schlafen.

Bea:

Naja, ich denke, wir könnten doch auch ein kleines Experiment wagen. „Ich nehme einen frischen Spargel, dann Pasta, und noch einen kleinen Apfelkuchen.“ Vielleicht mit ein bisschen Basilikum und Knoblauch. Was meinst du, ist das die Zukunft des Spargels?

Albert:

Das klingt nach einem Plan. Ich könnte dir sogar einen „Belgien-Witz“ über Spargel erzählen, aber der würde dich vermutlich nur schocken. Es soll Männer geben, die weibliche Oberschenkel mit Spargel vergleichen, um dabei Einstufungen zur Bissfestigkeit vorzunehmen.

Bea:

Haha, wirklich? Ich dachte, Spargel sei überall respektiert, aber du hast wohl auch einen Punkt. Es ist wie diese seltsame Tradition, dass „Spargel zu der Feinkost gehört, die man immer zu besonderen Anlässen serviert“. Das ist schon fast so, als ob man einem alten Rezept nachhängt, das niemand mehr so wirklich versteht. Ich schätze, am Ende gibt es doch eine gewisse Magie im Spargel, die immer noch uneingeschränkt anerkannt wird.

Albert:

Dieser Lachs gestern – hat sich angefühlt, als hätte man ihn trainiert, wie man sich auf dem Teller benehmen soll. So artig, so gleichmäßig. Als hätte er eine Benimmschule für Delikatessen durchlaufen.

Bea:

Ich musste an meinen alten Hamster denken, als der Lachs da so glatt auf dem Teller lag. Der eine gleitet, der andere zittert – beides eher falsch in der Küche.

Albert:

Ich hatte mal einen Hamster, der nachts so lange am Gitter geraspelt hat, bis meine Mutter gedacht hat, es wären Einbrecher. Seitdem verbinde ich Nagetiere mit Alarmbereitschaft.

Bea:

Meiner hat das Rad ignoriert. Komplett. Er saß lieber im Futternapf und hat geguckt, als wäre es ihm peinlich, überhaupt existieren zu müssen.

Albert:

Oder er hat einfach verstanden, wie das System läuft. Rad ist Illusion, Napf ist Realität.

Bea:

Er hat irgendwann angefangen, Klopapier zu stehlen. Fetzenweise. Ich weiß nicht, ob für ein Nest oder einen Fluchtplan.

Albert:

Hamster leben nicht in Plänen. Sie graben Umwege und rotieren dabei, bis der Tag zu Ende ist.

Bea:

Wie Leute, die ständig etwas optimieren wollen und am Ende nicht wissen, wofür. Nur dass beim Hamster wenigstens keiner applaudiert.

Albert:

Oder Karriereberatung betreiben. „Sie sind ein sehr engagiertes kleines Tier. Haben Sie schon über ein zweites Laufrad nachgedacht?“

Bea:

Ich hab ihn eines Nachts rausgelassen. Kurz. Einfach so. Er ist einmal unter die Couch, dann zurück in den Käfig. Ohne Drama.

Albert:

Manche Grenzen sind gar nicht nötig, wenn man sie eh nicht überschreiten will.

Bea:

Oder wenn man verstanden hat, dass Freiheit nicht zwangsläufig mehr Platz bedeutet – sondern weniger Wiederholung. Warst Du jemals in einer Frauenarztpraxis?

Albert:

Ja, und ich hatte immer gedacht, da hingen, keine Ahnung, Bilder von Uterussen an den Wänden. Zahnärzte sind für Männer das, was Gynäkologen für Frauen sind. Wenn du sie weit offen hast und deine Hand in ihnen ist, fällt ihre Scham einfach ab. Du wirst in ihre Geheimnisse eingeweiht. Manchmal schickst du sie mit einem Rezept nach Hause, das etwas mehr Spaß macht als das Problem erfordert. Und manchmal? Nun, wenn du ein bisschen substantieller helfen kannst und niemandem geschadet wird, warum dann nicht helfen? Wenn ein Gynäkologe sagt, es gibt keine zwei, die gleich sind, dann gibt es wohl keine zwei, die gleich sind! Jede Frau, der du begegnest, hat etwas Besonderes an sich, etwas, das sie von den anderen abhebt. Würdest du mit einem Gynäkologen ausgehen?

Bea:

Nein. Und bei einer weiblichen Gynäkologin fühle ich mich wohler. Ach: Nur weil sie eine weibliche Gynäkologin ist, heißt das nicht, dass sie lesbisch ist. Dein Vater hat das Einkommen eines Gynäkologen, und ihr hattet ein Haus voller Angestellter.

Albert:

Verwöhnt, brutal, zynisch. Ich fühle mich wie ein Frauenarzt für einen Grizzlybären. Ein Gynäkologe, der nichts über Frauen weiß! Gynäkologin und lesbisch, das wäre dann eine Gynäsbe.

Bea:

Ich brauche eine neue Gynäkologin. Jeder sollte eine nebenan haben.

Albert:

Findest Du etwas seltsam, wenn ein Mann Gynäkologe werden will? Als hätte er sich während des Abiturs überlegt: „Ich würde den ganzen Tag wirklich gern Vaginas anschauen.“

Bea:

So gesehen gibt es Millionen Amateur-Gynäkologen, die sich den ganzen Tag Vaginas anschauen. Aber: Wenn es um weibliche Geschlechtsorgane geht, sind wir alle tragisch unwissend.

Albert:

Kennst Du die Ängste vieler Männer, dass ihre Frau mit dem Gynäkologen schläft?

Bea:

Warum sollten sie?

Albert:

Sie haben Zugang. Und weißt Du, warum Monty Python nie großen Erfolg hatte in den USA?

Bea:

Weil US-Amerikaner Witze über Vikare und Cricket und Gynäkologen, die Fußball spielen, nicht annehmen.

Albert:

Und wie würde sich ein Nilpferd-Gynäkologe einem Nilpferd vorstellen, in der Praxis?

Bea:

Erleuchte mich.

Albert:

Ich bin Gynäkologe. Ich bin auf Fertilität spezialisiert. Außerdem ein eifriger Sammler antiker gynäkologischer Instrumente. Weißt du was, ich setze dich gern in die Steigbügel und schau mir die alten Katzeneier an. Nun, ich bin der einzige Albino-Rhino-Gyno, den ich kenne! Wollen wir etwas Wein nehmen? Ich schaue mehr in Vaginas als in die Augen meiner Artgenossinnen.

Bea:

Dieser Nilpferd-Arzt käme auf die Liste jener Lebewesen, auf die ich verzichten kann. Ich denke, jeder hat so eine Liste. Das ist meine Liste von Leuten, auf die ich verzichten kann: Typen in den Fünfzigern, die „Skip“ heißen. Jeder, der Gleitgel mit einer Exxon-Kreditkarte bezahlt. Ein Pilot mit zwei verschiedenen Schuhen. Ein Proktologe mit schlechtem Tiefensehen. Ein Zuhälter, der einen Toyota Corolla fährt. Ein Gynäkologe, der will, dass meine Frau vor der Untersuchung drei oder vier Drinks nimmt. Typen mit vielen kleinen Pins auf ihren Hüten. Jeder, der Jesus mehr als dreihundert Mal in zwei Minuten erwähnt. Ein Zahnarzt mit Blut in den Haaren. Jede Frau, deren Hobby das Stillen von Zootieren ist. Ein Bestatter, der sagt: „Ich hoffe, wir sehen uns bald wieder!“ Mädchen, die sich betrinken und beim Frühstück kotzen. Ein Mann mit nur einer Lippe. Ein Pfadfinderführer, der einen Dildoladen besitzt. Leute, die tatsächlich die zweite Strophe der Nationalhymne kennen. Jeder Anwalt, der die Polizei „Federalies“ nennt. Eine schielende Nonne mit Peitsche und Ginflasche! Ein Gehirnchirurg mit „Born to Lose“ auf den Händen tätowiert. Paare, deren Kinder alle mit demselben Anfangsbuchstaben beginnen. Ein Mann im Krankenhauskittel, der den Verkehr regelt. Eine Kellnerin mit sichtbarer Infektion an der Servierhand. Leute mit großem Zahnfleisch und kleinen Zähnen. Kerle, die dieselbe Unterwäsche so lange tragen, bis sie die Blutzirkulation zu den Füßen abschneidet. Und jeder Mann, dessen Armhaare seine Armbanduhr komplett bedecken. So, das reicht.

Albert:

Weißt du, was mir manchmal fehlt? Das Gefühl, wenn man bar zahlt und alle glauben, du hast’s im Griff. Wenigstens für den Moment, wenn die Kellnerin fragt, ob man das Trinkgeld bar bezahlt.

Bea:

Heute ist alles Glanz. Besonders auf Fingern.

Albert:

Wer Diamanten trägt, will auffallen. Oder provozieren.

Bea:

Oder hat sie einfach geerbt. Inklusive schlechtem Gewissen. Vertrauen ist der wahre Luxus.

Albert:

Und am gefährlichsten. Einmal ist man unten, lebt von Kaugummiresten und Zufall – im nächsten Moment stopften Frauen Diamanten in ihre Taschen. Und die Frage, ob gefeiert oder aufgewacht werden soll.

Bea:

Ist doch eh dasselbe.

Albert:

Wenn du so willst.

Bea:

Aber selbst Diamanten haben Risse. Und trotzdem messen wir alles daran. Gewicht. Wert. Haltbarkeit.

Albert:

Wie bei Beziehungen. Makel mit Marketing. Du weißt, dass das Zeug aus Kohlenstoff besteht? Graphit, Kohle, Stein – nur anders gepresst.

Bea:

Also alles eine Frage des Drucks.

Albert:

Und wie gut man ihn aushält.

Bea:

Oder trägt.

Albert:

Oder verkauft. Nimm nur den einen. Nimm keinen anderen Schatz. Wer hört schon auf Warnungen, wenn alles funkelt?

Bea:

Meine Großmutter sagte immer, ich solle Geschäftsfrau werden. Aber ich dachte nur an eins: einen Kuss. Einen großen Hollywood-Feuerwerk-Kuss. Ich wartete die ganze Nacht auf den Columbus-Day-Hasen, der meinen Schornstein herunterkommt und Feuerwerk in meinem Kürbis zündet. Feuerwerk ist das Gegenteil von romantisch.

Albert:

Habe ich dir nicht Feuerwerk versprochen? Wie stehst du zu Innenfeuerwerk? So weit weg wie nur möglich.

Bea:

Es wird kein Feuerwerk geben! Sobald das Feuerwerk startet, wird die Polizei überall hier sein.

Albert:

Deine Besessenheit von Feuerwerk – und das sage ich als Freund – beunruhigt mich. Und meinen Hund.

Bea:

Ich würde gerne das Feuerwerk über der Freiheitsstatue sehen.

Albert:

Vielleicht findest du dein eigenes Feuerwerk auf der Kreuzfahrt.

Bea:

Ich denke, wir werden es eher ruhig angehen. Feuerwerk schauen, danach wahrscheinlich ein bisschen herumrollen. Vielleicht ist die Wahrheit, dass das Ende lange vor diesem Kino begann. Und was wir jetzt sehen, ist nicht das Feuerwerk. Es sind nur die letzten flackernden Funken. Du wirst da stehen, einen Feuerwerksstand besitzen, und mir sagen, du hast keine Whistlin’ Bungholes, keine Spleen Splitters, Whisker Biscuits, Honkey Lighters, Hoosker Doos, Hoosker Don’ts, Cherry Bombs, Nipsy Daisers, mit oder ohne Scooter Stick, oder auch nur einen Whistlin’ Kitty Chaser? Das ist dein Problem – es geht nicht darum, was du magst, sondern um den Verbraucher.

Albert:

Als wir in der Schule waren, war er der Beste in Chemie. Er verkaufte selbstgemachte Feuerwerkskörper. Einmal hat er sogar das Chemielabor in die Luft gejagt. Ich habe eine Tüte Feuerwerk in der Herrentoilette gefunden, hübscher als Dämonengrütze. Er sagte mir, ich solle runtergehen und das Feuerwerk anschauen, weil es angefangen hatte. Dann schloss er die Tür.

Bea:

Wenn es illegal ist, Feuerwerk ohne Genehmigung herzustellen, dann sind wir wohl schuldig – das machen wir schon lange.

Albert:

Du sollst zelten gehen, Käfer fangen, Feuerwerk schauen, all das. Es ist der Sommer, auf den wir uns gefreut haben. Aber wir wollen nicht. Warum?

Bea:

Ich mochte Donuts nur, wenn sie in Papiertüten lagen. Ohne Etikett. Noch warm. Wenn der Zucker an den Fingern klebt und man was mitnimmt, ohne es zu wollen.

Albert:

Mein Vater hat gesagt: „Donuts sind was für Leute, die was Süßes wollen, aber keinen Mut zum Kuchen haben.“ Dann hat er sich heimlich zwei gekauft.

Bea:

Vielleicht mochte ich das Loch, weil man ihm ansieht, dass da was fehlt – aber keiner tut so, als wär’s anders. Es ist ein offenes Geheimnis. Und das ist seltener, als man denkt.

Albert:

Ich habe Donuts lange nicht verstanden. Erst später: Sie sind wie die Pausen zwischen den Gesprächen. Eigentlich das Wichtigste.

Bea:

In der Schule hat mal jemand gesagt, Donuts wären was für Dumme. Ich habe dann einen gegessen und dabei an den besten Satz des Tages gedacht. Einen Donut mit Himbeerfüllung. Außen süß, innen scharf. Danach wusste ich: Nicht alles, was rosa ist, meint es gut mit dir.

Albert:

Ich mochte sie ohne Glasur. Da sieht man, wenn sie alt sind. Und keiner kann sich rausreden. Im Krankenhaus gabs sie eingeschweißt. Einmal habe ich so einen gegessen, weil ich wissen wollte, wie Trost schmeckt, wenn er durch drei Maschinen gelaufen ist.

Bea:

Wenn du einen Donut isst, schaust du immer zuerst, ob was rausläuft. Vielleicht hoffen wir alle auf einen kleinen Makel, damit wir nicht die Einzigen sind.

Albert:

Ich habe mal versucht, das Loch mit Marmelade zu füllen. Hat nicht gehalten. Vielleicht ist das die Lektion: Manches bleibt leer, und das ist sein Zweck.

Bea:

Es gibt Leute, die sagen: Donuts sind kitschig. Als ob es ein Verbrechen wäre, rund zu sein und sich trotzdem nach einem Mittelpunkt zu sehnen.

Albert:

Und dann siehst du im Schaufenster den einen. Mit dem perfekten Guss, ohne Riss, glänzend wie frisch lackiert. Und du denkst: Das ist der Diamant unter den Donuts.

Bea:

Nur dass ein Diamant kalt bleibt. Der Donut bröselt wenigstens in deiner Hand.

Albert:

Beim Donut weißt du, was du kriegst. Zucker, Fett, Trost. Keine Überraschung, höchstens ein bisschen Marmelade. Beim Känguru ist das anders. Das steht da, tut nichts – und trotzdem hast du das Gefühl, du solltest dich entschuldigen. Für was auch immer.

Bea:

Weil sie springen, wo andere warten. Ich habe nie verstanden, wie ein Tier so lässig aussehen kann und dabei immer bereit ist, dir eine zu verpassen.

Albert:

Angeblich tragen sie ihre Jungen im Beutel nicht nur, sondern schubsen sie raus, wenn’s eng wird. Keine Sentimentalität, nur Funktion.

Bea:

Man stellt sich bei ihnen was Niedliches vor. Känguru mit Baby und Sonnenuntergang. Aber die Viecher können boxen wie Betrunkene mit Plan.

Albert:

Sie treten nicht, weil sie wütend sind. Sie treten, weil es funktioniert.

Bea:

Ich hab mal eins gesehen, das sich in aller Ruhe eine Packung Studentenfutter geschnappt hat. Kein Stress, kein Zögern – nur so ein Blick: „Das hier gehört jetzt mir.“

Albert:

Vielleicht verstört uns das so, weil sie keine Bühne brauchen. Kein Fauchen, kein Aufplustern – nur Präsenz. Und du merkst erst zu spät, dass du überflüssig bist.

Bea:

Wie ein Tier, das gar nichts sagen muss, um dich zu entlarven. Weil du in der Stille plötzlich hörst, was bei dir selbst laut ist.

Albert:

In einer Welt voller Plappermäuler ist so ein stummes Tier mit Beutel fast schon ein politisches Statement.

Bea:

Oder einfach ein Tier, das dich nicht braucht. Und genau deshalb so schwer loszulassen ist.

Also, nachdem wir vorhin über Kängurus geredet haben, dachte ich, wir könnten nun mal was Süßes probieren. Mehl, Eier, Zucker... Vanilleschote... Ach, ein kleiner Spritzer Zitrone.

Albert:

Ich weiß, du liebst Vanille. Was gibst du hier rein, dass es so gut schmeckt? Diese gute Vanille aus Mexiko und noch etwas ganz Besonderes.

Bea:

Französische Vanille. Und französisches Küssen. Mit Kaugummi!

Albert:

Huh! Wie gefällt dir das jetzt? Ich werfe Eis herum! Hier Vanille! Nimm etwas Schokolade! Fudge auch!

Bea:

Siehst du, die Mischung macht’s. Der Trick beim Schwarz-Weiß-Keks ist, dass du von beidem in jeden Bissen bekommst. Nichts verbindet sich besser als Vanille und Schokolade.

Albert:

Ich hab’s geahnt. Jedes Mal, wenn wir ein Eis hatten, hast du Vanille bestellt. Das ist nicht die einzige Sorte. Es gibt 30 andere, plus die Sorte des Monats.

Bea:

Dieser Traum wird immer verrückter. Fast so verrückt wie der Albtraum mit dem Affen und der Schüssel Vanillepudding. Er hat an einem Vanilla-Ice-Lookalike-Wettbewerb teilgenommen und gewonnen!

Albert:

Entrümpeln. Stufe eins, Vorbereitung. Du brauchst einen Raum, den du nicht verlässt. Beruhigende Musik. Tomatensuppe, zehn Dosen. Pilzsuppe, acht Dosen, kalt. Eis, Vanille, eine große Packung. Milch von Magnesia, eine Flasche. Paracetamol, Mundwasser, Vitamine. Mineralwasser, Lucozade, Pornos. Eine Matratze. Je einen Eimer für Urin, Kot und Erbrochenes. Ein Fernseher und eine Flasche Valium, die ich bereits von meiner Mutter habe, die auf ihre eigene häusliche und sozial akzeptable Weise auch abhängig ist. Und jetzt bin ich bereit. Alles, was ich brauche, ist ein letzter Schuss, um den Schmerz zu lindern, während das Valium wirkt.

Bea:

Ode to Ice Cream von Vada Sultenfuss. Ich liebe Eis sehr. Es schmeckt an heißen Tagen gut, in der Waffel oder im Becher. Das ist mein einziger Wunsch: Vanille, Schokolade, Rocky Road. Sogar mit Pie à la mode.

Albert:

Für später? Ich hätte gern ein Blizzard mit Vanilleeis und etwas Keksteig. Jedes Mal, wenn ich es probiere, erinnere ich mich. Was wäre das perfekte Aroma zu diesem Gericht? Kirsch-Vanille?

Bea:

Französische Vanille. Und französisches Küssen. Mit Kaugummi! Vanille ist wie ein Schuldirektor – jeder tut so, als möge er sie, aber keiner erinnert sich an ihren Namen.

Albert: Oh, sein Vater war genauso. Ich habe praktisch im Büro des stellvertretenden Direktors gelebt.

Bea: Das ist eine öffentliche Schule. Wenn ich die Mädchen von der Stange und die Jungs von der Pfeife fernhalte, bekomme ich einen Bonus. Der Direktor ist wie ein Kapitän auf hoher See – er kann sogar Leute trauen.

Albert: Hallo, hier ist Direktor Vagina. Keine Verwandtschaft.

Bea: Ich schätze, wenn man ein ganzes Kunstzentrum spendet, wird der Direktor zu deiner kleinen Marionette am Faden.

Albert: Wenn du Wendy noch einmal Schlampe nennst, schicke ich dich ins Büro des Direktors.

Bea: Ich war in der fünften oder sechsten Klasse und gewann beim Poker das ganze Pausengeld. Ich kannte das Büro des Direktors ziemlich gut. Er sagte immer: „Warum kannst du nicht mehr wie dein Bruder Peter sein?“ Ich war stolz auf dich und nie neidisch.

Albert: Sie hassen mich. Ja, ich sehe es. Ich war nicht immer so. Früher war ich lustig. Aber man kann nicht lustig sein und Direktor einer Privatschule! Wenn was schiefgeht, landet mein Kopf im Schraubstock. Diese Eltern kommen auf mich runter wie eine Atombombe. Ich darf keinen Fehler machen! Ich muss perfekt sein! Und dieser Druck hat mich zu etwas gemacht, das ich nie sein wollte!

Bea: Erinnerst du dich, der stellvertretende Direktor wurde mal von einer Katze imitiert, wie sie ihn küsst?

Albert: Langsam begann in Lardass’ Magen ein Geräusch. Dann spuckte er Blaubeerkuchen, und der Direktor bekam alles ab. Der Bürgermeister, die Frauen, die Kinder – alle kotzten. Ein komplettes Barf-o-rama.

Bea: Du denkst, du bist hier etwas Besonderes… aber ich erinnere dich daran, dass ich immer noch die stellvertretende Direktorin bin.

Albert: Wir haben gerade Direktor Turner gehört, wie er Ericas Leistungen verlas. Ich könnte das Gleiche für Brooke tun, aber es wäre eine kurze Rede. Trotzdem – sie war stark, klug, einzigartig. Deshalb stimme ich für sie.

Bea: Ich nehme an, wenn du das ganze Jahr bekifft Linien malst, Politiker, Elektriker, Anwälte – und Direktoren – ist das einfach Teil des Jobs.

Albert: Und du weißt, wenn du noch einmal in die Schule kommst, gehst du direkt zum Direktor.

Bea: Ich erinnere mich an diesen religiösen Direktor, der glaubte, ich sei vom Penis-Teufel besessen, weil ich einen Ghostbusters-Lunchbox-Schatz hatte.

Albert: Sie hatte nur Verachtung für unser großes Land und seine Prinzipien.

Bea: Deine Argumentation schließt die Möglichkeit eines No-Win-Szenarios aus. Dann hast du nicht nur die Regeln verletzt, sondern auch die Hauptlektion nicht verstanden.

Albert: Ich bin ein Feigling. Ich habe Angst zu gehen, das ist die Wahrheit. Alles, was ich draußen sehe, ist Einsamkeit, und sie macht mir Angst. Das ist alles, was meine hohen Prinzipien wert sind. Ich schäme mich. Wenn man uns heute fragen würde: „Wollt ihr den Ring mit oder ohne Stein?“ – ich würde sagen: Gib mir lieber eine Badewanne.

Bea:

Mit heißem Wasser oder mit Bedeutung?

Albert:

Beides. Und einem Buch, das mir runterfällt, wenn ich endlich vergessen will, dass ich mal jemandem einen Verlobungsring aus Sektdeckeln gebastelt habe.

Bea:

Du meinst, so einen Moment wie kurz vor dem Untergehen, aber mit Schaum.

Albert:

Genau. Keine Angst, kein Stolz. Nur dieses „Blah“. Wie wenn das Wasser schon raus ist, aber man trotzdem nicht aufsteht.

Bea:

Oder wie bei meiner Mutter. Ophelia für Arme. Lidschatten, der wie Theaterblut abläuft. Ein bisschen Hysterie, ein bisschen Seife.

Albert:

Und du? Arbeitest du auch in der Badewanne? Oder nur an deinem Rückzug aus der Welt?

Bea:

Ich habe einmal drei Tage lang ausschließlich aus der Badewanne heraus gedacht. Viel Gin, wenig Einsicht.

Albert:

Bathtub Gin. Du und Fitzgerald.

Bea:

Und dann war da dieser Film – Boot, Auto, Badewanne, Sex. Irgendwann fragt sie: „Wo sind wir?“ Und ich dachte: Gute Frage.

Albert:

Das ist keine Handlung. Das ist ein Verdrängungsmechanismus mit Duschvorhang.

Bea:

Ein Date wollte mir eine Badewanne schenken. „Wenn wir zurück sind, kauf ich dir eine.“ Sehr poetisch. Kam aber nie zurück.

Albert:

Klassiker. Alle wollen Atticus Finch – bis das echte Leben dazwischen kommt. Oder man selbst.

Bea:

Riecht das hier nach Poolboy im Sandalen-Resort?

Albert:

Wen dachtest du, würden sie schicken, einen Zimmermann in Sandalen? Ist das heiliger Boden? Trage ich Bart und Sandalen? Bin ich der Typ Keulen-schwingender, rohes-Fleisch-fressender, „Ich-Tarzan-du-Jane“-Glatzkopf, der nur bis zehn zählen kann, wenn er barfuß oder in Sandalen ist? Müssen wir das Buntglasfenster in unserer Kapelle ändern? Auf einem Kindergeburtstag stellte ein Vater ein Kind wie folgt zur Rede: "Deine Uniform, so festlich sie ist, ist historisch ungenau. Der heilige Nikolaus von Myra war eigentlich ein griechischer Bischof des 4. Jahrhunderts aus dem Gebiet der heutigen Türkei. Also wären eine Robe und Sandalen näher dran. Ja, aber das wäre wohl unpraktisch bei dem Wetter und all der albernen, aber lukrativen Mythologie über den Weihnachtsmann, Elfen, Rentiere, Kamine und so weiter." Der Vater des Angesprochenen entgegnete: "Antikes Rom. Zwölf Jahre nach Beginn der Herrschaft des Tiberius, ruler maximus. Roms Legionen beherrschen die Welt, das Stampfen seiner Sandalen ist zu hören von der Iberischen Halbinsel im Westen bis durch die Hallen der großen Bibliothek von Alexandria im Osten. Während die Unterdrückten überall unter der römischen Peitsche winden, sind Freie und Vasallen in einer verpflichtenden Verehrung vereint. Der Kaiser, Caesar, ist Gottheit, Herr über Leib und Geist eines jeden Mannes. Für jene, die sich nicht beugen, warten Galeeren, Arenen, sogar Kreuzigung. Doch es weht ein neuer Wind aus dem Osten, aus den staubigen Straßen von Bethlehem, der bald das gewaltige Haus des Caesar herausfordern wird, jenes Bauwerk aus Ziegeln und Blut, das jetzt so sicher scheint!" Und der Junge sagte später: "Manche Leute hätten aufgegeben. Manche sind verrückt geworden. Aber nicht ich. Oh nein... nein, nein, nein! Denn ich wusste... ich wusste, eines Tages würde ich reich sein! Reich genug, den Staub dieses verlassenen Landes für immer von meinen Sandalen zu schütteln! Oh, ich werde reisen: London, Paris, Wien... Und dann... dann Rom! Der Vatikan! Ich werde Papst!" Inzwischen ist er damit beschäftigt, den Regenwald zu retten oder seine Sandalen zu recyceln oder so was, und schreibt altertümelnde Hymnen dieser Art: "Der in Marmor arbeitet und die Form seiner eigenen Seele im Stein findet, ist edler als der, der den Boden pflügt. Und der den Regenbogen ergreift, um ihn als Abbild des Menschen auf ein Tuch zu legen, ist mehr als der, der die Sandalen für unsere Füße macht. Aber ich sage, nicht im Schlaf, sondern in der Über-Wachheit des Mittags: Der Wind spricht zu den riesigen Eichen nicht süßer als zu den kleinsten Grashalmen; und groß sind jene, die die Stimme des Windes in ein Lied verwandeln, das durch ihre eigene Liebe süßer wird."

Bea:

Als Kind meinte ich, dass jedem, der Sandalen trägt, seine Stiefel gestohlen wurden. Auch diejenigen, die schwarze Socken zu Sandalen und Bermudashorts tragen, Parliaments rauchen und eine bayerische Limousine fahren. Heute bin ich ein großes, toughes Mädchen. Ich binde meine eigenen Sandalen und alles. Lederne Sandalen zu tragen ist gleichbedeutend damit, die Erde mit Leder zu bedecken.

Albert:

Ja, diese richtig schäbigen Sandalen, die jedes Mal dieses unglaubliche Furzgeräusch machen, wenn sie bewegt werden. Einmal versuchte ich, gegen meine Mutter zu protestieren – was nicht funktionierte. Ich kam eines Tages mit langen, strähnigen Haaren, dreckigen Sandalen und schrägen Klamotten rein, und sie liebte es. Am nächsten Tag kam sie mit langen, strähnigen Haaren, dreckigen Sandalen und schrägen Klamotten. Also wie protestiert man gegen jemanden, der dasselbe macht wie man selbst, richtig? Womöglich war die erste denkende Maschine ein Schachprogramm. Nicht, weil es besonders menschlich gedacht hat – sondern weil sich Schach so schön kontrolliert vorführen lässt: Spielfeld, Regeln, ein paar Figuren, und dann der Glaube, man könne damit Denken erklären.

Bea:

Mein Vater hat früher gesagt: „Im Schach zieht der König nie zuerst.“ Er hat das so gesagt, als wäre es ein Naturgesetz. Als dürfte man erst losgehen, wenn alle anderen sich geopfert haben.

Albert:

Ich mochte das Geräusch. Wenn Holz auf Holz trifft. Das Kratzen der Figuren auf dem Brett, die Uhr, die klickt. Als ob man hört, wie Zeit sich entscheidet.

Bea:

Ich besteche den Zufall – damit es sich an Absprachen hält: kein Würfeln, kein Mischen. Nur Ordnung. Und trotzdem gewinnt nicht der, der alles versteht – sondern der, der ahnt, wann der andere müde wird.

Albert:

Und was ist mit dem Moment, in dem man merkt, dass man spielt – aber nicht mehr weiß, wofür?

Ich hab mal mitten im Spiel die Figuren aufgerichtet. Nicht neu gestellt – nur aufgerichtet. Damit sie wieder stehen. Das war vielleicht der ehrlichste Zug.

Bea:

Manche spielen nicht, um zu gewinnen. Sie spielen, um nicht berührt zu werden. Weil im Schach niemand fragt, wie’s dir geht. Nur, wie du ziehst.

Albert:

Im Schach lassen sich alle Figuren opfern – außer dem König. Als Kind dachte ich: Ist doch ungerecht. Heute denke ich: Es sagt alles.

Bea:

Ich hab mal gedacht, Schach sei das Gegenteil von Badewanne. Kein Dampf, kein Ausziehen, keine Haut. Nur kalte Köpfe und heißgelaufene Gedanken. Aber vielleicht ist das Brett einfach nur leer, wenn man zu zweit drin liegt.

Albert:

In der Wanne kann man wenigstens aufgeben, ohne dass jemand „Schachmatt“ sagt. Im Schach wusste man wenigstens, wer König ist. Im Museum weiß das keiner. Da stehen lauter Dinge rum, die mal wichtig waren, aber keiner sagt ihnen, dass es vorbei ist.

Bea:

Und sie stehen es durch. Ohne Ton, ohne Aufstand. Vielleicht ist das das Einzige, was sie noch gemeinsam haben – dass sie nicht mehr protestieren.

Albert:

Außer der Alarmanlage. Die protestiert zuverlässig. Ich hab mal einen Fuß über die Linie gesetzt – zack, zwei Wärter und ein Stuhl, auf dem ich bitte sitzen bleiben sollte.

Bea:

Ich setz mich immer freiwillig. Gibt’s in jedem Saal, diese museumsgrauen Klappdinger. Sehen aus wie modernisierte Schulbänke. Aber niemand schreibt mehr mit.

Albert:

Vielleicht ist das Museum ja nicht zum Erinnern da, sondern zum Entlasten. Man gibt alles ab, was zu groß, zu schwer oder zu unpraktisch ist – und dann schaut man es sich einmal im Jahr unter Plexiglas an und nickt.

Bea:

Wie ein Besuch bei entfernten Verwandten. Man weiß, warum man hin muss. Und jeder ist froh, wenn es wieder vorbei ist.

Albert:

Jenes Kind, das versucht hat, einen Ritterhelm zu fotografieren. Der Blitz ging an, das Kind zuckte, und der Ritter sah plötzlich aus wie jemand, der sich erschreckt hat, dass er noch angeschaut wird.

Bea:

Ich mochte die Kleider. Stillstehende Körper ohne Körper. Alle mit Taille, aber keine mit Namen.

Albert:

Und alle mit Etikett.

Bea:

Ob nicht wir das Museum sind? Und die Sachen nur ausstellen, was wir längst loswerden wollten. Aber: zu teuer zum Wegwerfen.

Albert:

Dann wäre mein Flur das Depot.

Und deine Küche die Sonderausstellung: „Verlassene Tassen des 21. Jahrhunderts“. Mit Audioguide.

Bea:

Nach dem Museum gestern dachte ich, wir könnten etwas Frisches gebrauchen. Weißt du, wie ich Wasser gern mag? Mit einer Scheibe Zitrone.

Albert:

Bist du sicher, dass das echte Zitronen sind?

Bea:

Ist Dir das wichtig? Ich nehme erst mal ein Stück Zitronen-Baiser-Kuchen.,

Albert:

Dieser Ort hat den besten Zitronenkuchen weit und breit. Kein Dosen-Füllkram.

Bea:

Apropos Getränke, Dry Martini bitte. Drei Teile Gordon's, ein Teil Wodka, ein halbes Maß Kina Lillet, shaken über Eis, dazu eine dünne Zitronenscheibe.

Albert:

Ich muss die Zitrone pressen. Du hast richtig gehört, ich muss die Zitrone pressen.

Bea:

Weißt du noch, wie man ein Kaninchen vorbereitet? Erst die Zitrone zum Marinieren.

Albert:

Und die Zitronengras-Brühe zur Tintenfisch-Ravioli heute Abend.

Bea:

Dann noch Zitronen-Chili-Shrimps, gegrillt oder gebraten, ganz egal, hauptsache Zitrone.

Albert:

Hast du das Lemon-Quiz schon gehört? Wie gibt man einer Zitrone einen Orgasmus?

Bea:

Ich sag’s dir, wenn jemand mich nervt, dann gib mir einfach Zitronensaft auf die Schnittwunde.

Albert:

Und ich habe dieses Super Lemon Haze entdeckt, eine seltene Kreuzung zwischen Lemon Skunk und Super Silver Haze. Extrem potent. Und du kannst gern auf meinen imaginären Zitronenbaum pinkeln, während ich weg bin. Wenn das Leben dir Zitronen gibt, musst du Limonade machen.

Bea: Opa sagte, das Wort Gastronom verberge in sich das Wort Astronom. So bestanden meine Astronomiestunden im Gebrauch von Gewürzen.

Albert: Alle Astronomen sind Amateure. Was den Himmel betrifft, gibt es nur einen Profi.

Bea: Ja, ich bin mir nicht einmal sicher, in welchem Land Jane ist. Ihre Arbeit an der Konvergenz hat sie zur weltweit führenden Astronomin gemacht.

Albert: Innerhalb unseres Lebens haben wir gestaunt, wie Biologen immer kleinere Dinge betrachten konnten. Und Astronomen immer weiter hinaus in den dunklen Nachthimmel blickten, zurück in der Zeit und hinaus in den Raum. Aber vielleicht ist das Geheimnisvollste weder das Kleine noch das Große: wir selbst, aus der Nähe. Könnten wir uns selbst erkennen, und wenn ja, wüssten wir, wer wir sind? Was würden wir zu uns sagen? Was würden wir von uns lernen? Was würden wir wirklich gern sehen, wenn wir außerhalb von uns stünden und auf uns blickten?

Bea: Du bist Astronomin? Mondbeschienen, meinst du?

Albert: Verdammt noch mal, Jim. Ich bin Astronom, kein Arzt! Ich meine, ich bin Doktor, aber nicht diese Art von Doktor. Ich habe einen Doktortitel, das ist nicht dasselbe. Man kann Menschen nicht mit einem Doktortitel helfen. Man sitzt nur da und ist nutzlos!

Bea: Meine Berechnungen sind präzise und zutreffend. Ich bin nicht nur Astronomin. Ich bin auch Uhrenkundlerin.

Albert: Wenn man bedenkt, dass der Mond 240.000 Meilen entfernt ist und die Sonne dreiundneunzig Millionen, ist es außergewöhnlich, dass Astronomen mit solcher Genauigkeit ihre Bewegungen viele Jahre im Voraus angeben können.

Bea: Warum wurde er Astronom? Mein Bruder… hatte ein Teleskop, einen kleinen Refraktor. Man konnte kaum das Baumhaus nebenan sehen, ehrlich gesagt, aber… es reichte. Es reichte, um die Ringe des Saturn zu sehen. Ich erinnere mich… ich erinnere mich, ich dachte immer, sie sähen aus wie… Juwelen aus einem Piratenschatz. Seitdem wollte ich nur noch… nach ihnen greifen und sie berühren.

Albert: Meine Astronomen sagen mir, dass das Licht eines Sterns noch lange scheint, nachdem er gestorben ist, auch wenn er es nicht weiß.

Bea: Die Illuminaten wurden erst im 17. Jahrhundert gewalttätig. Ihr Name bedeutet „Die Erleuchteten“. Es waren Physiker und Mathematiker, Astronomen. Sie sorgten sich um die ungenauen Lehren der Kirche und setzten sich für wissenschaftliche Wahrheit ein. Aber dem Vatikan gefiel das nicht. Also begann die Kirche… wie sagtest du? Ach ja: „Sie zu jagen und zu töten.“

Albert: Ein Außerirdischer, der die Unterschiede zwischen menschlichen Gesellschaften untersuchte, fände diese Unterschiede trivial im Vergleich zu den Ähnlichkeiten. Wir sind eine Spezies. Wir sind Sternenstaub, der Sternenlicht erntet. Unser Leben, unsere Vergangenheit und unsere Zukunft sind an Sonne, Mond und Sterne gebunden. Unsere Vorfahren wussten, dass ihr Überleben davon abhing, den Himmel zu verstehen. Sie bauten Observatorien und Rechner, um den Wechsel der Jahreszeiten durch die Bewegungen am Himmel vorherzusagen. Wir stammen alle von Astronomen ab.

Bea: Alle Berichte bestätigen, dass die Welt einen beispiellosen Meteoritenschauer erlebt. Es gibt in der Geschichte keine Aufzeichnung eines solchen Schauspiels. In Observatorien notieren Astronomen dieses fantastische Phänomen und berechnen sorgfältig die Auswirkungen auf unser Sonnensystem. Die einhellige Meinung ist, dass die Meteoriten durch die intensive Hitze verglühen, bevor sie die Erde erreichen. Dutzende Astronomen haben über die Meteorschauer geschrieben. Er hätte einfach ihre Forschung benutzen können.

Albert: Seit einiger Zeit haben unsere Astronomen eine ungewöhnliche Menge an atomarer Aktivität auf dem Mond festgestellt. Atomare Aktivität auf dem Mond, atomare Explosionen auf der Erde: die beiden bekannten Fakten passen zusammen.

Bea: Astronomen sagen, die ominösen Kapseln stammten vom nächsten Nachbarn der Erde, dem Mars.

Albert: Und so war es die nächsten zehn Nächte. Ein Flare, der vom Mars ausstieß – leuchtend grün, mit einem grünen Nebel hinter sich – ein wunderschöner, aber irgendwie beunruhigender Anblick. Der Astronom versicherte mir, wir seien in keiner Gefahr. Er war überzeugt, dass auf diesem fernen, abweisenden Planeten nichts Lebendiges existieren könne.

Bea: Jupiter hat mindestens 67 bekannte Monde. Die vier größten heißen Io, Europa, Ganymed und Kallisto. Diese vier Monde werden Galileische Satelliten genannt, weil sie 1610 vom Astronomen Galileo Galilei zuerst gesehen wurden. Ein Mond soll unter seiner eisigen Oberfläche einen Salzwasserozean haben. Das könnte eine Wiege neuer Lebensformen sein.

Albert: Es gab den Astronomen Ptolemäus, der das bekannt ist, was man heute die Pseudowissenschaft der Astrologie nennt. Sein geozentrisches Universum herrschte 1.500 Jahre, was zeigt, dass intellektuelle Brillanz keine Garantie dagegen ist, völlig falsch zu liegen.

Bea: Seit der Antike hat es drei große Veränderungen in der Selbstvorstellung des Menschen gegeben. Drei große Schläge gegen unsere Eitelkeit. Vor Kopernikus glaubten wir, wir seien das Zentrum des Universums, dass alle Himmelskörper um unsere Erde kreisten. Aber der große Astronom zerschlug diese Anmaßung, und wir mussten zugeben, dass unser Planet nur einer von vielen ist, die um die Sonne schwingen, dass es jenseits unseres Sonnensystems myriadenhafte Welten gibt. Vor Charles Darwin glaubte der Mensch, er sei eine eigene Art, getrennt und abgehoben vom Tierreich. Aber der große Biologe ließ uns erkennen, dass unser physischer Organismus Produkt eines gewaltigen evolutiven Prozesses ist, dessen Gesetze für uns nicht anders gelten als für jede andere Lebensform. Vor Sigmund Freud glaubte der Mensch, dass, was er sagt und tut, allein Produkte seines bewussten Willens seien. Aber der große Psychologe zeigte die Existenz eines anderen Teils unseres Geistes, der im dunkelsten Geheimen funktioniert und unser Leben sogar beherrschen kann. Dies ist die Geschichte von Freuds Abstieg in eine Region fast so schwarz wie die Hölle selbst: das Unbewusste des Menschen, und wie er Licht hineinließ.

Albert: Es tut mir leid, aber Astronomen benannten Uranus im Jahr 2620 um, um diesen blöden Witz ein für alle Mal zu beenden. Er heißt jetzt Urrektum. Hier, lass mich ihn dir lokalisieren.

Bea: Von 1948 bis vor kurzem war es das größte Teleskop der Welt. Die Idee und das Design stammten von einem brillanten und wohlhabenden Astronomen namens George Ellery Hale. Tatsächlich wurde ihm die Idee eines Nachts präsentiert. Während er Billard spielte, kletterte ein Elf durch sein Fenster und sagte ihm, er solle Geld von der Rockefeller Foundation für ein Teleskop besorgen.

Albert: Es gibt Berichte über eine Fixierung von Stickstoff mit Düngemitteln – der meiste Dünger kommt aus Chile. Es gibt eine astronautische Ausstellung. Seit sie 1930 Pluto gefunden haben, denken einige Astronomen, dass es da draußen noch mehr Planeten gibt.

Bea: Du wirst dich fragen, was passiert ist. Deine Astronomen werden gerade einen neuen Planeten entdeckt haben. Ist das nicht so?

Albert: In den 50ern gründete die Regierung eine unterfinanzierte Behörde mit dem einfachen und lachhaften Zweck, Kontakt zu einer Rasse nicht von diesem Planeten herzustellen. Jeder hielt die Behörde für einen Witz – außer den Aliens, die am März 1961 außerhalb von New York Kontakt aufnahmen. Wir waren neun in jener ersten Nacht. Sieben Agenten, ein Astronom, und ein dummes Kind, das sich auf der falschen Hinterstraße verirrte.

Bea: Männer werden uns nie großartige Jobs wie Astronomin oder Baumschubser geben, wir werden sie uns nehmen müssen. Wie lange können sie uns noch aufhalten?

Albert: Nun, eine arbeitslose Astronomin.

Bea: Setz dieses Licht aus. Was ist es? Ja, ich weiß, die Stunde ist spät. Siehst du, es gibt ein Hindernis, das Astronomen seit jeher plagt – man kann den Mond nur nachts studieren.

Albert: Mein Job ist eigentlich ganz einfach. Ich bin Sozialastronom. Aber ich benutze kein Teleskop, oh nein, das hier sind meine Linsen.

Bea: Der Astronom trägt einen Schleier aus reiner Dunkelheit. Die Dämmerung ist ein desorientierender Agent, sagt er. Die Sterne sind die ganze Zeit da. Er stickt Karten auf massive Decken, mit Spinnweben und Kokonhüllen durchzogen. Edelsteine bilden Planeten. Satinenen Quasten sind Meteore. Er baut eine Kuppel über das Gras, um die Dunkelheit zu fangen, markiert den Kreis des Horizonts, dann bindet er Stäbe zu einem Rahmen. Darüber drapiert er sorgfältig seine schweren schwarzen Decken, mit den Konstellationen des April durchstochen. Wenn es regnet, zerfließen die Sterne zu glänzenden Pfützen auf der Erde. Die Nadel wird glitschig und gefährlich in seiner Hand.

Albert: Astronom Eliot Kramer ist tot. Aber als Vermächtnis an sieben Menschen, die wissen, dass unser Planet angegriffen wird, hat er eine mächtige Waffe vermacht – ein Computerprogramm, das es seinen sieben Freunden endlich ermöglichen wird, von der Verteidigung zum Angriff überzugehen.

Bea: Es gab zehn Nächte lang immer wieder eine grüne Lohe, die vom Mars ausstieß, mit grünem Nebel dahinter – schön und beunruhigend. Der Astronom versicherte mir: keine Gefahr.

Albert: Berichte bestätigen, dass die ominösen Kapseln vom Mars stammen.

Bea: In unseren Lebenszeiten haben Astronomen weiter und weiter in den dunklen Nachthimmel geblickt, zurück in der Zeit und hinaus in den Raum.

Albert: Es tut mir leid – wovon ich spreche, ist der Astronom des 17. Jahrhunderts. Er war – ein sehr dicker Mann.

Bea: Nun, warum wurde er Astronom? Weil ein kleiner Refraktor in einem Baumhaus reichte, um die Ringe des Saturn zu sehen. Es war genug.

Albert: Und ich denke… es gibt einen besseren Weg, dieses besondere Talent zu nutzen. Lange suchten wir einen Ort, uns vor den Schnittern zu verstecken. Irgendeinen abgelegenen Ort. Aber es ist schwierig, denn wir erinnern uns nicht nur an den Ort, sondern auch an den Weg dorthin. Nicht wahr, Astronom? Was, wenn der Ort nicht mit unseren Erinnerungen gebaut wäre, sondern mit unserer Vorstellung. Wenn wir bei Null anfingen, keine Erinnerungen. Wenn wir eine Insel entwarfen, die nie zuvor gesehen wurde. Ein Ort, der an keine Erinnerungen gebunden ist. Das würde ihn sicher machen, oder? Ich sagte euch, dass ich… euch alle an einen sicheren Ort führen würde. Und hier ist der Mann, der ihn für uns bauen wird.

Bea: Seit der Antike bauten unsere Vorfahren Observatorien, um den Himmel zu verstehen – wir alle stammen von Astronomen ab.

Albert: Und das bleibt wahr, selbst wenn ein arbeitsloser Astronom am Tag schläft und die Sterne nur noch aus zweiter Hand sieht.

Bea: Im mittleren 20. Jahrhundert begann eine unterfinanzierte Behörde – sieben Agenten, ein Astronom –, und die Aliens kamen wirklich.

Albert: All das begann, als Biologen kleiner wurden und Astronomen weiter hinaus sahen – und doch blieb das Rätsel: wir selbst.

Bea: Es tut mir leid, aber Astronomen benannten Uranus um – Urrektum –, nur um den Witz zu beenden.

Albert: Astronomen haben beobachtet, berichtet, gerechnet – Meteore verglühen, bevor sie die Erde erreichen.

Bea: Für einige Zeit bemerkten unsere Astronomen atomare Aktivität auf dem Mond.

Albert: Sie werden sich fragen, was geschehen ist. Ihre Astronomen haben soeben einen neuen Planeten entdeckt.

Bea: Seit 1948 trieb ein Riesenteleskop den Blick – ein Elf befahl: Hol Geld für ein Teleskop.

Albert: Und doch bleibt: Männer geben uns solche Jobs nicht – wir nehmen sie uns.

Bea: Es gibt mindestens 67 Monde um Jupiter – ein Ozean unter Eis könnte Leben tragen.

Albert: Und der Astronom Ptolemäus irrte groß – Geozentrik herrschte 1.500 Jahre.

Bea: Seit Kopernikus, Darwin, Freud – drei Schläge gegen unsere Eitelkeit.

Albert: Nun, eine arbeitslose Astronomin.

Bea: Setz das Licht aus. Der Mond gehört der Nacht.

Albert: Mein Job: Sozialastronom – das sind meine Linsen.

Bea: Der Astronom trägt einen Schleier der Dunkelheit und stickt den Himmel auf Decken.

Albert: Eliot Kramer ist tot – sein Programm lässt uns vom Schutz zum Angriff übergehen.

Bea: Und irgendwo zwischen Baumhaus-Saturn und Urrektum leuchtet Sternenlicht nach dem Tod. Wenn man lange genug in der Badewanne liegt, wird alles weich. Haut, Hirn, Herz.

Albert:

Ein Zustand zwischen Meditation und Milchspeise.

Bea:

Sag’s ruhig: zwischen Drama und Dessert.

Albert:

Wie nennt man das dann? Pudding Phase?

Bea:

Oder: emotionaler Aggregatzustand nach der dritten Flasche Weißwein und einem fast vergessenen Chat.

Albert:

Ein Verflossener hätte nach einem Abend wie diesem hier ein Jahresabo Pudding bestellt. Und dann komplett vergessen. Käme dann wochenlang per Post. Dazu mein steter Albtraum: Ich komme zu spät zur Schule, kein Hausaufgabenheft, keine Hose – nur Pudding.

Bea:

Ein Klassiker. Mein Lieblingssatz in solchen Filmen: „Ich hab mich verloren. Ich hatte nur noch Augen für Pudding.“

Albert:

Und dann kommt der Moment, wo einer ruft: „Wie kann er seinen Pudding nicht essen?!“

Bea:

Gefolgt von: „Wenn du dein Fleisch nicht isst, kriegst du keinen Nachtisch.“

Albert:

Erziehung durch Dessertverweigerung.

Bea:

Und trotzdem war’s der Pudding, der mich damals gerettet hat. Nicht weil er billig war oder süß. Weil er Barcode hatte. Vier Stück, einzeln scannbar. Ich habe Flugmeilen gesammelt. Mit Vanillepudding um die Welt.

Albert:

Du bist also nicht nur raffiniert – du bist eine Vielfliegerin mit Nachtischlizenz.

Bea:

Und du? Wie isst du deinen Pudding?

Albert:

Mit Misstrauen. Und manchmal einem Löffel voll schlechten Gewissens. Möchtest du das gemeinsame Element der ganzen Gruppe wissen? Ich sage dir die Antwort: Kohlenstoff. In Bleistiftminen ist er in Form von Graphit, in Kohle ist er mit anderen Verunreinigungen vermischt, und im Diamanten ist er in harter Form. Mein Großvater kam aus Schlesien. Wenn er keine Kohle grub, aß er nicht. Er entwickelte keine Technologie für Steinkohle, aber er könnte dir alles darüber erzählen. Einer der klügsten Typen, den ich kenne, mit besonderem Ohr für den Kanarienvogel in der Kohlenmine. Und ein Trinker. Kohlebergbau mag sein Leben gewesen sein, aber nicht meins. Kohle ist schwer und hart, Hände sind weich und zerbrechlich. Die Jungen kauerten in den Minen kauern stundenlang über den Rutschen, siebten den Abfall aus der Kohle, Rücken gebeugt; sie wurden alte Männer mit neun, hatten eine Staublunge mit zwölf Jahren.

Bea:

Haben wir genug Kohle? Sie waren sehr wichtig im Film Titanic. Im Maschinenraum schaufelten sie Kohle in den Ofen. Wer hat den Film Titanic gesehen? Wir sehen den Eisberg und warnen die Titanic. Und trotzdem steuern wir direkt darauf zu, volle Fahrt voraus. Warum? Weil ihr sinken wollten. Aufgeben. Das ist nicht die Schuld des Monitors. Das ist unsere.

Albert:

Ein Film für falsche Hoffnungen. Wer auf heißen Kohlen sitzen bleibt, verbrennt sein hübsches Fleisch. Wobei man so verkniffen sind, dass, wenn du ihnen ein Stück Kohle in den Arsch steckt, hast du in zwei Wochen einen Diamanten. Für böse Kerle auf einer Ungezogen-Liste eine spannende Option.

Bea:

Wie glaubst du, kann ich mich in Kohlenstaub verwandeln und von Dach zu Dach springen?

Albert:

Mit diesem Zauberlied: Viel Schokolade für mich zu essen / Viel Kohle macht viel Hitze / Warmes Gesicht, warme Hände, warme Füße / Ach, wäre das nicht schön.

Bea:

Als ich sechzehn war, babysittete ich meinen Neffen. Er tat so, als wäre er ein Zug, und ich war der Schlusswagen, und er rief: Kohle, Schlusswagen! Kohle, Schlusswagen!

Albert:

Man bräuchte einen eigenen Ausdruck für die Gesichter der Leute, die man draußen vor einer Kohlenmine sieht, in denen vielleicht 84 Männer eingeschlossen und verschüttet sind. Sie werden den Rest ihres Lebens Kohlenstaub einatmen. Aus Steinkohle, von der Sorte, die in Kanallampen verwendet wird. Ich ging die Pampas besuchen, eine Region, in der es nur alle fünfzig Jahre regnet, wo das Leben unvorstellbar hart ist. In Lota kam ein Mann aus einer Kohlenmine hoch. Eine Maske aus Kohlenstaub und Schweiß, das Gesicht vom Elend verzerrt, die Augen rot vom Staub. Er streckte seine schwielige Hand aus und sagte: Wo immer du hingehst, sprich von dieser Qual. Er hielt mich für einen Journalisten. Und auch für aus dem Feuer springende Kohlen, für fallende Kronleuchter, und für zu entsorgende Särge bräuchte man eigene Ausdrücke.

Bea:

Ohrringe sind das Erste, was man verliert, wenn man rennt. Oder tanzt. Oder sich in etwas verrennt, das zu nah an der Haut sitzt. Ich habe mal einen im Gully wiedergefunden. Da wusste ich: Das war ein guter Abend. Vielleicht ist das das Kriterium für Nähe. Wer darf dir einen Ohrring zurückgeben, wenn du's nicht merkst. Wer berührt dein Ohr, ohne dass du dich wunderst.

Albert:

Leute, die Ohrringe wie eine Versicherung tragen, gegen das Verschwinden. Als würde man sagen: Ich war hier, ich hab geglänzt, wenigstens an zwei Punkten meines Körpers. Manche tragen ihre Ohrläppchen wie Ahnengalerien. Kleine Rahmen, großer Ernst. Und wenn du sie fragst, ob sie das mögen, sagen sie: Es gehört halt dazu.

Bea:

Ich hab lange überlegt, wann etwas „dazu gehört“. Es ist wie mit Geräuschen beim Einschlafen: Erst nervts, dann fehlt's. Und irgendwann bist du selbst das Geräusch.

Albert:

In meiner Vorstellung hängen Ohrringe nicht an Menschen, sondern an Augenblicken. Ein Gespräch im Taxi. Eine stille U-Bahn. Ein Lachen auf dem Weg zur Toilette. Alles, was zu schnell war, um es zu behalten – und zu schön, um es nicht mit irgendwas zu beschweren.

Bea:

Meine Mutter hat ihre Ohrringe in Watte gepackt. Nicht aus Schutz, sondern aus Prinzip. „Schönes kommt nicht lose in die Schublade.“ Ich weiß nicht, ob sie Schmuck meinte oder mich.

Albert:

Bei uns lagen alte Ohrstecker in einem Marmeladenglas. Ohne Ordnung, aber mit Geruch. Irgendwas zwischen Metall, Parfum und Käse. Ich dachte damals, Erwachsensein riecht so.

Bea:

Es gibt eine Sorte Schmuck, die sich mit der Haut streitet. Man trägt sie trotzdem. Oder weil man denkt: Vielleicht lag ich falsch. Ich glaube, so schmeckt auch Vanillepudding aus der Kindheit – wenn man ihn zu spät isst.

Albert:

Pudding ist das Gegenteil von Überzeugung. Nichts steht fest, alles kippt, aber alle tun so, als wär’s Dessert. Und keiner fragt, warum er zittert, wenn er kalt ist.

Bea:

Ich hatte mal einen Ring, der sah aus wie Pudding in Goldform. Ich habe ihn verloren. Und immer wieder gespürt, dass da was fehlt, wenn ich die Hand offen halte.

Albert:

Manchmal denkt man, man trägt noch was. Dabei ist es nur Erinnerung mit Restabdruck. Wie ein Ohrring nach dem Duschen. Oder eine Stimme im Löffel. Du hast deinen Ohrring verloren, als du dich über den Topf gebeugt hast. Ich dachte kurz, er wäre ins Wasser gefallen – aber es war nur eine Nudel, die sich beleidigt aufgedreht hat.

Bea:

Tagliatelle mit Gegenreaktion. Die erkennt man am Klang. Wenn sie kocht, aber nicht weich werden will.

Albert:

Oder wenn sie sich gegen die Gabel wehrt. Als wüsste sie, dass sie gleich auf halbem Weg hängen bleibt – irgendwo zwischen Sauce und Zähnen.

Bea:

Kennst Du Menschen, die Pasta mit einem Plastiklöffel essen? Nicht weil es keinen anderen gab – sondern weil sie nicht wollen, dass man das Metall hört. Ich weiß nicht, ob das rücksichtsvoll war oder verdächtig.

Albert:

Verdächtig wäre, wenn er den Löffel erst nach dem Essen zurückgebracht hätte. Und behauptet, er hätte nie einen gehabt.

Bea:

Pasta testet insgeheim, mit wem sie es zu tun hat. So wie Katzen. Wenn du zu gierig bist, rutscht sie dir wieder vom Teller.

Albert:

Und wenn du zu zögerlich bist, kriegst du nur noch die, die angetrocknet am Rand kleben.

Bea:

Ich kochte für jemanden, der sie kommentarlos gegessen hat. Kein „Danke“, kein „zu viel Knoblauch“, nichts. Nur gegessen. Schlimmer als jedes Urteil.

Albert:

Stille ist keine Würdigung. Manchmal ist sie einfach nur satt.

Bea:

Oder höflich in Kälte gewickelt. Wie Burrata im Kühlschrank. Zu schade, um sie aufzumachen.

Albert:

Dann lieber ehrliche Pasta: klebt, tropft, macht Flecken – aber sagt dir wenigstens, dass du’s nicht ganz falsch gemacht hast.

Bea:

Ich habe Unterwäsche gekauft. Das ist noch legal, oder? Man kauft keine schwarze Unterwäsche, wenn man nicht will, dass sie jemand sieht. Kleine Kinder kaufen Frühstückszerealien genauso wie erwachsene Männer Unterwäsche. Sie kaufen Dinge, um an den Preis zu kommen, der drin steckt, egal, ob sie es wirklich wollen. Kennst Du Close - ein Lingerie-Geschäft ohne Schaufenster?

Albert:

Nein, aber ich kenne den: Was braucht man, um mit der menschlichen Flamme auszugehen? Feuersichere Unterwäsche und jede Menge Salbe. Und weißt du, warum Männer Sportler lieben? Weil sie Unterwäsche-Models vögeln. Weißt du, das erinnert mich an eine Spider-Man-Ausgabe. Peter Parker und Gwen Stacy gingen Unterwäsche shoppen. Natürlich tauchte der Green Goblin auf und warf Kürbisbomben. Aber abgesehen davon ist es ziemlich dasselbe. Bist Du nicht pleite - und Du kaufst einen Hauch von Unterwäsche?

Bea:

Siehst du diese Unterwäsche? Weißt du, was das kostet? Attraktiv bleiben, ohne zu verhungern, oh. Ich gebe mehr Geld für Unterwäsche aus als für die Miete oder Rente.

Albert:

Wir lieben romantische Unterwäsche! Und: Herzlichen Glückwunsch! Ich denke, du wirst großartig in dieser Unterwäsche aussehen.

Bea:

„Choose life“ war ein gut gemeinter Slogan der Anti-Drogen-Kampagne der 1980er, und wir haben ihn ergänzt, z. B. „…Designerunterwäsche wählen“, in der vergeblichen Hoffnung, etwas Leben in eine tote Beziehung zurückzubringen.

Albert:

Hat dich schon 1x angemacht, während er Unterwäsche für seine Frau kaufte?

Bea:

Ja, und dann höre ich seine Frau säuseln: “Ich sollte ihn verlassen, aber etwas hält mich. Es ist das Zeug. Ich versuche, ihn zu töten, aber mein Mann gibt mir Liebe und das Zeug. Manchmal ist er grob. Er wirft mich die Treppe runter, aber tief im Inneren kümmert er sich. Er kauft mir Unterwäsche… und das Zeug.”  Kannst du dir vorstellen, dass ein Mann eine nackte Frau ansehen kann, ohne Sex zu wollen?

Albert:

Wer weiß. Ich habe mich damals mit lächerlichen Dingen abgelenkt: Lyrik, Partys, Unterwäsche. Ich habe sogar in Socken trainiert. Und dann hatte ich die 50 Euro, die ich in meiner Winterunterwäsche versteckt hatte, verpasst - verdammt.

Albert:

Du hast tolle Unterwäsche, aber auch die Baumwollunterwäsche, die tausendmal gewaschen wurde, die hängt da auch. Ich muss sie nicht sehen, weil sie nicht in der Fantasie existiert. Verstehst du? Ich bin müde von der Fantasie, weil sie nicht wirklich existiert. Es gibt nie wirklich Überraschungen, und sie erfüllt nie… richtig. Und ich bin müde von allem anderen. Aber von dir werde ich nie müde. Oh, diese wunderschöne Pariser Unterwäsche, wie schön, dass du sie behalten hast! Ich packe sie für dich ein. Ich werde frischen Lavendel darüber streuen.

Bea: Wie viele kaputten Fischer gibt es da draußen?

Albert: Äh, als ich ein Junge war, wollte jeder kleine Pimpf Harpunier oder Schwertfischer werden. Was hast du da – eine tragbare Dusche oder einen Affenkäfig?

Bea: Es muss doch etwas anderes geben, als Fischer zu sein und Menschen zu entführen.

Albert: Ich bin schon lange unterwegs. Es gibt jede Art von Tod, glaub mir. Was die Leute Tod nennen, ist nur ein Begräbnis. Meistens geht das schon lange so. Ich hätte wegfahren und dich an diesem Ort zurücklassen können. Vielleicht hätte ich ein bisschen länger gelebt. Und was hätte ich mir mit der Zeit gekauft? Die Chance, den Fischer zu spielen, der nie fischen geht? Oder ein Mann zu sein, der vorgibt, mit einer Frau zusammen zu sein, obwohl er tatsächlich mit einer Hure zusammen ist? Dort drüben sagte Rickard, egal wie man sie nennt, sie seien der Feind. Das stimmt nicht.

Bea: Ich habe beschlossen, ein langweiliger Fischer zu sein, ist nicht so schlimm.

Albert: In gewisser Weise bin ich fast froh, dass die Flut uns unterbrochen hat, weil mir der Trinkspruch, den ich hielt, nicht gefiel. Ich fange noch mal an. Wenn ich diese Tafel entlangblicke, mit dem exquisiten Festmahl vor uns, sehe ich: zwei tolle Anwälte, einen geschickten Kinderarzt, einen wundervollen Koch, einen gewieften Immobilienmakler, einen hervorragenden Schneider, einen Spitzenbuchhalter, einen begabten Musiker, einen ziemlich guten Köderfischer und möglicherweise den besten Landschaftsmaler, der heute arbeitet. Vielleicht lesen ein paar von euch sogar ab und zu meine Kolumne, wer weiß? Ich bezweifle es.

Bea: Ich hätte Fischer sein können. Fischer, die stehen auf, sie fischen, sie verkaufen Fisch, sie schmelzen Fisch. Erinnert mich an dieses Mädchen, mit dem ich mal ging, Yvonne, sie roch nach Fisch.

Albert: Nötigung. Das ist ein ziemlich großes Wort für einen Fischer.

Bea: Der beste Teil vom Kabeljau. Die Außenseiter, die rühren ihn nicht an. Sommerfischer, nun ja, die sind Teilzeitler wie Frank hier; sie gehen dir auf die Nerven. Mittlerweile haben bis zu 80 von ihnen Lizenzen. Hätten ein Schild aufstellen sollen. Bleibt in eurem eigenen Hinterhof, oder ihr verliert eure Reusen.

Albert: Ein Fischer erkennt einen anderen Fischer von weitem.

Bea: Wie viele Fliegenfischer in West-Montana, wo die Sommertage fast arktische Länge haben, beginne ich oft erst in der Kühle des Abends zu fischen. Dann, im arktischen Halbdunkel der Schlucht, verblasst die ganze Existenz zu einem Sein mit meiner Seele und Erinnerungen und den Geräuschen des Big Blackfoot River und einem Vier-Schlag-Rhythmus und der Hoffnung, dass ein Fisch steigt. Schließlich verschmilzt alles zu einem, und ein Fluss fließt mitten hindurch. Der Fluss wurde vom großen Hochwasser der Welt geschnitten und fließt über Felsen aus dem Fundament der Zeit. Auf einigen dieser Felsen sind zeitlose Regentropfen. Unter den Steinen sind die Worte, und einige der Worte gehören ihnen. Ich werde von Wassern heimgesucht.

Albert: Siehst du diesen Fischer? Er fährt jeden Tag hinaus, kommt jeden Abend zurück. Fängt kaum Fische. Was hält ihn davon ab, den Verstand zu verlieren? Es satt zu haben? Was ist es, was wir nicht wissen?

Bea: Er war Fischer. Es können nicht alle Gewinner sein.

Albert: Morgen in Paris, die Stadt erwacht / Zu den Glocken von Notre Dame / Der Fischer fischt, der Bäcker backt / Zu den Glocken von Notre Dame.

Bea: Vor hundert Jahren, am 21. April, draußen in den Gewässern um Spivey Point, steuerte ein kleiner Klipper auf das Land zu. Plötzlich kam aus der Nacht der Nebel. Einen Moment lang sahen sie nichts. Dann sahen sie ein Licht. Es war ein Lagerfeuer. Das Schiff krachte gegen die Felsen, der Rumpf wurde in zwei Hälften geschert. Das Wrack sank mit allen Männern an Bord. Es wird erzählt, dass, wenn der Nebel nach Antonio Bay zurückkehrt, die Männer am Grund des Meeres bei Spivey Point aufsteigen und nach dem Lagerfeuer suchen, das sie in ihren dunklen, eisigen Tod führte.

Albert: Ich habe deinen Fischer durchschaut. Er geht mit der Tide. Du lässt dich hinaus aufs Meer ziehen oder zurückführen. Manchmal musst du mit ihr gehen.

Bea: Das ist der Unterschied zwischen einem Jäger und einem Fischer. Ein Jäger lauert. Und ein Fischer wartet und lügt.

Albert: Ich finde, Catch-and-Release-Fischer sind herzlose Weicheier. Wenn du ein Lebewesen foltern willst, dann iss es um Himmels willen wenigstens!

Bea: Ein Fischer. Ich will jeden Tag angeln gehen, bis ich reich bin, damit ich direkt neben dem Gefängnis wohnen kann, damit ich in der Nähe meiner Mama sein kann.

Albert: Du hast gerade gesagt, deine Vorstellung von chemischer Stimulation sei, an einem Fisherman’s Friend zu lutschen!

Bea: Lächle. Ich sehe dich nie lächeln. Erinnerst du dich an das kleine Häuschen in Deutschland? Und wie diese Fischer uns mit ihren Rudern nass machten und nicht wussten, wer wir waren.

Albert: Die Apostel, die sind doch alle Fischer, nicht wahr? „Simon, wirf dein Netz auf der rechten Seite aus.“ Er fängt so viele Fische, dass sein Netz fast in zwei reißt.

Bea: Alles kehrt zur Erde zurück. Die Genügsamkeit derer, die wenig hatten. Der Fischer, der die Gnade des Flusses empfängt. Mir fehlt der Frieden einfacher Dinge.

Albert: Nun, er war Fischer, und Fischer sterben gern auf See. Er fürchtete, in einem Altersheim zu sterben, mit Rohren und Schläuchen, die aus ihm herausragen.

Bea: Es war ein alter Fischer / der stach vor Pimlico in See…

Albert: Es war einmal… ein Fischer. Und er zog seine Netze ein… und es war ein normaler Tag.

Bea: Lass mich dir einen kleinen Blick in die Zukunft geben, Paula. Bald wird irgendein Wanderer oder Fischer mit einer Geschichte herauskommen.

Albert: Der Fischerring, der das päpstliche Siegel trägt, muss sofort nach dem Tod des Papstes zerstört werden. „Sede Vacante“ – die Zeit des leeren Throns.

Bea: So wie ein Wurm einem Fischer hilft. Ich bin froh, dass du endlich nach Hause gekommen bist, Gianni. Mir ging der Köder aus.

Albert: Die First Nations und die alten Fischer an der Küste nennen sie „Schwarzfisch“. Ich gehe nie aus dem Boot und lege mich nie mit Schwertwalen an.

Bea: Du bist der geduldigste Fischer, den ich je gesehen habe.

Albert: Wie der Fischer, der eine Liste guter Plätze führt, hat der Spanner lebhafte Orte im Kopf, zu denen er zurückkehrt…

Bea: Er ist Fischer. Der meistüberschätzte Schriftsteller des Jahrhunderts. Der perfekte amerikanische Autor – fett, gewalttätig, betrunken.

Albert: Ich dachte, er könnte sie zähmen. Er war Fischer, und ich habe einen Bus voller menschenfressender Haie.

Bea: Weißt du, im Nordatlantik gibt es Rochen, deren Genitalien genau so sind wie die einer Frau. Es ist bekannt, dass Matrosen und Fischer oft Sex mit ihnen haben. Was hältst du davon?

Albert: Der alte Mann und das Meer ist die Geschichte eines Kampfes zwischen einem betagten, versierten Fischer, Santiago, und einem wirklich großen Fisch… Bis nachts haben die Haie praktisch den ganzen Marlin aufgefressen… Schließlich erreicht Santiago das Ufer… Viele Jahre später gibt es in fast jeder Stadt Amerikas ein Red Lobster.

Bea:

Weißt du, was trauriger ist als ein leerer Puddingbecher?

Albert:

Ein Pyjama, der nie das Haus verlässt?

Bea:

Oder einer, der es zu oft tut. Jogginghose mit Konzept.

Albert:

Ich hatte mal einen mit kleinen Raketen drauf. Wurde mir gestohlen. Angeblich. Was sagt das über eine Stadt, in der selbst das Pyjamafach nicht mehr sicher ist?

Bea:

Dass niemand mehr Würde besitzt – außer vielleicht der Typ, der nackt schläft, aber sich morgens eine Krawatte anzieht. Oder der Mann, der seine Unterwäsche weglässt, aber auf Seidenpyjamas besteht. Meine Mutter hat immer gesagt: Wer im Pyjama frühstückt, hat das Leben aufgegeben.

Albert:

Und doch verbringen ganze Bevölkerungsgruppen ihre Wochenenden in Polyester mit Bärenmotiven. Vor dem Fernseher. Ohne Reue.

Bea:

Du meinst: das stille Drama der Erschöpfung im Schnittmuster kindlicher Geborgenheit.

Albert:

Oder einfach nur: „Ich hatte ein wichtiges Meeting – mit meinem Sofa.“

Bea:

Ich hatte mal ein Date, das kam im Pyjama-Oberteil und Jeans. Sagte: „Ich brauch nur den Topteil.“

Albert:

Und du?

Bea:

„Ich brauche nur den unteren Teil.“ So haben wir uns kennengelernt. Ein klassisches Meet Cute im Männerwäsche-Abteil. Gelegentlich wird behauptet, Pyjamas seien unsexy.

Albert:

Kommt drauf an. Wenn jemand sagt: „Ich geh kurz ins Schlafzimmer und zieh meinen neuen Pyjama an – und du kannst ihn gleich wieder ausziehen“ … dann reden wir nicht mehr über Baumwolle.

Bea:

Sondern über Strategie.

Albert:

Oder via Hoffnung. Im Frotteeformat. Erinnerst du dich an den Geschmack von Erdbeeren?

Bea:

Ich muss unbedingt eine Kugel von diesen herrlichen Erdbeeren nehmen. Möchtest du auch?

Albert:

Ich mag Joghurt nicht! Sogar mit Erdbeeren nicht. Dich aber finde ich schöner wie eine Schokoladen-Erdbeere. Hach, draußen sitzen vor einem Café mit starkem Kaffee und einem warmen Croissant mit ungesalzener Butter und Honig.

Bea:

Als ich zum ersten Mal den Schulbus verpasst hatte, griff eine ältere Dame in ihre Tasche und holt einen Erdbeer-Pop-Tart heraus – des beste Frühstücksgebäck des Jahres!

Albert:

Findest Du, dass Köche mit den Rohstoffen des Lebens selbst spielen? Sie ersetzen Kirschen mit Erdbeerphosphat. Ich habe jede verdammte Folge von Cheftisch Deluxe zwei- oder dreimal gesehen. Ich habe dem Kochstar zwanzigmal beim gleichen Gericht 20x auf seine Finger geschaut. Ich habe gesehen, wie er den exakten Moment erklärt, in dem eine grüne Erdbeere perfekt unreif ist. Ich habe gesehen, wie er eine rohe Jakobsmuschel anrichtet während ihrer letzten, sterbenden Muskelkontraktion. Es ist Kunst am Rand des Abgrunds.

Bea:

Wie pingelig man sich anstellen kann. Dann sagen Totalverwöhnte: Ich möchte den Kuchen erhitzt, und ich will das Eis nicht oben drauf, ich will es daneben, und ich hätte gern Erdbeere statt Vanille, wenn ihr es habt. Wenn nicht, dann kein Eis, nur Schlagsahne, aber nur wenn sie echt ist. Oder schokoladenüberzogenes Fudge. Wenn etwas davon aus der Dose kommt, dann gar nichts. Nebenbei lassen sie sich anstacheln mit Ratschlägen ihres Smartphones - als ob die mit Seltenen Erden zugeschütteten Edelassistenten wüssten, wie Erdbeeren schmecken. Wenn Ironie aus Erdbeeren bestünde, würden wir jetzt eine Menge Smoothies trinken.

Albert:

Maschinen setzen andere Schwerpunkte. Du magst Erdbeeren, ich mag Eislaufen nicht, du weinst bei traurigen Filmen, ich bin allergisch gegen Pollen. Worin bestünde der Sinn verschiedener Geschmäcker, verschiedener Vorlieben, wenn nicht darin, dass unsere Gehirne unterschiedlich arbeiten. Sie sind wie Geschmacksrichtungen. Manchmal willst du Himbeere, dann nach einer Weile willst du Erdbeere. Kondome gibt es heutzutage in allen möglichen Geschmacksrichtungen. Erdbeere und Curry und so. Magst du Curry?

Bea:

Lieber mit ein bisschen Zitrus. Vielleicht etwas Erdbeere. Mmm. Passionsfrucht, mmm, und, oh, da ist nur die leiseste Spur von, äh, Spargel, und da ist ein Flattern von, wie, wie nussigem Edamer oder ein Glas kalte frische Milch von Großvaters Kühen! Was war die Frage? Ob ich schon mal jemanden mit Erdbeeren in der Badewanne gefüttert habe? Ja, es gab diesen besonderen Abend, am offenen Fenster. Ich erinnere mich die Stille, die Dämmerung, die Schale mit Erdbeeren, die Schale mit Milch. Gesichter im Abendlicht. Ein Gespräch ohne Worte. Diesen Erinnerungshumus habe ich sorgfältig verstaut.

Albert:

Bekleidet mit Pyjama bin ich auf dem Rad gesessen. Kein Ziel. Nur dieser Moment: draußen zu sein, aber angezogen wie fürs Bett. Als würde man der Welt sagen: Ich tue nur so, als wär ich wach. Ich erinnere mich noch gut an das Gefühl, als ich damals mit einem Fahrrad auf die Schule gefahren bin. Ich hatte kein Fahrrad, also nahm ich einfach meinen Baseballhandschuh und stellte mir vor, es sei ein Fahrrad. Aber hey, es war besser als nichts.

Bea:

Das klingt verrückt, aber wer weiß, vielleicht hast du ja wirklich den Dreh raus, wenn es darum geht, Dinge zu erfinden. Ich muss zugeben, ich finde es auch nicht gerade einfach, mit dem Fahrrad zu fahren. Diese Hügel und das ständige Schieben! Ein Fahrrad riecht manchmal nach Straße, selbst wenn es in der Wohnung steht. So, als hätte es heimlich weitergemacht. Und man selbst denkt: Ich war nur kurz müde. Ich hol dich gleich wieder raus.

Albert:

Ja, die Hügel machen es nicht einfach, das stimmt. Aber dafür ist der Rest des Fahrens doch immer so befreiend. Ein Fahrrad macht vieles effizienter, sagen sie. Es ist wie ein Freund, der dich nie enttäuscht.

Bea:

Da hast du recht. Und über das „effizient“ gesprochen, weißt du, was ich wirklich finde? Menschen ohne Fahrräder sind ineffizient. Aber mit einem Fahrrad wird der Mensch das effizienteste Tier auf dem Planeten. Da kann der Computer glatt ein Fahrrad für den Geist sein. Das klingt fast nach einer Erleuchtung. Aber es gibt auch eine Sache, die mich immer stört, wenn es um Fahrräder geht. Hast du schon mal versucht, ein Fahrrad in einem Flugzeughangar abzustellen? Ich hab's mal versucht – war nicht so einfach.

Albert:

Ja, und das erinnert mich daran, dass das Fliegen auch nicht viel anders ist als Fahrradfahren. Aber es gibt da eine Sache: Es ist viel schwieriger, Baseballkarten in die Speichen eines Flugzeugs zu stecken. Und wenn man das Fahrrad nach Jahren wieder benutzt, tut alles weh. Knie, Hände, Rücken. Als müsste man sich das Tempo zurückverdienen.

Bea:

Mein Lieblingsfahrrad knarzte beim Treten. Kein lautes Knarzen, eher wie ein Kommentar. Nicht beleidigt. Nur trocken. Nie beleidigt, wenn ich absteige. Vielleicht deshalb: Man verlernt Radfahren nicht. Stimmt natürlich nicht. Aber schön wär’s. Fahrräder: eine höfliche Form der Flucht. Leise, ohne Drama. Und mit etwas Glück kommt man irgendwo an, wo niemand fragt, warum. Du hast es schon wieder getan, oder? Das Teleskop. Immer wenn’s zu still wird, greifst du nach diesem Ding und hoffst, dass da draußen etwas für dich parat ist. Dabei ist es doch eigentlich nur ein Blick in das Unendliche, das man nie fassen kann.

Albert:

Vielleicht. Aber was ist so falsch daran, nach etwas zu suchen? Der Blick nach oben gibt mir wenigstens das Gefühl, dass es mehr gibt als hier. Dass es noch was anderes gibt, was nicht ständig an mir zerrt.

Bea:

Und was soll das sein? Diese glitzernden Punkte am Himmel? Die sind genauso ungreifbar wie alles andere, was du versuchst zu fassen. Vielleicht ist das der Trick – je mehr du nach oben schaust, desto weniger siehst du von dem, was direkt vor dir liegt. Du bist genauso blind für die Dinge hier.

Albert:

Vielleicht sind wir einfach nicht dafür gemacht, alles zu begreifen. Vielleicht reicht es, den Blick von der Erde zu heben, um zu merken, wie klein wir im Ganzen eigentlich sind. Es geht weniger darum, was wir sehen, sondern wie wir uns selbst dabei fühlen.

Bea:

Klingt nach einer sehr praktischen Ausrede. Aber was passiert, wenn du mal wieder nach den Sternen greifst und dir selbst dabei immer wieder entgleitest? Was passiert, wenn der Blick nach oben nicht die Antwort ist, sondern nur die Flucht vor der richtigen Frage?

Albert:

Du hast recht, es ist eine Flucht. Aber eine, die mir zumindest das Gefühl gibt, dass ich noch etwas anderes erreichen kann, als ständig in diesem Raum festzustecken. Vielleicht braucht es ab und zu ein bisschen Unendlichkeit, um den eigenen Kopf freizubekommen.

Bea:

Vielleicht. Aber ich denke, manchmal liegt die Antwort nicht in der Ferne. Vielleicht steckt sie gerade hier, direkt vor uns, aber wir sehen sie nicht, weil wir ständig nach etwas Größerem streben. Was, wenn wir einfach mal aufhören und hier stehen bleiben?

Albert:

Vielleicht. Aber ein bisschen Unendlichkeit schadet nie, oder?

Bea:

Nach dem ganzen Teleskop-Kram, Albert, ich brauch jetzt was Frisches. Ich nehm einen Cranberry-Grapefruit-Wodka. Ich weiß, der heißt Sea Breeze. Sag’s nicht.

Albert:

Ich hab mal jemandem den Blinddarm mit einem Grapefruit-Löffel entfernt. Letzte Nacht hat mein Nachbar, gegenüber, in eine Grapefruit masturbiert. In die Mikrowelle getan, bisschen erhitzt – half ein wenig, aber ... trotzdem; gerade wenn ein Mann sich für Grapefruit interessiert, kommt eine Frau.. Ihm traue ich im Restaurant folgenden Satz zu: "Ich nehm ein Eiweiß-Omelett mit sehr wenig Öl, Toast aus trockenem Weizen, und Grapefruitsaft." Oder diese traditionelle alte englische Sache: Äpfel, Grapefruit und Kartoffeln in einer Mayonnaise-Sauce. Grapefruit. Warum isst jeder auf der Welt Grapefruit, wo doch so viele Bananen frei herumlaufen?

Albert:

Ich gehe in letzter Zeit viel ins Kino, und dort sind die Mädchen ganz anders. Sie kriegen Grapefruit ins Gesicht – und sie lieben es! Man schält Grapefruit, und es gerät außer Kontrolle. Aus unbekannten Gründen hat sich der Mond in eine Grapefruit verwandelt! Ich habe übrigens noch nie betrogen. Na gut, außer einmal während der Grapefruit-Diät, da habe ich eine Banane gegessen. Lass mich dir was über Pot erzählen. Wenn du es nimmst, werden deine Geschmacksknospen so empfindlich, dass eine Grapefruit wie Kaviar schmeckt. Alles – fühlen, sehen, wissen – wird vergrößert, sodass du das Universum wie eine Walnuss spalten könntest und seine Geheimnisse kennst. Ein Beziehungsgeheimnis: Fang einen Streit an oder mach sie sauer. Schieb ihr eine Grapefruit ins Gesicht. Viele Wege. Eine Nacht lang. Dann weint sie ein bisschen. Morgen erklärst du alles, kaufst ein schönes Geschenk. Bis dahin kannst du es dir leisten, denn wir haben all diese Lieder verkauft.

Bea: Warum hast du den Architekten „Küche“ an die Küchenwand schreiben lassen? Ich weiß doch, dass es die Küche ist.

Albert: Du weißt, ich wollte immer so tun, als wäre ich Architekt.

Bea: Sie könnte eine wirklich großartige Architektin sein, wenn sie wollte.

Albert: Ich bin Architekt, verdammt noch mal. Ich baue fünfzigstöckige Wolkenkratzer, ich errichte Städte der Zukunft – ich kann verdammt noch mal auch eine Windel zusammenbauen.

Bea: Mein Professor pflegte immer zu sagen: Das größte Werkzeug eines Architekten sind seine Augen.

Albert: Ich bin froh, dass du kommen konntest. Ich fand es ziemlich dreist, einen beschäftigten Architekten wie dich zu bitten, das Wochenende bei völlig Fremden zu verbringen.

Bea: Er war Architekt. Er kam, um eine Erweiterung der Bibliothek meines Vaters zu planen. Ich war erst siebzehn. Ich erinnere mich, ich hatte gerade einen Roman beendet, in dem die Heldin im Rosengarten geküsst wurde und glücklich bis ans Ende ihrer Tage lebte. Als er mich im Obstgarten küsste …

Albert: Er war großartig. Brillant. Architekt, gutaussehend und alles. Aber wenn man schon eine Affäre hat – dann nicht mit meinem besten Freund, in meinem Himmelbett, und sie mussten wirklich nicht alle meine Pistazien aufessen.

Bea: Ich bin eine rechtschaffene Bürgerin. Nie verlobt, nie wirklich verliebt. Aber sie ist die großartigste Person, die ich je getroffen habe. Eine begabte Architektin. Ich bin einfach froh, sie getroffen zu haben. Ich liebe sie.

Albert: Ein Genie. Architekt, Designer, Komponist, Magier – ein Genie, Monsieur.

Bea: Ich hätte nie gedacht, dass ich an die Ehe glaube, bis ich ihn traf. Er liebt es, dass ich Architektin werde. Er will, dass ich ein Haus für uns entwerfe. Er ist ein Genie. Und süß. Und ich liebe ihn mehr als alles andere auf der Welt.

Albert: Ich würde nicht zu sehr auf das hören, was der Kapitän sagt. Ich bin Architekt, und diese Boote sind nicht dafür gebaut, kopfüber zu schwimmen.

Bea: Du hast es vergessen, oder? Wir haben heute das Treffen mit dem Architekten des neuen Flügels. Wir müssen die Pläne abzeichnen.

Albert: Kein Mensch unter euch ist fähig zu richten über die mächtige Kunst, die ich geschaffen habe. Der Große Architekt spricht zu mir. Er ist das Gleichgewicht, in dem meine Taten gewogen und beurteilt werden – nicht ihr.

Bea: Ich stelle sie mir als Malerin vor. Er ist Arzt oder Architekt. Er hat ein gutes Lachen. Ich frage mich, was sie sich sagen, bevor sie einschlafen.

Albert: Ein russischer Architekt hätte sie bekämpft, ein russischer Agent hätte sie getötet.

Bea: Leider scheint der Architekt deiner Seele Social Media zu sein.

Albert: Am Anfang war der Mensch. Und eine Zeit lang war es gut. Dann fiel die Menschheit der Eitelkeit und Korruption anheim. So wurde der Mensch zum Architekten seines eigenen Untergangs.

Bea: Es ist unmöglich, dass du etwas übersehen hast. Du hast dich monatelang auf dieses Treffen vorbereitet. Du kennst diesen Ort besser als der Architekt.

Albert: Ich habe aus Versehen eine seiner seltsamen Maschinen eingeschaltet. Da ich technisch nicht begabt bin, hatte ich alle Mühe, das Ding wieder auszuschalten.

Bea: Ich bin Architektin. Ich weiß, was kommt, aus dem Prinzip, auf dem es gebaut ist. Meine Ideen sind mein Eigentum. Sie wurden mir genommen. Ich erkenne niemandes Recht auf eine Minute meines Lebens an.

Albert: Sicher hast du bemerkt, dass er ein Mann vieler Talente ist – Autor, Anwalt, Staatsmann, Architekt, Landwirt.

Bea: Heute Abend sehen wir den größten Architekten der Welt – den Schöpfer einer Welt in der Welt.

Albert: Am Tag, als die Welt endete, lag das Schicksal der Menschheit in einer kleinen Metallkiste. Architekten, Wissenschaftler und Ingenieure beschlossen, eine unterirdische Stadt zu bauen, die Generationen schützen sollte.

Bea: Was nennst du das? Ist das keine Pflanze? Wenn du ein Problem mit meinen Pflanzen hast, kann ich jederzeit meinen Landschaftsarchitekten anrufen. Gelöst!

Albert: Du hattest mit den Golfplatz-Leuten zu tun! Letzten Monat warst du Weinkennerin, und jetzt bist du angehende Landschaftsarchitektin, richtig?

Bea: Ich habe gehört, man trifft alleinstehende Männer auf Friedhöfen. Eine Freundin von mir hat so einen Architekten geheiratet.

Albert: Wir sind die Architekten unserer eigenen Existenz. Es ist unsere Pflicht, Gott aus der Existenz zu denken. Nur dann übernehmen wir die volle Verantwortung für das, was wir sind.

Bea:

Weißt du, wovon niemand redet, wenn's um Pyjamas geht? Vom Reißverschluss. Entweder fehlt er – oder er ist genau da, wo man ihn um zwei Uhr nachts am wenigsten gebrauchen kann. Oder er klemmt. Und dann brauchst du plötzlich Hilfe. Aber du willst keine Hilfe.

Albert:

Versehentlich, in der Grundschule... na ja. Reißverschluss. Haut. Tränen. Du kennst das.

Bea:

Die Urform der Tragödie.

Albert:

Einmal hat mir jemand gesagt: „Du bist so dünn – wenn du dich seitlich drehst und die Zunge rausstreckst, siehst du aus wie ein Zipper.“

Bea:

Das war bestimmt jemand mit Schaumstoffschuhen und einem Vibrationsring um den Hals. Meine Mutter hat mal gesagt: "Reißverschlüsse sind wie Männer – sie klemmen immer im falschen Moment."

Albert:

Und wenn sie offen stehen, starrt alle Welt darauf.

Bea:

Oder jemand ruft: „All ashore who's going ashore.“

Albert:

Du weißt, dass man ganze Diktaturen an Reißverschlüssen erkennt? Graue Mützen, funktionale Stiefel, und diese geräuschlose Bedrohung: zipp.

Bea:

Und was war deine revolutionärste Zipper-Erfahrung?

Albert:

Mein Vater – Seemann, stur, Aberglaube in Jackenform – kam nach Hause, zog eine Goldmünze aus der Brusttasche. Hatte sie auf See gefunden. Er packt die Tasche auf – leer.

Bea:

Natürlich. Geister akzeptieren keine Barzahlung.

Albert:

Aber sie lieben den Sound.

Bea:

Zzzipp. Das Geräusch der moralischen Auflösung. In Shanghai war ich glücklich ! Dieses kleine Haus, mit dem schicken Garten! Meine Bekannten waren reich, wir gingen ständig auf Partys, kostümiert als Goblins und Gespenster, chauffiert in Limousinen, mit Live-Musik! Sinnlos-Songs der Art “Tagtraum-Wahnvorstellung, Limousinen-Wimpern / Oh Baby mit deinem hübschen Gesicht / Lass eine Träne in mein Weinglas fallen / Schau dir diese großen Augen an / Sieh, was du mir bedeutest / Süßigkeiten und Milchshakes / Ich bin ein Wahnvorstellungsengel / Ich bin eine Fantasieparade / Ich möchte, dass du weißt, was ich denke / Ich möchte nicht, dass du weiter rätst / Du hast keine Ahnung, woher ich komme / Wir haben keine Ahnung, wohin wir gehen / Gefangen im Leben / Wie Äste in einem Fluss / Fließend stromabwärts / Gefangen in der Strömung / Ich trage dich / Du trägst mich / So könnte es sein / Kennst du mich nicht? / Kennst du mich denn noch nicht? Liebe ist großartig, einfach großartig! / Ich bin verliebt, also wirst du verstehen, / warum ich so schwärme. Es ist schwer, sich zu benehmen!” Eine Dame kam auf mich zu und sagte: „Liebling, sei ein Schatz – ich brauche deine Hilfe, um den Hund meines Nachbarn verschwinden zu lassen!“ Wie viel Geld Diese Parties einbrachten, hochkarätig, und wie viel verbrannt wurde, erbärmlich.

Albert:

Die aufregendste Stadt der Welt. Da ist sie.  Spannung, Abenteuer, Romantik. Alles, wovon du jemals geträumt hast, ist da unten. Große schwarze Limousinen. Goldene Zigarettenetuis. Elegante Damen mit langen Beinen. Alles, was du brauchst, ist Geld, Bloom. Geld ist Honig! Wie wär’s mit einer großen schwarzen Limousine mit Diplomatenkennzeichen?

Bea:

Die Geschichte mit Glamour und Mode: Jeder will diesen einen Moment, in dem er fabelhaft aussieht, sich fabelhaft fühlt. Wenn man aus der Limousine steigt. Wenn man diesen Auftritt hat, wo alles perfekt ist.

Albert:

Wo fahren wohl all diese Limousinen nachts hin? Ich weiß, ich wechsle das Thema. Aber was passiert mit all diesen Stretchlimousinen, die den ganzen Tag die Stadt durchstreifen?

Bea:

Wer weiß das schon? Sollte man Gemüse mit einer Limousine abholen? Sollte ein Schulbusfahrer auf Limousinen wechseln? Ich mag es, das Leben wie eine Limousine zu sehen. Auch wenn wir alle zusammenfahren, müssen wir unsere Plätze kennen. Vorne ein Sitz, hinten ein Sitz und ein Fenster dazwischen.

Albert:

Eines Tages oder ein anderer gehen wir alle zur Hölle. Wenn wir diese Aufgabe schaffen, können wir in einer Limousine gehen, sonst zu Fuß. Besser, als auf vier Schultern getragen zu werden.

Bea:

Ich brauche keine Limousine, um zu wissen, wer ich bin. Und dass ich nichts weiß. Nur wir beide. Das war alles, was wir je hatten. Du hast doch sicher schon von den sagenhaften Bergen in Kolumbien gehört, oder? Der frische, gebirgige Kaffee dort – der ist einfach unvergleichlich. Ich kann mir vorstellen, wie der Duft sich bis hierher zieht.

Albert:

Was mich am meisten beeindruckt: dass Kolumbien wirklich der Ursprung des „magischen Realismus“ ist. Dort verschmelzen Träume und Realität, dort fliegen die Menschen fast wie Ikarus – doch auch Magie hat ihre Grenzen. Dieser Gegensatz von Schönheit und Verfall. Die Leute dort haben gelernt zu überleben, auch wenn es um das schlimmste geht. Und sie tun es mit einer Art von „magischem Realismus“, den niemand so in andere Teile der Welt übertragen kann.

Bea:

Du sagst es. Und nicht nur das. Kolumbien hat doch auch seine Schattenseiten. Kennst du die Geschichte von „El mal presas los débiles porque miedos fuertes“? Das ist eine der berühmtesten Redewendungen dort: Das Böse greift die Schwachen an, weil starke Ängste den Weg ebnen.

Albert:

Du sprichst von den Drogenkartellen, oder? Kolumbien ist bekannt für die schreckliche Geschichte von Pablo Escobar und den M-19. Diese Superlabore und das Drama um das oberste Gericht – das ganze Land, das in Flammen stand. Ja, das ist Kolumbien in all seiner Dunkelheit.

Bea:

Aber, was ist eigentlich mit dem, was Kolumbien immer so geprägt hat? Der „grüne Dschungel“? Es gab mal einen Moment, da war es der beste Ort zum Leben. Aber mit dem Aufstieg der Kartelle… Da geriet vieles aus den Fugen.

Albert:

Ja, dieser „grüne Dschungel“, der mit den großen Regenwäldern. Faszinierend, wie der „Dschungel“ den kolumbianischen Charakter prägt. Im Übrigen, wenn man sich mit Kolumbianern unterhält, ist eine Sache immer klar: Sie reden viel, aber das ist – wie sie sagen – „hablar en español“ – direkt und auf den Punkt. Ich glaube, man kann auch in Kolumbien lernen, wie relativ gut und schlecht sind. Denn es geht nicht nur ums Überleben, sondern auch um das Leben inmitten des Chaos. Auch hierzulande, das ist, wie sie sagen: „Gute Menschen kommen zu spät, und schlechte Menschen zu früh.“

Bea: Weißt du, was mich an Robotern manchmal stört? Sie tun alles, was man ihnen sagt. Kein Widerstand, keine Emotionen. Das wäre nicht gut für uns, oder?

Albert: Naja, solange man sie nicht „umprogrammiert“, tun sie eben, was man ihnen sagt. Es heißt ja auch, wenn du keinen Roboter bauen kannst, dann sei eben einer.

Bea: Vielleicht ist das der Punkt. Wenn du ein Roboter bist, musst du dich nicht mal dafür entschuldigen. Du musst nicht über Gefühle nachdenken, die dich nur verwirren.

Albert: Aber du kannst doch nicht einfach die Kontrolle über dich selbst aufgeben. Erinnert mich an den, der schon das Marschieren und den Robotics Club hingeschmissen hat. Der war mehr als ein Roboter, das war ein echtes Menschlein, das sich gegen den programmierten Weg wehrte.

Bea: Vielleicht ist es ja wirklich so, wie sie sagen. Entweder sie ist einfach eine emotionale, elende, miserable Person – oder eben ein Roboter, der nichts fühlt.

Albert: Ich habe das Gefühl, wenn wir jetzt noch weiter über das Thema sprechen, sind wir vielleicht irgendwann wie diese drei-Minuten-Löwen-Roboter, die sich zu einem Super-Roboter vereinen.

Bea: Und dann? Schicken wir uns gegenseitig auf eine Mission, die niemandem etwas bringt? Ich kann’s mir vorstellen. Ein bisschen wie der Roboter aus dem Film, der auch keine Tränen weinen konnte.

Albert: Ah, ja! Und wie der Roboter im Auto, den man zuerst für ein Modell hält, aber der sich dann als ein außerirdischer Roboter entpuppt. Und dann erfahren wir, dass er superfortgeschritten ist... vielleicht aus Japan?

Bea: Du und deine Japaner. Wenn Roboter wirklich so weit sind, dann sollten wir anfangen, sie als das zu sehen, was sie sind. Erotisch.

Albert: Wie, als ob wir alle ein Date mit einem Sex-Roboter hätten? Vielleicht, aber dafür braucht es einen anderen Kopf.

Bea: Aber wenn es danach geht, dann könnten wir fast wie in einer dieser Szenen enden, in denen ein Roboter auftaucht und alles kaputt macht, aber dann am Ende doch den Tag rettet. Ein bisschen wie die „Superhelden-Roboter“ aus den Filmen. Aber dann will wieder keiner, dass ich der Held bin.

Albert: Irgendwie wird es immer so enden. Diese „Butch-Roboter“ von Battlestar Galactica, die gegen die „Gay-Roboter“ aus Star Wars kämpfen. Du siehst, worauf ich hinaus will? Am Ende geht es nur darum, dass wir Menschen und Roboter miteinander auskommen müssen.

Bea: Am Ende geht es nur um eines: Kontrolle. Da ist kein Platz für „Roboter-Fragen“. Entweder du verstehst sie, oder du wirst von ihnen überlistet. Avocado oder Testikel – kennst Du dieses Partyspiel?

Albert:

Ja, aber diese Pseudo-Beverly-Hills-Partys sind langweilig. Warum willst du mit diesen Leuten zusammen sein? Jeder jammert, dass es keine Drogen und zu wenig Alkohol gibt. Und dann fällt zwischendurch ein Satz wie "Ich muss Avocado auf mein Gesicht schmieren und Fotos machen. Hast du eine Ahnung, wie schwer es ist, ernst genommen zu werden, wenn alle wissen, dass deine Mutter Gesichtsbehandlungen macht?" Avocados haben keinen Saft. 98 Prozent der Avocados in den USA kamen einst aus Kalifornien. Die meisten aus einem Dschungelgebiet von Bakersfield bis zur mexikanischen Grenze – der Avocado-Gürtel. Avocados waren für die Sicherheit des Landes wichtig. Die Kommunisten kontrollierten schon Nicaragua, Guatemala und El Salvador. Und so wurde Kalifornien die letzte sichere Avocado-Quelle der nicht kommunistischen Welt. Der Rest galt als große Avocado-Lücke mit der Sowjetunion.  Übrigens nur eine Legende: dass im Avocado-Dschungel ein Stamm von Männern lebt, getrennt von den Piranha-Frauen.

Bea:

Und: Menschen starben in Chile an Durst, weil Avocados so viel Wasser brauchen.

Albert:

Sei vorsichtig mit Kernen, jeder. Bei Avocados kann man nie vorsichtig genug sein. Folgende Bestellung im Restaurant: Ein schöner Hackbraten mit Mozzarella, Kartoffelbrei mit Soße, Sprossen, Möhren in Butter und Avocado-Stücke mit Roquefort-Dressing und Veganaise-Mayo. Und dann fragst Du beim Servieren: Aber ich dachte, das hier ist ein Seafood-Restaurant. Was soll das alles mit Reis, Avocado und ... igitt! Ist das Seetang? Nori-Wrap?

Bea:

Oder: "Es schmeckt, als hätte jemand mit starkem Husten zwei Löffel Benylin auf eine Avocado gehustet." Und wenn die Bedienung meckert: Du siehst aus, als hätte eine Avocado Sex mit einer älteren, ekeligen Avocado gehabt.

Albert:

Du magst Avocados und Schopenhauer, oder?

Bea:

Meinst Du wirklich, dass Avocado ein Genuss sind?

Albert:

Ich brauchte 14 Jahre, bevor ich gelernt hatte, Avocado zu genießen. Nachts in der Küche stehend stellte ich fest: Wer auch immer den verdammten Avocado-Salat im Kühlschrank gelassen hat, ich nehm ihn, ich hab den schlimmsten Kater.

Bea:

Avocado-Salat verschafft Erektionen verschafft. Man habe immer einen für Notfälle dabei. Wobei: Das Eheleben macht aus Partnern Avocados mit Füßen. Hast Du schon “Homeless Avocado” gesehen?

Albert:

Nein, die Hauptdarstellerin gefällt mir zu gut.

Bea: Eine Avocado hat wenigstens Haltung. Ich kann mir keinen Bibliothekar vorstellen, der so selbstbewusst daliegt.

Albert: Ich denke, du siehst eher aus wie eine Bibliothekarin in einer Bibliothek, nicht in einem Porno.

Bea: Ich verstehe das. Ich bin Schauspielerin und arbeite gerade in einer Buchhandlung, weil die Figur, die ich in meinem nächsten Film spiele, eine Bibliothekarin ist.

Albert: Nun, das macht dich zu einer sehr klugen Bibliothekarin. Ich wusste, ich hatte dieses Journal irgendwo gelassen. War es eine gute Lektüre?

Bea: Ich glaube, man muss zwei Menschen sein. Die Heilige und die Sünderin. Die Bibliothekarin und die Stripperin.

Albert: Es ist okay, Bibliothekarin. Du kannst die Show beenden. Du bist übrigens sehr überzeugend als hoffnungslose Verliererin.

Bea: Vielleicht sind manche Frauen ja einverstanden mit dem wilden und unberechenbaren Lebensstil, einen Bibliothekar zu daten – ich bin es nicht.

Albert: Ich bin kein Bibliothekar, ehrlich gesagt weiß ich nicht einmal, welches Sternzeichen ich habe. Aber wie ein berühmter Mann einmal sagte: „Man kann einige Leute eine Zeitlang täuschen, aber nicht alle die ganze Zeit.“

Bea: Ich mag es hier, es ist ruhig. Niemand stört je eine Bibliothekarin.

Albert: Du solltest vorsichtig sein. Es ist nur eine psychologische Erscheinung, die unter Bibliothekaren häufig vorkommt. Sie glaubt, sie sei eine Coffeetable-Ausgabe, obwohl ich über den Zustand dieses Bandes nicht viel sagen kann.

Bea: Ich bin keine Bibliothekarin. Nur eine forensische Forscherin – eine vornehme Bezeichnung für dasselbe. Ich kann allein nichts bewirken, aber ich wollte mich wenigstens bedanken.

Albert: Ich war ein Werbe-Bibliothekar bei einer Firma für medizinische Geräte.

Bea: Eine Bekannte will einen Bibliothekar heiraten, damit sie immer genug Bücher um sich hat.

Albert: Ich war bei meinem Optiker und sagte, ich hätte gern etwas, das eine Bibliothekarin in einem Pornofilm tragen würde – er wusste nicht, was ich meinte.

Bea: Ich glaube, ich habe nie eine mobile Bibliothekarin schweben lassen.

Albert: Wie wäre es mit einer Bibliothekarin? Die sind doch cool. Was kann an einer kleinen alten Bibliothekarin schon furchteinflößend sein?

Bea: Ich habe einmal die Brille meiner Schulbibliothekarin gestohlen, um sie beim Masturbieren zu tragen. Was stimmt mit mir nicht?

Albert: Rom, wie jede andere Großstadt, wimmelt von Mädchen aller Formen und Größen – Debütantinnen, Krankenschwestern, Stenografinnen ... und Bibliothekarinnen.

Bea: Ach, meine liebe kleine Bibliothekarin. Du häufst genug Morgen an und findest eines Tages nichts als leere Gestern. Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich möchte, dass heute in Erinnerung bleibt.

Albert: Ich würde mich noch nicht sorgen. Es ist nur eine Manifestation, die bei Bibliothekaren üblich ist.

Bea: Ich denke, es ist nur fair, dich zu warnen – ich bin Bibliothekarin.

Albert: Ein Freund von uns fand eine alte Münze, datiert auf 1714. Wir suchten in der Bibliothek und sprachen mit der Bibliothekarin. Sie sagte, wir sollten mit dir reden.

Bea: Zeig deine Brüste für Geld – wie nennt man das, „Bibliothekarin“?

Albert: Ich habe nie viel für Forschung empfunden, aber die Bibliothekarin hat genug davon betrieben, als du hierherkamst.

Bea: Ich verstehe. Selbst eine alte Bibliothekarin kann etwas brechen – gestern hat eine achtzigjährige meinen Penis gebrochen.

Albert: Ich habe keine Zeit zu verlieren. Eines Tages werde ich einen Film drehen. Zwei Brüder. Einer ist ein Hund, der andere ein Bibliothekar.

Bea: Es ist die Bibliothekarinnen-Fantasie: Brille ab, Haare offen, fliegende Bücher.

Albert: Ich glaube, du hast genug Gestern gesammelt. Heute solltest du dir merken.

Bea: Ich war die Bibliothekarin, du der Hund. Und irgendwo zwischen uns flog eine Avocado durchs Regal. Man sagt ja, Reißverschlüsse bringen Menschen zusammen. Bis sie irgendwo einklemmen, wo’s keiner will – oder zu schnell wieder aufgehen. Wie Begegnungen. Oder Flugbahnen.

Albert:

Sprichst du von Himmelskörpern oder gescheiterten Dates?

Bea:

Beides. Ich meine: Was ist ein Reißverschluss anderes als ein temporäres Versprechen? So wie ein Meteor auf Erdkurs.

Albert:

Verbrechen, meinst Du? Schön formuliert. Und genauso unzuverlässig.

Bea:

Kennst Du jene Halskette mit Meteoritmotiv, und folgendem Schriftzug: „Dieser Stein hat auf mich gewartet.“

Albert:

Nein. Romantik mit Einschlag.

Bea:

Wörtlich. Angeblich aus Addis Abeba, aber wahrscheinlich aus einem Esoterikladen mit Trockenblumen und Teebaumöl.

Albert:

Wenn ein Gesteinsbrocken eine Million Jahre durchs All rast, dann hat er Besseres verdient, als an einem Hals im Prenzlauer Berg zu enden.

Bea:

Oder im Setzkasten eines Astrologie-Influencers. Kreisen wir alle um unsere eigenen Einschlagstellen? So wie Meteoriten – jahrhundertelang einfach unterwegs, bis es endlich kracht.

Albert:

Und dann sagen alle: „Was für ein Wunder.“ Dabei war es nur Timing.

Bea:

Oder Fehler im Kurs.

Albert:

Wie oft passiert es, dass ein flammender Fels vom Himmel fällt, und man denkt: Der war für mich.

Bea:

Oder schlimmer: Ich war für ihn. Ich liebe Himbeerpudding.

Albert:

Und wie findest du kleine Himbeer-Drachen?

Bea:

Aus Eis gemacht? Wir fangen an mit Himbeereis und dann ein paar Kuchen und Tee. Erdbeere und eine Himbeere gleichzeitig essen ist erlaubt. Ich liebe, was du heute trägst: Schwarz auf Himbeersorbet, sehr italienisch.

Albert:

Und für mich duftest du nach Himbeeren und Sahne. Gibst Du mir einen Kuss. Was für einer wird es sein? Ein Himbeerkuss?

Bea:

Folgst Du Deinem Herz oder den Himbeeren?

Albert:

Wenn ich Himbeere hätte buchstabieren könnte, wüsste ich die Antwort.

Bea:

Himbeermarmelade oder mein Gesicht - was wäre Dir lieber?

Albert:

Als rote Himbeere würde ich Dich überall ablecken. An dem Tag, als sie Manieren austeilten, blies man dem Pfarrer Himbeeren entgegen. Ich bin der Schrecken, der in der Nacht flattert, ich bin der Himbeerkern, den du nicht eingefangen bekommst mit Zahnseide.

Bea:

So wie jener übelriechende, fischfressende, Himbeeren blasender Versicherungsverkäufer?

Albert:

Da steckt viel Würde drin, nicht wahr? Abzutreten wie eine Himbeerrippel. Vergleichar einer Bestellung von Tintenfisch-Ravioli in Zitronengrasbrühe, mit Ziegenkäse-Profiteroles, ergänzt durch Rucola-Caesar-Salat. Außerdem die Terrine von Wachtelbrust mit Shiitake-Pilzen zur Vorspeise. Sodann Schwertfisch-Hackbraten mit Zwiebelmarmelade, selten gebratene Rebhuhnbrust in Himbeercoulis mit einem Sauerampfer-Timbal. Dann die Kalbsmedaillons in Himbeer-Trüffel-Sauce. Und die Jakobsmuscheln mit pürierten Artischockenherzen. Und ein Trifle! Mit all diesen Schichten. Zuerst eine Schicht Löffelbiskuits, dann eine Schicht Marmelade, dann Pudding – den ich selbst gemacht habe – dann Himbeeren, mehr Löffelbiskuits, dann Rindfleisch, mit Erbsen und Zwiebeln sautiert, dann noch etwas Pudding, dann Bananen, und ich habe etwas Schlagsahne obendrauf getan! Ich dachte immer, wenn was vom Himmel fällt, hat es eine Geschichte. Ein Versprechen, das zu schwer war. Oder ein Irrtum mit Schweif. Aber der Meteorit, der neulich ins Wasser knallte, war bloß ein faustgroßer Stein. Kein Leuchten, kein Beben, nur ein dumpfer Platsch.

Bea:

Wie eine Enttäuschung mit astronomischer Herkunft. Krähen verstehen das. Die landen auch nur auf den Dächern, wenn keiner guckt. Und wenn sie was sagen, klingt’s wie eine Frage, die niemand stellen wollte.

Albert:

Meine Mutter meinte, Krähen seien schlechte Zeichen. Ich hab ihr nie gesagt, dass ich mal einer folgte. Zwei Straßenzüge lang. Sie flog nicht weg, hat sich nur umgedreht, wie jemand, der sich vergewissert, dass du’s auch wirklich ernst meinst.

Bea:

Einst zwinkerte eine Krähe mir zu. Also nicht wie ein Mensch – aber so, dass ich mich kurz gefragt habe, ob ich sichtbar bin. Für ein Flügelwesen. Als zweibeiniges Nichtflügelwesen.

Albert:

Der Bäcker an der Ecke hat früher altes Brot auf die Fensterbank gelegt. Da saßen sie dann, in Reih und Glanz, als wäre das Wetter nur Dekoration für ihre Laune. Einmal hat eine mir ins Fahrradkörbchen gekackt. Ich hab’s nicht geputzt. Ich fand, sie hatte recht.

Bea:

Krähen wissen, wann sie stören dürfen. Und wann sie einfach ein schwarzer Fleck auf einem grauen Himmel sind. Sie verstehen Vergänglichkeit besser als wir, indem sie sie nicht verstehen.

Albert:

Oder sie lachen uns aus, weil wir alles mit Bedeutung aufladen müssen. Ein Flügelschlag – göttliche Mahnung. Ein leerer Ast – Symbol für Verlust. Dabei wollen sie nur ihren Maiskolben zurückholen.

Bea:

Und trotzdem: Wenn ich eine sehe, denke ich, jemand ist gegangen. Nicht gestorben, nur weitergezogen. Ohne Abschied. So wie du manchmal beim Bäcker stehst, und die Verkäuferin plötzlich nicht mehr da ist. Keine Nachricht, kein Zettel. Nur der Blick der Neuen: Ich bin nicht sie.

Albert:

Ich hab mal gehört, Krähen erkennen Gesichter. Vielleicht erinnern sie sich an unsere Fehler, an unsere überteuerten Wünsche und die Art, wie wir lügen, wenn wir sagen: „Es ist schon okay.“

Bea:

Unverdrossen landen sie. Immer wieder. Als wollten sie sagen: Ihr kriegt noch eine Chance. Oder zwei. Oder sie sind einfach nur da. Für den Moment, bevor der Himmel wieder leer wird. Weißt du, was ich manchmal denke? Diese Banane da. Die eine, die ganz hinten liegt. Es ist, als wäre sie nichts Besonderes, aber irgendwie gehört sie zu allem dazu. Wie diese Kochbananen. Manche bevorzugen sie sogar vor den normalen Bananen, weil sie exotischer sind.

Albert:

Aha, du und dein Faible für exotische Früchte. Aber jetzt mal ehrlich, wenn jemand einen Donut auf eine Banane setzt, ist das nicht unbedingt eine kulinarische Revolution, oder? Oh, rieche ich da Bananen-Beignets mit frischem Obstkompott?

Bea:

Glaubst du, Banane ist nur eine Frucht? Oder eher ein Zustand? Alles ist möglich: Superhelden, die Kugelhagel, aber keiner Banane ausweichen können, Kirschen mit Bananenstreuseln, Bananen-Brokkoli-Shakes trinkende Jungfrauen, die „I'm an Oscar-Meyer Wiener“ singen, Magic The Gathering Karten mit Bananenbeschwörung, und sogar ein in 26 Dimensionen, aber für unsere Augen bananenförmig geformtes Universum.

Albert:

Ein Mann würde sich niemals über einen Bananenschalen-Unfall beschweren. Er würde einfach gehen, als wäre nichts passiert. Der arme Kerl, der auf einer Bananenschale ausrutscht...

Bea:

Es gab Zeiten, da wollte jeder nur die Banane, weißt du? Aber jetzt redet niemand mehr davon. Sie nennen es ‚das Banana-Dilemma‘. Was wird wohl die nächste große Sache?

Albert:

Ach, und da gibt es noch diese Momente. Die Bananen sind sozusagen die wahre Erkenntnis des Lebens. Entweder du bist die Banane, oder du bist der, der mit der Bananenschale auf dem Boden rutscht. Weißt du? Und wenn das Leben wirklich wie eine Banane wäre, dann könnte es einem glatt den Kopf verdrehen.

Bea:

In manchen Momenten wünschte ich, das Leben wäre mehr wie ein Eisbecher, mit einem Haufen Bananen und Nüssen. Einfach genießen und sich keine Sorgen machen, wie das ganze Zeug zusammenpasst. Kennst Du die Geschichte mit der Banane im Auspuffrohr? So wie ein falscher Trick, der nie so funktioniert, wie er sollte.

Albert:

Spruch meiner Großmutter: „Je älter man wird, desto besser wird man, es sei denn, man ist eine Banane.“ Wir sahen uns nicht oft.

Bea:

Ich habe immer eine Giraffe haben wollen. Ich hätte nichts gegen eine halbe Stunde auf einer Giraffe. Sehr sexy Tiere, Giraffen. Ja, sie können sehen, wann die Polizei kommt, sodass du sagen kannst: „Nein, ist nichts.“ Ich wäre früher mit einer Giraffe ausgegangen, und hätte beispielsweise für gratis Kino gebracht und so. Du hättest immer jemanden, der sich beschwert, dass er die Leinwand nicht sehen kann. „Es ist eine Giraffe, Kumpel. Was erwartest du?“. „Na, er kann seinen Hut abnehmen zum Anfang!“

Albert:

Uh… nett. Weißt du, als ich in dem Alter war, wollte ich ein Haustier-Giraffe.

Bea:

Diese Fantasie-Giraffen, die du mir verkauft hast, sie paaren sich nicht. Sie laufen nur herum, fressen und paaren sich nicht. Du hast mir… paarungsunwillige Giraffen verkauft. Ich will mein Geld zurück. Und ich hätte noch einen italienischen Song gebraucht, wie eine Giraffe eine Streptokokken-Angina braucht.

Albert:

Und nach all dem kannst du mich immer noch nicht in eine Giraffe verwandeln. Und doch: Du schaffst, dass ich aussehe wie eine Giraffe mit Kropf! Ich komme immer noch nicht darüber hinweg, dass du kein Zauberin bist. Ich hatte gehofft, du könntest mich in eine Giraffe verwandeln. Ich wollte immer eine Giraffe sein, als ich ein Kind war.

Bea:

Ich habe die Bienen gehört. Die Leoparden sind in Schwierigkeiten, und die Paviane drehen durch. Natürlich tun die Giraffen so, als wären sie über allem… Die Zecken-Vögel picken auf den Elefanten. Ich sagte den Elefanten, sie sollen es vergessen, aber sie können nicht. Die Geparden haben es schwer, aber wie immer sage ich, Geparden gedeihen nie…

Albert:

Zwei Giraffen wurden beim Liebesspiel erwischt. Hörst du das? Welches Geräusch macht eine Giraffe? Ach egal. Sie wecken die Feenkönigin, die den Zauber bricht und alle rettet.

Bea:

Er füllt die Arche mit zwei von jeder Tierart. Es fehlen noch: zwei Giraffen, zwei Elefanten… und ein weiterer Esel. Wir haben sie alle überprüft. Wir haben das Affenhaus, das Reptilienhaus, das Giraffenhaus überprüft. Wir haben sogar die Außen-Toilette überprüft. Segen dem mehligen Rotkehlchen, dem schwarz-behandschuhten Wallaby und W.C. Fields, der tot ist, aber weiterlebt. Segen der rotzigen Giraffe. Segen dem Büffel. Segen der Gesellschaft der Ingenieurinnen. Segen dem Zwerg-Hippie. Segen der mächtigen Kakerlake. Es gibt keinen Löwen so groß wie einen Elefanten, so stark wie einen Ochsen, so schnell wie einen Geparden oder so hoch wie eine Giraffe, der so weit und breit fliegen und spähen kann wie die Kraniche und Falken am Himmel. Kannst du nicht sehen? Jedes Wesen hat einen Platz im Kreis des Lebens. Mein Atem ist dein Atem. Mein Kampf ist dein Kampf! Ich werde dem Bösen nicht weichen, und du solltest es auch nicht!

Albert:

Kannst du glauben, der Typ? Lässt uns fallen wie ein neugeborenes Giraffenbaby – plumps! – und wackelt jetzt hier rein und erwartet von uns… Oh, mit dem Gesicht und den Augen und dem… Ugh! Alles klar! Aber lass mich nichts Peinliches tun.

Bea:

Weißt du, ich habe den Animal Planet geschaut, und sie sagen, dass ein Kojote, wenn er in eine Falle gerät, seinen eigenen Fuß abbeißt, um rauszukommen.

Albert:

Diese Dokus. Plötzlich eine Giraffe in einen Vulkan zu werfen, um Wasser zu machen, ist verrückt! Wer guckt das! Sie konnten einen Picasso nicht von einem Giraffen-Arseo unterscheiden.

Bea:

Bist du sicher, dass wir von denselben Leuten sprechen? Ein sehr einzigartiger Blick auf die Welt. Wie Fliegen ihn auch haben. Das ist eine Wiederholung, als du sicher warst, dass du eine Haustier-Giraffe brauchst, um glücklich zu sein. Nun, nach einer Woche war dir langweilig.

Albert:

Wenn Du zwischen Kamel und Giraffe wählen müsstest ...

Bea:

Ich nehme immer das Kamel. Denn ich wusste nicht, wie groß Kamele sind. Es ist wie eine Mischung aus Kuh und Giraffe. Verrückt. Kennst Du einen guten Giraffen-Witz?

Albert:

Ein Mann geht mit einer Giraffe in eine Bar. Beide besaufen sich. Die Giraffe fällt um. Der Mann will gehen, und der Barkeeper sagt: Oi, du kannst das nicht da liegen lassen. Und der Mann sagt: Nein. Es ist keine Liege. Es ist eine Giraffe.

Bea: Eine Giraffe ist wenigstens ehrlich – kein Arzt, der so tut, als wäre er einer.

Albert: Ein Arzt? Im gewissen Sinne, ja. Er ist Tierarzt… Student. Großtiere.

Bea: Ich wollte als Kind Tierärztin werden. Aber dann habe ich erfahren, dass man seine Hände in Kühe stecken muss.

Albert: Was ist mit einem Tierarzt, der für die Mafia arbeitet?

Bea: Selbst ein Tierarzt weiß, dass dieses Verfahren das Risiko von Kammerflimmern erhöht.

Albert: Ich bin kein Tierarzt. Meine Patienten brauchen keine Leinen um den Hals.

Bea: Die Frau ist Tierärztin. Single. Sportlich, wie man sieht.

Albert: Ich schätze, das Wort ist Tierarzt. „Tierarzt“ zu sagen, ist weniger prätentiös als „Tierdoktor“.

Bea: Ich wollte als Kind Filmstar-Prinzessin-Tierärztin-Astronautin-Ballerina werden. Mit einem Pony.

Albert: Ein Tierarzt kann keine psychiatrischen Medikamente verschreiben.

Bea: Wenn du dich übergibst oder dein Fell verlierst, kontaktiere deinen Tierarzt.

Albert: Ich träumte, ich sei ein alter Mann auf einer Parkbank. Dann kamen Hunde und Katzen und sagten: „Wir sind die Haustiere der Kinder der Kinder, die du nie hattest.“ Und dann kamen Männer in weißen Kitteln und sagten: „Wir sind die Tierärzte dieser Haustiere.“

Bea: Selbst der Truthahn ist so roh, dass ein guter Tierarzt ihn noch retten könnte.

Albert: Ich bin dankbar, dass du Zeit gefunden hast, zu plaudern. Aber ich bin keine deiner Studentinnen, die in Ohnmacht fällt, wenn du „Hallo“ sagst. Ich bin eine kalte, ehrgeizige Frau, die nichts mit einem Tierarzt gemeinsam hat.

Bea: Ich weiß, du wirst lachen, aber meine Schwester hat einen Tierarzt geheiratet. Ich denke jedes Mal daran, wenn ich an den Zoo und das Eisbärenbecken zurückdenke.

Albert: Ich schätze, die Frauen dieser Welt können beruhigt sein, Mr. Moore. Denn jeder Hund hat irgendwann seinen Tag – das sollten künftige Tierärzte wissen.

Bea: Ich mag keine Ausbeutung von Tieren. Sie würde sich im Grab umdrehen.

Albert: Warum haben sie mich rausgeworfen? Warum haben diese Tierärzte mir die Zulassung entzogen? Ich war der Einzige, der den Mut hatte, einer Häsin eine Spirale einzusetzen.

Bea: Ich habe einen Tierarztfreund in Wien. Er schickt mir seltsame Tiere. Das letzte war ein Schnabeltier, das nicht „Quark“ macht.

Albert: Und jetzt ist Zeit für das „Tierärztliche Krankenhaus“ – die fortlaufende Geschichte eines orthopädischen Chirurgen, der zu den Hunden gegangen ist.

Bea: Ich brauche Ruhe. Und einen Arzt. Entweder einen Psychiater – oder einen Tierarzt.

Albert: Wenn du mich noch einmal beleidigst, sag deinen Schwitzern, sie sollen einen Termin beim Tierarzt machen.

Bea: Mein Bruder brauchte eine Operation, aber wir waren pleite. Ich brachte ihn zum Tierarzt – erst als Scherz. Er beschwerte sich nicht. Also ließ ich ihn einschläfern.

Albert: Auch wenn das Frauen tröstet – als angehender Tierarzt sollte man wissen: Jeder Hund hat seinen Tag.

Bea: Und trotzdem – selbst ein Tierarzt hätte dich nicht vor dem Erdnussgeschmack gerettet. Meteoriten und Mikrofone. Beides schlägt ein, wenn man es nicht erwartet.

Albert:

Und beide hinterlassen Krater. Der eine im Erdboden, der andere im Ruf.

Bea:

Ich hab mal eine Hochzeitsrede gehört, da fiel beides zusammen: Mikrofonrückkopplung und ein Geständnis über einen Seitensprung.

Albert:

Ah, der Klassiker: „Liebe Gäste, ich bin schwanger – und nein, es ist nicht meins.“ Aber immerhin hat sie sich bei den Zuhörern bedankt, bevor alle zum Hauptgang übergingen. Höflichkeit am Mikrofon. Vielleicht sollten wir so auch anfangen – mit einem Knopf im Ohr und einer Exit-Strategie in der Tasche.

Bea:

Ich wäre eher für ein Aufnahmegerät in der Popcorntüte. Für spontane Selbstsabotage in Dolby Surround.

Albert:

Intime Gedanken direkt ins Mikro sprechen, während man so tut, als würde man Chips essen?

Bea:

Oder flüstern in Richtung Leinwand: „Bitte schneiden Sie das raus.“

Albert:

Wie früher beim Schultheater, als der Tonassistent vergessen hat, das Saalmikro auszuschalten – und man hörte den Hausmeister über den Typen aus der vierten Reihe lästern.

Bea:

„Der mit der Weste? Der riecht wie warmer Käse, gebraten in Pisse.“

Albert:

Oder der Moment, in dem jemand das Mikro versehentlich mit ins Klo nimmt. Und keiner will’s ausschalten, weil’s irgendwie… dramaturgisch passt.

Bea:

Weil auch die Blamage ihren eigenen Soundtrack verdient.

Albert:

Und das Mikro immer aufzeichnet, was nicht für andere Ohren bestimmt war.

Bea:

Wie unsere Gespräche hier. Nur ohne Kabel. Ohne Applaus. Ohne Ausrede. Würde Monsieur einen Aperitif wünschen, oder lieber gleich bestellen? Heute haben wir, äh, als Vorspeisen: Verzeihung. Mhmm. Moules marinières, Pâté de foie gras, Beluga-Kaviar, Eggs Benedictine, Tarte de poireaux – also Lauchtarte –, Froschschenkel amandine oder Œufs de caille Richard Shepherd – das heißt, kleine Wachteleier auf einem Bett aus püriertem Pilz. Sehr delikat. Sehr subtil. Oder lieber eine Flasche gekühlten Bollinger Grande Année, Foie gras aus Straßburg und den Beluga-Kaviar?

Albert:

Wie noch mal verspeist man Kaviar? Kein Kaviar für mich, danke. Mochte ich noch nie besonders. Kaviar bringt mich zum Kotzen, weißt du. Ich bleibe bei den Wachtelaugen.

Bea:

Du magst keinen Kaviar? Haferkleie stattdessen? Ist besser fürs Herz.

Albert:

Kaviar sollte rund sein, hart und von angemessener Größe und im Mund im genau richtigen Moment platzen.

Bea:

Leiste mir gern mal Gesellschaft auf der Veranda, zu etwas Kaviar. Also: Sushi, Calamari, Kaviar. Ich hatte uns tatsächlich etwas Wal-Kaviar besorgt. Toastpoints waren aus, aber ich denke, wir können Doritos nehmen und ein sehr ähnliches Ergebnis erzielen. Ich hätte nichts gegen ein Kaninchen-Pastetchen; aber in diesen Restaurants ist es immer zu salzig. Ich hätte auch nichts gegen Kaviar, fürchte aber, er wird nicht von bester Qualität sein und sie geben winzige Portionen. Ich hätte lieber meine eigene kleine Marke. Und ich freue ich mich darauf, mehr Zeit mit dir zu verbringen.

Albert:

Hältst Du "Deine Augen sind wie chinesische Münzen mit Klecksen Kaviar in der Mitte." für ein Kompliment?

Bea:

Finde ich nicht. Was würde es kosten, wenn man alle Passagiere eines Langstreckenflugs mit Kaviar versorgen würde?

Albert:

Mehr als ein Football-Team, befürchte ich. Seit dem Ende des Kalten Krieges ist die Kalaschnikow zur größten Exportware der Russen geworden. Danach kommen Wodka, Kaviar, Tschaikowski, Borschtsch und suizidale Romanciers. Eines ist sicher: Für ihre Autos stand niemand Schlange. Was würdest Du für ein Kaviar-Gericht verlangen?

Bea:

Man verlange viel für alles Schwarze. Trauben, Oliven, Schwarze Johannisbeeren. Die Leute erinnern sich gern an den Tod; schwarzes Essen ist wie Tod zu verzehren, wie zu sagen: „Tod, ich esse dich.“ Schwarze Trüffel sind am teuersten, und Kaviar. Tod und Geburt. Das Ende und der Anfang. Findest du nicht auch passend, dass die teuersten Dinge schwarz sind? Wir berechnen auch Eitelkeit. Diätgerichte haben einen Aufschlag von 30 Prozent. Aphrodisiaka 50 Prozent.

Albert:

Ein frühere Tech-CEO Dennis Kozlowski und zwei weitere ehemalige Tyco-Manager wurden angeklagt, ihr Unternehmen um Hunderte Millionen Dollar geplündert zu haben. Und sie setzten viel davon für private Käufe auf Firmenkosten ein, darunter 36 Millionen für Häuser, zwei Sätze Bettlaken für fast 6.000 Euro und einen Duschvorhang für 6.000 Euro. Ich sage dir: Für den Preis sollte er wirklich kleine Pfützen vom Badezimmerboden fernhalten... Im krassesten Beispiel zahlte Kozlowski 2,1 Millionen für eine prunkvolle Geburtstagsparty für seine Frau, mit römischen Gladiatoren an der Tür und einer Eisskulptur von Michelangelos David, die Wodka aus seinem Penis spendete. Stilvoll – und die perfekte Begleitung zu dem Beluga-Kaviar, der aus seinem Hintern sickerte.

Bea:

Idioten.

Albert:

Ich könnte Hühnerdünger nehmen und ihn ihnen als Kaviar verkaufen. Ich könnte sie Hundefutter essen lassen und sie denken lassen, es sei Steak. Klar, ich habe sie so... Weißt du, wie das Publikum ist? Ein Käfig Meerschweinchen. Gute Nacht, ihr dummen Idioten. Gute Nacht, ihr elenden Schlucker. Sie sind ein Haufen dressierter Seehunde. Ich werfe ihnen einen toten Fisch zu und sie klatschen mit den Flossen. Im Mikrofon steckt manchmal die Hoffnung, dass jemand zuhört. Im Kühlschrank: die Erinnerung, dass man es versucht hat. Ich hab mal nachts mit jemandem gestritten, der nur noch ins Eisfach sprach. Vielleicht war’s seine Art, cool zu bleiben.

Bea:

Bei meiner Mutter war der Kühlschrank wie ein zweiter Kalender. Unten das Gestern in Tupper, oben das Morgen in Alufolie. Und irgendwo dazwischen ein Glas Senf mit drei Leben – von der Bockwurst zum Kartoffelsalat zur Ratlosigkeit.

Albert:

Bei uns zu Hause war immer zu viel Joghurt. So viel, dass er schon verdächtig wurde. Mein Vater meinte, das sei Sparsamkeit. Kontrollverlust mit Vanillegeschmack.

Bea:

Ich habe als Kind gedacht, Licht geht nur an, wenn man die Tür aufmacht. Ich hab nicht gewusst, dass manche Geräte auch heimlich leuchten. Heute frag ich mich manchmal, ob Menschen das auch tun. So im Inneren, wenn keiner guckt.

Albert:

Ich hab mal eine Woche lang nur aus dem Kühlschrank gelebt. Ohne Herd, ohne Absicht. Es war wie eine Fernbeziehung zur Kochkunst. Einmal hab ich aus Versehen eine Gurke mit Shampoo verwechselt. Lag beides nebeneinander – tückische Duftneutralität.

Bea:

Die besten Gespräche hatte ich in Unterwäsche vor dem offenen Kühlschrank. Drei Uhr morgens, barfuß auf Fliesen, Licht nur auf den Schinken. Ich pinnte ein altes Foto an den Kühlschrank. Weil ich dachte, Erinnerungen halten sich besser bei 7 Grad. Zwei Monate später war’s gewellt, voller Tropfen – als hätte es heimlich mitgekocht, wenn ich Reis aufgesetzt hab.

Albert:

Der Kühlschrank kennt uns besser als jede Beichte. Er sieht, wann wir nachts zurückkommen. Was wir verschweigen. Was wir uns heimlich gönnen. Und er verrät uns nie. Außer man vergisst, ihn zu schließen. Dann brummt er. Wenn alles andere schon eingeschlafen ist.

Bea: Weißt du noch, wie wir den Brückenübergang entlang fuhren und plötzlich diese Walgruppe im Wasser sahen?

Albert: Ja, ein Wal, eine Gruppe. Und ich dachte mir nur, dass sie, anders als wir, wissen, wie man wirklich atmet – für zwanzig Minuten unter Wasser, ohne nach Luft zu schnappen.

Bea: Irgendwie seltsam, oder? Manchmal, wenn du einfach zu viel über Wale nachdenkst, ist das so, als ob du in Moby Dick die langweiligen Kapitel über die Wal-Beschreibungen liest. Als wollte der Autor uns von seiner eigenen traurigen Geschichte ablenken.

Albert: Und dann gibt es immer diese Gespräche über Wale – alle wissen, dass der Wal der König des Ozeans ist. Aber was ist eigentlich der Grund, warum er immer so besonders dargestellt wird? Wir reden hier über ein Tier, das uns mit seinem Sonar ziemlich weit voraus ist.

Bea: Und dabei hat man als Kind immer diesen Wunsch, den Wal zu sehen, ihn zu begreifen. Es gibt kaum etwas Magischeres als einen Wal, der durch die Wellen zieht, als ob er die ganze Welt umarmen könnte.

Albert: Ja, und vielleicht liegt es daran, dass sie so unvorstellbar groß sind, dass man den Kopf nicht fassen kann. Ihre Herzen so groß wie ein Auto, so viel Platz für Dinge, die man selbst nie begreifen kann.

Bea: Ich kann es mir richtig vorstellen – wenn ein Wal auf einen zu schwimmt, dann muss das wie der Moment in einer Geschichte sein, in dem alles zu einem Höhepunkt kommt. Fast wie die Geschichte von Moby Dick, die irgendwie nie enden will, aber dann doch nie wirklich ankommt.

Albert: Ich hab auch mal von einem Wal gehört, der durch einen Fernseher gesehen hat, wie er das Meer überblickte. Hat dir das auch das Gefühl gegeben, dass alles viel größer ist, als man denkt? Und gleichzeitig so absurd, dass es schwer ist, überhaupt daran zu glauben?

Bea: Ja, die Welt der Wale scheint irgendwie noch geheimnisvoller zu sein, als wir uns vorstellen können. So ein Tier – das könnte mehr wissen als wir. Und wir? Wir hören nur von „Moby Dick“ und denken, wir wissen alles über sie. Aber es ist nie das, was die Leute uns wirklich sagen.

Albert: Du hast recht. „Moby Dick“ ist so ein Beispiel für diese Geschichten, die uns so viel sagen, aber irgendwie nie richtig ankommen. Es gibt so viele Wale da draußen, die in der Geschichte untergehen – wie dieser riesige weiße Wal, den alle nur als Mythos kennen.

Bea: Irgendwie schade, dass wir nicht mehr über die Tiere lernen, die uns so umgeben. Wale könnten uns viel beibringen, ohne auch nur ein Wort zu sagen. Sie haben ihre eigene Sprache – das Sonar, die Lieder. Ihre Welt, so fremd für uns. Nach dem Wal gestern frage ich mich, ob wir nicht besser bei etwas Handlicherem weitermachen sollten. Heute vielleicht Erdnüsse. Weißt du, wenn du mir jetzt sagen willst, ich soll das Positive sehen – ich schlag dich gleich mit einem Erdnussbutter-Sandwich auf den Kopf.

Albert:

Magst du Erdnussbutter-Sandwiches? Kennst Du jene Städte, in der man keine Tüte Erdnüsse kaufen kann, ohne dass jemand ein Lied über einen schreibt?Waren Pilgerväter clever genug, Erdnussbutter in ihren Sellerie zu tun.

Bea:

Alles, was ich von ihm wollte, war, dass er ein paar Erdnüsse und Cracker kauft. Er ist verrückt. Schau. Wahrscheinlich tanzt er gerade in den Panties seiner Oma und schmiert sich mit Erdnussbutter ein. Beim Sexklang er wie ein Hund mit Erdnussbutter auf dem Gaumen. Für eine Hand voll Erdnüsse ahmte er Western-Dialoge nach.

Albert:

Ich fühlte mich einst wie eine Kuh, nachdem ich zwei Schüsseln Special Cornflakes, drei Scheiben Truthahnspeck, eine Handvoll Popcorn, fünf Erdnussbutter-M&Ms und so drei Lakritzstücke hatte. Mein erster Satz, nachdem ich wieder sprechen konnte: Whoo, diese kleine Erdnuss kann singen. Ich bin überhaupt schlecht in dem Zeug. Reden, Kommunizieren, Beziehungskram. Wenn wir in einer Beziehung wären, würde ich eine seltsame, beängstigende Version von mir selbst werden. Mein Hals zieht sich zusammen. Die Wände pochen. Es ist wie eine Erdnussallergie, wie eine emotionale Erdnussallergie. Es ist übrigens kein Betrug, wenn man Erdnussbutter auf seinen Balls verteilt und den Hund sie ablecken lässt.

Bea:

Auf unserem Trip durch Westeuropa ernährten wir uns von schokoladenüberzogenen Erdnüssen. An der letzten Tankstelle: "Ich hätte gern ein halbes Kilogramm Erdnussbutter, äh, Zigaretten,  nein, doch lieber Wasser ... oder gib mir einfach ein Weißbrot." Da hatten wir es geschafft. Ich roch nach Erdnüssen. Ich liebte Erdnüsse. Ich esse einen Schokoladenriegel und schmecke etwas, das keine Schokolade ist. Auch keine Kokosnuss, keine Walnuss, keine Erdnussbutter, kein Nougat, kein Butterbrittle, kein Karamell, keine Streusel. Also gucke ich und finde das goldene Ticket. Und im aushängenden Fernsehen läuft diese Werbung: "Hallo. Bist du eine große Person? Angenehm mollig? Etwas kräftig? Nun, seien wir ehrlich: Fett? Beim Joggen hinterlässt du Schlaglöcher? Beim Liebemachen musst du Anweisungen geben? Im Zoo werfen dir die Elefanten Erdnüsse zu? Siehst du eine Speisekarte und sagst 'OK'? Jetzt kannst du essen, soviel du willst, denn in unseren Geschäften sind wir für dich da".

Albert:

Wie schlecht der Hip Hop dort war. Sie rappen über Gangster & Waffen, Zuhälter & Huren und Trailer Parks. Die Typen träumen von Eisenbahnen. Sollte über das rappen, was er wirklich kennt: in der Zweitwohnung seiner Mutter leben und Erdnussbutter-Sandwiches essen.

Bea: Spar dir das billige Verkäufergeschwätz, ja? Es ist offensichtlich.

Albert: Was für ein Freak! Und warum kleidet er sich wie ein Autoverkäufer?

Bea: Du passt hier nicht rein. Ich hab dir gesagt, du sollst dich umziehen. Steck wenigstens dein Hemd aus der Hose. Du siehst aus wie ein Gebrauchtwagenhändler.

Albert: Niemand ist sich zu schade, Verkäufer zu sein.

Bea: Sagen wir, ein Mann und eine Frau brauchen beide etwas zum Schlafen und gehen beide in die Herren-Pyjama-Abteilung. Der Mann sagt zum Verkäufer: Ich brauche nur die Hose, und die Frau sagt: Ich brauche nur das Oberteil. Sie sehen einander an, und das ist das Meet-Cute.

Albert: Ich bin ein reisender Verkäufer – Damenkorsetts. Ich gehe die Straße entlang und ein Mann fällt direkt vor mir tot um. Zwei Stunden lang steigen die Leute über ihn hinweg, ohne einen Finger zu rühren. Ich tue nur, was jeder anständige Mensch tun würde.

Bea: Ich zahle dich! Ich gebe dir Gehalt. Deine Verkäufe sind mies, Don! Ich gebe, ich gebe… Mein Verkäufer. Meine verdammte Repräsentation von Solomon Solomon Electronic.

Albert: Mit meinen wenigen Perspektiven nahm ich einen Job als Handelsvertreter an. Es passte zu mir. Wenn man eines über mich sagen kann, dann, dass ich ein sozialer Mensch bin.

Bea: Was soll sie werden, eine Schuhverkäuferin auf einer Tausendfüßler-Farm?

Albert: Ich war Schuhverkäufer. Nicht besonders glücklich darüber.

Bea: Ich will dich einstellen als meinen Latex-Verkäufer? Ich glaube nicht. Warum sollte ich das tun?

Albert: Es ist das erste Mal, dass der Kunde den Verkäufer unter Druck setzt. Ich schätze grob… dein Wagen plus siebenhundert Dollar. Für Geld hast du immer Zeit zu diskutieren, was?

Bea: Du weißt schon, Professoren sind keine Lehrer, sie sind Verkäufer.

Albert: Willst du Versicherungsvertreter werden? Mit Hypothek und Migräne? Ist das das Leben, das du dir vorstellst?

Bea: Die Frage ist: Habe ich irgendetwas über das Leben gelernt? … Wenn du jemals einen Abend mit einem Versicherungsvertreter verbracht hast, weißt du genau, was ich meine.

Albert: Ich war ein Schuhverkäufer… und dann sagte meine Frau: Warum kandidierst du nicht? … Nächste Sache, ich weiß, ich bin Stadtrat.

Bea: Dieser Verkäufer hatte seine Hände überall an mir, und jetzt ist er tot und ich mag seinen Geruch an mir nicht.

Albert: Weißt du, du machst Gandhi wie einen Gebrauchtwagenverkäufer aussehen.

Bea: Also dein Leben ist im Eimer. Deine Frau vögelt einen Gebrauchtwagenhändler – demütigend, ich weiß. Aber verdammt, Harry, nimm’s wie ein Mann!

Albert: Niemand erinnert sich an den besten Limonaden-Verkäufer der Welt.

Bea: Wir wurden von einem Bibelverkäufer verprügelt und aus Woolworth’s verbannt.

Albert: Bibelverkauf. Das Geschäft ist nicht kompliziert. Zwei Dinge sind zu lernen… Es ist eine Übung in Psychologie, sozusagen.

Bea: Du weißt nichts vom Gesetz. Du bist ein Gebrauchtwagenverkäufer.

Albert: Was siehst du dir an? Nazis, Deodorant-Verkäufer, Wrestler, Schönheitswettbewerbe, eine Talkshow… Die schlimmsten sind die fundamentalistischen Prediger… Geld, Geld, Geld!

Bea: Du siehst aus wie ein Bibliothekar in einer Bibliothek, nicht in einem Porno.

Albert: „Wir grüßen zuerst einen Patrioten… Schüler, Verkäufer, Bühnen-, Radio- und Fernsehautor und -darsteller… und der süßeste, großzügigste Mensch…“

Albert:

Wenn Mikrofone Augen hätten, hätten wir längst aufgehört zu sprechen.

Bea:

Oder nur noch in Codes geredet. In Tonlagen. In Atemzügen.

Albert:

Oder in Rauchzeichen.

Bea:

Du meinst: Kommunikation durch Verdampfung?

Albert:

Zum Beispiel. Als ob man einen Gedanken ankokelt, tief einzieht – und der Rest bleibt metaphorisch in der Lunge.

Bea:

Ich hatte mal ein Date, das roch durchgehend nach Sour Diesel. Er sprach von Kafka und Kiffen, als sei beides ein Daseinszustand.

Albert:

Und? Kafka oder Kiffen?

Bea:

Ich war am Ende eher im Modus „Afghan Kush trifft kafkaeske Müdigkeit“.

Albert:

Einmal verwechselte ich in einem Museum eine Bong mit einer moderne Skulptur.

Bea:

War sie wenigstens beschriftet?

Albert:

Nur mit dem Wort „Zukunft“. Und einer sehr entspannten Aufsichtsperson.

Bea:

Hattest Du „Puff the Magic Dragon“ ein Kinderlied gehalten?

Albert:

Ja, ist es ja auch. Für Kinder mit gutem Grasanschluss.

Bea:

Oder für Eltern, die endlich mal wieder durchschlafen wollen.Inklusive Abendritual: Windeln, Wärmflasche, White Widow. Im Hintergrund steht da einer auf der Bühne, Mikro in der einen, Joint in der anderen Hand, und erklärt den Unterschied zwischen „hip“, „groovy“ und „cool“. Hier riecht es manchmal nach Popcorn, manchmal nach Verschwörung, manchmal nach... Marihuana.

Albert:

Dann atmen wir jetzt ganz tief ein. Und sagen nichts mehr, was das Mikro verstehen könnte.

Bea:

Du bist ein kluger Kerl. Wie erkennt man bei diesen Windeln eigentlich, wo vorne und hinten ist?

Albert:

Sicher weiß ich ich das nicht, aber keine Sorge: wir könnten diese Windel als Fallschirm benutzen und sicher zu Boden schweben.

Bea:

Ich mache keine Wäsche, keine Fenster, keine Teppiche, keine Badewannen, keine Toiletten, keine Windeln.

Albert:

Ich schätze, dass ich Windeln wechseln konnte. Effizient und ohne Beschwerden. Ich bin zuverlässig, ein sehr guter Zuhörer und äußerst witzig.

Bea:

Wir alle enden in Windeln.

Albert:

Aber zwischendurch hält man seinen Sohn einen Vortrag wie diesen: "Zeit vergeht schnell, mein Sohn. Es scheint, als hätte ich erst gestern deine erste Windel wechseln lassen, und jetzt bist du ein Mann, der kurz davor steht, zu heiraten. Sie wird dir viel Freude bereiten, findest du nicht? Ich weiß, wir haben nie darüber gesprochen, aber ich bin immer davon ausgegangen, dass du mit deinen Bademeisterinnen geschlafen hast. Ich weiß, ich tue es. Erst gestern warst du in Windeln – jetzt hast du die Mittelschule abgeschlossen, gehst allein nach Rom. Ohne mich. Ohne mich dort. Ohne mich bei dir. Du dort ohne mich."

Bea:

Die Dinge laufen nie genau so, wie man sie plant. Erwachsenwerden passiert in einem Herzschlag. Eines Tages trägst du Windeln, am nächsten bist du weg. Aber die Erinnerungen an die Kindheit bleiben für lange Zeit. Ich erinnere mich an eine Zeit, einen Ort, einen bestimmten 31. Dezember. Ich erinnere mich, wie schwer es war, zwischen Menschen und Orten, die ich liebte, aufzuwachsen. Vor allem erinnere ich mich daran, wie schwer es war, fortzugehen. Und nach all den Jahren blicke ich immer noch voller Staunen zurück.

Albert:

Nach dem Gras kam der Hunger. Nicht dieses Serienhunger-mit-Schokoriegel-Gefühl. Eher das Bedürfnis, irgendwas Wirkliches zu essen. Ich habe in den Kühlschrank geschaut. Und da war Hering. Sah aus wie eine Strafe mit Aufguss.

Bea:

Du meinst diese langen, gekringelten Filets in dem Glas, mit der weißen Schrift, das nie leer wird, aber immer offen ist?

Albert:

Genau das. Mein Vater hat das Ding „Nervennahrung“ genannt. Ich hab's mal probiert, mit einem Knäckebrot – und dem festen Willen, erwachsen zu wirken.

Bea:

Bei uns stand das Glas immer hinten. So weit hinten, dass es einem entgegenkippte, wenn man Milch holen wollte. Ich hielt Hering für eine Art Alarmanlage.

Albert:

Als ich das Glas nicht mehr geschlossen kriegte, habe ich es in Zeitung gewickelt und vor die Tür gestellt. Wie ein nach Nordsee & Schweiß duftender Brief an niemanden.

Bea:

Meine Mutter hat behauptet, dass man von Hering klug wird. Vielleicht, weil man so lange überlegen muss, ob man ihn wirklich isst. Die kleinen Gabeln, die man außerdem erhält. Aluminium, verbogen, stumpf. Als ob man sagen wollte: Das hier ist nicht zum Genießen. Das ist für Leute, die was aushalten können.

Albert:

Nie ausverkauft: Der Hering ist wie ein alter Bekannter, der nichts Neues zu erzählen hat, aber immer auftaucht, wenn es still wird.

Bea:

Man werde alt genug, um ihn nicht mehr loswerden zu wollen. Und jung genug, um es trotzdem zu versuchen. Weißt du, was mich bei der ganzen Sache immer wieder wundert? Dieser ständige Wechsel zwischen Verboten und Versuchungen. Wie oft haben wir gesagt: "Kein Schweinefleisch mehr!" und dann fällt uns wieder ein, wie gut diese Schweinekoteletts wirklich schmecken. Wir sagen ständig, dass wir kein Schweinefleisch mehr essen, und dann gibt es diesen Moment, in dem wieder eine Schweine-Combo bestellt wird. Drei Schweine-Combo, extra Speck – als wäre es das einzig Wahre.

Albert:

Genau. Aber dann ist da immer dieses eine Gericht, das uns dann doch an den Rand des Wahnsinns bringt. So wie die Leute, die alles nur durch Schweinefleisch und Bacon retten können. Ich meine, wer denkt bei so einer Bestellung an etwas anderes?

Bea:

Dieses ständige "Kein Schwein mehr!" und dann doch wieder die Versuchung. Was ist das, wenn nicht dieser ewige Kreislauf, der uns durch den Alltag begleitet?

Albert:

Wie die das Schweinefleisch dann auch noch so hochhängen. Am Ende läuft alles auf die gleiche Geschichte hinaus. Du hast das Schwein, aber das ist auch nicht mehr das, was es mal war. Es ist dieses ständige Spiel, diese Verführung des Verbotenen. Und dann gibt es immer wieder diese Fragen: "Warum sollte ich das wirklich lassen?" Die Leute, die immer wieder den gleichen Fehler machen, sagen uns, dass wir es einfach lassen sollen. Aber in dem Moment, in dem du es dann doch isst – und du isst es immer noch, weil du es willst – bleibt dir nichts anderes übrig, als diese Entscheidung zu akzeptieren. Wer sagt übrigens, dass niemand nachts um 3 Uhr Schweinefleisch kauft? Wenn man Geschäfte machen will, akzeptiere man die Bedürfnisse jedes einzelnen Kunden.

Bea:

Hast Du schon einmal Kartoffeln nach Art der Lyoner gegessen? Das sind diese Art von Kartoffeln, die sautiert werden, aber dann wird ihnen etwas Zwiebel hinzugefügt, und sie sind wirklich, wirklich lecker. Sie passen gut zu jedem Hühner- oder Schweinefleischgericht. Weißt du, ich könnte dich für den Rest deines Lebens mit Kartoffeln nach Art der Lyonnaise versorgen. Bist Du ein guter Koch?

Albert:

Ich kann einen Truthahn zubereiten. Außerdem: Ich empfehle die in gewürfelten Schweinedärmen marinierten Schweinebäuche oder die gebratenen Schweinshaxen, die mit flammenden Schweineklößen pochiert werden. Macht mich das zu einem Koch? Wie wär's mit einem schönen fettigen Schweinefleischsandwich, serviert in einem schmutzigen Aschenbecher?

Bea:

Nein, kein Schweinefleisch mehr! Holt einen Rabbi her, der das Huhn segnet. Ab morgen werden wir koscher essen. Nach 22 Jahren haben sie gerade entschieden, dass eine Show über Mädchen in Bikinis, die im Dschungel um ihr Leben kämpfen, ausbeuterisch ist. Nach dem ganzen Fleisch: nun plötzlich kein Dschungel mehr.

Albert:

Ich bin mit einem Motorrad durch den Dschungel gefahren, mit einem Rudel Raptoren. Dieser Ort ist völlig umgeben. Alles kriecht vor Lebewesen. Deshalb nennt man es Dschungel. Es ist draußen ein Dschungel / Chaos überall / Keiner scheint sich zu kümmern / Nun, ich schon / Wer ist verantwortlich hier? Jede Abschlussprüfung ist wie ein Schnitt durch den Dschungel.

Bea:

In hundert Jahren, wenn wir beide längst fort sind, wird jeder, der heute einen Film dreht, längst tot sein. Und alle Geister werden zusammen das Abenteuer teilen, in den Dschungel gehen, Krieg führen.

Albert:

Es gibt nur eine Regel im Dschungel: Wenn der Löwe hungrig ist, frisst er! Wer König sein will, muss König sein. Zweifel bringt Chaos und den eigenen Untergang.

Bea:

Sobald die Löwin wieder bei ihrem Jungen ist, alles ist wieder in Ordnung im Dschungel.

Albert:

Ich habe ein oder zwei Dinge aus meinem „Rumble im Dschungel“ gelernt. Vielleicht wären sie anwendbar. Die Welt des Investierens kann ein Dschungel sein. Diese Leute sind nicht nur reich, sie sind verrückt reich. Sie kamen nach Singapur, als es nur Dschungel und Schweinebauern gab. Bullen. Bären. Gefahr an jeder Ecke. Der Rand der Weltgeschichte. Solche Dinge passieren ständig im Dschungel; Survival of the fittest! Denkst du, wenn ich im Dschungel abstürze, kann ich überleben, indem ich meine eigenen Schuhe esse?

Bea:

Nein. Aber willst du ein Partytier sein, musst du lernen, im Dschungel zu leben. Warum trage ich dieses Outfit im Dschungel? Kleine Shorts und ein Lederhaltertop. Was soll das? Dschungelstiefel aus Vietnam: Kosten die Hälfte, halten doppelt so lange, ideal zum Stampfen.

Albert:

Wusstest du, dass afrikanische Papageien in ihrer Heimat, dem Kongo, nur Französisch sprechen?

Bea:

Ein Vogelhändler, nebenbei Maler, mit dem ich eine Romanze hatte, sagte gern: "Ich liebe dich wie eine Rose das Regenwasser liebt, wie ein Leopard seinen Partner im Dschungel liebt." Meine Entgegnung: "Ich hoffe, du benutzt Jungle Red, das ist die einzige Farbe, die ich liebe." Kennst Du jene Gemeinschaft im Dschungel, die Donald Trumps Haare verehrt?

Albert:

Interessant! Gesetz des Dschungels, Hoo-hoo: Es ist eine freie Gesellschaft – aber nichts ist kostenlos, weil es keine Garantien gibt.

Bea: Du gentrifizierst. Bald tauchen die Skinny Jeans auf, dann die Skinny Lattes, und dann die Banker. Und du bist woanders und startest den Zyklus von vorn. Vielleicht bist du kein klassischer Hipster, aber du bist, was Hipster sein wollen. Du bist der Proto-Hipster.

Albert: Nichts ist für internationale Banker profitabler als Krieg.

Bea: Es ist eine besondere Art von Triumph, dass Banker das Wort Spekulation mit Abenteuer gleichgesetzt haben. Dabei heißt es nur, dass man viel gewinnen kann – oder viel verlieren.

Albert: Ich bin Banker. Ich habe keine Fantasie.

Bea: Was benutzt ein Investmentbanker als Verhütungsmittel? Seine Persönlichkeit.

Albert: Geht das nur mir so, oder sind diese Banker seltsam?

Bea: Schau sie dir an. Ein feiner Lebensweg für einen Mann, nicht? Anwälte, Banker, Politiker. Was bekommen die je vom Leben?

Albert: Jemand erinnerte mich neulich daran, dass ich einmal sagte: Gier ist gut. Jetzt scheint sie legal zu sein… Also, Herr Banker, er schaut sich um und sagt: Mein Leben sieht langweilig aus. Also hebelt er seine Interessen auf 40, 50 zu eins – mit deinem Geld. Nicht seinem, deinem. Denn er konnte. Die Schönheit des Deals: Niemand ist verantwortlich.

Bea: Hör zu! Hör zu! Wenn du wissen willst, was los ist, musst du mir zuhören! Mai 1954 hielt das Konsortium aus Bankern, Industriellen, CEOs und Politikern im Hotel Bilderberg Treffen ab… sie entwarfen einen Plan zur Wahrung des Status quo.

Albert: Mit dem internationalen Bankensystem ist es sehr leicht, die Wirtschaft eines anderen Landes lahmzulegen. Weißt du, wie internationale Banker sich nennen? Masters of the Universe.

Bea: In den folgenden Jahren wanderten Hunderte von Bankern und Rating-Agentur-Managern ins Gefängnis… Kleiner Scherz. Am Ende ging genau ein einziger Banker ins Gefängnis.

Albert: Sie sagen dir, die Bank ziehe mit dir an einem Strang, niemand wolle eine Zwangsversteigerung. Sagen sie das? Das ist Pferdemist. Banker-Sprech.

Bea: Ich kann nicht fassen, wie unverschämt dieser junge Leutnant war… Jetzt reden sie sogar davon, Bankprüfer einzusetzen. Als wüssten wir Banker nicht, wie man Banken führt! Amerika den Amerikanern! Die Regierung darf sich nicht in Geschäfte einmischen! Steuern senken! Dieses Land braucht einen Geschäftsmann als Präsidenten!

Albert: Ich will von Bankern nur jedes Jahr einen neuen Kalender, und bei Anwälten ist mir wichtig, dass sie vor Sonnenaufgang wieder in ihren Särgen sind.

Bea: Die wunderschöne Queen of Spin und ihr lächerlich gutaussehender Ehemann. Schade, dass er ein Wanker-Banker ist, der auf mysteriöse Weise Millionen aus dem Unglück anderer macht.

Albert: Ist es nicht genau diese Sorte Jungs, Manny? Die verdammten Banker, die Politiker… Sie ficken alles und jeden. Verdammt, verdammte Banker!

Bea: Ich habe meinen Auftritt geputzt, Reha gemacht, ich bin TV-Persönlichkeit… und Rugrat wird mit einem Schweizer Banker in Miami hochgenommen. Von allen Schweizer Bankern aus Genf erwischt er den einen, der dumm genug ist, auf US-Boden verhaftet zu werden… Benihana? Beni-fucking-hana? WARUM?

Albert: Heb deine Goldzähne auf. Diesmal lasse ich sie dir. Aber wenn du wiederkommst, behalte ich sie – wie ein Schweizer Banker.

Bea: Ich sagte ihr, dies sei nicht der richtige Zeitpunkt. Ich weiß, du stehst auf Banker und Wall Street, aber alle wissen, du bist das letzte Wort… Die kriminellen Banker, die kriminelle Fed, das Establishment…

Albert: Probier jeden: Banker, Penner oder Barbier.

Bea: Es gibt nicht wirklich einen großen Unterschied? Für sie! Aber die Banker pfuschen immer an den Preisen herum. Für uns sind das über drei Millionen Dollar – das sind fünf Jahre Gehalt für 25 gute Reporter.

Albert: Du weißt, ich bin kein Tycoon. Ich bin nur ein alter Reporter… Ich habe die Banker dieser Stadt überzeugt, dass unser Daily Planet wie eine natürliche Ressource zu behandeln ist. Also borgten sie mir das Geld.

Bea: Die sagen dir, die Bank sei für dich. Dass keiner eine Hypothek kündigen wolle… Banker-Sprech.

Albert: Die Sache ist: Du folgst nicht nur deinen Zielpersonen, du folgst auch ihrer Metadaten… Sagen wir, dein Ziel ist ein dubioser iranischer Banker in Beirut… Drei Sprünge weiter beobachtest du 2,5 Millionen Leute.

Bea: Ja, es ist traurig. Und was ist meine Ausrede, hm? Nun, sie sind seit neuntausend Jahren Banker oder so. Diese Linie darf nicht brechen – das hat man mir eingebläut, bis ich Gehirnerweichung hatte.

Albert: Ich bin nicht der Jesus der offiziellen Kirche, den Polizei, Banker, Richter, Henker, Offiziere, Kirchenbosse und andere Mächtige tolerieren. Ich bin nicht euer Superstar…

Bea: Wir spielen Strip-Monopoly. Ich bin der Schuh… Bill kann der Banker sein – es sei denn, er ist ein Feigling.

Albert: Ich sterbe lieber mit einem sportlichen Herzen vom Schütteln von Cocktails und Bankern, als in schmutzigem Spülwasser zu verenden.

Bea: Ist es nicht komisch, oder sind Banker seltsam?

Albert: Was macht ein Investmentbanker als Geburtenkontrolle? Seine Persönlichkeit.

Bea: Lieber jeder Banker soll mir jedes Jahr nur einen neuen Kalender geben…

Albert: Ich bin Banker. Ich habe keine Fantasie.

Bea: Hör zu – die internationalen Banker… Nichts ist profitabler als Krieg.

Albert: Die Banker fummeln an den Preisen herum… Für uns bedeutet das Millionen.

Bea: Du gentrifizierst… Und dann kommen die Banker.

Albert: Ich habe die Banker überzeugt, mir das Geld zu leihen…

Bea: Strip-Monopoly. Der Banker ist kein Feigling.

Albert: Masters of the Universe.

Bea:

Ein Joint, der in eine Trompete übergeht. Biblisch korrekt: Erst kiffen sie, dann blasen sie zum Jüngsten Gericht.

Albert:

Ich wusste nicht, dass Engel so laut spielen.

Bea:

Oder so schlecht. Manche Trompeter klingen, als würden sie ihren Blasinstrumenten Vorwürfe machen.

Albert:

Oder als hätten sie sie gemietet und schämten sich jetzt für die Kaution.

Bea:

Mein Onkel wollte mir mal das Trompetespielen beibringen. Ich war sieben. Ich habe nur geheult. Er meinte, wer die Wahrheit nicht blasen kann, soll besser schweigen.

Albert:

Schade. Ich hätte dich gern mal dabei gesehen, wie du Jerichos Mauern stürzt. Wenn das Jüngste Gericht wirklich mit Trompeten beginnt, sitze ich lieber hier mit dir. In Reihe sechs. Mit Popcorn und Schuldgefühlen.

Bea:

Ich sprenge keine Städte, ich untergrabe sie leise.

Albert:

Ich hatte mal einen Freund, der behauptete, beim Orgasmus die Trompeten des Himmels zu hören.

Bea:

Er war aber nicht zufällig Posaunist mit Gottkomplex?

Albert:

Nee. Nur ein Katholik mit LSD-Erfahrung.

Bea:

Würdest du sagen, dass die Trompete die Schwester des Mikrofons ist?

Albert:

Eher sein älterer, exzentrischer Cousin – zu laut, zu ehrlich, trägt Gold und kommt immer zu spät.

Bea:

Klingt nach jemandem, den meine Mutter heiraten würde.

Albert:

Oder nach jemandem, der denkt, seine Trompete sei sein Penis.

Bea:

Was im Zweifel sogar stimmt – akustisch wie symbolisch. Weißt du, nach all dem Trompetenlärm auf den Docks, ich hab oft gedacht, dass so ein Rhythmus mich direkt nach Dänemark tragen könnte. Ich glaube, die machen dort ein bisschen „eine Woche an, eine Woche aus“, so hab ich’s gehört.

Albert:

Ja, ich erinnere mich, es begann wirklich in Dänemark. Dort kannte ich zwei Brüder. Einer war mein Liebhaber, und einer mein Freund.

Bea:

Ich habe mich immer gefragt, warum eines der führenden Hotels dort Hotel of England heißt – auf Französisch. Ist wohl der ideale Titel für ein internationales Hotel.

Albert:

Etwas faul ist im Staate Dänemark. Und die Sache mit dem königlichen Bett, lass es keine Couch für Luxus und verfluchten Inzest sein.

Bea:

Dinge wirken sehr seltsam in Dänemark. Ich habe einmal ein Kaninchen zwischen den Brüsten der Königin von Dänemark hervorgezaubert. Ein kleines Kaninchen. Kleine Brüste.

Albert:

Als Kind hat meine Mutter mich zu ihren Eltern nach Dänemark gebracht. Ich erinnere mich, wie die Jahreszeiten rochen. Der Winter nach Schnee, Kohleöfen und nassen Handschuhen. Der Sommer nach Seetang und Ameisenhaufen. Frühling nach schmelzendem Eis und Schnee in tiefen Gräben ... Osterkätzchen und Regen. Aber der Herbst war der schönste von allen. Ich nahm mir vor: Ich werde das hübscheste Mädchen in Dänemark küssen! Ergebnis: Ich liebe es, nach Norwegen und Dänemark zu fahren, weil ich die Black-Metal-Magazine aufheben kann. Total ‚Spinal Tap‘.

Bea:

Das Sitar ... interessant. Aber was hat eine Sitar mit einem Stück zu tun, das in Dänemark spielt? Nach dem Krieg wurden über 2000 deutsche Gefangene gezwungen, mehr als 1,5 Millionen Landminen von der Westküste Dänemarks zu entfernen.

Albert:

Ich kenne mich nicht mit den Reichen aus, aber machen deine Fernbedienungen das alles? Mein Toaster tut’s, aber der ist aus Dänemark. Jedenfalls: Italien produziert mehr Pornografie als Schweden und Dänemark zusammen. Und: Ich weiß, dass 80 % der Energie, die wir verbrauchen, aus fossilen Quellen kommt. Jede Woche entstehen in China zwei neue Kohlekraftwerke. Aber ich habe auch in Dänemark ein Kohlekraftwerk gesehen, das sein Kohlenstoff in den Boden abgibt statt in die Luft. Eine Lösung für die Zukunft? Niemand weiß es. Ich habe in Island ein Kraftwerk gesehen, das Erdwärme nutzt. Ich habe eine Seeschlange auf den Wellen liegen sehen, um Energie zu absorbieren und Strom zu erzeugen. Ich habe Windparks vor Dänemarks Küste gesehen, die 20 % des Stroms liefern. Ich kenne niemanden aus Dänemark. Ich habe noch nie von jemandem von dort gehört. Und du?

Bea:

Jemanden, den seine Mama Kopenhagen genannt hat. Vielleicht, weil sie aus Dänemark kam. Nach der Trompete war die Luft voller Metall. Ein bisschen wie damals, als ich versehentlich zwei Spritzer Parfüm zu viel genommen habe – und dann in der U-Bahn saß wie eine lebende Anzeige wegen Übergriffigkeit.

Albert:

Du meinst diese Notausgangsdüfte, die nicht verziehen? Ich erinnere mich an einen. „Night Bloom“ hieß der, roch aber wie ein Tag auf dem Parkplatz vom Textil-Discounter.

Bea:

Oder wie Hotelbad. Kühle Fliese, fremdes Shampoo, und dieses kleine Fläschchen, bei dem man sich fragt, ob es duften soll oder bloß nach Etiketten riecht.

Albert:

Meine Mutter hatte ein einziges Parfüm. Stand immer oben im Schrank, neben der Schuhcreme. Wurde nur an Beerdigungen getragen. Ich dachte lange, Duft sei was für Abschiede.

Bea:

Ich mochte die Flakons mehr als das, was drin war. Die standen bei meiner Tante auf so einem Spitzenuntersetzer – alle leer, alle mit Namen, die klangen wie Champagnersorten für Puppen.

Albert:

Ich habe mal in dem Kaufhaus einen ganzen Nachmittag in der Parfümabteilung verbracht, ohne was zu kaufen. Nur gerochen. Danach roch mein Ärmel wie ein Rosenkrieg.

Bea:

Der schlimmste Moment ist, wenn du deinen eigenen Duft nicht mehr riechst. Nicht, weil er weg ist. Sondern weil du zu nah dran bist. Daran erkennt man übrigens auch Beziehungen, die zu lange dauern.

Albert:

Eine frühere Kollegin hatte ihr Parfüm nie aufgetragen, sondern in die Luft gesprüht und ist dann durchgelaufen. Wie ein Duftengel, auf einer Parfümwiese. Oder wie jemand, der die Tür nicht ganz schließt, aber das Fenster aufmacht.

Bea:

Ich mag es, wenn jemand nach etwas riecht, das kein Produkt ist. Alte Bücher. Neue Wäsche. Vielleicht sogar ein bisschen Angst. Alles besser als „Waldbeere um Mitternacht“.

Albert:

Parfüm ist wie ein Satz, den man nicht zurücknehmen kann. Er steht im Raum, auch wenn du längst gegangen bist. Und manchmal wissen Leute nicht, dass er von dir war.

Bea:

Weißt du, ich habe über das Müsli nachgedacht. Diese Flocken – wie seltsam ist es eigentlich, dass das alles so ein riesiger Markt ist? Ich meine, als ich ein Kind war, dachte ich immer, dass das einfach nur ein schnelles Frühstück ist. Aber die ganze Industrie, die dahintersteckt, und die riesige Show.

Albert:

Ja, und das ist das Paradoxe. Jeder denkt, Müsli ist gesund, aber sind das nicht einfach die kleinen Holzspäne, die uns sonst aus Anspitzern vertraut sind? Und doch... es gibt Leute, die essen das wie eine Art heiliges Frühstücksritual.

Bea:

Und diese ganze Geschichte mit den kleinen Marshmallows, die in Müsli eingemischt sind – das ist doch total verrückt. Es ist als ob sie uns etwas vorgaukeln, als wäre es mehr Spaß, nur weil man ein bisschen Zucker drin hat. Du hast diese kleinen "Charms" in den Flakes und plötzlich denken alle, es sei ein tolles Frühstück.

Albert:

Wenn du dir das genau überlegst, was ist der Unterschied zwischen all dem Müsli, den Flakes und den ganzen anderen Marken? Am Ende isst du es, weil es dir im Moment schmeckt. Und am Ende machst Du es, weil du es gewohnt bist. Müsli oder nicht – die Frage ist, ob’s knuspert oder nur so tut. Die Leute essen es, aber nicht das, was auf der Verpackung steht.

Bea:

Genauso wie bei diesem ganzen "Erfolgstraining". Sie sagen dir, dass du etwas tun musst, um erfolgreich zu sein, aber wenn du ehrlich bist, macht es das Leben auch nicht viel anders. Genauso wie beim Müsli – es ist nie wirklich das, was es scheint. Weißt du, manche Menschen haben einfach nur eine Affäre oder sogar ganze Beziehungen... sie trennen sich und vergessen! Sie machen weiter, als hätten sie nur die Marke ihres Frühstücksmüslis gewechselt!

Albert:

Und weißt du, wie dem Äffchen täglich sein Zucker gereicht wird? Die Müsli-Industrie, wenn man sie mal ganz nüchtern betrachtet, zielt darauf ab, uns einfach nur ein Gefühl von "gutem Frühstück" zu verkaufen. Hilft dabei ein Talisman, der sich als Kaufprämie zwischen den Flocken befindet? Nein. Hilft die Aussicht, selbst mal beworben & gepriesen zu werden auf der Umverpackung? Nein. Glaubt man als Erwachsener, dass jede Süßigkeit Spaß bedeutet? Nein. Nur wenn du ein origineller, aufgeschlossener Mensch wärst, würdest du dir wahrscheinlich ein besonderes Müsli ausdenken. Zum Beispiel: keins. Wenn jede Art von Frühstücksflocken ausprobiert sein wird, wird das Universum bereits erkaltet sein.

Bea:

Wenn Du zwischen Nilpferd, Giraffe und Hyäne wählen müsstest - was würdest Du nehmen?

Albert:

Ich hab schon mit Raubtieren gearbeitet, seit ich 20 bin. Löwen, Schakale, Hyänen; Die meisten Menschen halten Hyänen für feige Aasfresser – warten auf Reste, während die stärkeren Tiere satt werden. Sie liegen falsch. Hyänen sind wilde Jäger. Muskel und Zähne. Top-Geschwindigkeit etwa 35 Meilen pro Stunde.

Bea:

Und?

Albert:

Die Hyänen sind an die Geräusche des Todes gewöhnt. Und: der Bauch einer Hyäne ist niemals voll. Wie nennt man eine Hyäne mit halbem Gehirn? Begabt! Wie auch immer: Nairobi ist so ein romantischer Ort; diese schönen Nächte mit heulenden Hyänen. Perfekter Ort für die Flitterwochen!

Bea:

Niemand außer dir kann den sehnsüchtigen Ausdruck einer Hyäne einfangen. Ich kannte jemanden, der hätte eine lachende Hyäne zum Weinen bringen können, oder umgekehrt, er hätte eine Hyäne nicht zum Lachen bringen können, oder nein, er hätte eine Hyäne deprimiert - selbst ein Glas Hyänenwein hätte sein Herz nicht schmelzen lassen.

Albert:

Ein früherer Chef?

Bea:

Ja, und zwar wütender als eine Hyäne mit Kehlkopfentzündung. Ach, du hast keine Ahnung, welche Ansammlung von Hyänen wir in dieser Unternehmen hatten. Während der Razzien in den letzten Tagen dachte ich, völlig verrückt zu werden. Zuletzt sollten wir alle unsere Namen ändern. Beim letzten Ehemaligentreff gab es Ironiegerichte: Schweinekopf, geröstete Geier und gehackten Hyänenauflauf.

Albert:

Guckst du häufiger diese Naturdokus? Kennst Du die Geschichte über Löwen? Es gibt also diesen Löwen. Er ist der König des Dschungels, riesige Mähne. Liegt unter einem Baum, mitten in Afrika. So groß, so heiß. Will sich nicht bewegen. Die kleinen Löwen kommen, fangen an, ihn zu piesacken. Beißen seinen Schwanz, seine Ohren. Nichts. Die Löwin kommt, Ärger machen. Noch immer nichts. Die anderen Tiere bemerken es. Bewegen sich näher. Schakale; Hyänen. Bellen ihn an, lachen ihn aus. Nippen seine Zehen, essen sein Futter. Sie tun dies, dann kommen sie näher, mutiger. Bis eines Tages der Löwe aufsteht und alles zerreißt. Läuft wie der Wind, frisst alles. Denn ab und zu muss der Löwe den Schakalen zeigen, wer er ist.

Bea: Wie ihr Schiff oder ihre Körper hat ihre Schrift keine Vorwärts- oder Rückwärtsrichtung. Linguisten nennen das nichtlineare Orthografie, was die Frage aufwirft, ob sie so denken.

Albert: Sprachliche Kommunikation ist ermüdend.

Bea: Sie ist Linguistin. Gib ihr genug Zeit, und sie könnte dir wahrscheinlich sagen, in welcher Straße du aufgewachsen bist.

Albert: Außerdem bin ich auch Linguist. Ich spreche fließend über 200 Dialekte und ihre Varianten. Wenn intelligentes Leben mit uns kommunizieren will, übersetze ich den Ruf.

Bea: Er ist eine Fundgrube sprachlicher Anomalien.

Albert: Du magst ein gewiefter Linguist sein, aber ich bin ein Meister im Debattieren.

Bea: Versenke das U-Boot. Versteck den Wiesel. Park den Schweinswal. Ein bisschen der alte Humpty Dumpty, Little Jack Horny, der horizontale Mambo, hm? Der Knochentänzer, Rumpleforeskin, Baloney Bop, ein bisschen alte „Cunning Linguistics“?

Albert: Ach, das F-Wort. Wie üblich ohne jeden Bezug oder Kontext zu dem grundlegenden menschlichen Akt, den es so explizit und doch knapp beschreibt. Eine traurige, aber unvermeidliche sprachliche Travestie dieser Zeit.

Bea: „Fuck you“ ist gar nicht so schlimm, jemandem zu sagen. Es ist irgendwie süß. Es ist wie „Ich liebe dich“, nur … hipper. Das ist wichtig. Das ist ernst. Die Hälfte der Welt sagt der anderen Hälfte etwas, ohne zu wissen, dass es ein Kompliment ist. Mein Gott, das ist ein linguistischer Durchbruch!

Albert: Warum bedeutet „bi-weekly“ sowohl zweimal pro Woche als auch alle zwei Wochen? Das ist total verwirrend und einfach sprachlich faul.

Bea: Ein berühmter Linguist sagte einmal, von allen Phrasen der englischen Sprache sei „cellar door“ die schönste.

Albert: Was ist der Unterschied zwischen Neandertaler und Cro-Magnon? Sprachliche Kompetenz und polychrome Höhlenmalerei.

Bea: Musst du immer Dialekt sprechen? Es ist so herablassend. Wir müssen uns von diesen sprachlichen Fesseln befreien.

Albert: Warum bestehst du darauf, diese primitive sprachliche Kommunikation zu benutzen? Dein Androidengehirn ist zu so viel mehr fähig.

Bea: Semiotik, die Lehre von Zeichen und Symbolen. Ein Zweig der Philosophie, verwandt mit der Linguistik.

Albert: Du hast soeben das theoretische Dilemma der zeitgenössischen amerikanischen Gesellschaft demonstriert. Die Welt ist ein linguistisches Schlachtfeld … Wir führen einen semiotischen Kampf um die Kontrolle dieser inchoaten postmodernen Definitionen.

Bea: Was wir jetzt brauchen, ist ein Kunststück sprachlicher Taschenspielerei und ein Maß an Unerschrockenheit, bevor der Captain und Dr. McCoy erfrieren.

Albert: Wir sind dankbar für deine linguistischen Dienste, aber an diesem Punkt muss Corben allein weitermachen.

Bea: Ich kann nicht glauben, dass ich das gesagt habe! Aber es ist sprachlich korrekt.

Albert: Es gibt … linguistische, mathematische, ethische, logistische und religiöse Probleme, aber keine echten philosophischen Probleme!

Bea: Wenn du ein sprachliches Abenteuer willst, geh mit einem Schotten trinken.

Albert: In Kanada kennen wir die Verwirrung gut: zehn Provinzen, zwei Territorien, sechs Zeitzonen, zwei Amtssprachen … 50 linguistische Gruppen und 180 Unterdialekte.

Bea: Als Alfred 899 starb, herrschte er noch über einen Teil Englands, aber sein Vermächtnis war die dauerhafte Einigung des Landes … mehr als nur kulturell oder linguistisch.

Albert: Wir sind federlose zweibeinige, sprachlich bewusste Wesen, geboren zwischen Urin und Fäkalien, deren Körper eines Tages die kulinarische Freude irdischer Würmer sein werden.

Bea: Barnum-Aussagen funktionieren nur, wenn man sie nicht erkennt. Könnten die Leute sie als das sprachliche Trickswerk durchschauen, würden sie nicht wirken.

Albert: Ein Schlosser. Nicht technisch, aber sozusagen rechtlich und sprachlich herausgefordert.

Bea: Ich sagte dir, lange glaubte ich, die einzigen wichtigen Dinge im Leben seien Linguistik und Sex.

Albert: Linguistics! Ich spreche fünf Sprachen. Niemand sollte mir „Märtyrer“ sagen. Niemand! Wusstest du, dass mein erster One-Night-Stand Trompeter war? Ich dachte, er hätte Lungenvolumen. Hatte er auch – aber leider nur für Eigenlob.

Albert:

Das erklärt einiges. Ich hatte mal ein Date mit einer Frau, die beim Küssen die Lippen so gespitzt hat, als hätte sie noch nie etwas anderes als Blechblasinstrumente geliebt.

Bea:

Und dann?

Albert:

Ich habe uns zwei Bier bestellt. Und gehofft, dass wenigstens der Schaum was zwischen uns auflöst.

Bea:

Bier – das musikalischste aller Getränke. Es macht aus jeder Pappnase einen Bariton. Oder einen Philosophen. Je nach Promille und Trauma. Ich hatte mal einen Freund, der behauptete, er könne den Geschmack der jeweiligen Biersorte an meinen Lippen erkennen. Dabei habe ich nur den Kühlschrank aufgemacht.

Albert:

War bestimmt so ein Typ, der auch glaubt, IPA steht für „Intellektuell, Poetisch, Anstrengend“.

Bea:

Er sagte, er sei „hopfengestählt und emotional zugänglich“. Ich habe ihm ein alkoholfreies gereicht – aus Gründen.

Albert:

Ein stiller Protest mit Schaumkrone.

Bea:

Und du? Was trinkst du, wenn du dich anlügen willst?

Albert:

Warmes Dosenbier. Am besten bei einer Hochzeit mit Countrymusik und Menschen, die „Yeehaw“ sagen, ohne ironischen Kontext.

Bea:

Klingt nach der Vorhölle.

Albert:

Nein. Die Vorhölle ist, wenn du neben dem Fass stehst – und dein Ex erklärt dir mit Bieratem, dass er jetzt an sich arbeitet.

Bea:

Und du nickst und sagst: „Dann stoß ich mit dir auf deine innere Leere an.“

Albert:

Prost. Auf das, was wir nicht mehr trinken. Und auf das, was wir unbemerkt vermissen.

Bea:

Also, welche Art von Jet nehmen wir nach Peru? Oder ist es ein normales Flugzeug? Ist mir egal. Hauptsache First Class, klar? Ich hab schließlich lange Beine. Pizarro eroberte Peru mit 167 Männern. Peru ist gefährlich. Als Columbus Amerika betrat, entstanden Rätsel, die die Gelehrten Europas verwirrten. Zwei Kontinente, isoliert, aber ähnlich entwickelt. Die Mayas maßen die Zeit wie der gregorianische Kalender Europas. Dieselben Tierkreiszeichen, dasselbe Dezimalsystem. Silber und Gold für Schmuck und Tausch. Dann die Banane, aus Asien, die nicht aus Samen wächst, in der Neuen Welt gedeiht. Elefanten gab es damals in Amerika nicht, aber Abbilder in prähistorischen Höhlen in Peru. Pyramiden in Mexiko und Ägypten nach identischen Prinzipien. Sogar Hexen in Spanien und Neue Welt ähneln sich.

Albert:

Peru? Ich hatte mal einen Brieffreund dort. Er lebte an einem breiten, geschwungenen Fluss. Wusstest du, dass die Compa-Indianer in Zentralperu einst ihre getöteten Feinde gegessen haben, um deren Macht aufzunehmen? Besonders die Augen waren begehrt. Durch die Augen eines Feindes sehen zu können – das war etwas Wertvolles. Sonnenanbetung begann nicht mit internationalen Bikini-Sets. Bei den Inkas Perus war das schon vor Jahrhunderten verbreitet. Sie verehrten Inti, den Sonnengott. Während unsere Vorfahren sich gegenseitig mit Tomahawks töteten, schnitzten sie Freunde und Verwandte in Stein. Seltsam genug, trotz ihrer Kultur waren sie nicht sehr auf Malerei bedacht. Nach einem Blick auf solche göttliche Pracht versteht man leicht, warum die frühen Bewohner am Titicacasee Sonnengötter verehrten. Und dieser Gedanke bleibt, wenn wir widerwillig unsere Blicke auf Peru schließen.

Bea:

Ich brachte einmal eine Statue aus Peru mit, die so ramponiert wurde. Man sagte mir: „Noch ein Riss, und du bist gefeuert.“ Ich muss zugeben, ich habe noch nie einen Peruaner mit Warzen gesehen. Ich dachte gerade heute Morgen darüber nach. Wir haben so abgeschottete Leben geführt. In unserem Alter hast du noch nie einen Peruaner mit Warzen gesehen. Es war einmal ein Mann aus Peru / der träumte, er esse seinen Schuh / er erwachte erschrocken / mitten in der Nacht / und fand, dass sein Traum wahr geworden war.

Albert:

Warum mache ich eigentlich keine Töpferwaren in Peru? Hast Du wirklich in Peru nach Fossilien gegraben?

Bea:

Vielleicht. Mein Gewissen ist so klar wie der Schnee in Peru. Weißt du, eine peruanische schwarze Rose war Teil einer Formel, um Hexen aus Peru zu vertreiben. Einziger Weg, das herauszufinden: Eine schwangere peruanische Hexe fragen, als sie die quadratische grüne Fleck-Krankheit hatte. Chancen, sie zu finden? Nicht gut.

Albert:

Jedes Mal, wenn du sprichst, lachst, bewegt es mich, wie die Holzflöten und Riesen-Gitarren Perus. Ich denke manchmal, was meine Großmutter von der Welt gehalten hätte. Einfacher Blick, aber klar. Sie sagte: „Hals und Schritt, Hals und Schritt. Egal wie groß der Kerl ist – sie haben alle Hals und Schritt.“ Das Letzte, was sie mir sagte: „Ich gehe nach Peru. Sag keinem ein Wort. Geld drin, vielleicht ein früher Matisse. Kein Wort, Kemosabe. Verstanden?“ Segne sie. Oh, Oma war beliebt. Sie kaufte Spielzeugzüge, glänzende Fahrräder. Aber sie kam zuletzt nicht zum Abendessen. Eltern sagten, sie sei nach Peru gezogen, aber die Wahrheit: Sie ist gestorben, und eines Tages wirst du auch sterben.

Albert:

Die Dose hat gezischt wie ein kleiner Unfall. Bier aufgemacht, aber das Geräusch klang, als würde man etwas freilassen, was lieber drin geblieben wäre.

Bea:

Vielleicht ist das der Unterschied: Du trinkst, weil du runterkommen willst. Ich trinke, weil ich schwimme.

Albert:

In Bier?

Bea:

Im Tag. Im Becken. In irgendwas, das keinen Grund hat. Wenn ich lange genug in die Oberfläche starre, denke ich manchmal, ich sehe was drunter. Einen Hai. Nein, schlimmer. Mich selbst, wie ich dem Hai ähnlich werde. Nicht wegen der Zähne. Wegen der Richtungslosigkeit mit Bewegungszwang. Immer in Fahrt, damit nichts absackt. Haie. Die schwimmen ja nicht, um irgendwo hinzukommen. Nur damit sie nicht ersticken.

Albert:

Ich habe mal gelesen, Haie haben keine Schwimmblase.

Bea:

Vielleicht beneide ich sie doch ein bisschen. Die Haie. Keine Nostalgie, kein Zögern. Die halten sich nicht auf mit "was wäre wenn", nur: "da ist was – das reicht."

Albert:

Ein Hai hat keine Schuldgefühle.

Bea:

Oder Erwartungen.

Albert:

Oder ein Schlafzimmer mit losen Bierdeckeln unter dem Bett.

Bea:

Nur Wasser. Und Zähne. Und Richtung.

Albert:

Was glaubst du – wenn einer von uns ein Hai wäre, wer würde zuerst beißen?

Bea:

Ich.

Albert:

Ich habe heute den Reißverschluss meiner Fahrradtasche repariert. Hat mich eine halbe Stunde gekostet, bis ich merkte, dass er nur auf der falschen Seite steckt. Das ist so ein Pfannkuchenmoment.

Bea:

Weil du dich vertan hast?

Albert:

Weil es aussieht wie kaputt, dabei steckt es nur falsch herum. Pfannkuchen macht man auch oft spiegelverkehrt. Ich vergesse immer das Einfetten. Dann klebt alles. Aber es riecht gut dabei.

Bea:

Meine Mutter hat beim Braten immer gesagt: "Wenn du den ersten essen kannst, stimmt was nicht." Der erste war ein Opfer. Der musste schiefgehen. Als wäre der Teig zu aufgeregt.

Albert:

Bei mir reißt er immer. Wie ein Hemd, das zu früh gewaschen wurde. Oder ein Versprechen, das keiner kontrolliert hat.

Bea:

Wenn der Rand dunkelgold ist: lecker. Nicht verbrannt, nur so, dass man merkt, da war Hitze.

Albert:

Ich hatte mal eine Phase, da habe ich Pfannkuchen gemacht, wenn ich nicht wusste, was ich eigentlich wollte. Einfach Teig, Pfanne, Warten. Ich klappe sie immer zusammen. Zweimal. Wie einen Brief, den man nicht abschicken will.

Bea:

Ich nicht. Ich lass sie offen. Damit alles rauslaufen kann, wenn man reinbeißt. Früher dachte ich, so sehen richtige Morgen aus: goldbraun, weich, ein bisschen fettig. Und kurz davor zu kippen.

Albert:

Ein Pfannkuchen ist ja auch ein Versteck. Für Zucker, für Marmelade, für alles, was man sonst nicht sagen kann. Manchmal denke ich, Leute mögen ihn nur, weil er sich falten lässt, ohne zu reißen. Das kann ein Mensch zwar auch. Aber danach ist er kein Kreis mehr.

Bea:

Und keiner ruft: kaputt. Stattdessen beißt man zu.

Albert:

Weißt du, bei Pfannkuchen geht es nicht nur um das Frühstück. Du kannst sie auch mitten in der Nacht essen, wenn der Tag einfach zu lang war. Aber irgendwann fragt man sich, was wirklich dazugehört. Was sind die besten Pfannkuchen für dich?

Bea:

Für mich kommt da nicht nur der Teig ins Spiel. Du kannst Pfannkuchen immer wieder essen, aber was wirklich zählt, ist der Sirup. Es muss dieser warme, richtige Sirup sein, sonst ist es einfach nichts. Du musst die Pfannkuchen aber auch nicht immer überdenken, man kann sie einfach nehmen.

Albert:

Und wenn du sie mit Buttermilch machst, dann hast du es wirklich. Aber hey, manchmal muss es auch einfach der Klassiker sein. Nichts ist besser, als nach einer durchzechten Nacht alte Pfannkuchen mit Sirup zu essen. Da gibt es keine Kompromisse.

Bea:

Das stimmt. Aber manchmal will ich keine Schokoladenstückchen in meinen Pfannkuchen. Ich meine, wir können doch nicht ständig bei allem Schokoladenstückchen reinpacken, das ist einfach zu viel. Lass uns bei den Basics bleiben.

Albert:

Klar, keine Schokoladenstückchen. Aber was machst du, wenn du keine Blaubeeren hast? Ich habe einfach Buttermilch geholt. Ist doch auch okay, oder?

Bea:

Die Buttermilch-Pfannkuchen waren definitiv ein Ausweg. Aber du weißt ja, dass ich immer nur das Beste will. Einfach Sirup drauf zu klatschen, macht einen Teig noch nicht zu einem Pfannkuchen. Wobei: Ich weiß zufällig alles, was es über Ahornsirup zu wissen gibt! Ich liebe Ahornsirup. Ich liebe Ahornsirup auf Pfannkuchen. Ich liebe ihn auf Pizza. Und ich nehme Ahornsirup und trage ein wenig davon auf mein Haar auf, wenn ich eine harte Woche hinter mir habe. Was glaubst du, was ihn zusammenhält, Schlauberger?

Albert:

Es geht eher darum, was du daraus machst, wie du sie genießt. Und manchmal sind es genau diese einfachen Dinge, die uns irgendwie am meisten sagen. Wie Kitcha: eine Spielart von Pfannkuchen, jedoch leicht säuerlich.

Bea:

Genau, ich meine, Pfannkuchen sind doch irgendwie immer gleich. Sie sind wie eine Erinnerung. Du kannst sie jederzeit haben, ohne viel zu ändern, und sind werden nie langweilig, wie ein guter Eintopf.

Albert:

Das ist das Schöne an Pfannkuchen. Egal wie oft du sie isst, sie sind nie ganz gleich. Aber das macht doch auch nichts aus. Genuss kommt erst, wenn man einfach akzeptiert, dass es keine Regeln gibt. Wie der Liebeszauber namens Amas Veritas – mit ihm kann man Pfannkuchen in der Luft wenden. Pfannkuchen sind wie das Leben: Man weiß nie genau, was man bekommt, aber am Ende ist es immer noch lecker.

Bea:

Nach all den Pfannkuchen gestern, weißt du, ich habe in der ersten Klasse beim internationalen Essenstag wieder Schweden gezogen – meine berühmten fleischlosen Fleischbällchen.

Albert:

Ich denke, schwedischer Sozialismus kommt von den Wikingern: Sie haben dort das Konzept Larghomme, das heißt so viel wie genau genug. Das kam wohl vom Teilen des Weins nach einem Überfall, damit niemand leer ausgeht. In Schweden geht alles Übermaß klar, habe ich gehört.

Bea:

Du weißt, dass du in Schweden bist, wenn du über etwas stolperst, das einfach zu praktisch ist, um kommentiert zu werden.

Albert:

Die Schweden haben auch so Sprüche: Warum sich mit einem Gericht zufrieden geben, wenn es ein Smörgåsbord gibt. Erinnerst du dich, ich hab mal in der achten Klasse einen Bericht über Schweden geschrieben. Korrigiere mich, wenn ich falsch liege: Jahresniederschlag 40 bis 200 Inches, Hauptausfuhr: modulare Möbel.

Bea:

Mein Referat enthielt u. a. diese Feststellung: Stockholm nennen sie auch das Venedig des Nordens. Außenstehende glauben oft, Schweden sei allen voraus. Im Vergleich zu anderen Ländern ja, und auch im Vergleich zu vor 30–40 Jahren. Aber der Traum von einer egalitären Gesellschaft ist noch nicht erfüllt. Ich hab fast immer von Reisen und untertitelten Filmen über Schweden gelernt.

Albert:

Der erste Mann, der erklären kann, wie er in seine Frau und gleichzeitig in eine andere verliebt sein kann, gewinnt den Preis, den sie in Schweden immer vergeben. In einem us-amerikanischen Film aus den 30er heißt es: "Sie nehmen uns Frauen in Amerika ernst.Nicht so wie in Schweden, wo man tagsüber wie ein Dienstmädchen benutzt wird und nachts wie eine Matratze." Hast du schon mal so eine besondere schwedische Massage probiert? Ich geh auf deinem Rücken rauf und runter.

Bea: Du hättest sie sehen sollen. Die sind übereinander hergefallen wie diese Frauenringer in Hamburg. Eine hatte große Beine und verdammt große Möpse.

Albert: Was kümmert mich so ein blöder, falscher Wrestling-Typ?

Bea: Wrestling ist Erzählkunst. Es ist Seifenoper in Spandex.

Albert: The Rock. Ja, er ist ein Schauspieler. War erst Wrestler. Auch wenn diese verrückte Wrestling-Welt fiktionalisiert ist, wissen die Fans zu tausend Prozent, wenn du nicht echt bist. Der Typ eben, das war The Rock. The Rock bin ich. Dwayne Johnson. Nur lauter gedreht. Dieselbe Person. Mach dir keine Sorgen, der nächste ich zu sein.

Bea: Es hat alles. Es hat Sex. Es hat Gewalt. Es hat den ethnischen Kniff. Ja, so wie eine Lady-Wrestlerin mit ausländischem Akzent.

Albert: Ich mag ein König sein, aber zuerst bin ich ein Wrestler.

Bea: Aber Wrestling ist nur für Jungs.

Albert: Ich komme auch aus einer Ringerfamilie. Ich weiß genau, was es dir bedeutet. Aber mach dir keine Sorgen, der nächste ich zu sein. Sei die erste du.

Bea: Die ganze Zeit war ich verzweifelt auf einen Sohn aus, damit er für Indien Gold im Ringen gewinnt. Aber mir kam nicht in den Sinn, dass Gold Gold ist. Ob von einem Jungen oder einem Mädchen gewonnen.

Albert: Was für ein Vater zwingt seine Töchter, Wrestlerinnen zu werden? Lässt sie um fünf Uhr morgens aufstehen, um zu rennen. Schuftet sie wie Sklavinnen. Lässt sie gegen Jungen kämpfen. Und wenn sie protestieren, schneidet er ihnen die Haare ab. Gott gebe niemandem so einen Vater.

Bea: Ein wahrer Wrestler gewinnt keine Medaillen, er kämpft sein Leben und besiegt es.

Albert: Die Identität eines wahren Wrestlers wird nie im Ring beurteilt. Sie wird im echten Leben beurteilt, wann immer das Leben ihn auf die Matte schlägt. Dann steht er auf und schlägt das Leben viel härter, sodass er gewinnt.

Bea: Ich habe das Ringen aufgegeben. Ich habe das Ringen verlassen, aber nicht das Kämpfen.

Albert: Ringen ist kein Sport, es ist dieser Zirkus, in dem ein Mensch in seinem Leben gegen sich selbst kämpft.

Bea: Kostbarer Vater, warum hast du mir dieses Verlangen zu ringen gegeben und mich dann zu einem so stinkigen Krieger gemacht?

Albert: Alles, was ihre Aufmerksamkeit vom Ringen ablenkt, das werde ich verdammt noch mal zerstören.

Bea: Ich denke, du weißt, was wir hier erreichen wollen. Wir machen eine Dokumentation, die zeigt, dass John dieses Team führen und euch zu Größen im Ringen führen kann, die wir noch nicht gesehen haben. Und rede darüber, aber benutze einige seiner Begriffe wie exzellent und Intensität und Validierung.

Albert: Ein reicher Typ ruft dich an. Ich will, dass der große Mark Schultz mich besucht. Nun, ich bin ein Ringertrainer. Und ich liebe den Sport des Ringens. Und ich wollte mit dir über deine Zukunft sprechen. Darüber, was du zu erreichen hoffst. Was hoffst du zu erreichen?

Bea: Viele Menschen sind Arschlöcher. Aber dann gibt es Babys und Ballerinas. Und Unterhaltungs-Wrestler. Viele Menschen sind es wert, gerettet zu werden.

Albert: Er ist ein guter Junge. Er ist ein guter Wrestler.

Bea: Dave Schultz wurde postum in die National Wrestling Hall of Fame aufgenommen. Er hinterlässt seine Frau und zwei Kinder. Mark Schultz zog sich nach den Olympischen Spielen 1988 aus dem Wettkampf zurück. Er lebt jetzt in Oregon, wo er Wrestling-Kurse anbietet.

Albert: Ich bringe ihn hierher, und dann was? Wir schicken ihn zweihundert Tage im Jahr auf die Straße? Er jagt einem Ruhm hinterher, der nie zu ihm kommen wird? Seine Frau vögelt den Müllmann, weil er nie da ist? Sein Kind erinnert sich nicht an sein Gesicht, und wofür? Vielleicht bekommt er eine Chance bei einem Pay-per-View. Und er würde so hart versuchen, Eindruck zu machen, dass er wohl einen echten Star ihn von einem neun Meter hohen Käfig auf Beton werfen ließe. Die Schulter schneidet durch die Rotatorenmanschette, reißt sie sauber durch. Und dann sagt der Arzt: Das war’s. Karriere vorbei. Aber warum dann aufhören? Er würde nicht stoppen. Die Frau ginge, nähme das Kind. Und er würde weiter dem Rohrkrepierer nachjagen … bis er viertausend Meilen von jedem weg ist, der ihn je geliebt hat. Verbittert, gemein, allein … und wünschte sich nur, dass sein Kind seinen Anruf erwidert. Ist das das Leben, das du für deinen Bruder willst?

Bea: Bist du so eine Art wilde weibliche Schlamm-Wrestlerin?

Albert: Die Show ist eine Komödie. Das ist es. Die Leute, die dich umbringen wollen, verkleiden sich nur, um ein paar Lacher zu kriegen. So wie bei mir, mich jagt ein Sumoringer und ein Typ als Sinbad verkleidet.

Bea: Alle Katzen sind gute Mäusefänger, ja, aber wir haben riesige Ratten, so groß wie Sumoringer, und viele davon, also brauchen wir wirklich einen wilden Kater, vorzugsweise mit einer Geschichte psychischer Probleme.

Albert: Um gegen so einen Kerl zu kämpfen, brauchst du etwa fünfzig Kilo Hirnschaden! Ich habe Wrestler gesehen, die größer waren als Dinosaurier! Hast du jemals gegen einen Dinosaurier gekämpft, Kleiner?

Bea: Es gibt so etwas nicht wie einen ganz passablen Alligator-Wrestler.

Albert: Das perfekte Hobby sollte Körper und Geist verbessern. Die Römer waren großartig. Warum? Was war ihr Hobby? Ringen. Beim Ringen musst du schnell denken und schnell handeln. Dummheiten! Einmal Wrestler, vergisst du nie. Ich habe es sechs Jahre nicht gemacht, aber ich vergesse nicht.

Bea: Ich will Wrestlerin sein, denn seit ich drei war, konnte ich jeden WWE-Wrestler allein an seinen Stiefeln erkennen. Und ich wollte es seitdem immer. Ich bin leidenschaftlich, entschlossen, und … ich bin der härteste Bastard in jedem Raum. Auch in diesem. Oh—ich sollte wohl nicht fluchen, nicht wenn Damen anwesend sind.

Albert: Hör zu, Bart, wenn du keine Vorliebe hast, setzen wir dich auf einen Wrestling-Film, Wallace Beery. Man wird sagen: Wallace Beery, Ringen, das ist ein B-Film. Du sagst ihnen: BULLSHIT! Wir machen hier bei Capitol KEINE B-Filme.

Bea: Hey, Dickerchen, wie wär’s mit etwas Lektüre fürs Klo? Ich habe die August-Ausgabe 1983 von Wrestling World hier. Ein toller Artikel über einen Wrestler namens The Revolting Blob. Weißt du was? Er sieht ein bisschen aus wie jemand, den ich kenne.

Albert: Es war seltsam, dass er sagte, Babe Ruth sei wie der Herkules des Baseball, und das Biest hieß am Ende Hercules. … Hamilton Porter wurde Profi-Wrestler. Ihr kennt ihn als „The Great Hambino“.

Bea: Mir ist egal, ob Vinegar Joe da draußen mich hört. Warum verheiratest du sie nicht, übrigens? Am besten mit einem 700-Pfund-japanischen Wrestler. Das sollte ein paar ihrer Falten glattbügeln.

Albert: So wie ein Arzt eine Ärztin heiratet und ein Ingenieur einen Ingenieur, heiraten Wrestler nur Wrestler, oder?

Bea: Okay. Waisen! Hört auf Ignacio. Ich weiß, Ringen macht Spaß. Ein schöner Piledriver ins Gesicht … aber ihr dürft es nicht. Denn in der Bibel steht, du sollst deinen Nächsten nicht ringen. Ich weiß, die Wrestler kriegen die schicken Ladies und die Cremes und Lotionen. Aber mein Leben ist gut! Wirklich gut! Ich stehe jeden Morgen um fünf auf und koche Suppe! Das ist das Beste. Ich liege in einem Bett, ganz allein, mein ganzes Leben! Großartig! Geht. Geht weg! Lest Bücher!

Albert: Es ist ewig her, dass ich vor dem Fernsehen saß. Durchzappen. Du siehst die ganze Kultur. Nazis, Deos-Verkäufer, Wrestler, Schönheitswettbewerbe, Talkshow. Kannst du dir das Niveau eines Geistes vorstellen, der Wrestling schaut, hm?

Bea: Du hältst mich immer für spießig. Ich war in Amerika. Ich habe dort gerungen. Ich habe in Milwaukee und St. Louis gerungen, in Cincinnati, und ich werde zurückgehen. So wie der Krieg läuft, werde ich vor dir dort sein. Mein Magen hat gerade ein Geräusch gemacht, das wie eine alkoholische Entschuldigung klang.

Albert:

Nach Bier kommt bei mir immer Appetit. Eine Art kulinarischer Kater – mit Kohlenhydratensehnsucht.

Bea:

Du meinst Lasagne.

Albert:

Natürlich Lasagne. Das Gericht, das vorgibt, ein gemütliches Abendessen zu sein – und in Wirklichkeit deine Kindheit in Käseschichten bettet.

Bea:

Wenn man es richtig macht, hat Lasagne acht Schichten. Drei zu viel fürs Herz, zwei zu wenig fürs Gewissen.

Albert:

Ich hatte mal eine Beziehung, die war wie Lasagne aus der Mikrowelle: außen zu heiß, innen noch gefroren, aber man hat trotzdem aufgegessen – aus hakendem Sättigungsgefühl heraus.

Bea:

Ich hatte mal einen Typen, der behauptete, Lasagne sei sein „Love Language“. Er hat sie jedes Mal gemacht, wenn er Scheiße gebaut hatte. Ich konnte bald nicht mehr unterscheiden: Pasta oder passiv-aggressive Reue. Manchmal frage ich mich, wie viele Beziehungen durch Tiefkühllasagne gerettet wurden – und wie viele genau daran zerbrachen. Wahrscheinlich zwei Nachbarschaftszahlen.

Albert:

Meine erste Trennung roch nach angebrannter Béchamelsauce. Sie warf mir vor, ich hätte beim Überbacken gelogen.

Bea:

Ich beneide Leute, die Lasagne einfach essen können, ohne an irgendwen zu denken.

Albert:

Du meinst Garfield.

Bea:

Ich meine meinen Ex. Der hatte Garfield tätowiert – auf dem Oberschenkel. Direkt unter dem Wort „comfort“.

Albert:

Tragisch. Und auch irgendwie konsequent.

Bea:

Die meisten Leute unterschätzen Lasagne. Dabei ist sie wie ein stiller Therapeut: heiß, verschachtelt und meistens besser am nächsten Tag. Kennst Du diesen einen Zoo? Sie haben das Nashorn hinter Gitter gestellt und die Kinder gleich neben den Tiger gesetzt!

Albert:

Ja, und ich bin der Einzige, der den Abbruchcode für diesen Zoo kennt.

Bea:

Willst du nicht wissen, warum sie mich das Nashorn nennen?

Albert:

Albino-Nashörner!Moment mal. Ich dachte, Nashörner wären Vegetarier; in der Steinzeit wurde gebratenes Nashorn gegessen. Außerdem hast Du Angst vor Nashörnern. Ich habe noch nie jemanden so gesehen wie dich.

Bea:

Ich wurde von einem Nashorn verschlungen und bin dann tausend Fuß aus dem Himmel gestürzt.

Albert:

Was bekommst du, wenn du einen Elefanten und ein Nashorn kreuzt? Elephino.

Bea:

Was machst du mit einem Elefanten mit drei Bällen? Du führst ihn spazieren und spielst gegen das Nashorn. Du bist so subtil wie ein tollwütiges Nashorn.

Albert:

Ein Nashornhorn hilft nur dem Nashorn. Dass jemand kein Millionär und Aristokrat ist, mit der sexuellen Kapazität eines brünftigen Nashorns, und das als ständigen Stachel empfindet, hat vier substanzielle andere Probleme. Sieh mal, alle großen Verkäufer sind nichts weiter als eine Ansammlung von Persönlichkeitsdefekten: die Moral eines Siebes, den Charme eines Schizophrenen, die Sensibilität eines Nashorns und die Skrupel eines Erpressers. Aber ich denke, die Chancen, auf dem täglichen Arbeitsweg auf ein Nashorn zu treffen, sind verschwindend gering.

Bea:

Du willst nicht wissen, was unter diesen Nashörnern steckt!

Bea:

Eine Mücke, die versuchte, ein anstürmendes Nashorn aufzuhalten. Glaubst Du, dass wahre, echte Liebe einen Schutzraum vor dem Tod schafft? Alle Feigheit rührt daher, nicht zu lieben oder nicht gut zu lieben, was dasselbe ist.

Bea:

Im Schatten des Kilimandscharo drehen sich die Jahreszeiten in ihrem Kreislauf. Und wieder einmal überblickt der Löwe die große Ebene, wo seine Untertanen weit und breit umherstreifen: Zebra, Gnu, Hartebeest und Kudu; Pferdeantilope, Warzenschwein, Strauß und Nashorn; Nilpferd, Elefant, Giraffe und Pavian; Impala, Hyäne, Wildhund und Schakal. All diese und viele mehr zollen dem afrikanischen Löwen Tribut. Mit seiner Geschichte endet das Abenteuer im Film so, wie es begann.

Albert:

Die Lasagne war nicht schlecht, nur zu eindeutig. Sie hat genau das gemacht, was man erwartet. Wie ein Lied, das keinen falschen Ton zulässt – aber auch keinen einzigen, der überrascht. Oder wie ein gut gemachtes Bett, in dem man trotzdem nicht schläft. Vielleicht braucht Perfektion Krümel. Oder etwas, das zu süß ist, um ehrlich zu sein.

Bea:

Du meinst Aprikose?

Albert:

Ja, dieses dumpfe Gelb. Als würde es dir sagen: „Ich war mal Sonne, aber ich habe mich entschieden, ins Glas zu gehen.“

Bea:

Der Geschmack, damals: Weich, warm, mit einem Schatten von Metall. Ich habe mal einen Nachmittag mit getrockneten Aprikosen verbracht. Einfach nur so. Ohne Hunger. Nur mit der vagen Hoffnung, dass irgendetwas zurückkommt aus meiner Kindheit.

Albert:

Kam was zurück?

Bea:

Nur ein Schuss Melancholie.

Albert:

Ein Kleingartenbesitzer weckte Aprikosen ein. Ganze Sommer lang. Und dann nie wieder ein Glas geöffnet. Wie eine Entschuldigung, die man konserviert – aber nie ausspricht. Ein Lächeln, das man jemandem schuldet. In einer Farbe, die aus der Mode gekommen ist. Dabei war Aprikose nie in Mode. Sie war nur verfügbar.

Bea:

In Deutschland gibt es Menschen, die machen keinen Unterschied zwischen einem Hund und seinem Schäfer. Hast du das auch schon mal gehört?

Albert:

Ja, und das fällt mir jedes Mal auf, wenn ich deutsche Musik höre. Da hört sich sogar "Butterfly" aggressiv an. Deutsch ist einfach eine furchtbar aggressive Sprache, oder?

Bea:

Aber wenn man bedenkt, dass die Deutschen das beste Bier der Welt haben, könnte man das fast übersehen. Ich habe mal ein Semester in Deutschland studiert, das war wirklich ein Erlebnis. Meine Cousine heiratete einen Deutschen – sie essen Abendessen um 17 Uhr.

Albert:

Ich hatte dieses Date mit einer Deutschen – sie beschäftigte sich mehr mit meiner Grammatik als allem anderen; nicht nur Ihr Oboen-Spiel war intensiv. Ja, das Bier ist super. Aber was mich wirklich beeindruckt hat, war das Essen. Zum Beispiel das Schnitzel. Du glaubst gar nicht, wie schlecht das hier im Vergleich schmeckt.

Bea:

Ich weiß genau, was du meinst. Und die Weihnachtsmärkte dort... Die schicken unsere Märkte hier in Trauer. Da bekommt man fast das Gefühl, dass wir hier nie richtig feiern.

Albert:

Das ist typisch deutsch, oder? Alles mit Perfektion. Sogar die Autos. Ein deutsches Auto ist einfach immer zuverlässig. Deutsche Ingenieurskunst, sagt man.

Bea:

Vielleicht sollte man echt mal nach Deutschland fliegen. Ein gutes Bier, eine feine Wurst, eine Playlist mit Minimal, ein schnelles Auto und so einen bunt klirrenden Markt, der uns hier in den Schatten stellt.

Albert:

Aber du weißt ja, du kannst auch ein gutes Bier ohne Deutschland haben. Aber ohne Deutschland... kein wirklich gutes Bier, oder?

Bea:

Stimmt schon. Und dann gibt es da noch das Deutsch... "Guten Tag!" und sofort weißt du, dass sie dich verbessern werden, egal wie nett du dich benimmst.

Albert:

Weißt Du, wie viele Menschen jeden Tag Fahrrad fahren in Deutschland?

Bea:

Genug, dass jede zweite Ampel für Radfahrer grün wird – aber nicht genug, dass Autofahrer es akzeptieren. Weißt du, was noch erstaunlich ist? Würdest du Brokkoli essen, wenn er in Schokoladensoße tiefgefroren wäre?

Albert:

Nein. Auch frittiert nicht.

Bea:

Und denkst Du, dass wir trotz unserer mechanischen Pracht zusammenbrechen würden wie ein Haufen Brokkoli, wenn da nicht dieser kontinuierliche Strom von motorischen Impulsen wäre?

Albert:

Wir wären Zombies. Zombies. Wir sind ihre Nahrungsquelle. Sie essen kein Brokkoli, sie essen Gehirne. A propos: Ein 69jährige raunte mir einst zu: Du willst Beef mit Brokkoli?

Bea:

Warum das?

Albert:

Weil ich gedämpften Brokkoli unter den Tisch schob, und Tofu mit Marmelade garnierte. Jenes deutete sie als Verschwendung; dieses als Sakrileg. Sie fuhr mit einem Kühlwaggon Ladungen von TK-Brokkoli aus. Sie fragte gelegentlich "warum riecht meine Bude nach Brokkoli und Ballschweiß?", beanstandete sogar Abschneidelängen bei Brokkoli. Ich entgegnete: Du steckst einfach ein Stück Brokkoli in den Mund und sagst: Mm, was für ein herrliches Stück Brokkoli. B-R-O-C-C-O-L-I! Ich bin der Brokkoli und weiß nicht warum! Sie veralberte mich, in etwa so: Kennst du Brokkoli? Der wurde, äh, von Cubby Broccoli erfunden, dem Produzenten der James-Bond-Filme. Wenig bekannt. Es stimmt. Eine Kreuzung. Halb Blumenkohl, halb… etwas Grünes, halb Blumenkohl. Die Broccoli-Familie von Cubby… hat die Bond-Filme finanziert. Sieh es in der Encyclopaedia Britannica nach.

Bea:

Es ist erstaunlich, wie Brokkoli immer Blähungen verursacht. Brokkoli ist in gewisser Weise die Verkörperung von Furz. Wenn man ein Stück Furz materialisieren könnte, würde es ziemlich so aussehen. Die Inkarnation von Furz. Unabhängig davon habe ich immer gesagt, ich würde Brokkoli essen, wenn Welpen fliegen.

Albert:

Und so wurde Brokkoli mit darüber zerlaufenden Käse zu einem Deiner Lieblingsgerichte?

Bea:

Ja. Und beim ersten Verzehr hatte ich kurz die Zukunft gesehen. Eine 47-jährige Jungfrau in beigen Pyjama, trinkt einen Bananen-Brokkoli-Shake und singt… Willst du oben leben, musst du Cocteaus Weg gehen. Ich werde Bohnen und Brokkoli zum Abendessen haben und sie mit Krabbenkuchen runterspülen.

Bea:

Gut, ich habe soeben Vergangenheit hergestellt: Dinosaurier greifen an, ein Keulenträger wehrt sich mit Brokkoli, hinterlässt Dinosaurierdüng, ein Gemüse! Ausgang zwei: Er isst Brokkoli, Dinosaurier frisst ihn, Dinosaurier tritt auf Brokkoli, hinterlässt Brokkolischeiße - ein Gemüse! Er war sehr gut für Geschichte. Dort hatte ich meine erste Pizza. Andere Dinge auch, natürlich, aber die Pizza sticht heraus.

Albert: Wie definiere ich Geschichte? Es ist einfach eine verdammte Sache nach der anderen.

Bea: Deshalb studieren wir Geschichte … damit wir aufhören, einander umzubringen.

Albert: Es gäbe Momente, in denen selbst ein Historiker nicht in die Vergangenheit blicken sollte.

Bea: Du würdest eine ausgezeichnete Historikerin abgeben. Du hast eine tiefe Verachtung für Fakten.

Albert: Das ist Geschichts­schreibung: ein Kommentar zu den vielfältigen und fortdauernden Unfähigkeiten der Männer. Was ist Geschichte? Geschichte ist, dass Frauen hinterhergehen mit dem Eimer.

Bea: Du sagst, du hasst Geschichte. Niemand hasst Geschichte. Sie hassen ihre eigenen Geschichten.

Albert: Nun ja, als Historiker muss ich dich daran erinnern, dass die Welt in den letzten 2000 Jahren nicht viele Probleme mit Karthago hatte.

Bea: Historiker sind sich einig, dass die klassische Erzählung vom König Artus auf einen wirklichen Helden zurückgeht, der tausend Jahre früher lebte.

Albert: Wie viele Militärhistoriker das nur als Detail sehen würdest du staunen. Sie sehen ihn als ernsthaften Historiker, der die Dinge zufällig aus Hitlers Perspektive sieht.

Bea: Revisionistische Historiker behaupten jetzt, Jeanne d’Arc sei vielleicht ein Opfer einer Lebensmittelvergiftung gewesen.

Albert: Aber das ist Geschichte. Schafft Distanz. Unser Blick auf die Vergangenheit verändert sich. Rückblickend liegt direkt vor uns totes Gelände.

Bea: Damen und Herren, jung und alt, das mag ein ungewöhnliches Verfahren scheinen … wir wenden uns an antike Historiker wie Philo und Josephus … Das Thema dieses Bildes ist, ob Menschen nach Gottes Gesetz regiert werden sollen … Es wird eine Pause geben.

Albert: Das Sommerpalais von Ludwig dem Sechzehnten. Du weißt, Historiker haben kürzlich eine bislang unbekannte Tatsache entdeckt, die beinahe die gesamte Geschichte Westeuropas verändert hätte.

Bea: Paris, Frankreich, 1789. Dreißig Jahre später, unter der Herrschaft von Ludwig XVI., sollten langjährige Missstände überkochen.

Albert: Nach einem Jahr staatlich verordneter Hormontherapie beging Alan Turing am 7. Juni 1954 Selbstmord … Historiker schätzen, dass die Entschlüsselung von Enigma den Krieg um mehr als zwei Jahre verkürzte.

Bea: Es würde eines großen Philosophen und Historikers bedürfen, die Ursachen des berühmten Siebenjährigen Krieges zu erklären …

Albert: Ach, Quatsch. FDR hinderte Stilwell daran, nach Indochina zu gehen … jetzt sagen eure revisionistischen Historiker …

Bea: Die Waffe hatte Platzpatronen, das Messer eine einziehbare Klinge … Man sagte mir, du seist Doktorandin. Brillant, ja? Du bist Historikerin und ich bin Teil der Geschichte.

Albert: Diese Aschenbecher sind interessant, sie sind lächerlich groß. Was werden Historiker aus diesen Aschenbechern machen?

Bea: Frauen sind also eine gewaltige Bedrohung für die Kirche. Die katholische Inquisition veröffentlicht bald das vielleicht blutigste Buch der Menschheitsgeschichte.

Albert: Er hat Angst vor Bindung. Er war bei den Marines, bevor er sich den Rücken verletzte. Jetzt ist er Historiker.

Bea: Du würdest staunen, wie viele Militärhistoriker das nur als Detail sehen …

Albert: Es gibt einen Schalter: Wenn du ihn ziehst, stirbt die Hälfte der Menschheit … Historiker erzählen von der Pest, die halb Europa auslöschte … aber sie erwähnen nicht, dass sie eine schlankere Bevölkerung schuf und der Renaissance den Weg bereitete.

Bea: Ich bin keine Historikerin. Mein Gefühl war, das Land versuchte etwas zu ändern, weil Perestroika war … Es ist wie in einem dunklen Raum, in dem man versucht, eine schwarze Katze zu finden.

Albert: Jede Priory-Geschichte endet in Blutvergießen … Templer.

Bea: Meine persönlichen Historiker haben herausgefunden, dass er von einer alten Königslinie abstammt.

Albert: Du wärst erstaunt, wie viele Militärhistoriker das nur als Detail sehen … sie sehen ihn als ernsthaften Historiker …

Bea: Nun, er war ein Historiker. Vor etwa hundert Jahren entwickelte er eine Theorie über die Grenze … Was passiert, wenn uns die Frontier ausgeht?

Albert: Es ist mein Wunsch, wenn nicht meine Pflicht, mit einiger Offenheit zu sprechen … Unsere Geschichte wird das sein, was wir aus ihr machen.

Bea: Herr, in diesem Prozess haben wir von mindestens 25 großen Geschichtsfälschungen gehört … Mr. Irving ist der unehrliche Kellner.

Albert: Und plötzlich hört er auf, Historiker zu sein … und wird zum aktiven Teilnehmer.

Bea: Du sagst, du hasst Geschichte. Niemand hasst Geschichte …

Albert: Du würdest eine ausgezeichnete Historikerin abgeben. Du hast eine tiefe Verachtung für Fakten.

Bea: Wie definiere ich Geschichte? Es ist einfach eine verdammte Sache nach der anderen.

Albert: Es gibt Historiker, die sagen, der klassische Artus stamme aus der Dunklen Zeit …

Bea: ‚Die Spaltung der Kirchen trennte uns von Europa …‘ aus Puschkins Brief an Tschadajew, 19. Oktober 1836.

Albert: Es gibt Historiker, die sagen: Was werden sie aus diesen Aschenbechern machen?

Bea: Kinder, das ist, warum wir Geschichte studieren …f

Albert: Du würdest stauen … aber lass mich anders fragen: Wirst du den Schalter ziehen?

Bea:

Weißt du, was Lasagne mit Beziehungen gemeinsam hat? Beides schmeckt weniger gut, wenn man es aufwärmt – z. B. in der Mikrowelle.

Albert:

Weil’s dann in der Mitte noch gefroren ist und außen verbrennt?

Bea:

Weil es dann keine Chance mehr hat, sich zu erklären. Alles ist nur noch Tempo.

Albert:

Du meinst, die Mikrowelle ist wie ein schlecht gelaunter Paartherapeut – laut, effizient und am Ende ist trotzdem alles matschig?

Bea:

Ich hatte mal eine Mitbewohnerin, die ihre Unterwäsche in der Mikrowelle getrocknet hat. Angeblich wegen der Energie. Sie wollte herausfinden, ob und wie Baumwolle explodiert.

Albert:

Ich hatte mal einen Typen in der WG, der behauptet hat, Mikrowellen verändern dein DNA. Er hat immer auf dem Boden geschlafen – möglichst weit weg vom Gerät.

Bea:

Ich habe mal beim Aufwärmen von Mac & Cheese vergessen, die Gabel rauszunehmen. Danach war nicht nur das Besteck verstrahlt, sondern auch meine Vorstellung von Intelligenz.

Albert:

Einmal habe ich ein altes Foto von mir gefunden, wie ich mit nacktem Oberkörper und Burrito vor der Mikrowelle tanze. Es hieß „Studentenzeit“. Ich nenne es: thermischer Selbstbetrug.

Bea:

Das war doch das Jahrzehnt, in dem man dachte, Liebe lässt sich in Minutenstufen erhitzen. Dreißig Sekunden Zärtlichkeit, eine Minute Nähe, dann Rühren nicht vergessen.

Albert:

Wenn’s piept, ist es fertig. Oder zerstört.

Bea:

Die Mikrowelle ist eigentlich das perfekte Symbol für moderne Zweisamkeit: keine Geduld, viel Verpackung, und am Ende steht man doch mit verbrannten Fingern da.

Albert:

Manchmal, ganz selten, kriegt man es hin. Eine Lasagne, die überlebt hat, und sich wieder aufpäppeln lässt. Sogar mit goldbrauner Kruste.

Bea:

Dann schmeckt sie wie eine Erinnerung. Ich habe die Tasse noch aus der Mikrowelle geholt, sie roch nach Pfefferminze und verbranntem Zucker.

Albert:

Ich erinnere mich – der Teppich damals, getränkt in verschüttetem Pfefferminzlikör. Er roch ewig danach. Wie du.

Bea:

Eine wiederkehrende Erinnerung? Es roch nach Tabak und Pfefferminze. Pfefferminze hilft bei Verdauung, aber das Leben ist kein Pfefferminzbonbon, außer Du findest eine Pfefferminzminie.

Albert:

Ich hatte mal ein Mädchen geküsst, sie hatte einen Pfefferminz im Mund. Der Kuss war klebrig.  Pfefferminze – mein Lieblingsgeschmäcke. Dein Gesicht duftet nach Pfefferminz. Willst du die Hälfte meiner Pfefferminzpatty? Ich hab meine Jungfräulichkeit an eine Peppermint Patty verloren – nein, nicht an die Süßigkeit, Witzbold!

Bea:

Pfefferminz-Fatty? Kenn ich nicht. Gelegentlich siehst Du aus wie ein Pfefferminzstängel. Weißt du, was ich mich frage? Warum sie immer diese grünen Dinger mit dem limettigen Geschmack dazumischen. Wenn sie wie Pfefferminz aussehen, sollten sie auch so schmecken.

Albert:

Oh mein Gott, du musst das probieren! Heiße Schokolade, dunkle Crème de Cacao, ein Hauch Crème de Menthe und Pfefferminzschnaps. Ich nenne es Peppermint Patty. Es schmeckt wie Mundwasser. Vier Teile Wodka, zwei Teile Pfefferminzschnaps, ein Teil Crème de Menthe – für die Farbe. Ich verschütte das Zeug dauernd. Dann riecht alles nach Pfefferminzstangen, Schoki, etwas Mottenkugel und Weihnachten.

Bea:

Wenn man Lasagne in der Mikrowelle aufwärmt, wird sie weich an den Rändern und hart in der Mitte. Als hätte sie ihren Schutzpanzer falsch herum angezogen.

Albert:

Oder gar keinen. Wie eine Schildkröte, die glaubt, sie wäre ein Taschenbuch.

Bea:

Ich mochte Schildkröten als Kind. Nicht weil sie süß waren, sondern weil sie aussahen, als wüssten sie mehr als sie zeigen. Vielleicht, weil sie nichts mehr beweisen müssen. Wer sich so langsam bewegt, kann nur glauben, dass jemand auf ihn wartet. Oder dass die Welt sich ohnehin zurückdreht, wenn sie weit genug vorläuft.

Albert:

Wir hatten eine Plastikschildkröte im Badezimmer, so ein Seifenspender. Und sie hat mich jahrelang angeschaut wie jemand, der weiß, dass du das Handtuch gleich wieder fallen lässt.

Bea:

Schildkröten sind die einzigen Tiere, bei denen man nicht weiß, ob sie rasten oder resignieren.

Albert:

Oder ob da drinnen überhaupt noch jemand wohnt. Manchmal wirken sie wie leer Briefkästen: stoisch, schmutzig und zu spät.

Bea:

Wie sich das anfühlen muss – ein Haus zu sein, das man immer mit sich rumschleppt.

Albert:

Unpraktisch bei Wendungen. Aber perfekt für Rückzüge.

Bea:

Schildkröten können durch den Hintern atmen. Ist das der Trick? Man wird alt, weil man aufhört, mit dem Mund zu kämpfen?

Albert:

Oder weil man nichts mehr schluckt. Nur denkt. Und wartet.

Bea:

Denkst du, eine Schildkröte erinnert sich an ihr erstes Date?

Albert:

Wenn sie es tut, dann nur ganz langsam. Damit die Erinnerung sie nicht überholt. Du hast recht, Kanada hat wirklich etwas. Aber ist es nicht ein bisschen komisch, dass man es als Land immer noch nicht so ganz versteht?

Bea:

Ja, aber du musst zugeben, dass alles irgendwie immer mit einem "Aber" kommt, wenn es um Kanada geht. Hast du je jemanden gehört, der sagt, wir bleiben hier und bestellen kanadisches Essen?

Albert:

Kanada hat diese gewisse Mischung aus Faszination und Skepsis. Wenn du gefragt wirst, woher du kommst, antwortest du: „Kanada!“ Und dann kommt immer eine unverwechselbare Pause.

Bea:

Und dann gibt's immer dieses 'Was ist Kanada eigentlich?' Gefühl. Weißt du, sie haben dieses Essen, das sich nie so richtig festlegen lässt – französische Pommes mit Soße und dann noch Speck, aber was ist jetzt das Besondere daran?

Albert:

Was man aber nicht vergessen darf: Sie sind ein Land, das nicht traurig wird. Traurigkeit wurde von den USA gemacht. Das ist mal eine Ansage, oder?

Bea:

Oh, da spricht ein Amerikaner in dir. Aber das macht doch ein Stück weit ihren Charme aus, oder? Sie sind nicht so in dieses Drama vertieft. Keine Zeit für Selbstzweifel, einfach nach vorne blicken und alles in Ruhe angehen.

Albert:

Schon, aber trotzdem... Du kannst nie sicher sein, wenn du in Kanada bist, ob du nun in einem Filmset oder einem echten Land bist.

Bea:

Vielleicht war das ja der Plan. Die wollten alles so geheim wie möglich halten. Und während du so über Kanada nachdenkst, erinnere ich mich an das, was du damals gesagt hast: „Das Land, das alle gerne ein bisschen anders sehen.“

Albert:

Ich glaube, sie wissen das. So, wie sie sich nie zu ernst nehmen. Sie spielen eben Hockey oder trinken ein Bier – das ist Kanada. Und in der Zwischenzeit denken sie auch nicht daran, sich von den ganzen negativen Klischees des unwissenden Rests beeinflussen zu lassen.

Bea:

Ja, das ist ihre Stärke. Und immer dieser seltsame Slogan: „Kanada ist die Essenz des Nicht-Seins.“ Nicht englisch, nicht amerikanisch, einfach nur... Kanada. Wo es nie wirklich Regeln gibt, nur so einen lockeren Fluss.

Albert:

Und dann das mit den Sasquatch. Wer weiß, vielleicht trainieren sie ja wirklich eine Armee, aber du hast nie eine wirklich gesehen. So mystisch und ungreifbar wie das Land selbst.

Bea:

Frösche sind gerade vom Himmel gefallen. Ich schätze, ihre Fallschirme haben sich nicht geöffnet.

Albert:

Weißt du, was einem Frosch passiert, wenn er vom Blitz getroffen wird? Genau dasselbe wie allen anderen.

Bea:

Klingt nach einem Frosch-Betrug.

Albert:

Ebenfalls nicht zu erklären: Warum sind russische Frauen so verführerisch, während alle Männer wie Frösche aussehen? Eine Prinzessin kann einen Frosch küssen. Oder einen Hummer. Alles dasselbe.

Bea:

Das Sprichwort sagt: Wenn du deinen Platz in dieser Welt finden willst, tausche dein Herz gegen einen Frosch! Kurz gesagt: Du musst freundlich sein. Also, was isst ein Pilz, um Halluzinationen zu bekommen? Ich glaube, sie lecken Frösche. Und ich war bereit, einen Giftschleim-Frosch zu essen, als ich an Eifersucht litt.

ALbert:

Man kann keinen Frosch in einem feinen Restaurant ausstellen! Die feinen Leute würden sofort die Fassung verlieren. Oh, diese Leute, die Art, wie sie von ihren Kreditkarten geleckt werden. Ihr Handtascheninneres! Diese quietschenden Geräusche, die sie machen, wenn etwas keinen Preis, aber einen Wert hat. Ugh!

Albert:

Vielleicht kannst du mich mal im Sumpfrestaurant besuchen. Dort wird alles mögliche gekocht: Froschsuppensuppe, Fischaugentatar, Herz aus Frosch, mit weißem Essig, Schwalbenleber, was du willst!

Bea:

Weißt du, beim letzten Mal in solchen Gewässern traf ich auf eine gefährliche Schlangenhexe. Sie sah meistens aus wie ein Frosch, sie sang wie ein verdammter Frosch, konnte aber unter Wasser atmen, was sie schwer aufzuspüren machte. Sicher war sie tödlich.

Albert:

Geh ran wie ein Frosch, nicht wie ein kleiner Krötenetwas. Handschellen! Fußschellen! Ach, die Hexenaugen brannten, als ich ihre Höhle betrat / Dann schnitt ich ihre verdammten Kutteln mit meiner langen glänzenden Klinge / Ich war es, die die Oberste erlegte. Bezüglich der Sitte, sich vor dem König zu verbeugen, in der Art eines niederen Frosches ... Ich glaube nicht, dass das gut ist. Es verursacht peinliche Ermüdung des Körpers, erniedrigende Erfahrung für die Aufmerksamkeit.

Bea: Als gelegentlicher Chemiker habe ich 40 Jahre lang seltene Gifte studiert. Alles, was ich sagen kann, ist: Wenn die Pygmäen Afrikas jemals vom Boeuf Stroganoff deiner Frau erführen, kämen sie nur herüber, um ihre Pfeile zu füllen.

Albert: Du bist Chemiker. Kannst du mit dem, was du an Bord hast, eine Bombe bauen?

Bea: Oh, Chemiker, ja? Dürfen wir dann etwas in die Luft jagen?

Albert: Seit unserem ersten Streit habe ich die Chemie zwischen uns gespürt.

Bea: Du bist wie ein Chemiker, der ein neues Medikament erfindet und sich nicht um die Nebenwirkungen kümmert.

Albert: Nun, bei allem Respekt, ich denke, es ist viel zu früh, das zu sagen. Lassen wir die Chemiker den Schaden anrichten, Doktor.

Bea: Was ist ein sozialer Chemiker? Barkeeper.

Albert: Was bin ich? Ein Chemiker, ein Nihilist, ein Kapitalist, eine Mutation.

Bea: Manche halten ihn für einen Ozeanographen, einen brillanten Ingenieur, einen genialen Chemiker; andere für den führenden Hydrografen – aber alle sind sich einig, Captain Fathom ist vor allem ein Abenteurer!

Albert: Dinge, die du in einer richtigen Apotheke kaufst – das sind nur gereinigte Versionen.

Bea: Wenn das nur Chemie auf O-Level ist, dann kann das doch jeder, oder? Und die Chemikalien bekommen sie aus jedem Schullabor.

Albert: Unsere liebe alte Welt, unser liebes altes Land. … Wir haben keine Chemiker. Nun, wer will schon Chemiker?

Bea: Gott sei Dank, ich dachte, ich würde hier unten für immer verrotten. Ich brachte ein Team her, nachdem ich Informationen über einen wohlgesinnten elysischen Chemiker erhalten hatte, der das Gegenmittel gegen das Wasser entwickelte, das die Kala infiziert haben. … Wir müssen den Chemiker aus seiner Zelle holen.

Albert: „Mir fallen die Haare aus!“, gestand der schüchterne Mann dem Apotheker. „Können Sie etwas vorschlagen, um sie drin zu behalten?“ „Gewiss! Hier ist eine Pappschachtel.“

Bea: Der Chemiker sagt, dass heute die letzte Nacht der Europatour mit Taproot und Deftones ist … und auch die Nacht, in der der Chemiker und seine Verbündeten einen akribischen Plan schmiedeten, die Deftones zu zerstören!

Albert: Er war ein Genie … ein brillanter Chemiker. Von wegen „alles im Leben“: Er war klein, hässlich, kurzsichtig und trug einen Rechenschieber.

Bea: Die Tatsache ist, meine lieben Freunde, dass ihr keine Maler seid. Ihr seid Tätowierer. Ihr seid Chemiker mit kleinen Farbtöpfchen.

Albert: Damit endet die Geschichte von Annabel und dem launischen Chemiker. Was meine Kleider betrifft: Unser synthetischer Stoff war wohl weniger erfolgreich.

Bea: Ich finde es besonders merkwürdig, dass wir einem Arzt glauben, wenn er sagt, Erdnussschalen seien gut für uns. Wenn ein Chemiker behauptet, ein Benzin sei besser als ein anderes, benutzen wir es. … Und doch achten wir auf das Wichtigste nicht: wie man lebt.

Albert: Mach dir nichts vor, du wirst bezahlt, solche Träume zu haben. Für acht Zehntel die Woche sollst du Psychologe, Arzt, Anwalt, Chemiker, Gedankenleser, Kristallkugler und alles Mögliche sein.

Bea: Der russische Wissenschaftler-Chemiker, der Arzt Joseph Hamel, berichtete an der Akademie von den ungewöhnlichen Eigenschaften der Silberhalogenide … Man meinte, so könne man den Tod täuschen.

Albert: Der Chemiker gab mir eine Pille mit all seinen besten Giften. Du nimmst sie mit einem Glas Wein. Ein Schluck und alles ist still an der Westfront.

Bea: 1940 geschah etwas, das den Beginn einer neuen Ära markierte. Die Ära der Fähigkeit, in unbegrenztem Maß neue Chemikalien zu synthetisieren … DDT … und nun wissen wir, dass die synthetischen Chemikalien Krebs und Fehlbildungen verursachen.

Albert: Und außerdem wussten Industrien davon und versuchten, die Risiken kleinzureden. Wenn ich dich mit einer Kugel erschieße, ist das kriminell. Wenn ich dich wissentlich Chemikalien aussetze, die dich töten werden, was ist der Unterschied? Meine Mikrowelle wärmt zuverlässig – sogar meine Einsamkeit rotiert darin gleichmäßig durch.

Bea:

Und das ist noch das Beste am Drehteller. Bei mir fing es harmlos an – Mac & Cheese, abgepackt, plastikversiegelt. Und plötzlich sitzt du da, starrst in die Scheibe wie in ein Aquarium aus Convenience.

Albert:

Ich hatte mal eine Mitbewohnerin, die behauptet hat, der Mikrowellenherd ruiniere ihre Aura. Aber Klavier – Klavier war okay. Ihre Aura multiplizierte Chopin. Oder umgekehrt. Mathematik, huh.

Bea:

Meine Mutter hat gesagt, ich hätte Pianohände. Lang, schmal, zum Verlieren. Leider haben meine Finger lieber geraucht als gespielt.

Albert:

Mein Vater hat immer gesagt, wer Klavier spielt, kann nicht lügen.

Bea:

Ich hatte einen Lehrer, der roch nach Bienenwachs und Druckerschwärze. Er hat nie gelächelt, nur manchmal mit der rechten Hand dirigiert, während die linke stumm auf der Tastatur ruhte. Als wäre das Leben ein Stück, das man nur halb spielt.

Albert:

Ich mochte die Pedale. Dieses Gefühl, als könne man damit etwas verlängern, was eigentlich schon vorbei ist. Ein Ton. Ein Moment. Eine Berührung.

Bea:

Oder etwas dämpfen, das zu laut war. Zu nah.

Albert:

Wenn Beziehungen Instrumente wären, wäre das Klavier das Unbarmherzigste. Du kannst dich nicht verstecken. Jeder falsche Ton ist öffentlich.

Bea:

Und trotzdem kehrt man immer wieder zu ihm zurück. Vielleicht, weil es das Einzige ist, das auch im Verstummen noch klingt.

Albert:

Wie eine Erinnerung mit Elfenbein-Tasten.

Bea:

Er wurde am Kopf von zwei Kokosnüssen getroffen! Pass auf vor fallenden Kokosnüssen. Ich könnte den Himmel mit Kokosnüssen regnen lassen, mit punktgenauer Genauigkeit.

Albert:

Du magst keine Kokosnüsse? Weißt du denn nicht, wo Kokosnüsse herkommen? Aus Tahiti, von den Fidschi-Inseln, aus dem Korallenmeer! Dort war es großartig. Wir hatten diesen riesigen Kokoskuchen. Riesiger Kokoskuchen mit Schichten, und dazu eine sehr reiche Schokoladensoße. Besonders die Kokosnuss saugt viel auf. Ich habe einen ganzen Haufen schöner Kokosnüsse! Da stehen sie in einer Reihe. Kleine, große, manche so groß wie dein Kopf! Niemand weiß, welche Schwierigkeiten ich hatte. / Niemand kennt mein Leid. / Die Welt ist doch klein. / Ich habe einen schönen Haufen Kokosnüsse. / Dee-dee-dee-dee, / Da stehen sie in einer Reihe. Meine Großmutter hatte eine Insel. Nichts Besonderes. Man konnte sie in einer Stunde umrunden, aber dennoch war sie für uns ein Paradies. Eines Sommers besuchten wir sie und stellten fest, dass der Ort von Ratten befallen war! Sie waren mit einem Fischerboot gekommen und hatten sich an Kokosnüssen gütlich getan. Wie bekommt man Ratten von einer Insel? Hmm? Meine Großmutter zeigte es mir. Wir haben ein Ölfass vergraben und den Deckel mit Scharnieren versehen. Dann haben wir Kokosnüsse als Köder an den Deckel gebunden, und die Ratten kamen, um die Kokosnüsse zu holen, und ... sie fielen in das Fass. Nach einem Monat hatte man alle Ratten gefangen, aber was macht man dann? Das Fass ins Meer werfen? Verbrennen? Nein. Man lässt es einfach stehen, und sie werden hungrig. Und eine nach der anderen ... fangen sie an, sich gegenseitig zu fressen, bis nur noch zwei übrig sind. Die beiden Überlebenden. Und was dann? Tötet man sie? Nein. Man nimmt sie und lässt sie in den Bäumen frei, aber jetzt fressen sie keine Kokosnüsse mehr. Jetzt fressen sie nur noch Ratten. Man hat ihre Natur verändert. Die beiden Überlebenden. Das hat sie aus uns gemacht. Die beiden grundlegenden Dinge, die man zum Leben braucht, sind Sonnenschein und Kokosmilch. Wusstest du das? Das ist eine Tatsache. In Florida gibt es unglaublich viele Kokospalmen. Ich glaube sogar, dass es sie dort sogar an den Tankstellen gibt.

Bea:

Du benutzt Kokosnüsse! Du hast zwei leere Kokosnusshälften und schlägst sie gegeneinander. Woher hast du die Kokosnüsse? Hast du sie gefunden? In Mercia? Kokosnüsse kommen aus den Tropen! Willst du damit sagen, dass Kokosnüsse wandern? Was? Eine Schwalbe, die eine Kokosnuss trägt? Es geht nicht darum, wo sie sie festhält! Es ist eine einfache Frage des Gewichtsverhältnisses! Ein 150 Gramm schwerer Vogel könnte keine 500 Gramm schwere Kokosnuss tragen. Ich mag Kokosnuss nicht. Nicht den Geschmack, sondern die Konsistenz. Die Luft hier schmeckt nach Kokosnuss ... und nach Metall! Und doch: Nachher, beim Duschen, wasche ich mich mit Kokosnuss-Öl ab.

Albert:

Ich dachte, wir sind ein richtig scharfes Paar Kokosnüsse – was meinst du? Wusstet Du, dass Schokolade eine Eigenschaft hat, die die Ausschüttung von Endorphinen anregt? Das gibt einem das Gefühl, verliebt zu sein. Ich habe eine Vision von dir und mir, wie wir an einem Strand in Rockapulco mit Kokosnussöl übergossen sind und das Vermögen eines Bösewichts uns Gesellschaft leistet.

Bea:

Es hieß, wenn ich auf einer einsamen Insel wäre, müsste ich mich an meine eigene Gesellschaft gewöhnen – nur ich und die Kokosnüsse. Es hieß, wir könnten uns unsere Fehler nicht aussuchen. Sie sind Teil von uns und wir müssen mit ihnen leben. Wir können uns jedoch unsere Freunde aussuchen, und ich bin froh, dass ich mich für dich entschieden habe.

Albert:

Ich habe mal versucht, ein Klavierstück so langsam zu spielen, dass jeder Ton nach Gefahr klang. Als würde was im Wasser lauern.

Bea:

Du meinst so einen Laut, der dich erst umschmeichelt – und dann zuschnappt?

Albert:

Eher wie ein Maul, das nie ganz zu ist. Alligatoren warten nicht, sie verharren.

Bea:

Vielleicht, weil sie wissen, dass alles andere sich bewegt. Wer still bleibt, wird unsichtbar. Oder heilig.

Albert:

Oder einfach schwer zu vergessen. So wie ein Lederkoffer, der mal gelebt hat. Eine Geschichte, die mit Zähnen endet. Und keiner weiß, wessen. Ein kehliges Gurgeln. Wie von einem Tier, das noch nicht entschieden hat, ob es dich für Bedrohung oder Dessert hält.

Bea:

Stell dir vor, du wärst einer. Mit diesen Augen, die aus dem Wasser ragen wie zwei Fragen ohne Antwort.

Albert:

Aber mit Schuhgröße 42 und Lederhaut?

Bea:

Na klar. Eine aprikosenschimmernde Alligatorin mit Pediküre und Hunger auf drahtiges Fleisch.

Albert:

Meine Mutter hat früher gesagt, Alligatoren seien nur wütend, weil sie so viele Zähne haben und keinen Zahnarzt. Ich dachte immer, das sei ein Bild für Erwachsene mit überteuerten Zahnpasten.

Bea:

Oder für Leute, die alles zerbeißen müssen, was sie nicht verdauen können.

Albert:

Früher war Mode, kleine Alligatoren als Haustiere zu halten. Bis sie zu groß wurden. Dann hat man sie ins Klo gesteckt – wie ein schlechtes Gewissen, mit Spülung.

Bea:

Und jetzt leben sie in der Kanalisation, blind, bissig und voller Erinnerungen. Die Stadt unter der Stadt. Gefüttert von allem, was wir loswerden wollen. Eine Erinnerung mit Zähnen. Und schlechtem Atem.

Albert:

Die Japaner haben schon eine sehr eigene Art, die Welt zu sehen, oder? Da gibt es dieses Bild von Japan, das sich mit dem Wort „Ehre“ verbindet. Ich habe gehört, sie glauben, dass Japan von einem Schwert erschaffen wurde. Ein Schwert, das aus dem Ozean gezogen wurde.

Bea:

Japan und das Schwert. Das passt irgendwie zusammen. Die alten Götter tauchten das Schwert in den Ozean, und daraus entstanden die Inseln. Aber es gab auch eine andere Geschichte, die mir durch den Kopf geht: Japan soll aus mutigen Männern gemacht worden sein. Männer, die bereit waren, ihr Leben für etwas Höheres zu geben – für Ehre. Ehre scheint eine große Rolle zu spielen. Aber in Japan ist es nicht nur das. Der Landstrich ist anders, und die Menschen? Sie tun so viel, um sich zu beweisen. Man sagt, die Japaner sind so leidenschaftlich in allem, was sie tun.

Albert:

Ich habe es auch schon gehört. Wenn du an Japan denkst, dann denkst du an etwas, das stark und klar ist. Und wenn du etwas anderes brauchst, bekommst du es auch. Das ist fast das Gegenteil von der westlichen Welt, oder?

Bea:

Vielleicht liegt es daran, dass man immer mit diesem Bild von „Japanisch“ lebt. Es gibt sogar ein Sprichwort: „Der Nagel, der herausragt, wird eingeschlagen.“ Das erinnert mich an ihre Art, alles zu ordnen, in festen Bahnen.

Albert:

Und dann dieser Gedanke, dass alles in Japan irgendwie mystisch ist, dass diese Inseln mehr von der Seele der Menschheit erzählen als nur das Land selbst. Sogar die Geishas und ihre Geschichte... Eine lange, verschwommene Geschichte voller Geheimnisse.

Bea:

Es ist der Kontrast, der Japan so besonders macht. Manchmal wirkt es so, als wäre das Land der Inbegriff der Nicht-Existenz, nicht amerikanisch, nicht englisch, einfach nur Japan.

Albert:

Du meinst, die Japaner selbst nehmen ihre Geschichte nicht nur als Geschichte, sondern als Legende. Und die Geishas sind ein Teil dieser Legende, ein Rätsel.

Bea:

Und dann gibt es da noch die Samurai, die mit ihrem Ehrenkodex lebten. Wenn sie ihren Meister verloren, wurden sie zu Ronin, das war die größte Schande. Japan hat auch seine weichen Seiten – und seine ganz eigene Art von Humor. Humor ist wichtig, gerade in Japan. Sie haben wunderbare Vorstellungen von Humor und von Schönheit. Und trotzdem – da ist eine Note von Traurigkeit in der japanischen Kultur, die man nie ganz wegwischen kann.

Albert:

Traurigkeit? Aber nicht, wie wir sie erleben. In Japan ist Traurigkeit nicht einfach nur ein Gefühl, sondern eine ganze Art zu leben. Man lebt mit ihr, aber auch im Bewusstsein, dass man sie nie völlig besiegen kann. Aber gut, man lässt sich nicht unterkriegen.

Bea:

Was ist los? Warum bist du so blass wie ein Lakritzstab. Nachdem wir über Japan gesprochen haben, muss ich sagen, ich könnte jetzt wirklich ein Lakritzstück vertragen. Gönn Dir ruhig auch einen Lakritz-Snack. Aber Vorsicht, sie sind ein bisschen scharf.

Albert:

Ich weiß nicht, ob du es glaubst, aber mein Urgroßvater war Niederländer. Ich bin also mit Salzlakritz und Sinterklaus aufgewachsen. Er roch nach Lakritz und alten Büchern, dachte ich, während Tränen von meinen Augen rollten, die Farbe von schlammigen Pfützen. Er ließ mich oft Lakritz kaufen; ich behielt das Wechselgeld. Manchmal hat er mir fiese Rätsel aufgegeben; so habe ich sogar 105 schwarze Lakritz-Jellybeans durch einen Strohhalm gegessen, und erst beim 106. nannte er mir die richtige Lösung.

Bea:

Wie findest du kleine Himbeer-Drachenflieger? Mit Lakritz statt Schnur! Oder Süßgebäck à la Gusteau, in einer Algen-Salzkruste, Hagebuttenpüree, Ei, getrocknetem Weißpilz? Uh, ich kenne das Rezept nicht, aber es ist köstlich, also... oder du kochst eine Schachtel Tapioka, rührst etwas Lakritz für die Farbe ein und fügst dann Sardinenöl für den Fischgeschmack hinzu. Wenn es etwas gibt, wofür ich schwach bin, dann ist es Lakritz; und 123 andere Dinge. Dabei kann es einen zahnärztlichen Notfall verursachen. Lakritz hat Spitze wie Gummibonbons!

Albert:

Ich hatte mal Lakritz in deiner Unterwäsche-Schublade gefunden.

Albert:

Ja, ich fand Lakritz, getarnt als Mikado-Stäbchen, unter Deinem Bett.

Bea:

Etwas, das ich noch nie jemandem erzählt habe: Nun, manchmal, wenn ich mit einem Mann zusammen bin, wünsche ich mir, dass er mich mit roten Lakritzschnüren fesselt, mich dann versohlt, die Schnüre isst, mich befreit und wir dann Liebe machen, während eine ausgesuchte Philharmonie einen Rachmaninow spielt.

Albert:

Wie bezahlst Du die Musiker?

Bea:

Bei null Anzahlung konnte ich eine einzelne Packung Trauben-Lakritz bei einer Zwangsversteigerung kaufen und sie an Freunde verkaufen. Über 1000 % Gewinn über Nacht.

Albert:

Ach, eine meiner liebsten Erinnerungen ist, an Weihnachten Videospiele zu spielen. Sonic der Igel, aus Zuckerguss gemacht, Schuhe aus heißer Zimt. Die roten Spuren sind rote Lakritz. Im Hinterkopf die Hoffnung, jene Süßigkeiten zu bekommen, die ich am liebsten mochte: Erdnüsse, Lakritz und Nougat.

Bea:

Das Weihnachtsfest erinnert mich immer an meine Kindheit. Ich habe jedes Jahr einen Schneemann gebaut. Karotte für die Nase. Kekse für die Augen. Lakritz für das Lächeln. Weißt du, wenn du dir das nächste Mal ein Stück Rohr quer irgendwo festklemmst, ruf einen Klempner.

Albert:

Ach, verdammt! Du bist genau wie dein Alter! Einmal die Tochter eines Klempners, immer die Tochter eines Klempners! Es steckt ja kein Funken Verstand in der ganzen Familie!

Bea:

Was soll ich sagen? Ich mag sie billig. Schlampig auch – kahle Stelle, Bierbauch, und diese Hosen, die hinten runterrutschen, sodass man diesen perfekten Klempnerblick bekommt. Das treibt mich durch die Decke.

Albert:

Manchmal wünschte ich, ich hätte einen Metzger oder einen Klempner geheiratet.

Bea:

Deine Mutter hat betrogen. Deshalb siehst du aus wie ein Klempner.

Albert:

Du kapierst es nicht, Finch? Du bist mein Job. Für dich werde ich bezahlt. Du bist mir ungefähr so rätselhaft wie eine verstopfte Toilette einem verdammten Klempner. Gründe für das, was du getan hast? Wen interessiert das?

Bea:

Control, falls du zuhörst – und das tust du wahrscheinlich, weil du so creepy bist – kann ich kurz über die Mikromanagement-Scheiße reden? Wir sind keine blutgefüllten Fleischpuppen. Ich komme aus einer langen Linie von Klempnern, die eine Dusche reparieren können, aber ich nicht. Hugh duscht sowieso nicht – er ist Brite. Das ist nicht kritisch gemeint, ihr seid einfach ein sehr untergebadetes Volk, das weiß jeder.

Albert:

Kartograf, Linguist, Klempner. Kaum zu glauben, dass er immer noch Single ist.

Bea:

Und wer sollst du sein, der Disco-Klempner?

Albert:

Es ist nicht meine Schuld. Es ist schon schwer genug, einen Klempner zu finden, der zu deinem Haus kommt, und das steht wenigstens still. Versuch mal, einen Klempner zu kriegen, der zu einem Bus kommt, der durchs Land fährt. Unmöglich.

Bea:

Es ist alles Vorausdenken, Vorausdenken. Ja, es ist wie bei einem Klempner: Mach deinen Job richtig, und niemand bemerkt es. Aber wenn du’s versaust, ist alles voller Scheiße. Ich sag dir: Wenn das Geschäft eines Klempners in die Toilette geht, sitzt du bequem.

Albert:

Du bist ein netter Typ! Du würdest dich wundern, wie viele Kunden mich wie Dreck behandeln, als wäre ich ein verdammter Klempner oder so.

Bea:

Ich lass einen Klempner kommen, um die Dusche zu reparieren, und mein Enkel macht dir einen frischen Anstrich. Der Erste des Monats – klingt das gut?

Albert:

Komm schon, ich weiß, was Dad hinter meinem Rücken sagt. Dass ich der größte Versager bin. Und das von einem Klempner! Von einem Mann, der jeden Tag einen limonengrünen Overall trägt!

Bea:

Was glaubst du, warum er hier ist? Denkst du, er ist ein Beobachter? Er ist ein Auftragskiller! Erika Sloanes Nummer-eins-Klempner. Wenn du abtrünnig wirst, hat er die Erlaubnis, dich zu jagen und umzubringen.

Albert:

Wie sind wir überhaupt im Sexualverbrecher-Geschäft gelandet? Mein Bruder, ein Klempner, verdient doppelt so viel wie ich und kriegt drei Wochen Urlaub.

Bea:

Ein Bauprojekt von solcher Größe hätte viel mehr Arbeitskraft gebraucht, als die imperiale Armee hatte. Da haben sicher unabhängige Auftragnehmer daran gearbeitet: Klempner, Aluminiumschaler, Dachdecker.

Albert:

Da kommen die örtlichen pubertären Proleten. Die zukünftigen Klempner, Ladenangestellten und wahrscheinlich der eine oder andere Terrorist. Früher haben wir Zigaretten und Wichshefte konfisziert. Jetzt sind es Messer und Crack. Und das nennen sie Fortschritt.

Bea:

Nur noch eine letzte Sache. Menschen wie du, mit echtem Talent – ihr schätzt es nicht, weil es euch zufliegt. Wir schätzen nie das, was uns leichtfällt. Aber ich schätze dieses Album mehr als fast alles, was ich je gehört habe. Nicht weil es perfekt ist, sondern wegen dem, was es für mich bedeutet. Mir ist scheißegal, was es dir bedeutet. Kunst ist nicht für den Künstler – genauso wenig wie Wasser für den verdammten Klempner. Aber danke. Ich habe es wirklich, wirklich genossen.

Albert:

Ein Typ namens Steve Rubell hatte einen Traum: die beste verdammte Party der Welt zu schmeißen und sie für immer andauern zu lassen. Er baute eine Welt, in der Fantasie als Realität galt und in der eine 80-jährige Disco-Queen bis zum Morgengrauen tanzen konnte. Wo Models mit Mechanikern mingelten, Klempner mit Prinzen tanzten. Ein Ort ohne Etiketten. Ein Ort ohne Regeln.

Bea:

Es gibt Stücke, bei denen ich schon beim ersten Takt weiß: Das endet in Tränen. Oder wahlweise in Tangas.

Albert:

Also ist das die logische Weiterentwicklung vom traurigen Klavier zum traurigen Höschen?

Bea:

Oder zur Reizwäsche des Erinnerns. Ich sag nur: roter Tanga auf schwarzem Flügel – das ist kein Stillleben, das ist ein Beziehungsprotokoll.

Albert:

Klingt wie: Sonate für verlassenes Unterhöschen in Moll.

Bea:

Mit einer Kadenz aus Schuldgefühlen, Sehnsucht und Kunstlicht.

Albert:

Ich habe mal versucht, jemandem in einem Tanga ein Ständchen auf dem Keyboard zu bringen. Sie hat gelacht. Das war nicht Teil der Komposition.

Bea:

Vielleicht war es einfach ein schiefes Duett: Du auf C-Dur, sie auf C-String.

Albert:

Oder ich war einfach der Typ, der glaubt, ein erotischer Reiz sei kompatibel mit Plastiktasten und Polyester.

Bea:

Willkommen im 21. Jahrhundert. Emotionen in Einwegverpackung. Tangas, die mehr Haltung zeigen als Beziehungen.

Albert:

Ein kleiner Stoffdreieck und ein bisschen Bass – und plötzlich wird’s romantisch.

Bea:

Oder lächerlich. Je nach Perspektive.

Albert:

Sag mal... gab’s bei euch früher eigentlich eine Tanga-Schublade?

Bea:

Nein, aber es gab ein „Für schlechte Dates“-Fach. Da lagen Tangas, Schokolade und ein Notizbuch mit dem Titel „Er war’s nicht“. Ich will überhaupt keinen Elefanten. Ich will einen Gorilla namens Davy, der die Skateboards von selbst fahren lässt. Und er kann seine Befehle von einer sprechenden Walnuss entgegennehmen, damit er nicht als böse sieht.

Albert:

Dir fehlt die Zeit, um eine kleine Walnuss einzuwickeln.

Bea:

Geheimnis: Ich könnte mit meiner Vagina eine Walnuss zerquetschen. Ein Mann knackt Walnüsse mit seinem Arschloch.

Albert:

Nun, ein Mann kann die Walnüsse nicht essen, ohne ein paar Schalen zu knacken.

Bea:

Geheimnis 2: Ich heirate niemanden mit größeren Titten als ich.

Albert:

Der Typ sähe aus wie ein Kondom voller Walnüsse.

Bea:

Geheimnis 3: Ich esse den Wonka-Riegel und schmecke etwas, das keine Schokolade ist. Kein Kokos, keine Walnuss, keine Erdnussbutter, kein Nougat, kein Butter-Brittle, kein Karamell, keine Streusel. Also schaue ich nach – und finde das Goldene Ticket.

Albert:

Wir haben hier Blaubeere, Himbeere, Ginseng, Schlafenszeit, Grünen Tee, Grünen Tee mit Zitrone, Grünen Tee mit Zitrone und Honig, Leber-Desaster, Ingwer mit Honig, Ingwer ohne Honig, Vanillemandel, Weiße Trüffel, Blaubeer-Kamille, Vanille-Walnuss, Constant Comment und… Earl Grey. Exquisite Sandwich, solche mit Erdnussbutter, Mandelbutter, Walnussbutter, Pekannussbutter, Pistazienbutter… so ziemlich jede Nussbutter? Mit etwas Traubengelee? Ein Kuchen für den Prinzen. Mein Kochbuch! Apfel-Savarin, Erdnussbrittle, Rumgebäck, Brathähnchen-Delight, Schaschlik, königliche Windbeutel, Khvanchkara-Wein – nein. Aprikosenauflauf, Pflaumensoufflé… Erdbeer-Shortcake, Ananas-Charlotte. Nein. Ah… ein Liebeskuchen! Und dann zum Dessert deutscher Schokoladenkuchen mit zwei Kugeln Mokka-Walnuss-Eiscreme. Erdnüsse, Ananasgeruch, Trauben, Melonen, Orangen und Kokosnussschalen! Ahhh ja! Und Mandelscheiben statt Walnüsse. Ich erzähle dir was über Gras. Wenn du es nimmst, werden deine Geschmacksknospen so empfindlich, dass eine Grapefruit wie Kaviar schmeckt. Alles – fühlen, lieben, sehen, verstehen – wird vergrößert, sodass du das Universum wie eine Walnuss aufspalten und seine Geheimnisse erkennen könntest.

Bea:

Geheimnis 4 - folgende Szene aus dem Büro: An den Schließfächern hängt ein Zettel: „Mitarbeiter: Mir ist egal, wer es tut, aber bitte hört auf, die Kammer für kontrollierte Detonation zu benutzen, um Walnüsse zu knacken. Danke.“

Albert:

Überraschend, wie sehr die Windungen einer Walnuss denen des menschlichen Gehirns ähneln. Und all dieses Gerede über Pferde! Die Intelligenz? Ein Pferd hat ein Gehirn ungefähr in Walnussgröße. Einst wurde ein Großteil der Welt von Reptilien beherrscht. Ein Kometeneinschlag vor rund 65 Millionen Jahren verursachte ein Massenaussterben. Die meisten Reptilien starben aus. Säugetiere wurden dominant. Doch die Reptilien hätten die Oberhand behalten können, wenn nicht ein kleiner Nachteil gewesen wäre: Gehirne in Walnussgröße.

Bea:

Geheimnis 5: Meine berühmte Walnuss-Feigen-Teig-Überraschung gilt in Kennerkreisen als Gehirnnahrung.

Albert:

Ich liebe, wie sich deine Nase kräuselt, wenn du lächelst. Hässlich? Sind sie nicht. Ich liebe deine Sommersprossen. Lieblingsessen? Mit oder ohne Walnüsse? Ich wusste es! Ich wusste es! Was ist das Traurigste, was dir je passiert ist?

Bea:

Nach einer Hundeschau war ich schneller auf einem El-Al-Flug nach Haifa, als eine Walnuss vom Dach eines Hühnerstalls rollen kann.

Albert:

Meine Mutter hat früher Tangas grundsätzlich „Charakterlücke mit Gummizug“ genannt. Sie meinte, Unterwäsche solle wenigstens so tun, als hätte sie was zu verbergen. Und dann kam dieser Moment: Ich stehe im Badezimmer, halte dieses millimeterbreite Stück Textil in der Hand und denke: Das ist kein Kleidungsstück. Ein Schwan wäre rot geworden.

Bea:

Meine hat gesagt, ein Schwan habe nur deshalb einen langen Hals, weil er sich so oft selbst korrigieren muss. Eleganz sei nichts als die disziplinierte Nachbearbeitung von Peinlichkeit. Ich fand das tröstlich. Ich war neun und habe gerade zum ersten Mal ein Halstuch getragen wie ein Model. Nur falsch herum.

Albert:

Schwäne sind ja diese Tiere, bei denen man nie weiß, ob sie schweben oder drohen.

Bea:

Ich mochte sie nie. Zu viel Pathos im Gefieder. Und dann diese Geschichte mit der Treue – als wäre Monogamie eine ästhetische Entscheidung. Als ob das Weiß des Partners verhindern könnte, dass man sich nach Schatten sehnt.

Albert:

Und dann dieser Satz: „Sie singen, wenn sie sterben.“ Vielleicht singen sie auch nur, weil man ihnen das Maul sonst nicht glaubt. Ich habe nie verstanden, wieso ein sterbender Schwan poetischer sein soll als ein lebender Gans.

Bea:

Vielleicht, weil er die Stille besser gefüllt hat. Ohne Gackern, ohne Werbung. Nur Haltung und Abstand. Als wäre Nähe ein Verhalten, kein Bedürfnis. Ich wollte mal so werden. Dann habe ich gemerkt: Schwäne haben keine Freunde. Nur Bewunderer.

Albert:

Ich war mal mit jemandem am See – wir standen da, und sie meinte: „Guck mal, wie die gleiten.“ Ich habe nur gesagt: „Guck mal, wie die rudern.“ Unter der Oberfläche tritt der Schwan wie jeder andere. Aber keiner will das sehen. Jeder will das Bild.

Bea:

Wie bei Beziehungen. Die Leute sehen die Stille am Ufer, aber nie das Gezappel unter Wasser. Vielleicht sollte man jedem Liebespaar eine Unterwasserkamera schenken – damit sie wissen, was sie sich antun.

Albert:

Ich würde sagen: ein Schwan ist kein Ideal. Er ist ein Symptom. Für das, was man Leuten zeigen will, wenn man nicht zeigen kann, wie man wirklich steht. Hast du je daran gedacht, einfach mal nach Argentinien zu gehen?

Bea:

Hm, Argentinien... Schon mal dort gewesen? Ich habe gehört, die Leute sind dort ziemlich freundlich.

Albert:

Die haben auch fantastische Rinder; und die Atmosphäre, die dort herrscht ... anders. Da ist dieser ultraviolette Vibe. Und natürlich das Essen – vor allem der Puchero. Eine andere Welt.

Bea:

Oh, ich verstehe, das klingt wirklich verlockend. Ich habe mal gehört, dass sie dort um sechs Uhr abends zu Abend essen. Manchmal ist es nicht einfach, sich an die Gewohnheiten eines anderen Landes zu gewöhnen.

Albert:

Ja, und dann gibt es noch diese komischen Dinge mit den Namen von Autos und Kennzeichen. Weißt du, da gibt es eine ganze Geschichte mit den Falklandinseln und sogar ein Auto, das wegen seiner Nummernschilder Aufmerksamkeit erregt hat.

Bea:

Ja, und ich habe gehört, dass das ganze Land irgendwie von einer bestimmten Person beeinflusst wurde, die in Argentinien fast zu einem Mythos wurde. Eva Perón. Ihre Geschichte ist weltweit bekannt. Es ist fast, als ob Argentinien seine eigene, große Geschichte mit all den Verlusten und dem Drama hat. Es ist irgendwie faszinierend, wie solche Geschichten das Land prägen. Aber es gibt auch andere Seiten. Zum Beispiel die Schilderungen von Leuten, die dort leben. Sie erzählen oft von der riesigen Kluft zwischen Reichtum und Armut.

Albert:

Ja, und das ist nicht mal nur die Oberfläche. Es gibt Geschichten über die Familie eines Mannes, die ein riesiges Anwesen dort haben. Und dann gibt es noch die komischen Erzählungen von einem anderen, der einen Riesenparkplatz mit einem kleinen Penis betritt.

Bea:

Also ein bisschen wie überall, oder? Diese Kontraste und Widersprüche ... etwas verbindet die Menschen dieses Landes miteinader.

Albert:

Vielleicht ihr einzigartiger Humor. Warum gibt es in Argentinien so viele Psychologen? Weil sogar der Peso eine Identitätskrise hat.

Bea:

Und das ist der Punkt, oder? All diese Geschichten von Argentinien, die von Humor, Leid, Geschichte und dem Drang, immer weiter zu gehen, durchzogen sind. Ich weiß noch, wie wir in Argentinien die Pferde auf den Pampas gesehen haben. Und nun stell dir vor: Ich habe so großen Appetit, ich könnte ein ganzes Zebra essen. Was würde ich jetzt nicht für ein Pferd geben. Warum reiten die Leute eigentlich keine Zebras? Pferde treten, um zu entkommen. Zebras treten weiter, bis du tot bist. Wenn du Hufe hörst, denkst du an Pferde, nicht an Zebras.

Albert:

Das überrascht. So wie im letzten Monat, als Du splitternackt auf einem Zebra gesessen bist! Du hast mir gerade einen Zebra-Streifen in meine Unterwäsche gejagt. Hast du gesehen, was für Schurken es gibt? Mr. Freeze, Penguin, Crazy Quilt, Eraser, Polka-Dot Man, Mime, Tarantula, King Tut, Orca, Killer Moth, March Harriet, Zodiac Master, Gentlemen Ghost, Clock King, Calendar Man, Kite Man, Catman, Zebra-Man und der Condiment King! Alles echt.

Bea:

Es ist wie bei einem Löwen. Er bleibt nah bei den Zebras. Träumt der Tiger davon, Zebras zu zerreißen, oder von Halle Berry in ihrem Catwoman-Anzug?

Albert:

Und wie sollen ein Zebra, ein Nilpferd, ein Löwe und eine Giraffe ins Casino in Monte Carlo gehen? Du siehst heiß aus! Das Kleid lässt dich wie ein Zebra aussehen. Ich könnte Tarzan sein. Wir könnten im Dschungel spielen. Wusstest du, dass es eine bestimmte Schildkrötenart gibt, die drei Tage lang pausenlos bumst? Ich habe die Zebras beobachtet, sie nehmen nur 30 Sekunden! Frühzeitige Ejakulation!

Bea:

Was ist schwarz, weiß und rot überall? Ein Zebra-Hintern. Man hört nie jemanden sagen, da geht ein Zebra mit kleinem Hintern.

Albert:

Die Vögel sagen Hallo zum Zebra. Eigentlich nicht, sie weiden es aus. Wie viele Zehen hat ein Zebra, wenn überhaupt? Kennst Du jenes Maultier, das sich weigerte, wie ein Zebra bemalt zu werden. Hast Du diese Tierchen früher Zick-Zack-Pferd genannt?

Bea:

Ja, und glaubte, man bekommt umso Streifen, je mehr Sterne am Himmel zu sehen sind. Bevorzugt bei Regen gingen wir in den Zoo, und auf dem Weg dorthin hörte ich diese Strophe: Ein Regenschirm eins, zwei Regenschirm zwei. Lasst uns in den Zoo gehen. Dort siehst du ein blaues Pferd mit einem weißen Schuh, ein Zebra und seine Streifen, die Dudelsack spielen. Vom Zebra komm ich nicht weg, aber du wirst lachen: Neuer Postbote. Smeerensburg. Eine Insel, umgeben von Wasser, und er sagt, ich soll anfangen, die Punkte zu verbinden.

Albert:

Ich war Postbote. Offenbar darf ein Hund mich beißen, aber ich darf den Hund nicht beißen.

Bea:

Der alte Kapitän unten im Foyer meinte eben, außer dem Verlust des Verstandes gäbe es für ihn nichts mehr zu tun, außer zu schnitzen und zu pfeifen und auf den Postboten mit der Pensionszahlung zu warten.

Albert:

Siehst du? Der Postbote und dieser alte Spielzeugmacher – sie würden alle einer Gehirnwäsche bezichtigen.

Bea:

Ich gehe jetzt runter und hole diesen Brief vom Postboten. Ob du mich erschrecken willst oder nicht.

Albert:

Einmal hat ein Blitz in der Schweiz einen Postboten getroffen. Er hat überlebt, aber war danach aufgeladen wie eine Batterie.

Bea:

Und hast du von dem neuen Arbeitstauschprogramm gehört? Der Postbote soll heute Abend durch meinen Kamin kommen.

Albert:

Netter Klatsch? Nein. Wir haben Strip-Poker mit dem Postboten gespielt.

Bea:

Von meinem zukünftigen Ich? Zeitreisepostbote? Nur ein Scherz. Aber ernsthaft: Das ist wohl das seltsamste Rätsel bisher.

Albert:

Der Schnee lag überall, sogar auf dem Postboten, der das Tor öffnete – wie ein stummer, benommener Weihnachtskarten-Donner.

Bea:

Da war niemand sonst. Der Postbote hat geklopft, als er das ganze Geschrei hörte.

Albert:

Er ist jeden Tag diese Woche zu Nummer Fünfunddreißig gegangen. Er muss heute etwas für uns dabeihaben.

Bea:

Tja, Sex mit einem Fremden ist keine Lösung. Pack die Kinder ein, sperr den Hund in den Keller und lass den Postboten zweimal klingeln.

Albert:

Ich gebe dem Postboten jedes Jahr zu Weihnachten zwei Euro.

Bea:

Was ist jetzt schon wieder? Hat der Postbote die Briefe nicht ganz durch den Schlitz gedrückt?

Albert:

Ich gab dem Postboten einen Brief, er steckte ihn in seinen Sack. Am nächsten Morgen brachte er ihn zurück.

Bea:

Wenn ich noch eine Postboten-Theorie höre, explodiert mir der Kopf.

Albert:

Da lief ein schwarzer Postbote am Fenster vorbei. Sie sind jetzt überall: schwarze Schaffner, schwarze Krankenschwestern.

Bea:

Im Lokalteil steht: Der Pfosten an der Ecke sagt, man darf nichts dranhängen. Der Postbote landete im Knast, weil er die Post in den Hafen geworfen hat – die Leute sollten sie sich einfach rausholen.

Albert:

Ich verstehe die Faszination. Als er fünf war, habe ich ihn ins Kino gebracht: Der Postbote klingelt immer zweimal.

Bea:

Wie ist das, Arschloch? Du kennst jeden – vom Postboten bis zum Präsidenten – aber keiner rührt dich an, wenn das rauskommt.

Albert:

Tausende schlafen noch und hoffen auf Briefe. Niemand hört den Postboten klopfen, ohne dass das Herz schneller schlägt. Wer will schon vergessen sein?

Bea:

Trifft es gut, ja. Wäre er Postbote gewesen, hättest du den Kuchen in Form eines Briefumschlags gebacken.

Albert:

In Oklahoma gibt’s jedes Jahr den Wettbewerb für den sexiesten Apollo des US-Postdienstes. Möchten die Damen, dass der Postbote ihre Glocke läutet?

Bea:

Wir wissen vieles nicht voneinander. Wusstest du, dass der Postbote in Hazlehurst, Mississippi, auf die Straße spuckte, wenn er mich sah?

Albert:

Weißt du, was der Unterschied zwischen einem Tanga und einer Kastanie ist?

Bea:

Weniger als man denkt – beides ist hübsch verpackt, schwer zu knacken und hinterlässt manchmal Druckstellen.

Albert:

Ich dachte eher: Der Tanga wird im Sommer getragen, die Kastanie gesammelt, wenn’s vorbei ist.

Bea:

Ach, du meinst, sie sind beide Erinnerungsstücke? Stofffetzen mit Jahreszeit?

Albert:

Oder Schutzbehauptungen. Die Kastanie tut so, als wäre sie nahrhaft, der Tanga als wäre er nah-haft.

Bea:

Dabei sind beide ziemlich sinnlich. Und unpraktisch.

Albert:

Meine Großmutter hatte immer eine in der Manteltasche. Die Kastanie, nicht den Tanga. Gegen Rheuma, hat sie gesagt. Oder gegen das Alleinsein.

Bea:

Ich hatte mal einen Typen, der mir eine Kastanie mitgebracht hat. Aus Paris. Angeblich vom Montmartre. War wahrscheinlich vom Parkplatz vorm Baumarkt.

Albert:

Aber hast du sie behalten?

Bea:

Natürlich. Weil sie so schön warm wurde, wenn ich sie in der Hand gehalten hab. Wie ein Miniaturherz ohne Schlag.

Albert:

Ich habe sie immer „Hosentaschenplaneten“ genannt. Klein, glatt, träge. Und immer auf dem Sprung, verloren zu gehen.

Bea:

Wie Männer nach dem Sex.

Albert:

Oder Erinnerungen nach dem Winter. Weißt du, was sie in Holland auf Pommes tun statt Ketchup? Mayonnaise. Ich hab’s gesehen, Mann. Die ertränken die Dinger in dem Zeug.

Bea:

Es ist wie Ketchup und Erdnussbutter... wirklich schlecht. Ich führte als Mädchen ein friedliches, ereignisloses Leben. Ich liebte Pommes mit Ketchup, Kartoffelmann liebte Ketchupmann, Bruce Lee war mein Held, hätte einer Frau in weißen Handschuhen ein Ketchup-Popsicle verkaufen können, ich trug Adidas-Sneaker und hatte zwei Obsessionen: mir eines Tages die Beine zu rasieren und der letzte Prophet der Galaxie zu sein. Ich war außerordentlich im Rubix-Cuben, rutschte dann mehr und mehr in der Rangliste ab, ins Erwachsenenleben eintretend. Weil das Leben passiert. Du musst Miete zahlen, einen Partner finden, Ketchup kaufen. Es gibt all diese Dinge, die du regeln musst. Du kannst einfach nicht so viel cuben.

Albert:

Und wer wüsste nicht, dass das einzige Würzmittel, das du je auf einen Hamburger tun sollst, Ketchup ist! Oder vielleicht diese Spezialsoße, die man in Kanada so gern mag, die, glaube ich, auch ein bisschen Mayonnaise enthält! Aber wenn angefangen wird, diese

Mayonnaise draufzuschmieren, könnte ich das kalte Kotzen kriegn. Hast du diese Leute gesehen, die die Würzmittel auftürmen? Ketchup, Relish, Kraut, Zwiebeln, Chili. Es bricht mir das Herz, einen perfekten Wiener zu entweihen, wenn er einfach und elegant mit gelbem Senf ergänzt werden kann. Die einzigen Leute, die Ketchup auf Hotdogs tun, haben gerade die falschen Möbel gekauft, ohne es zu wissen. Man schüttelt und schüttelt die Ketchupflasche, es kommt nichts, und dann kommt eine Menge. Eines Tages bist du Dr. Amazing, am nächsten isst du Ketchup direkt aus der Flasche!

Bea:

Ein guter Cheeseburger sei belegt mit Fleisch, Käse, rohen Zwiebeln, Essiggurken, Ketchup. Das ist die ganze Geschichte.

Albert:

Jeder McDonald’s-Burger hat zwei Essiggurken, eine Prise Zwiebeln und einen präzisen Schuss Ketchup und Senf. Austern sind ein Vehikel für Cracker und Ketchup. Und nichts hebt den Geschmack eines Steaks so hervor wie etwas Ketchup, oder Rotwein.

Bea:

Du würdest Ketchup sogar auf einen Donut tun. Ich hatte einst mit Ketchup bedeckte Tampons in den Müll geworfen, um mir Sex zu ersparen. Den nahm ich von diesen kleinen Ketchup-Päckchen in der Kantine. Die Kastanie lag ewig in meinem Mantel; habe sie mehrmals mitgewaschen. Irgendwann war sie nur noch ein glänzender, runzliger Kern – wie etwas, das sich an nichts mehr erinnert. Und dann habe ich sie ins Wasser geworfen. Ganz langsam ist sie untergegangen. Hat geblubbert wie ein Delfin, der zu spät bemerkt hat, dass das Becken kein Ozean ist.

Albert:

Ich war mal in einem Delfinarium, als Kind. Die Show hat angefangen, da hieß es: „Und jetzt: Flipper!“ Und das Tier sprang, drehte sich, landete im Becken, alle klatschten. Und mein Vater sagte: „Das ist kein Delfin. Das ist ein Beweis.“ Ich habe ihn gefragt, wofür. Und er meinte: „Für alles, was wir erzwingen, obwohl es lächelt.“

Bea:

Die lächeln ja wirklich, diese Delfine. Selbst wenn sie krank sind oder taub vom Echolot. Man glaubt ihnen immer noch, dass sie freiwillig springen. Vielleicht ist das die größte Täuschung: ein Tier, das in jeder Bewegung aussieht, als hätte es Spaß an der Vorführung.

Albert:

Oder ein Mensch, der sich anpasst wie ein Flossentier. Oder jemand, der sagt: „Ich hör auf mein Bauchgefühl.“ Und dann arbeitet er weiter in einem Job, den er hasst, in einer Stadt, die ihn krank macht, in Schuhen, die drücken. Aber hey – er hat einen Delfin auf dem Autoaufkleber. Also geht's ihm wohl gut.

Bea:

Vielleicht sind Delfine nur das Marketing unter den Säugetieren. Alles an ihnen ist Symbol. Intelligenz, Eleganz, Teamgeist. Und keiner fragt, wie viel davon dressiert ist. Nur weil sie nicht beißen, sind sie noch lange keine Freunde.

Albert:

Vielleicht sind Delfine auch nur die besseren Lügner. Die Meeresversion unbedeutender Komplimente. Alle sagen: „So klug, so verspielt!“ – und keiner fragt, wie oft sie im Kreis geschwommen sind, nur weil man es von ihnen erwartet hat. Ein Delfin hat mal einem Kumpel von mir den Arm angeknabbert. In einem Freizeitpark, bei der Fütterung. Der Trainer meinte: „Das war nur ein Liebesbiss.“ Ich dachte: Wenn das Liebe ist, sollte man sehr vorsichtig sein mit dem, was man ins Wasser hält.

Bea:

Ich hatte mal diesen Satz im Kopf: „Delfine schlafen mit einem offenen Auge.“ Das hat mir gefallen. Wie ein System, das nie ganz abschaltet. Manche Menschen lieben so, halb wach, halb wachsam. Immer bereit, den Sprung zu machen – aber nie sicher, ob sie landen. Wenn man lange genug im Wasser ist, wird alles leichter. Und dann kommt dieser Moment, wo du nicht mehr weißt, ob du gerade treibst oder dich bewegst. Delfine wissen das. Und sie nutzen es; retten niemanden; sie zeigen nur, dass man auch kontrolliert untergehen kann. Ich habe gehört, dass man in Australien ziemlich gut mit den Kängurus zurechtkommt.

Albert:

Weißt du, das erste, was mir über Australien einfällt, ist die Frage: Was kann man dort essen? Es scheint, dass dort jeder die perfekte Känguru-Farm hat.

Bea:

Australien, das Land der Überraschungen. Einmal war ich dort und dachte, das Land sei wie ein anderes Universum. Im 18. Jahrhundert galt es als das Äquivalent des Mars.

Albert:

Ach, Australien, das Land von den 35 Millionen Kängurus und einem Haufen extrem gefährlicher Tiere; die zehn giftigsten Schlangenarten leben dort. Und doch: Hier finden Menschen Ruhe.

Bea:

Jeder weiß, dass Australien ein bisschen wie das wilde Land unten ist. Es ist ein Ort, der einen herausfordert, aber auch verführt. Das Leben dort scheint so ganz anders zu sein. Schlangen, Kängurus, und die Leute, die durch die extremen Bedingungen des Landes wachsen. Die physische Eroberung Australiens verlief schnell und oft dramatisch, aber die emotionale Eroberung dauerte und dauert Jahrhunderte.

Albert:

Ich mag die Vorstellung, dass Australien noch immer wie das Unbekannte ist, wie ein Land, das immer noch erobert wird, obwohl es längst entdeckt wurde.

Bea:

Und dann gibt es diesen Witz über die Kängurus, die mit dir auf der Grillparty abhängen, während du dir die Sonne reinziehst.

Albert:

Ich habe gehört, dass Australien als Land der Wunder beschrieben wird. Aber gleichzeitig auch, in Teilen, als gefährlichste Region der Welt. Obwohl die Gefängnisse wohl fast so freundlich wie die Strände sind. Glaubst Du, dass Australien ohne Iren möglich gewesen wäre?

Bea:

Zumindest das heutige, dort gesprochene Englisch wäre ohne sie undenkbar, ja, unaussprechbar. Warst Du jemals dort?

Albert:

Ja, 1x, um meine Tante zu besuchen. Auch bei ihr verstehe ich bestenfalls die Hälfte.Weißt Du, was sie sagte, was der Unterschied zwischen Neuseeland und Australien ist? Ungefähr so wie zwischen Tolkien und Kängurus.

Bea:

Also, wenn man über Australien hinausdenkt, dann stell dir mal vor, man springt aus einem Flugzeug. Dafür braucht man Sauerstoff und Stabilisatoren. Im Vergleich zu Deinen sonstigen Eskapaden ist das ja fast simpel.

Albert:

Und diese Flugzeuge, von denen wir reden, sind nicht einfach nur Maschinen. Sie sind wunderschöne, verfluchte Träume, die auf den Himmel warten. Ich erinnere mich an diesen Flug über den Atlantik nach New York. Voller Mitarbeiter der Vereinten Nationen. Die Motoren wurden schwach, also mussten sie alles Überflüssige rauswerfen ... schließlich sprang jeder nach seinem Motto.

Bea:

Und diese Flugzeuge sind nicht Werkzeuge des Krieges. Sie sind nicht dafür da, Geld zu machen. Flugzeuge sind schöne Träume. Ingenieure verwandeln Träume in Realität. King Kong. Nicht die Flugzeuge. Es war die Schönheit, die das Biest tötete.

Albert:

Und wie war das mit der blauen, eisigen Substanz vom Himmel? Alle dachten, sie käme aus dem Weltall. War es nicht – es war gefrorener Urin aus einem Jet-Flugzeug. Wer die hohe Position im Weltraum kontrolliert, kontrolliert die Welt. Früher waren es Straßen, dann Schiffe, dann das Flugzeug. Und jetzt Raumstationen. Und doch entscheiden andere Themen. Stell Dir vor: Du winkst am Flughafen, er steigt ins Flugzeug, du siehst ihn nie wieder ... könntest Du damit leben? Kontrollieren können wir nichts. Nicht auf der Straße, nicht in einem Flugzeug, nicht in unserem eigenen Körper. Jener Pilot: Er fliegt wie ein Adler. Besser als ein Flugzeug. Er sieht aus wie ein Flugzeug ... ohne Flügel. Und den Platzwart ermahnte er mit: "Du weißt doch, du solltest nicht Titten an die Seite meiner Flugzeuge malen, und wenn, dann nicht schief."

Bea:

Ich dachte ja, im Flugzeug wäre es schon absurd genug – aber einmal hat mich der Türsteher eines Typen abserviert: Es tut mir leid, Miss, er wird nicht herunterkommen. Nie wieder.

Albert:

Türsteher haben viel Macht. Sie haben Tür-Macht.

Bea:

Siehst du die Parkservice-Leute da drüben? Alles Vampire. Genau wie der Türsteher… und die Hure an der Ecke.

Albert:

Ich habe dem Türsteher zwanzig Euro gegeben – zwanzig Dollar war das damals.

Bea:

Ich bleibe nur, wenn du mir versprichst, dass kein Türsteher oder Maître d’ jemals jemanden außer mich für sie hält.

Albert:

Die Reichen werden nicht reich und bleiben nicht reich, indem sie zu viel bezahlen, zu viel Trinkgeld geben oder sich an die Geburtstage der Türsteher erinnern.

Bea:

Das letzte Mal, als ich den Nachttürsteher sah, war er so zugedröhnt, dass ich ihm zeigen musste, wo die Tür ist.

Albert:

Ich bin reingekommen, weil ich dem Türsteher Trinkgeld gegeben habe. Fünfzig Euro damals.

Bea:

Sag mir nicht, mein Türsteher gehört zu deinen vielen Verehrern.

Albert:

Es gibt eine geheimnisvolle Dame, die mich im Stillen bewundert. Eine schöne Frau wollte in meine Wohnung und bot Charlie, dem Türsteher, einen Hundert-Franc-Schein.

Bea:

Dieser Laden ist so teuer, selbst der Türsteher nimmt Kreditkarten.

Albert:

Ich glaube nicht, dass der Türsteher völlig überzeugt war, dass ich ein Mann bin.

Bea:

Ich sag dir was: Wenn man in meiner Gegend so angezogen rumläuft wie du, sollte man besser ein Hoteltürsteher sein.

Albert:

Was die Leute berührt und an ein bestimmtes Hotel bindet, ist der Gruß des Türstehers. Nach dem Barometer seiner Vertrautheit bist du jemand – oder du bist es nicht.

Bea:

Wenn jetzt noch jemand sagt, es sei wie früher, springe ich aus dem Fenster. Erst der Türsteher. Dann der Laufbursche. Jetzt der Inspizient.

Albert:

Wenn das so wäre, müsste ich ihn entlassen. Der Dionysus Club kann keinen blinden Türsteher dulden.

Bea:

Ich habe den Laternenpfahl angetippt und ein Streichholz am Türsteher entzündet.

Albert:

Das Ding bei solchen Jobs… wie ein Türsteher in einer Stadt mit hohen Gebäuden: Man kümmert sich um die Leute, mischt sich nicht ein, soll aber trotzdem wissen, was los ist.

Bea:

Sag mal, ich bin Türsteher, keine Gouvernante!

Albert:

Ich bin heute Abend der Türsteher. Mutter schläft, die Dienstmädchen sind im Kino…

Bea:

Willst du mir sagen, du bist nur ein Türsteher?

Albert:

Es kostet mich 87,50, dich als Anstandsdame mitzunehmen – und Anstandsdamen stehen nicht auf Türsteher, klar?

Bea:

Weißt du, dieses kleine kostbare Gebäude von dir ist gar nicht so exklusiv, wie du denkst. Dein Türsteher hat mich einfach durchgewinkt.

Albert:

Oh-oh, ihr Türsteher schaut mich an. Oh Gott, da kommt sie. Ich hatte keinen Notfallplan, falls ich sie wirklich sehe…

Bea:

Jeder gute Türsteher braucht einen Dealer. Meiner seit zehn Jahren. Drogen, Frauen, alles Mögliche.

Albert:

Und dann die Zwillingsbrüder, die zusammen malen… Forest Black, der Türsteher, war Lehrer in Russland, sagt jetzt aber, sein Gehirn stirbt.

Bea:

Ihr lacht im Süden über die Frauen im Norden, die im Winter in fast nichts rausgehen. Aber das ist ein vollkommen gesunder Reflex des Winters: Sie sagt damit nur — lass mich in Ruhe! Außer du bist ein Taxifahrer oder ein Türsteher. Weißt du, was aus Kastanien wird, wenn man sie zu lange in der Jackentasche vergisst?

Albert:

Ich tippe auf: ein biologisches Experiment mit sentimentaler Tarnung.

Bea:

Oder Asche. Langsam, aber sicher. Alles, was zu lang mitgetragen wird, wird irgendwann staubig.

Albert:

Mein Vater hat mal eine Zigarette auf dem Herd ausgedrückt. War aus Versehen. Er hat nur gesagt: „Jetzt hat die Küche ein neues Gewürz: Marlboro-Rauch mit Plastikasche.“ Ich habe damals geschworen, nie zu rauchen. Und es dann heimlich doch getan. In einem Fahrradschuppen. In einem rosa Tanga.

Bea:

Ein Bild für die Ewigkeit.

Albert:

Wie dein Blick, wenn du an Vergänglichkeit denkst. Manchmal sieht’s so aus, als würdest du alles einäschern, bevor du’s geliebt hast.

Bea:

Ich hab mal jemanden geliebt, der sagte, wir seien wie Phönixe. Und ich hab gelacht, weil ich wusste, dass ich nie wieder aufstehen würde. Nicht aus diesen Aschen.

Albert:

Vielleicht ist das die Pointe: Dass man nicht aufersteht, sondern nur verbrennt – aber schön.

Bea:

Wie ein letztes Lied auf einem verstimmten Klavier. Nur hörbar für jemanden, der es kennt.

Albert:

Oder ein letzter Tanz im Flimmern. Wenn man weiß, dass morgen nichts mehr schmeckt. Nicht mal Kastanien. Nicht mal Küsse.

Bea:

Oh… das ist ja schön. Asche auf meinen Tomaten!

Albert:

Warum gibt es immer jemanden, der Eier und Tomaten zu einer Rede mitbringt?

Bea:

Unglaublich! Tomatensuppe, ich kann spüren, wie sie meine Kehle hinunterläuft!

Albert:

Drei Zwiebeln? Wie viele Dosen Tomaten hast du da reingetan?

Bea:

Es ist erstaunlich. Die einzige richtige Art, Tomaten zu schneiden, ist mit einem Brotmesser.

Albert:

Oh, 14 Sorten, und sie kriegen nicht einmal eine einfache Tomatensuppe hin.

Bea:

Ach komm. Ein bisschen Weißwein, geräucherte Muscheln, sonnengetrocknete Tomaten…

Albert:

Ich hätte gern ein schlichtes Omelett, keine Kartoffeln, dafür Tomaten. Oder nein: Pastrami auf Weißbrot mit Mayonnaise, Tomaten und Salat. Ich muss mein Alter akzeptieren und meine Oliven und Tomaten anbauen. Was für einen Boden sie hier haben! Nach zwei Tagen habe ich kleine Tomatenpflanzen… Ich habe immer gesagt, mit Tomaten lässt sich gutes Geld verdienen. Sag mir, magst du Tomaten? Ich habe noch Samen. Dann müssen wir nicht weiterreden.

Bea:

Ich pflanze alte Tomatensorten, wir fahren mit dem Rad in die Stadt. Wie ein Botaniker: Alles ziehen, was wir brauchen: Tomaten, Gurken, Mais…

Albert:

Eine genetisch veränderte Tomate wurde mit einer Ranch-Creme vermischt – das Ergebnis: eine unzerstörbare, gallertartige Masse.

Bea:

Oh, was gäbe ich für einen Teller gebratener grüner Tomaten wie früher im Café! Entzug, Stufe eins: Tomatensuppe, zehn Dosen. Pilzsuppe, acht Dosen. Eiscreme, Valium, ein Eimer fürs Erbrochene.

Albert:

Ich halt’s nicht mehr aus. Man hört überall von dieser dummen Tomate! Noch nie so einen Hackbraten probiert? Mein Geheimnis sind frische Tomaten, nie Dosen. In Japan können die Hände wie ein Messer benutzt werden. Aber bei einer Tomate funktioniert das nicht! Darum empfehlen wir Odachi-Messer!

Bea:

Wenn ein Mann mit einem Korb voller Tomaten vorbeikommt – was erwartet er dann? Abendessen? Sind Tomaten Zuhälter?

Albert:

Als wir den Grill ausgekehrt haben, war das nicht einfach nur Asche. Das war der letzte Rest von allem, was geglänzt hatte. Ich habe einen Moment zu lang hingeschaut – und dann war da dieses Bild: Ein weißes Deck. Sonnenschirme. Eine Reling mit Fingerabdrücken. Ich weiß nicht, ob’s die Hitze war oder der Rauch – aber in meinem Kopf legte ein Kreuzfahrtschiff ab, ganz langsam, wie in Zeitlupe. Nur dass keiner winkt.

Bea:

Die Leute winken immer nur auf Fotos. In echt hat man beide Hände voll – mit Kamera, mit Eis, mit irgendwas. Und während das Schiff sich entfernt, merkt man: Da geht keiner wirklich weg. Die bleiben alle, da oben auf diesem schwimmenden Hotel, wie eingefroren in einem All-inclusive-Sonnenuntergang.

Albert:

Ich war einmal kurz auf einem, für ein paar Stunden. Die Gänge waren endlos, alles Teppich, alles gedämpft. Die Decken so niedrig, dass man sich vorkam wie in einem Archiv für Körper, sauber gestapelt. Überall Geruch – Chlor, Vanille, und etwas, das ich nicht zuordnen konnte. Möglicherweise der Versuch, Sorgen zu neutralisieren.

Bea:

Anfechtbares Statement: Auf einem Kreuzfahrtschiff merkt man, wie sehr sich Menschen nach Bedeutung sehnen. Deswegen diese Themenabende, diese Gala-Menüs mit acht Gängen, diese Bingo-Runden mit Mikrofon. Und alles wird angesagt wie ein Versprechen: Jetzt gleich passiert etwas. Aber eigentlich passiert nur: Zeit vergeht; Kontostand sinkt.

Albert:

Und keiner fragt, wohin. Die Route ist egal, Hauptsache rund. Jeden Tag ein Hafen, den man nach zwei Stunden wieder vergisst. Als wären Städte nur Kulissen für Fotos, nicht für Erinnerungen. Ich hab einen alten Mann gesehen, der sich jeden Tag dasselbe Hemd angezogen hat – weil er meinte, dann erkenne ihn seine Frau leichter im Gedränge.

Bea:

Ein Kreuzfahrtschiff ist wie ein gut gemeinter Irrtum. Man will weg, aber nicht wirklich. Man will Stille, aber mit Musik. Man will Meer, aber ohne Sand. Und dann sitzt man da, zwischen Cocktailfontäne und Sicherheitseinweisung, und denkt: Vielleicht ist das hier gar keine Reise – sondern nur ein Pausezeichen, das auf dem Wasser schwimmt.

Albert:

Am Kauf eines Accessoires führt kein Weg vorbei. Einen Magneten mit einem Anker drauf, oder eine Postkarte, die keiner verschickt. Ich hab mal so eine gesehen: Ein Sonnenuntergang über dem Bug, daneben der Schriftzug „Sehnsucht auf See“. Vielleicht sollte da besser stehen: „Wir tun unser Bestes, nichts zu fühlen.“

Bea:

Ich war mal für ein Semester in Ägypten. Hast du eine Ahnung, wie Klopapier sich dort so anfühlt?

Albert:

Es scheint, als ob du die Schätze Ägyptens ziemlich gut kennst. Da gibt es so viel zu entdecken, dafür reicht ein Leben nicht aus. Beispielsweise war es für Caesar von Vorteil, so viel Zeit im Alten Ägypten verbracht zu haben, denn in seiner Abwesenheit wuchs sein Gottstatus – warum diesen Vorgang unterbrechen durch spröde fleischliche Anwesenheit?

Bea:

Die alten Ägypter hatten ihre eigene Perspektive auf die Welt. Wissen ist keine exakte Wissenschaft, besonders wenn man in solch einer Kultur lebt. Sie dachten, sie hätten die Geheimnis der Sonne gelüftet. Ich meine, sie bauten eine ganze Zivilisation darauf auf. Viele Bauten, Symbole und Zeichen sind bis heute nicht entziffert. Gegenteilige Behauptungen und Aushänge auf Nil-Expeditionen ändern daran nichts.

Albert:

Sie waren auch die ersten, die Bier perfektionierten. Eigentlich haben sie die Malzfermentationstechniken richtig, also massentauglich eingestellt. Und Opiate.

Bea:

Und trotz all ihrer Erfindungen, haben sie es nie ganz geschafft, die ganze Welt zu erobern. Dafür haben sie so viele Geschichten hinterlassen. Sie haben Tiere verehrt, sogar Katzen. Blickt man zurück, dann wurden Krokodile mehr verehrt als Jesus Christus.

Bea:

Und sie wollten niemals, dass irgendetwas von den Göttern oder den göttlichen Tieren getäuscht wird. Ein spannendes Land, mit Visionen. Einst verschwand die Stadt Tanis in einem einzigen Sandsturm. Das klingt fast nach einer modernen Geschichte. Aber damals war es eine Naturgewalt, der die Zivilisation so schnell zerstörte.

Albert:

Vielleicht war es der wahre Test für die Ägypter, sich ihren eigenen Fehlern zu stellen. Sie lebten mit einer riesigen Barriere, die die echte Welt von der Legende trennte. Die Reichen übrigens machen das schon seit Anbeginn der Zeit mit den Armen. Der einzige Unterschied zwischen den Pyramiden und dem Empire State Building besteht darin, dass die Ägypter keine Gewerkschaften zuließen. Gier! Geld macht keine Gefangenen.

Bea:

Stimmt, aber: Ich war in Ägypten. Ich weiß, dass es dort momentan ziemlich gefährlich sein kann. Aber ich bin in Iran auf Berge gewandert. Ich bin in Spanien mit Stieren gelaufen. Ich habe in Japan Kugelfisch gegessen. Musste miterleben, wie ein erwachsener Mann ein Kamel befriedigt hat. Für mich sind das Momente, die Leben zum Leben machen. Apropos Entscheidungen, erzähl mir, warum du Torwart in diesem schrecklichen Fußballteam werden wolltest.

Albert:

Tja, ich wollte diejenige Person sein, auf die sich jeder verlässt, wenn er einen Fehler macht.

Bea:

Fußball ist die Lieblingssportart der Welt.

Albert:

Fußball - ein großartiger Sport. Ich habe nie einer Partei angehört. Ich mag nur Fußball. Einige meinen bis heute: Fußball wurde von europäischen Damen erfunden, um sich zu beschäftigen, während ihre Männer kochten. Spielst du eigentlich Fußball?

Bea:

Ich habe einmal Fußball gespielt… oder war es Schach? Geht es nur mir so, oder gibt es in diesem Fußballspiel mehr Nacktheit als in anderen Sportarten?

Albert:

Vielleicht könntest du Fußball coachen. Welche Strategien? 4‑4‑2 oder 5‑4‑1? Welche Position für wen? Wie viele Fußballmannschaften kennst du, die fünfzigjährige Männer aufstellen? Glaubst du, in fünzig  Jahren spielst du Fußball mit Deinen Brüsten. Was hältst du davon?

Bea:

Keine Ahnung. Aber ich ahne: Amerika wird niemals Fußball akzeptieren. Fußball. Ein süßer Sport ... besonders, wenn man den Ball mit dem Kopf spielt. Persönlich mag ich keinen Sport, bei dem man die Hände nicht benutzt. Barbaren sollen Fußball mit dem Kopf eines Toten gespielt haben! Kung-Fu-Fußball wäre die bessere Idee. Wenn man in der Highschool ist, fühlt sich fast alles wie das Ende der Welt an: frühe Ausgangssperre, Abschlussprüfung, Fußballtraining; schließlich war es doch nicht das Ende der Welt. Studenten-Websites - was dort teilweise erschaffen wird, größer als Kunst, weil man sein Leben darin lebt. Nun ja, nicht du, offensichtlich, aber manche Leute. Denkst du, das ist nur eine Online-Präsenz? Das ist nicht nur konzertierter Code. Es ist ein leuchtender Hoffnungsschimmer für ... sagen wir mal ... einen jungen Typen aus Rhode Island, der sechs Brüder hat, vorgibt zum Fußballtraining zu gehen, während er heimlich zum Nähkurs geht und nachts unter der Decke Runway liest. Du hast keine Ahnung, wie viele Legenden durch diese Hallen gelaufen sind. Und das Schlimmste: es interessiert dich nicht. Nach all dem Fußball sagst du jetzt ernsthaft: Du wirst mal ein großartiger Psychiater.

Albert:

Reden? So wie mit einem Psychiater? Wenn ich diesen Weg runtergehe, kann ich meine Karriere gleich begraben.

Bea:

Also was mache ich? Erzähle ich dir meine Träume? Was bist du denn für ein Psychiater? Die glauben doch alle an Träume.

Albert:

Ich habe mir die Hände nicht gewaschen, seit ich Psychiater geworden bin.

Bea:

Und wann hast du eigentlich angefangen zu glauben, du wärst ein Psychiater?

Albert:

Selbst Psychiater können unterscheiden, ob ein Patient lebt oder tot ist.

Bea:

Er hat mich einmal zu einem Psychiater gebracht, um mich zu beruhigen. Der Psychiater sagte, ich sei die gesündeste Person, mit der er je gesprochen hat, also wurde er gefeuert.

Albert:

Ein Typ geht zum Psychiater, komplette Untersuchung. Der Doc sagt: Ich glaube, Sie sind verrückt. Und der Typ sagt: Ich will eine zweite Meinung. Und der Doc sagt: In Ordnung, ich finde Sie auch hässlich.

Bea:

Ich glaube, ich werde von einem Psychiater verfolgt.

Albert:

Hat jemand davon geträumt, Psychiater zu werden? Nur ein Scherz.

Bea:

Es ist peinlich, erwachsene Männer vor ihren Verantwortungen weglaufen zu sehen. Sie haben Angst. In diesem Land Psychiater zu sein heißt, Experte für Paranoia zu sein – ob man will oder nicht.

Albert:

Er ist ein verdammter Psychiater. Natürlich will er helfen. Er würde mich liebend gern einweisen.

Bea:

Ich finde sie faszinierend. Aber sie braucht einen Psychiater, nicht mich.

Albert:

Du siehst doch ein ganzes Team von Psychiatern, oder?

Bea:

Ich bin Psychiaterin. Glaub mir, ich kann vage sein. Normalerweise gibt es Bremsspuren, wenn Leute etwas mit dem Auto rammen. Eine Backsteinwand wäre ein guter Grund gewesen. Du hast es nicht getan.

Albert:

Habe ich dich gebeten, sein Psychiater zu sein? Nein.

Bea:

Wir haben diese neue Psychiaterin, die zweimal die Woche kommt, und natürlich ziehe ich ihren Namen aus dem Lostopf und muss morgen etwas für sie besorgen.

Albert:

Ich konnte die Dinge nicht erklären, die ich tat. Also ging ich zu einem Psychiater, der mir sagte, ich sei eine Frau in einem Männerkörper. Sonny wollte sofort Geld für eine geschlechtsangleichende Operation auftreiben. Woher denn?

Bea:

Als ich jung war, habe ich einen unsichtbaren Freund erfunden, Mr. Ravioli. Mein Psychiater sagt, ich brauche ihn nicht mehr, also sitzt er nur in der Ecke und liest.

Albert:

Du bist rational. Du bist ausgebildete Psychiaterin. Du kennst den Unterschied zwischen real und nicht real.

Bea:

Laut führenden Psychiatern ist er ein Tyrann aus drei Gründen: Unter dem ganzen Männlichkeitsgehabe steckt ein unsicheres kleines Mädchen. Oder sein Gehirn ist wie bei einem Höhlenmenschen unterentwickelt und er kann sich nicht kontrollieren. Oder er hat einen kleinen Schwanz.

Albert:

Er kennt den Hintergrund. Es sollte keine Gefahr darin liegen, ihn assistieren zu lassen. Es sollte sowieso ein Psychiater anwesend sein.

Bea:

Sie ist nicht verrückt. Leute gehen zum Psychiater, um über ihre Probleme zu sprechen. Sie musste sie nur loswerden.

Albert:

Ich dachte an den alten Witz: Ein Mann geht zum Psychiater und sagt, sein Bruder sei verrückt, glaube, er sei ein Huhn. Der Arzt fragt: Warum liefern Sie ihn nicht ein? Der Mann sagt: Ich brauche aber die Eier.

Bea:

Psychiater haben die höchste Suizidrate aller Berufe.

Albert:

Ein Psychiater. Er behauptet, meine Geister würden seiner Arbeit über Hysterie helfen, aber siehst du nicht die Gier um seinen Mund?

Bea:

Ich bin Psychiaterin. Ich arbeite mit einer bestimmten Art von Größenwahn. Ich spezialisiere mich auf Menschen, die glauben, sie seien Superhelden.

Albert:

Ich bin Haustier-Psychiater. Ich verkaufe Couch-Versicherung. Ich testmarkte positives Denken. Ich leite eine Männergruppe, wir spezialisieren uns auf rituelle Tötungen.

Bea:

Ich will nicht mehr darüber reden. Du brauchst mehr Hilfe als ein normaler Psychiater bieten kann. Du brauchst ein Team – wie beim Elefantenmenschen.

Albert:

Das ist nicht nur ein Finger. Das ist ein Minderwertigkeitskomplex in Form eines Fingers. Ich bin Psychiater. Minderwertigkeitskomplexe graben Löcher in die Psyche, und ich fülle sie.

Bea:

Die meisten starben in der akuten Phase, in einem Schlaf, so tief, dass man sie nicht wecken konnte. Die Überlebenden erwachten und schienen gesund, bis Jahre später klar wurde, dass sie es nicht waren. Ich überwies sie an Psychiater. Bald wurden sie zurücküberwiesen.

Albert:

Weißt du, was das Problem mit der Apokalypse ist? Sie kommt nie mit Beilage. Nur Asche. Kein Dip. Kein Zwiebelring. Nichts.

Bea:

Ich hatte mal einen Freund, der behauptete, die Menschheit sei wie eine Zwiebel. Je tiefer man schält, desto mehr heult man. Er meinte uns.

Albert:

Oder sich selbst. Manche Männer verwechseln Mitleid mit Tiefe. Ich wollte neulich Lyonnaise-Kartoffeln machen. Weißt du, wie schwer es ist, gute Zwiebeln zu finden, wenn man nicht mal mehr Vertrauen zu sich selbst hat?

Bea:

Koch lieber nichts, wenn du melancholisch bist. Du erinnerst dich an meine Suppe mit Zimt und roter Zwiebel? Ich dachte, ich wäre kreativ. Dabei war ich nur traurig.

Albert:

Ich warf ein Sandwich weg, weil es nach Zwiebelsaft geschmeckt hat. Dabei war gar keine Zwiebel drin – nur ein nachtragender Käse.

Bea:

Das ist das Schlimmste: wenn Essen nach etwas schmeckt, das fehlt. Wie ein leerer Burger mit perfekten Gurken und einem Hauch Verlassenheit.

Albert:

Oder wie diese überambitionierten Soßen, die man in Restaurants serviert bekommt: „Onion marmalade on partridge breast in raspberry coulis with sorrel timbale“. Klingt wie ein Scheidungsgrund.

Bea:

Du hast gesagt, ich soll nicht mehr in die Vergangenheit kochen. Aber Zwiebeln machen das schwer. Sie sind wie kleine Zeitbomben. Schichtenweise Kindheit.

Albert:

Und ganz innen ein Kern, den keiner essen will.

Bea:

Oder alle. Je nachdem, wie sehr man sich danach sehnt, sich mal wieder zu spüren.

Albert:

Orks sind wie Zwiebeln, sagt Shrek. Bist Du eventuell eine karamellisierte Zwiebel? Süß, aber nur, wenn man dich lange genug auf kleiner Flamme lässt.

Bea:

Und du bist eine rohe. Tränen auf den ersten Schnitt. Und immer ein bisschen zu scharf, um satt zu werden. Was ist das, was fünftausend Pfund wiegt und einen Stock darin hat? Ein Nilpferd-Eis.

Albert:

Oh, hast du mein Nilpferd gesehen? Es versteckt sich, und ich muss es suchen. Ich bin wie ein Nilpferd auf zwei Beinen und kann es kaum erwarten, wieder zu meinem Nilpferd-Pool zu gehen und diesen süßen Chlorgeruch zu riechen.

Bea:

Wenn du eine Kuh bist, dann bin ich ein Nilpferd. Rhino-Hintern, Nilpferd-Oberschenkel, Eisenarsch: Du hast den Körper eines Nilpferdes, aber das Gehirn eines Hasen; überfordere es nicht. Das Nilpferd will einen Freund. Du hast das Nilpferd auf das Krokodil gesetzt, und das Krokodil auf den Falken.

Albert:

Das war's, Nilpferd fliegt aus dem Fenster! Warum willst du alles Nilpferd nennen? Hast du das Schwein von nebenan gesehen? Ich glaube, seine Mama war teilweise Nilpferd. Würde ich fünf der dicksten Schweine nennen, die ich je gesehen habe, er wäre drei davon. Ein Teil jenes Rezepts: Fang der Schlange, Schwanz der Ratte, Auge der Kröte, und Kralle der Katze. Tollkirsche, Nilpferdfett, Spinnenbraue, Fledermausflügel. Genau richtig. Abgießen. Bis auf die diabolischen Rückstände.

Bea:

Wie habe ich das gewusst? Die Antwort lautet Tennisball. Die tragische Geschichte eines zweieinhalb Tonnen schweren Nilpferdes, das einen Tennisball in Deutschland verschluckte. Ach, Intuition des Nilpferdes. Männliche Nilpferde führen manchmal tödliche Kämpfe um ein Weibchen.

Albert:

Dieses Verdienst gebührt der Natur. Sie haben keine Zeit, sich um Erfolg oder Reichtum zu kümmern. Sie haben keine Fantasien von Ruhm. Sie leihen kein Geld, um Dinge zu kaufen, die an Wert verlieren, während sie sie besitzen. Sie sind schön, weil sie einfach sind. Sie tun, was sie tun. Ein Löwe versucht nicht, ein Tiger zu sein. Ein Hase versucht nicht, einen Affen zu imitieren. Sie versuchen nicht, etwas zu sein, das sie nicht sind. Anders als wir. Wir Menschen. Gepard, Tiger, Schlange, Affe, Pavian, Bisamratte, Luchs, Schwein, das fett ist, Nilpferd, Nashorn, Dodo, Honigdachs… Jeder perfekt – in seiner ursprünglichen Form. Dann kam der Mensch. Wer ihn erschuf und zu welchem Zweck? Es bleibt ein Rätsel. Warum ist er hier? Ein Rätsel. Man stoße beim Bootfahren nicht gegen ein Nilpferd. Das Macht sie höllisch wütend. Dann stehlen sie deine Hose. Nilpferde in Tutus machen mir längst nicht mehr so viel Angst wie früher. Seit jener Geschichte: Er war Ballettlehrer für eine Herde Nilpferde auf Tour durch Cucamonga; und sie sagen, er war großartig, bis die Nilpferde herausfanden, dass er nicht einer von ihnen war.

Bea:

Ebenso rätselhaft: Wie sollen ein Zebra, ein Nilpferd, ein Löwe und eine Giraffe in ein Casino in Monte Carlo gehen?

Albert:

Oder auch: Warum sind Nilpferde nicht rot?

Bea:

Hör uns zu, wie wir miteinander grunzen wie zwei Nilpferde mit einer Halsentzündung. Wenn ich eine Zwiebel schäle, kann ich mich entscheiden, ob ich weine oder blinzele. Beim Tampon gibt’s keine Wahl. Da ist der Körper einfach früher dran als der Verstand.

Albert:

Meine Mutter hatte immer so einen Satz: „Das ist nix für Männer.“ Dabei meinte sie manchmal Stromkasten, manchmal Gefühl. Und sehr oft: Tampon. Ich habe erst Jahre später gemerkt, dass sie das gar nicht unpraktisch fand – dass Männer so wenig über etwas wissen, das sie täglich organisiert. Vielleicht sollte man Männern nicht erklären, was ein Tampon ist, sondern was er ersetzt: Binden, Tabus, Rückzugsräume, Waschschüsseln, Ausreden. Und dann noch sagen: Er ist da, weil keiner gucken soll.

Bea:

Ich mochte die Tampon-Werbung, in der eine Frau über einen Wasserfall joggt. In Weiß. Ohne Tasche. Als hätte ihr Unterleib nie mit dem Rest des Körpers gesprochen. Reine Ästhetik. Ein vaginales Alpenpanorama. Und: jemand hat mal eine Geburtstagstorte mit Tampons dekoriert. Thema war „Coming of Age“. Alle haben gelacht, bis eine Mutter meinte, das sei pietätlos. Das dürfte das ehrlichste Geschenk des Abends gewesen sein.

Albert:

Im Fundus einer Theaterproduktion hatte ich einen Requisitenbeutel geöffnet. Dachte, es sei ein Mikrofon drin. War ein Super-Plus-Tampon mit Glitzer drauf. Jemand hatte „mutig“ draufgeschrieben. Ich fand das nicht falsch.

Bea:

Der Tampon: das stillste Organ der Moderne. Keine Ansage, kein Sound, kein Drama. Nur ein unsichtbarer Dialog zwischen Blut und Baumwolle. Und doch bestimmt es, ob du tanzt, gehst, bleibst oder einfach keinen Sex hast an diesem Abend.

Albert:

Im Museum gab’s mal eine Vitrine mit antiken Hygienebinden. Daneben stand: „Kulturelle Verdrängung durch industrielle Diskretion.“ Habe das lange begutachtet. Nicht wegen der Binden – sondern wegen der Worte.

Bea:

Weißt du, ich mag das Bild vom Körper, der nicht lügt. Der sagt: Es ist Zeit. Ob du jetzt willst oder nicht. Und der Tampon ist wie ein stiller Kurator. Nicht sentimental, nicht radikal – nur präzise. Und das ist manchmal genug.

Albert:

Vielleicht ist das die eigentliche Pointe: Dass ausgerechnet etwas so Unsichtbares wie ein Tampon eine ganze Industrie aus Beschwichtigung und Euphemismus hervorgebracht hat. Als müsste man das, was Leben bedeutet, weich polstern, bevor es in ein Regal darf. Du weißt, in Frankreich sagen sie, dass man sich auf seine Ohren konzentrieren sollte. Ein Ohr wie das hier – perfekt geformt, mit einem kleinen Glockenanhänger – träumen sie in Frankreich davon. Meinst du, ich könnte da mal nachfragen, ob sie mir ein paar für die Sammlung besorgen? Du könntest dein Ohr einfach mal zur Schau stellen und dich unter die Franzosen mischen.

Bea:

Was soll das heißen? Du willst deine Ohren jetzt noch optimieren lassen? Ich dachte, du wärst mehr der praktische Typ. Aber, wenn du eh von Frankreich sprichst: Hast du eigentlich mal das Essen dort probiert? Hast du das gehört? In Frankreich ist alles anders. Sogar das Essen ist besonders. Wenn du in Frankreich einen Burger bestellst, dann nennen sie das "Royale mit Käse". Irgendwie sympathisch. Sogar die Kleinigkeiten bekommen einen besonderen Charme. Da gibt es die berühmten kleinen Weine, die Kinder schon trinken – als Digestif. Ich wette, du würdest in Frankreich das Kochen lieben.

Albert:

Oh, du hast recht. Frankreich ist berühmt für das Essen. Der Koch Gusteau, der soll da einer der Besten sein. Und das Restaurant ist in Paris auch der Hit, das bekommst du nicht einfach so. Ich hab gehört, man muss da Monate im Voraus buchen. Nicht jeder kann ein großer Künstler werden, aber ein großer Künstler kann von überall her kommen. Es ist schwer, sich eine bescheidenere Herkunft vorzustellen als die des Genies, das jetzt bei Gusteau's kocht und das nach Meinung dieses Kritikers nichts weniger als der beste Koch Frankreichs ist. Ich werde bald wieder zu Gusteau's zurückkehren, hungrig nach mehr. Sie haben nicht nur das beste Essen, sondern auch die besten Restaurants. In Paris bekommst du die besten Gerichte, aber du musst Monate vorher reservieren, um überhaupt einen Platz zu bekommen.

Bea:

Du und Frankreich, das wäre wie ein Hochgenuss. Einfach Richtung Sonne und ein neues Leben anfangen. Aber nicht nur wegen dem Essen. Ich hörte auch, dass die Tische dort einfach so lange besetzt bleiben können, wie man möchte. Stell dir das mal hier vor, in Deutschland! Du würdest bestimmt gerne ein Stück dieser Welt haben, aber glaub mir, du würdest es nie lange dort aushalten. Du bist zu anständig für Frankreich. Du würdest dich viel zu schnell mit ihrer Art anfreunden.

Albert:

Wer weiß? Aber was mich immer wieder an Frankreich fasziniert, ist der Fokus auf das Essen. Da wird’s richtig ernst genommen.

Bea:

Ja, das ist wohl wahr. In Frankreich wird alles mit viel mehr Hingabe gemacht, selbst das Kochen. Ich wette, sie haben sogar in den Restaurants, die zu den besten gehören, ein kleines Geheimnis. Wie jener "Royale mit Käse", was sie dort für den normalen Hamburger haben. Etwa 1.600 McDonald's gibt es im Land. Aber ein Burger macht noch kein Restaurant. Und ein wehmütiger, gut aussehender Herr, eine Zigarette rauchend, noch keinen 1940er Streifen. Kann man mit einem Strohhalm ein Kamel zum Brechen bringen?

Albert:

Kommt ganz drauf an. Und wurde mal Truthahn serviert, trocken genug, um ein Kamel zu ersticken. Das Kamel sieht seinen eigenen Höcker nicht. Und weder kann ein Wolf mit einem Pinguin, noch ein Kamel mit einem Nilpferd zusammenleben.

Bea:

Als Kind meinte ich nicht nur, dass aus Kamelzehen Autoreifen hergestellt werden, sondern: Es gebe kein Pferd oder Tier, das ich nicht beherrschen konnte. So sehr, bis ich auf ein Kamel stieg ... was komisch und schmerzhaft war. Erinnert mich an die Zeit in Marokko, als Du mich auf dieses verdammte Kamel gesetzt hast, das mich in den Hintern gebissen hat. Musstest Du lernen, nicht zu spucken? Mit Erwachsenensprüchen der Art "Du bist kein Kamel"?

Albert:

Ich stand an der Chinesischen Mauer, ich habe die Pyramiden von Ägypten gesehen, habe über tausend Wolken gezählt, die aussahen wie ein perfektes Kamel, bin in Beirut täglich zehn Meilen gelaufen mit einem Baby-Faultier auf dem Rücken, ich habe am Rand der arabischen Wüste erlebt, wie ein erwachsener Mann eine Kuh befriedigte. Aber nie sagte man mir, kein Kamel zu sein. Sollte man direkt etwas zu trinken mitbringen, wenn man mit einem Halb-Kamel ein Date hat?

Bea:

Absolut, ja. Ich habe noch einen, aus der gleichen Liga: Wie nennt man ein Kamel mit drei Höckern? Schwanger!

Albert:

Eigentlich sind wir Gegenteilkamele, da wir nicht monatelang ohne Wasser auskommen können, oder?

Bea:

Das träfe auf sehr viele Lebenwesen zu. Finde ich nicht so scharf. Und du kommst vom Kamel direkt darauf, dass du einen Komiker engagiert hast? Du weißt doch, ich hasse Komiker.

Albert:

Ach wirklich? Dabei hat neulich jemand gesagt, du klingst gar nicht wie eine Komikerin.

Bea:

Dabei stelle ich fest, dass ein Komiker letzte Nacht gestorben ist – und niemanden kümmert’s außer mir.

Albert:

Tja, für einen Komiker ist der Anfang immer der gleiche: Das Gefühl, in Unterwäsche zur Arbeit zu gehen und plötzlich nichts mehr zu können.

Bea:

Oder dieses Ding im Comedy-Club: Der Komiker meinte, wer über dreißig ist und ein Namensschild tragen muss, hat sein Leben vermasselt. Ich lache – und merke, dass ich selbst eins trage.

Albert:

Kein Wunder. Ein Komiker, der über Politik redet, aber ohne Komik, ist wie… Sex ohne die Frau. Da fehlt einfach was.

Bea:

Sagt ausgerechnet der Mann, der fragt, ob man nicht lustig sein müsse, um Komiker zu sein.

Albert:

Na, hast du schon mal über jemanden gelacht, der ein Stottern imitiert? Die Leute lachen, sind aber nicht glücklich.

Bea:

Und manche werden unter Angst eben Stand-up-Komiker. Du kennst mich gar nicht – vielleicht sollte ich jemand anderen fragen.

Albert:

Mag sein. Aber der Komiker hat recht: Die wilde Natur der Menschheit führt direkt in die Vernichtung. Darum braucht es den größten praktischen Witz der Geschichte.

Bea:

Interessant – vor allem, wenn man bedenkt, dass manche Leute glauben, die Sendung heiße „Kids Say the Darndest Things“ und nicht „Old Black Comedians Never Shut the Hell Up“.

Albert:

Ich sag dir dasselbe wie dem Komiker im Stripclub von Reno: Ich bin nicht wegen der Witze hier.

Bea:

Und dann stand ich auf dieser Kundgebung und dachte: Warum bin ich hier? Ich bin doch gar keine politische Komikerin. Nur, dass ich mal eine Frau in der Eisenhower-Ära gedatet habe. Kurz.

Albert:

Und hinterher, wenn das Konzert vorbei ist, suchen alle wieder nach dem Komiker. Während wir im Auto sitzen und nur versuchen, wach zu bleiben.

Bea:

Vielleicht liegt’s daran, dass manche Komiker einfach schlecht sind. Dieser da konnte mich nicht zum Lachen bringen, selbst wenn ich mir den Arsch ablachen würde und er es wäre, der das tut.

Albert:

Du hast recht – Zwiebeln haben Schichten. Aber Kaktusse haben Stacheln.

Bea:

Ich hatte mal einen Kaktus im Badezimmer. Er hat mich nie angelogen. Hat aber auch nie gegossen.

Wir haben uns irgendwann ignoriert – wie zwei Leute, die sich mal beim Küssen ertappt haben.

Albert:

Ich kannte einen, der nackt in einen Kaktus gesprungen ist. Aus Überzeugung. Oder Langeweile. Oder beidem. Er hat’s überlebt. Seine Hoden nicht.

Bea:

Vielleicht war’s ein Valentinstag. Ich bekomme da immer Kaktus-Post. Ohne Absender. Vielleicht von jemandem, der sich nicht sicher ist, ob er mich vermisst – oder bestrafen will.

Albert:

Tequila gegen Schmerz. Das hat schon in El Paso funktioniert. Hat aber nie das Loch gestopft, in das man gefallen ist. Ich habe nie ’ne Maske gebraucht – ich hatte ja die Stimme. Die reicht meistens, wenn du neben Kaktussen schlafen musst.

Bea:

Man sei wie ein Kaktus: spröde, unnahbar, manchmal blühst du kurz auf – und keiner ist da, der das sieht. Oder schlimmer: Jemand ist da, macht ein Foto, postet, schreibt drunter: „Endlich, er blüht!“ – und meint eigentlich sich selbst.

Albert:

Ich hatte mal einen Kaktusfreund. Der hat gesagt, man solle seine Verletzlichkeit feiern. Mit einem Schild um den Hals: „Vorsicht, kann trotzdem lieben.“ Hat nicht geholfen. Ist verblüht und eingegangen. Zu viel Aufmerksamkeit. Dann zu wenig.

Bea:

Und dann dieser Typ, der meinte, ich sei wie eine Pflanze – aber ohne Wurzeln. Ich habe ihm gesagt: „Dann bist du wohl der Kies.“ Er hat gelacht. Ich nicht. Weißt du, was die Wüste kann, was das Kino nicht schafft? Sie schweigt. Laut. Und du kannst dich irgendwo hinter einem Kaktus verstecken –

und keiner ruft „Ton läuft“.

Albert:

Wenn ich nur ein Lebensmittel für den Rest meines Lebens haben könnte? Ganz klar — Pez. Kirschgeschmack. Keine Frage.

Bea:

Und getränketechnisch?

Albert:

Ein 2013er Pinot Noir von Ross Cobb. Hyperdekan­tiert mit einem Stabmixer, um ihn aus seinem Schlummer zu wecken. Slavonische Eiche, reiche Kirsche- und Tabaknoten und ein leiser Hauch von Sehnsucht und Reue.

Bea:

Bin eher bei sprudelndem Koffein. Na ja, das hängt davon ab. New Coke, Classic Coke, Cherry Coke, Diet Coke oder Coke mit extra Knall? Mmm, kirschig. Willst du probieren?

Albert:

Weißt du, was ich mir auch wünschen würde? Ein Schokoladen-Fudge-Sundae mit Schlagsahne und einer Kirsche obendrauf. Hm, einfach ein doppelter Polar Burger mit allem und eine Kirsch-Soda mit Schokoladeneis. Mein Lieblingseis ist Chocolate Cherry Garcia... obwohl ich technisch denke, es ist ein gefrorener Joghurt. Eine Hexe hat den gleichen Gefallen daran, einen Kobold zu zerquetschen, wie du daran, eine Schüssel Eiscreme mit Butterscotch-Sirup, Schlagsahne, gehackten Nüssen und einer Kirsche obendrauf zu essen. Nein, ich nehme drei Burger, drei Pommes und drei Kirschkuchen. Nein, ich will 30 Slider, 5 Pommes und 4 große Kirsch-Cokes.

Bea:

Wenn du ein fallendes Ahornblatt fängst, verliebst du dich in die Person, mit der du gehst. So wie man sagt, man heiratet seine erste Liebe, wenn man eine fallende Kirschblüte fängt. Ich mag süße Pflaume. Komm. Keiner von uns findet so viel Freundlichkeit in diesem Leben, wie wir sollten. Wolken, so harmlos wie Kirschkuchen... Ich gab meiner Liebsten eine Kirsche / die keinen Kern hatte / Ich gab meiner Liebsten ein Huhn / das keine Knochen hatte / Ich gab meiner Liebsten eine Geschichte / die kein Ende hatte / Ich gab meiner...

Albert:

Eigentlich hatte ich mein Herz auf etwas Kirschiges gesetzt, wenn du weißt, was ich meine. Keine Schokoladenliebhaberin, was? Wie wäre es damit: Kondome. Magnum-Größe. Und sie sind kirschig. Das geht auf mich. Ach, als Fünftklässler: Wir saßen da, teilten einen Kirsch-Käsekuchen und spielten die ganze Nacht Legend of Zelda.

Bea:

Wir sehen die Frühlings­tänze jedes Jahr, wir können einen Moment entbehren. Wie heißt du? Scheue dich nicht, mich anzusehen. Magst du süße Pflaume oder Kirsche?

Albert:

Das Leben ist so verdammt wunderbar, du wirst es kaum glauben. Es ist eine Schüssel verdammter Kirschen...Ich habe gerade dieses Auto gekauft. Es ist kirschrot. Gibst du mir 4600 Euro dafür? Hörst Du das? Haben sie Pac-Man eingeladen? Dieser kirschjagende Punktfresser gehört gar nicht zu diesem Ort!

Bea:

Ich hab mal eine Brosche auf dem Flohmarkt gesehen, die aussah wie ein Kaktus in Gold. Drei winzige Rubine als Stacheln. Die Verkäuferin hat gesagt: „Erbstück, aber keiner wollte es.“ Vielleicht, weil sie mehr nach Widerstand roch als nach Wert.

Albert:

Mein Vater hat nie Schmuck getragen, aber er hat einmal eine Kette gekauft – für meine Mutter. Es war kein besonderer Stein, bloß ein ovales Stück Glas mit einem Sprung. Sie hat nie gefragt, woher er das hatte. Nur: „Ist der Sprung schon drin gewesen?“ Er hat gesagt: „Vielleicht. Vielleicht auch erst seit mir.“

Bea:

Juwelen werden nicht verschenkt, sie werden deponiert. Als würde man sagen: Ich lege das hier ab, weil Worte zu weich sind. Du kannst es tragen, wenn du willst. Oder verbuddeln.

Albert:

Ich habe in Neapel einen Mann gesehen, der seinen Ring an der Zunge geprüft hat. Nicht weil er was über Karat wusste – sondern weil er dem Ding nicht traute, das so glatt war. Er hat gesagt: „Echte Sachen schmecken nach nichts. Alles andere lügt.“

Bea:

Der erste Schmuck, den ich tragen durfte, war aus Plastik – ein Armband mit gefälschten Saphiren. Ich war sechs und stolz wie eine Operndiva. Ob wohl alle Saphire gefälscht sind, bei denen sich kein Gefühl einstellt?

Albert:

Manchmal denke ich, Juwelen sind das Gegenteil von Taschenlampen. Sie leuchten nicht in die Welt – sie blenden nach innen. Damit man nicht sieht, was man eigentlich tragen wollte.

Bea:

Es gibt Colliers, die sich wie Kragen anfühlen. Nicht wie Zierde, sondern wie Disziplin. Schönheit, die zu fest sitzt, wird irgendwann ein Befehl.

Albert:

Ich hab nie verstanden, warum man einen Stein auf die Stirn eines Königs setzt. Vielleicht damit der Glanz für ihn denkt, wenn er es selbst nicht mehr kann?

Bea:

Ich mag Ohrclips mit falschen Steinen. Sie tun nicht so, als könnten sie etwas halten, was einem entgleitet. Sie wissen, dass sie bloß klimpern. Und das reicht.

Albert:

In einem Schaufenster in Antwerpen lagen sieben Ringe auf schwarzem Samt. Einer war leer – kein Stein. Nur die Fassung. Als hätte jemand beschlossen, dass die Umrahmung genügt. Vielleicht war das der ehrlichste von allen.

Bea:

Wenn man über Mexiko spricht, kommt einem immer dieses Bild vor Augen: „In Mexiko-Stadt ist man ständig auf der Suche nach einem Job, einem Freund oder einer Wohnung.“ Ist das nicht eine merkwürdige Vorstellung? So viel Bewegung, so viel Leben.

Albert:

Es stimmt. In Mexiko muss man immer aktiv bleiben, immer auf der Jagd nach etwas Neuem. Aber man muss auch mit den Gegebenheiten leben, oder? Es gibt ja auch diese Geschichten von Mexikanern, die immer noch davon träumen, den großen Gewinn zu machen. Man hört so viel von „Los submarinos“, mexikanischen Twinkies, und dann gibt es auch diese erstaunliche Vanille, die aus Mexiko kommt. Warum wir diese einfachen und doch so feinen Dinge hier nicht mehr zu schätzen wissen. Diese Vanille, die ist so besonders. Und es gibt auch diese andere Seite von Mexiko. Was, wenn jemand plötzlich beschließt, alles hinter sich zu lassen? Ich habe da diese Geschichte im Kopf von jemandem, der einfach nach Mexiko ging, ohne viel nachzudenken. Um ein neues Leben zu beginnen, ohne die Belastung der Vergangenheit.

Bea:

Ich verstehe, was du meinst. Aber in Mexiko gibt es auch dieses Geheimnisvolle. Die Menschen dort haben diesen Charme, der sowohl erfrischend als auch ein bisschen erschreckend ist. Wie dieser Satz über die mexikanischen Werwölfe, die aus Mexiko kommen. Verrückt, oder?

Albert:

So viele Geschichten. In Mexiko gibt es den echten Geschmack von Leben – sowohl in der Küche als auch in der Atmosphäre.

Bea:

Wenn du von den Pyramiden in Mexiko hörst oder über die vielen Geschichten von früher, spürst du diese tiefe, fast spirituelle Verbindung.

Albert:

„Die Mexikaner nennen ihre Arbeit nicht nur Arbeit. Sie sehen sie als eine Chance, ihre Geschichte zu schreiben.“ Und das kommt in allem durch – selbst im Humor. Eine unverwechselbare Mischung aus Melancholie und Lachen ist typisch für das Land.

Bea:

Und das Lustige ist, dass man in Mexiko nicht einfach nur lebt, sondern wirklich mit allem was es zu bieten hat in Berührung kommt. Diese verrückte Mischung aus Leben, Tod, und sogar dem „Tag der Toten“. Ich liebe diesen Teil ihrer Kultur. Leben mit einer Intensität, die einem hier fremd ist. Aber dann gibt es auch den anderen Teil – wenn du sagst, du willst in Mexiko leben, dann fragst du dich auch: Was bleibt dir noch, wenn du das Land verlässt? Wie verändert sich deine Sichtweise auf die Welt? Weißt du, was die Mexikaner über den Pazifik sagen? Sie sagen, er habe kein Gedächtnis. Dort möchte ich den Rest meines Lebens verbringen. An einem warmen Ort ohne Gedächtnis.

Albert:

Versprich mir, dass du niemals Bungee-Jumping in Mexiko machst. Okay? Dort gibt es einfach keine Vorschriften dafür. Der gehörnte Frosch sagt, wir sollten nach Mexiko gehen. Wenn du mir folgst, möchte ich dir meine neue Reihe einzigartiger Briefkästen zeigen. Verspielt. Beim Kauf eines Briefkastens gibt’s einen geschnitzten Enten-Türstopper und einen Knoblauchschäler dazu. Vielleicht sollten wir danach etwas essen.

Bea:

Pasta mit Fisch! Ich werde ein paar Knoblauchzehen hinzufügen, nicht weil es nicht lecker ist. Ich will nur ein bisschen Pfiff, okay? Oder doch lieber Macaroni, und das heißt Knoblauchbrot - viele könnten es ständig essen, ohne zu stoppen! Alles, was man zum Kochen braucht, ist ein bisschen Knoblauch. Und einen Dip Soja. Gemahlener Knoblauch und ein bisschen Sojasauce.

Albert:

Spaghetti mit Venusmuscheln, angebraten in Knoblauch und Öl, sind auch fein.

Bea:

Hast du eine Knoblauchpresse? Nein? Wie kann man keine haben? Möchtest Du auch einen Espresso? Vielleicht kommt etwas Knoblauch rein, wenn du nett bist.

Albert:

Knoblauch, die entscheidende Zutat für leise, aber tödlich Furze.

Bea:

Oder obenrum: der Atem. In gewissen Gefängnissen schneiden gewisse Insassen Knoblauch angeblich mit ihren Rasiermessern. Warum haben deine Hände die Schwielen eines Boxers?

Albert:

Du warst schon immer ein miserabler Boxer.

Bea:

Ich bin, was man im Boxgeschäft einen Bluter nennt. Sie sagten, ich könne nie Profiboxer werden, weil ich so viel blute.

Albert:

Boxer werden reich. Boxer kriegen ihr Gehirn ausgeschlagen.

Bea:

Und trotzdem sagst du: Du bist ein Boxer, kein Kämpfer.

Albert:

Er ist ein Boxer, er wird beruflich am Kopf getroffen! Und sende das bloß nicht.

Bea:

So ein Unsinn. Joe Louis – der größte Boxer, der je gelebt hat.

Albert:

Ich fürchte, aus ihm wird niemals ein Boxer.

Bea:

Dann erzähl mir, warum Jack Dempsey seine Hände jeden Tag in Pferdeurin eingeweicht hat.

Albert:

Um ein guter Boxer zu sein, musst du eine gute rechte Hand haben.

Bea:

Oder eine Geschichte, wie die vom Rabbi und dem Priester beim Boxkampf. Nichts bedeutet irgendwas, wenn der Mann nicht kämpfen kann.

Albert:

Amerikaner lieben Gewinner. Die härtesten Boxer, das habt ihr als Kinder bewundert.

Bea:

Und irgendwann finden sie sich wieder: ein grinsender Bastard in einem Geschäft ohne Alt-Herren-Tag.

Albert:

Machst du irgendwann einen Sinn aus diesem Leben? Baseballspieler, Boxer, Jazzmusiker – und dann pleite in Kokomo.

Bea:

Ich bewundere Cassius Clay. Zwei Männer, die sich töten wollen – das ist keine Show.

Albert:

Ich tue, um zu gewinnen, was sie tun, um zu gewinnen. Ich entfessle meine ganze Kraft.

Bea:

Wer sieht denn aus wie eine Karotte?

Albert:

Karotten sind knusprig. Getrockneter Seetang ist knusprig.

Bea:

Karotten? Warum immer Karotten? Ich habe nicht einmal Karotten gegessen.

Albert:

Du hast mich bei Karotten verloren – das war der erste Entwurf von „du hattest mich bei Hallo“.

Bea:

Denkst du, das sind genug Karotten?

Albert:

Da ist nicht einmal Fleisch drin. Das ist nur eine Karotte.

Bea:

Wir sind – wir sind auf einer riesigen Karotte nach Disneyland geflogen.

Albert:

Ich bin mehr besorgt, dass ich dir eine über deinem Kopf zerbreche, Karotte.

Bea:

Wir passen zusammen wie Erbsen und Karotten.

Albert:

Frauen sind Männern überlegen, wenn es ums Kochen, Putzen, Kartoffeln waschen, Karotten schrubben geht.

Bea:

Für denselben Grund, aus dem ein Esel mit Stock hinten und Karotte vorne immer vorwärts geht.

Albert:

Manchmal benutzt man eine Karotte. Manchmal einen Stock. Manchmal lügt man einfach.

Bea:

Lass uns nach Hause gehen. Ich backe dir einen Karottenkuchen.

Albert:

Ich brauche fünf Sack Mehl. Und eine Karotte mit Erdnussbutter drauf. Was kostet mich das?

Bea:

Eine sehr lästige kleine Kreatur. Vielleicht halbes Warzenschwein? Halber Esel? Halbe Auster? Halbe Karotte?

Albert:

Die Karotte hat Geheimnis. Etwas sehr Besonderes an einer festen, jungen Karotte.

Bea:

Die Karotte hat Geheimnis. Etwas sehr Besonderes an einer festen, jungen Karotte.

Ich erinnere mich daran, zu klein gewesen zu sein, um über den Tischrand zu sehen. Da war eine Schneekugel, und ich erinnere mich an den Pinguin darin. Er war ganz allein, und ich machte mir Sorgen um ihn.

Out West, wir hören, es sei Back East. Back East, sie hören, es sei Out West. Alles Unsinn. Du bist wie ein Pinguin am Nordpol, der hört, der Südpol sei gerade schön. Es gibt keine Pinguine am Nordpol.

Albert:

Ich spreche reines Pinguin.

Und da drüben: die Regeln für Menschen. Nicht stören, nicht aufhalten. Stehen bleiben und den Pinguin vorbeilassen. Und er läuft los, in das Innere des Kontinents. Mit fünftausend Kilometern vor sich, direkt in den sicheren Tod.

Ich liebe Pinguine. Wusstest du, dass sie fürs Leben paaren? Manchmal sind sie jahrelang getrennt und finden sich wieder.

Bea:

Ich zweifle ernsthaft daran, dass je jemand gesagt hat: Iss Pinguinscheiße, du Höhlenforscher.

Und dann die Migränemuster der Pinguin-Paare. Wenn sie sich wiederfinden, werfen sie die Köpfe zurück, schlagen mit den Flossen und singen so laut sie können.

Wie konkurriert man mit einem Pinguin? Es sollte Regeln geben.

Albert:

Der Pinguin ist kein Kommunist.

Und die National Science Foundation hat mich eingeladen, obwohl ich deutlich machte, dass ich keinen weiteren Film über Pinguine machen würde.

Antarktis: ein unwirtliches Ödland. Aber selbst hier finden wir Leben. Watschelnd, ausgelassen, pummelige kleine Schnee-Clowns.

Bea:

Erinnerst du dich an Sammy den Skater, den kleinen Pinguin mit dem Helm?

Gentoo-Pinguine prägen sich manchmal auf einen Menschen ein. Für immer in seiner Nähe.

Und ich höre, jemand will ihn zurückschicken. Es ist zu heiß, damit ein Pinguin hier einfach herumläuft.

Albert:

Er wurde im Wasser geboren. Er ist ein Pinguin, verdammt noch mal.

Und wer sagt, ein Pinguin könne nicht fliegen?

Das ist eine Menge Serum für vier Pinguine.

Bea:

Siehst du, die Punks denken, die Schweinebucht sei ein Kräutertee, und der Kalte Krieg habe etwas mit Pinguinen zu tun.

Man vermisst die Tage, in denen die größte Sorge explodierende Aufzieh-Pinguine waren.

Warum ich? Keine Ahnung. Vielleicht braucht er etwas für seine Wand. Etwas zwischen Pinguin und Rebhuhn.

Albert:

Ich habe versucht, eine Frau zu beeindrucken, mit der ich schlafen wollte. Jetzt habe ich keinen Sex – und einen Pinguin.

Mein kleiner Bruder hat heute Morgen seinen Arm in der Mikrowelle eingeklemmt, und meine Großmutter hat Acid genommen und einen Schulbus voller Pinguine gekapert.

Komm später wieder.

Bea:

Oh, alles klar. Also erschieß mich, ich habe mir einen runtergeholt. Ich habe die Karotte gerieben, du weißt schon, hallo zu meinem Monster gesagt.

Und jetzt stinkt es nach Karotten in Erbrochenem. Das könnte sogar ein Aas-Maden-Baby zum Würgen bringen.

Albert:

Oh, was dachte ich mir. Vielleicht brauchen wir einfach den Herzgesang. Ohne ihn können wir nicht wirklich Pinguin sein.

Und Mr. Freeze, der Pinguin, Crazy Quilt, Eraser, Polka-Dot Man, Mime, Tarantula, King Tut, Orca, Killer Moth, Zebra-Man und der Condiment King.

Bea:

Und jetzt sagst du mir also, er hätte einen Lutscher halten sollen und ein Jo-Jo. Vielleicht sogar mit einer kleinen Propeller-Mütze.

Albert:

Hier. Ich hab dir einen Lutscher mitgebracht.

Bea:

Die weichen Enden des Lebens — immer krieg ich das fusselige Ende vom Lutscher.

Albert:

Ich bin kein komplizierter Mann. Ich mag Kino. Und Lutscher im Mund.

Bea:

Deine Lippen würden jeden Lutscher zu glücklich machen.

Albert:

Dein Kopf dagegen: voller Lutscher, Regenbögen und Käse.

Bea:

Zwei Stecknadeln und ein Lutscher — so fühlt sich das an, wenn man in der falschen Nummer steckt.

Albert:

Abends alles „Liebling, Honig, Lutscher“ … und am Morgen: kalt wie ein nasser Kübel.

Bea:

Oder nackt an einen Baum gebunden und man gibt ihm einen Lutscher oder irgendwas.

Albert:

Ein Lutscher macht dich nicht krank. Aber eine echte Verrückte ist wie ein Eishörnchen.

Bea:

Lollipop Land oder Rainbow Junction — hast du ihm dahin nachgelaufen?

Albert:

Die Jungs wissen nicht, wie man runtergeht. Sie schlecken, als wäre es ein Lutscher.

Bea:

Meine Träume? Lutscher und Zuckerstangen.

Albert:

Schon gut. Dieser Lutscher trifft gerade genau den Punkt.

Bea:

Soll ich jetzt Angst vor ihm haben, nur weil er an einem Lutscher saugt?

Albert:

Ich schick dir eine Kiste Lutscher.

Bea:

Komm schon, raus hier! Kauft euch einen Lutscher!

Albert:

Der Lutscher-Mann. Tut mir leid wegen der Verhaftung.

Bea:

Und sie spielen Lutscher mit ihrem Dienstrevolver. Herrlich.

Albert:

Eis am Stiel, Lutscher — aber Fleisch am Stiel? Fehlanzeige.

Bea:

Die Lollipop Guild schlägt wie Fünfjährige.

Albert:

Ja, goo-goo. Ich habe einen Lutscher und keine Kontrolle über meine Blase.

Bea:

Es war die Nacht, als du den Lutscher aus der Stripperin essen wolltest. Du wolltest es!

Albert:

Ich wollte einen Lutscher und bekam einen Lemuren.

Bea:

Lutscher stehlen, Babys küssen — Politiker eben.

Albert:

Heute verteile ich Lutscher und Arschtritte, und die Lutscher sind aus.

Bea:

Du durchgeknallter Lutscher.

Albert:

Manchmal schnitze ich einen Kürbis mit einem Messer aus Lutscher-Stielen.

Bea:

Lutscher für die Brot-und-Spiele-Menge, mehr ist das nicht.

Albert:

So nützlich wie ein lutschergeschmackter Schwanz-Lutscher. Lollipop Guild, du Idiot.

Bea:

Das ist kein Ausflug der Pfadfinder nach Lollipop Land.

Albert:

Ein Lutscher-Mann. Und er kam mit einer Flasche auf mich zu.

Bea:

Im Schaufenster: Lutscher. Und Melone. Und Eiscreme. Ich habe beschlossen: ein Jahr Marokko. Ich brauche ein neues Umfeld.

Albert:

In Marokko. Ich kannte ihn nur kurz, aber er hinterließ Eindruck.

Bea:

Du hattest wohl eine bessere Zeit dort, als du zugegeben hast.

Albert:

Warum fahren wir nicht weg? Nach Marokko. Nur wir zwei.

Bea:

Und damals, in Marokko, hast du mich auf dieses verdammte Kamel gesetzt, das mir in den Hintern gebissen hat.

Albert:

Ich war in Marokko. Ich habe viel merkwürdigen Scheiß gesehen.

Bea:

Und plötzlich steht ein roter Kasten in einem privaten Datentresor in Marokko. Das verstehe ich nicht.

Albert:

Das hier ist nicht wirklich Afrika. Das ist französisches Marokko.

Bea:

Und doch ist Marokko der einzige souveräne muslimische Thron westlich von Konstantinopel.

Albert:

Casablanca. Menschen, die warten… und warten… und warten.

Bea:

Ich habe Einladungen für Griechenland und Marokko. Ich bin aber hier – bei dir.

Albert:

Du nimmst mich nie ins El Morocco.

Bea:

Oder wir galoppieren über die brennenden Sande Marokkos, in den Armen eines Scheichs.

Albert:

Unser Regisseur in Marokko ist durchgedreht. Doppelte Überstunden. Streit am Set.

Bea:

Und natürlich diese 2.000 Affen, die Marokko schicken wollte, um Landminen zu sprengen.

Albert:

Nachts wollte ich das Hilton in Tanger erreichen. Peppermint Schnaps. Marokko um zwei Uhr morgens.

Bea:

Und du fragst, warum wir nicht einfach hingehen. Zehn Wochen für 950 Dirham.

Albert:

Wähle dir einen Beschützer. Die Offiziere haben das Geld.

Bea:

Oder 100 Kamele. Aber das Drehbuch wollte Ziegen. Die marokkanischen Ziegen arbeiten billig.

Albert:

Und währenddessen reisen die Glücklichen weiter nach Lissabon – und die anderen warten in Casablanca.

Bea:

Ich brauche eine Schubkarre für meine halbe Zimtschnecke. Es ist großzügig, das eine Schnecke zu nennen, sie ist so groß wie ein Sitzsack. Soll ich mich hineinsetzen oder sie essen? Hey, ich kann mich hineinsetzen und sie essen.

Albert:

Du bist wie eine Schubkarre. Du kommst nie irgendwohin, wenn dich keiner schiebt.

Bea:

Wenn wir diesen Deal abschließen, will ich mit einer Frau Liebe machen, Schubkarren-Position.

Albert:

Wir machen die Schubkarre, die Arabian Goggles, die Lone-some Dove, den Arsenio Hall, das Jelly Donut, das Pastrami-Sandwich, den Wolfgang Puck. Und lass dir sagen, kein Mann hat so viel Hunger.

Bea:

Du wirst blind, dein Körper wird zu Wachs, sie werden dich in eine Schubkarre setzen, und wenn du um Hilfe schreist, klingst du wie ein Waschbär.

Albert:

Es gibt viele Arten zu trauern, aber Schubkarren-Stil gehört nicht dazu.

Bea:

Hände in die Luft? Wie sollen wir die Hände in die Luft strecken und eine Schubkarre schieben?

Albert:

Ich meine, wenn wir nur eine Schubkarre hätten, wäre das schon etwas. Wo haben wir die Schubkarre gelassen, die der Albino hatte?

Bea:

Mama, Papa fährt mich in der Schubkarre, aber er weiß nicht, wie man fährt. Wir lachen wie verrückt. Wir führen. Wie viele Punkte haben wir heute?

Albert:

Wenn die alte Feierabendpfeife ertönt, gönne ich mir selbst eine Fahrt nach Hause in meiner alten Schubkarre.

Bea:

Zuerst schaufeln sie die Energie in einen großen Haufen und legen sie in Schubkarren, und dann rollen sie sie zu den Transformatoren.

Albert:

Sie benutzten Spitzhacke und Schaufel, um die Erde auszuheben. Ein Teil der Erde wurde mit Schubkarren abtransportiert, und ein Großteil mit von Pferden oder Ponys gezogenen Wagen.

Bea:

Oh, was wird er diesmal zurückbringen? Schubkarren? Gartenstatuen? Tonnen Erde? Gott helfe uns.

Albert:

One-Round, draußen steht eine Schubkarre, könntest du sie holen? Der Major muss seinen Zug erreichen.

Bea:

Niemand hat je im Musikgeschäft gearbeitet, ohne in den Arsch getreten zu werden. Wenn doch, steht er irgendwo auf der Straße und schiebt eine Schubkarre voll Beton.

Albert:

Das College ist ungefähr so hilfreich, wie eine Schubkarre voller Geld anzuzünden. Wenn du einen guten Job willst, musst du dafür arbeiten.

Bea:

Ich werde alle Schubkarren umdrehen, falls es regnet.

Albert:

Was bekommst du, wenn du acht Fuß Chrom, eine Prise Mut, eine Tasse Glück, einen Schuss Rassismus, einen Spritzer Diabetes und eine Schubkarre voll Krebs im Stadium 4 nimmst? Antwort: Eine Familie.

Bea:

Guten Abend, Wembley. Der größte Wembley-Saal, den sie haben – denn der andere hat eine Schubkarre drin.

Albert:

Du bist reich, du hast all das Eigentum. Du hast das Rennauto, ich habe die Schubkarre, und ich habe seit zwei Stunden kein Los überquert.

Bea:

Es sei denn, die Herzogin weiß, wie man die Schubkarre macht, willst du es nicht wissen.

Albert:

Der spanische Stier ist eine eigene biologische Spezies. Er unterscheidet sich von unseren Bullen so sehr, wie ein gepanzerter Wagen von einer Schubkarre.

Bea:

In diesem nüchternen Wüstenland wurden gewöhnliche Männer gezwungen, Wasser zu trinken, Männer wie die Yard Warriors. Im Dröhnen eines Motors verloren sie ihr ganzes Bier und wurden trockene Männer, verbrannte, dehydrierte Männer, Männer, die von der Gartenarbeit ihrer Vergangenheit verfolgt wurden, Männer, die mit Schubkarren hinaus in die Einöde fuhren.

Albert:

Ein Typ kommt hierher, er nennt sich Landschaftsgärtner. Er kommt mit seiner Schubkarre herein und verlangt fünfhundertfünfundsiebzig Dollar für einen Haufen Steine. Weißt du, wie ich das nenne? Ich nenne das eine Schweinerei.

Bea:

Wir haben dein Baby ausgewählt, als Nazi-Offizier verkleidet, der eine Schubkarre mit einem jüdischen Baby in einen Ofen schiebt.

Albert:

Na los, hol die Schubkarre und den Rechen.

Bea:

Wir könnten unsere Schubkarre nehmen, sie in ein kleines Boot verwandeln, hinüberfahren und sie dann wieder in eine Schubkarre zurückverwandeln.

Albert:

Der beste Teil ist, dass ich diese Uhr habe und diese wunderbare Schubkarre.

Bea:

Und weil Therapeuten keine Familien haben, kannst du sie Tag und Nacht anrufen.

Und mein Therapeut sagt, verletzte Menschen verletzen Menschen.

Albert:

Du vergisst die Grenze zwischen Therapeut und Patient.

Und mein Therapeut sagt, ich verlasse mich auf Witze, um zu normalisieren.

Bea:

Ich brauche echte Freunde. Oder einen Therapeuten.

Und du glaubst nicht an Therapie? Hilft Therapie denn überhaupt?

Albert:

Als Therapeut darf ich dir nicht sagen, was du tun sollst.

Aber als Mensch mit zwei Augen im Kopf denke ich, du solltest dich so schnell wie möglich scheiden lassen – das ist katastrophischer Mist.

Bea:

Mein Therapeut meinte, wir sollten Rollen tauschen.

Was hältst du eigentlich von meinem Therapeuten?

Albert:

Ich glaube, dein neuer Therapeut vergisst, was du beruflich machst, kleine Marienkäferin.

Und denk daran: du teilst deinen Stolz mit deinem Therapeuten, und er archiviert ihn.

Bea:

So wenige persönliche Einkäufer und Haustiertherapeuten – ein hartes Leben.

Und manchmal sind Therapeutentöchter eine Herausforderung.

Albert:

Du gehst zur Therapie, um deine Probleme zu bearbeiten, nicht um mit deinem Therapeuten zu schlafen.

Und manche Therapeuten sterben nach drei Monaten – das ist irgendwie ein Dämpfer.

Bea:

Manchmal ist Freundschaft einfach Therapie für arme Leute.

Und er sagte, ein Mensch von einer Million schaffe es, sich Körper, Geist und Herz von ihrer Sexualität zu befreien.

Albert:

Dann besorg dir einen freundlichen kleinen Therapeuten und arbeite die Feindseligkeit auf.

Und Hexen gäbe es nicht, meinte mein Therapeut. Was für eine Geldverschwendung.

Bea:

Sogar Sextherapeuten ohne Orgasmus.

Und verletzte Teenager-Mädchen? Manchmal einfach böse.

Albert:

Wir behalten das unter uns – und der Kette von Therapeuten, die dir nicht helfen werden.

Und du wirst wie ein Krimineller behandelt, niemand spricht deine Sprache.